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Zoomer-Chef Syré: “Wir sind ein Nachrichtenmedium”

Frank Syré | Foto [M]: Fiete Stegers

Frank Syré ist ein für Journalisten angenehmer Interview-Partner: Eine ruhige Stimme, nicht allzu viel Ähs, und Antworten in ganzen Sätzen, die meistens mit “Wir” beginnen. Mit “Wir” ist Zoomer gemeint, dessen Chefredakteur Syré ist. “Wir sind ein Nachrichtenmedium” sagt er etwa zum redaktionellen Selbstverständnis. Was Syré sonst noch über Zoomer, seine Nutzer, Infografiken und Spiele zu sagen hat – in unserem Videointerview erfahren Sie es.
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Global Voices: Stimmungsbericht aus Budapest

Jan Becker berichtet bei tagesschau.de von einem internationalen Treffen von Bloggern und Bürgerjournalisten in Budapest.

Der Global-Voices-Gründer Ethan Zuckerman begrüßt herzlich und formlos, “zu dieser Mischung aus Konferenz und Familientreffen.” Zusammen mit der ehemaligen US- Auslandskorrespondentin Rebecca MacKinnon hat er vor drei Jahren im Umfeld der Universität Harvard die Webseite “Global Voices” ins Leben gerufen. “Wir sind wie eine Zeitung für Blogger, sammeln ihre Berichte, fassen zusammen, übersetzen und bündeln sie”, erklärt er den anwesenden klassischen Journalisten. Die sind einfach zu erkennen, weil sie statt Computern Notizblöcke oder Mikrofone auf dem Schoß balancieren.

Expertenbefragung des Bundestages zum Onlinejournalismus

Der Unterausschuss neue Medien des Deutschen Bundestags bat kürzlich unseren Mitstreiter Matthias Spielkamp um Stellungnahme zu einem Fragenkatalog zum Onlinejournalismus. Neben Spielkamp wurden befragt: Dr. Andreas Bittner, Mitglied des Bundesvorstands des Deutschen Journalisten-Verbands, Dr. Mercedes Bunz, Chefredakteurin Tagesspiegel.de, Dr. Alexander Görke, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin und Steffen Grimberg, Netzwerk Recherche, Medienredakteur bei der “taz”.

Die Stellungnahmen der vorgenannten Personen können jetzt auf der Website des Deutschen Bundestags als PDF abgerufen werden.

Relaunch von Handelsblatt.com: “Wir sind die Größten!”

Thomas Knüwer lästert in seinem Blog Indiskretion Ehrensache ja gerne – und vor allem für den Leser genüßlich – über die Spezies der so genannten PR-Anja-Tanjas (siehe etwa die unter “Berufskommunikator” verschlagworteten Beiträge).

Den Text von “Handelsblatt”-Chefredakteur Bernd Ziesemer zum neu gestalteten Angebot von Handelsblatt.com, “Wir stehen für Qualitätsjournalismus”, würde ich auch in dieser Straf-Rubrik einordnen. Freilich darf und soll sich ein Chefredakteur mit lobenden Worten über das neue Internet-Angebot seiner Zeitung freuen und dies auch äußern. Ziesemer weiß sich jedoch vor lauter Eigenlob überhaupt nicht mehr zu bremsen, seinen Text hätte er besser mit “Wir sind die Größten!” betiteln sollen. Mit so einem super-duper-Artikel trübt er eher den Blick auf ein solides Werk, dass zudem noch mit technischen Startproblemen zu kämpfen hat.

Nachtrag, 15.30 Uhr
Obacht, ich muss eine Warnung vor Qualitätsjournalismus ausgeben, der Begriff wird dieser Tage offenbar inflationär gebraucht: allein Ziesemer spricht in seinem o.g. Artikel drei mal von Qualitätsjournalismus und zwei mal von der Qualitätszeitung. Aber wir wollen auch hier den Proporz wahren und schauen zu den Öffentlich-Rechtlichen: Das ZDF lobte sich in einer eben veröffentlichten Pressemitteilung für seine EM-Berichterstattung: “Qualitäts-Journalismus und beste Unterhaltung unter dem “Tosca”-Auge”, heißt es in der Überschrift. “Das große Auge aus der
Opernkulisse der Tosca-Aufführung ist in diesem Sommer zum Symbol für journalistische Qualität und die Leichtigkeit bester Fernsehunterhaltung geworden”, sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.

Wer jetzt Appetit bekommen hat und selbst zu den Größten aufsteigen möchte, für den habe ich auch noch was: Zum Qualitätsjournalisten MA (Master of Arts) kann man nämlich jetzt schon in vier berufsbegleitenden Semestern werden und man braucht nicht mal unbedingt journalistische Erfahrung dafür haben: “Das Internationale Journalismus Zentrum (im österreichischen Krems, T.M.) bietet ab 2008 sein etabliertes Master-Programm “Qualitätsjournalismus“ erstmals auch in Deutschland (Hagen) an.” Liebe Leute, backt doch alle ein bisschen kleinere Brötchen!

Neulich bei Welt Online

Gleich zwei häufige Merkmale von Welt Online weist dieser Artikel auf: Es geht um ein Buch über die Kulturgeschichte der deutschen Küche – angeteasert wird es mit einer spärlich bekleideten Frau, die sich vermeintlich lasziv ein Schokoteilchen ins Maul schiebt.

