Klick, du bist ein User (Glosse)

Endlich gibt es eine neue Währung für das Internet: den Unique User. Erfunden von der AGOF, künftig in jeder Mediaanalyse zu finden. Als ob es mit Visits, PI, Nielsens Verweildauer und anderen Messsystemen nicht schon genügend Einheiten gibt. Welches Zählwerkzeug (IVW-Pixel, Google Analytics, eTracker) auch immer verwendet wird. Die Folge der Klickzähler, egal nach welchem Kriterium sie nun auch arbeiten, sind ewig lange Bilderstrecken, verschachtelte Navigationen und – ja und was? Mehr Inhalte, mehr Qualität? Dieser Meinung kann man sein, muss man aber nicht.

Denn die Klicks sind die Währung im Netz, nach denen sich die Anzeigenpreise richten. 76,10 Euro pro Kopf wurden 2007 in Deutschland für Online-Werbung gezahlt. Folglich wollen die Werbeagenturen jetzt auch wissen, wen sie eigentlich bewerben. Grund genug für die Werbewirtschaft, den einzelnen Nutzer – eben den Unique User – ins Visier zu nehmen.

Der ist im Netz ja relativ einfach herauszufischen. Zumindest bis auf die IP-Adresse des Unternehmens, in dem der Rechner steht (und mit den neuen Schnüffelgesetzen sogar noch genauer). Mit dem, was alles auf einer Seite geklickt worden ist, von wo er kam und wohin er ging lässt sich schon ein feines Bild stricken. Und kann man einen Wiederkehrer identizifieren, dann hat man ihn. Personalisierte Werbung ist das Stichwort. Wobei mal ehrlich? Wer hat denn schon einmal auf eine Anzeige geklickt? Und wer hat im Firefox das AdBlock-Plugin nicht? Wohl nur wenige.

Aber auf jeden Fall hat es Auswirkungen auf den Journalismus. Die meistgeklickten Themen stehen im sichtbaren, werbebepflasterten Bereich, die Perlen nicht immer. Sinnlose Spielchen werden aufgeblasen, “Testen Sie ihr Wissen”-PI-Generatoren angeworfen. Keine tolle Veränderung. Aber es gibt nicht nur schlechte Folgen wie etwa die Bilderstrecke der 200 totesten Schauspieler. Sondern auch gute, paradoxerweise zum Beispiel auch in Form von Bilderstrecken. Denn manchmal verdeutlichen sie Vorgänge in der Tat besser als schnöder Text. Das hat dann seinen Sinn. Non-Lineares erzählen, verteidigen auch die Macher unter anderem von Spiegel online im aktuellen “Journalist”, sei eben die Stärke des Webs. Wenn dabei Nutzerdaten anfallen, ist das ja auch nützlich.

Wir werden wohl neues Rechnen lernen müssen. Aber eine Frage bleibt offen? Wer erkennt eigentlich die Nutzer der Printwerbung, der Plakate und der TV-Werbung? Vielleicht sollten wir alle einen RFID-Chip dafür bekommen.

Man weiß ja nie.

Update:

  • Quelle für die Berechnung der pro Kopf bezahlten Anzeigen (76,10 Euro): hier
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