In den Nutzer-Kommentaren wird auch erwartungsgemäß der Niedergang der deutschen Sitten beklagt. Nutzer “Embonpoint” äußert dazu eine Meinung, die sich auch etliche andere Meinungsäußerungen bei Welt Online anwenden ließe (auch wenn in diesem speziellen Fall eigentlich ansonsten einigermaßen Niveau herrscht):

@alle
Was für ein irres Privatgejammer, das mit dem Artikel und dem Buch nichts zu tun hat!

In der Kommentarküche hier gibt es eigentlich immer nur Kotzbrockensuppe mit übergelaufener Galle

Christoph Dowe zu Zeit Online

Nach sieben Jahren als Geschäftsführer von politik-digital wechselt Christoph Dowe (Xing-Profil) zum 1. Juli nach Hamburg: Er wird geschäftsführender Redakteur in Wolfgang Blaus Truppe bei Zeit Online.

Journalistenpreise online recherchieren

Bülend Ürük weist per Mail darauf hin, dass er und Mitstreiter eine Website mit einer Übersicht über verschiedene deutschsprachige Journalistenpreise erstellt haben: Eingetragen sind derzeit 159 Wettbewerbe. Informationen zu Journalistenpreise sammeln zwar auch das Medienmagazin Insight und hier und da andere Websites. Keiner konnte aber bisher wirklich komfortable Suchfunktionen und Vollständigkeit für sich in Anspruch nehmen. Abwarten, wie Journalistenpreise.de sich jetzt entwickelt.

Reportagen-Themen: Sie sind da draußen, stupid!

Sie suchen ein mögliches Thema für eine Reportage, haben “Reportage Themen” bei Google eingegeben und sind deshalb bei onlinejournalismus.de gelandet? Da sind Sie nicht der erste, wie unsere Abruf-Statisken zeigen. Trotzdem sind Sie hier ziemlich falsch. Besonders, wenn Sie Ihre Reportage schreiben, weil Sie sich damit für eine Journalistenschule oder ein Volontariat bewerben wollen.

Gehen Sie vor die Tür! Am Schreibtisch sollten Sie erst ganz am Ende sitzen, wenn Sie aufschreiben, was sie gesehen, gehört, geschmeckt, gefühlt, erfahren haben. Das sagen Ihnen jeder erfahrenere Kollege, sämtliche Lehrbücher und sogar Wikipedia.

Natürlich können Sie im Internet Anregungen für mögliche Reportage-Themen, -Schauplätze oder -Aspekte suchen. Die finden Sie aber bei einem Streifzug durch die Welt da draußen auch – möglicherweise viel einfacher; und vor allem solche, die nicht schon von tausend anderen Kollegen beackert wurden.

Was Sie hier finden: Hinweise zur Umsetzung von Reportagen im Medium Internet. Und das bietet eine ganze Menge – von Audio-Bildergalerie (Soundslides) über den Text mit Video-Ergänzungen bis zum vollen Multimedia-Paket (Hinweise in auch unseren Kategorien Beispielhaft und Multimedia). Der Onlinejournalismus lässt viel Raum für Experiment, Kreativität, neue Formen des Storytellings. Vieles davon ist auch schon mit einfachen Mitteln umsetzbar – wenn man nur will. Aber bevor Sie sich hier festklicken: Rausgehen und eine Geschichte mitbringen.

Weitere Links
… im Internet

  • Reporter-Forum. Netzwerk zur Förderung der Reportage durch Erfahrungsaustausch, Workshops etc.
  • Wie finde ich ein Thema? Oftmals kommt nicht der Reporter zum Thema, sondern das Thema zum Reporter, meint Henning Sußebach (Die Zeit).

“Einen Link, einen Link! Ein Königreich für einen Link!”

Wenn William Shakespeare Online-Journalist wäre, würde er König Richard III. den in der Überschrift genannten Satz rufen lassen, sagt Burkhard “Burks” Schröder in seinem Telepolis-Beitrag: “Project Xanadu, reloaded – Was ist und zu welchem Ende betreiben wir Online-Journalismus? Wie setzt man Links, warum und wohin?”. Ausführlich, mit fast 150 Links ausgestattet, plädiert Schröder für den häufigen und mitunter radikalen Gebrauch von Hyperlinks im Onlinejournalismus, so rät er: “Auch Websites mit strafrechtlich relevanten oder nicht “jugendfreien” Inhalten können und sollen verlinkt werden.”

Schröder “vertritt eine zensurfeindliche Position und befürwortet auch Links zu Websites, mit dessen Inhalt der Verlinkende politisch oder moralisch nicht einverstanden ist”, heißt es in seinem Wikipedia-Eintrag. Insbesondere Burks’ “Informationsportal Rassismus & Antisemitismus” sorgt bei Journalisten-Seminaren immer wieder für Diskussionsstoff und war auch schon Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens gegen Schröder (huhu Burks, der Link zum Ermittlungsverfahren funktioniert nicht).

Wie gehen Hauptstadtjournalisten mit Spiegel Online, SMS und Merkels Videoansprachen um?

Wie sich die Zeiten ändern: In der letzte Woche veröffentlichten Studie von Netzwerk Recherche, für die Autoren Leif Kramp und Stephan Weichert Experteninterviews mit 33 Journalisten, Pressesprechern und Kommunikationsberatern im Berliner Politikbetrieb geführt haben (Studie als PDF, 636 KB, 86 Seiten), finden sich einige interessanten Aussagen, die grob unserer Themenfeld betreffen.
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