“Journalistische Wettbewerbsverzerrung” durch SEO?

Von Thomas Mrazek am 12. Juni 2008

Einer der Workshops beim Jahrestreffen des Netzwerk Recherche (13./14.06.08 in Hamburg) heißt “Suchmaschinenoptimierung als journalistischer Erfolgsfaktor”, referieren wird über diese Thema Peter Schink, Leiter Produktentwicklung Online bei Welt Online. Eben jenes Medium wird heute bei Horizont.net wegen seiner redaktionellen Suchmaschinenoptimierung (SEO) kritisiert. Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs sagt: “Der irrsinnig hohe Nutzeranteil von rund 50 Prozent, den allen Informationen nach Welt.de via Google und Google News erzielt, zeigt, was auf diesem Sektor technisch so alles möglich ist”.

Weiter heißt es in dem Text “Experten schätzen den Anteil des Traffics, den einzelne Nachrichtenseiten über Google und Co generieren, auf 15 bis über 50 Prozent.” Jakobs fordere “eine Konvention über statthafte und unstatthafte Maßnahmen” beim SEO. Zuvor sollten “alle Tricks, gegebenenfalls auch Manipulationen, öffentlich gemacht werden”, denn bei “exzessiver SEO” handele es sich um “journalistische Wettbewerbsverzerrung”.

Dazu würden mich brennend die Meinungen unserer fachkundigen Besucher - jenseits vom anonymen “Das macht doch jeder …” - interessieren.

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10 Antworten zu ““Journalistische Wettbewerbsverzerrung” durch SEO?”

  1. Fiete Stegers sagt:

    Ich bin für ein Verbot von Fernsehzeitschriften, Trailern und Crosspromotion. Das verzerrt nur die Einschaltquote.

    Sind eigentlich auch ARD und ZDF an SEO schuld?

  2. dogfood sagt:

    Hmmm. Merkwürdig das sich mit HJ Jakobs ausgerechnet jemand meldet, dessen CMS anscheinend nur schwer umzubauen ist (Suchfunktion anyone? Wielange hat es gedauert die endlich umzubauen?).

    Klar, die SZ baut nur der Fairness wegen keine suchmaschinenfreundlichen URLs.

    Ganz ehrlich: so wie sich die SZ Online unter Jakobs darstellt, klingt es nur weinerlich.

  3. Igor sagt:

    die welt benutzt nun mal ein cms, das von haus aus saubere urls liefert. dann noch ein bisschen tunen mit http://drupalmodules.com/module/seo-checklist und fertig ist der lack. das ist keine geheimwissenschaft oder unlauter. ekelig wird es erst, wenn man bewusst überschriften oder teaser wählt, die “ankommen”. aber deswegen lese ich ja spon auch nicht mehr,

  4. XiongShui sagt:

    Ist es denn nicht so, daß deshalb Journalisten in Redaktionen sitzen, damit sie Meldungen sichten und werten und das man das eben (noch) nicht “tanjaanjas” oder Robotern überlässt? Also ist es doch Aufgabe des Jouranlisten, die Nachrichtenflut zu “entzerren”?

    Ich kann mich erinnern, daß in den Zeiten, als ich noch auf so einer vorsintflutlichen schwarzen “Ideal” (Schreibmaschine, manuell, sieht man gelegentlich in alten Filmen) herumgehackt habe, jeden Morgen ein riesiger Haufen PR- Texte (damals hießen die noch nicht so) zu sichten war.

    Das Medium hat sich geändert, doch der Anfall von redundanten und “leeren” Informationen nicht…

  5. eric sagt:

    Erstens sind 50 % SEO-Traffic gar nicht soooo absurd hoch. Ich kenne (unter großen, redaktionellen Webportalen) welche mit 60 %. Und ich weiß auch nicht, was daran wettbewerbsverzerrend sein soll: Denn meiner Erfahrung nach, kann man diesen Google-Traffic nur dann in echte Leser drehen, wenn man auch gute Inhalte hat. Mit SEO werden diese halt auch gefunden.
    Und ich verstehe auch nicht, wie sich jemand über SEO aufregen kann, der wochenlang jeden Morgen am Münchner Bahnhof seine Zeitungen verschenkt. Das macht er doch auch, um bisherige Nicht-Leser von dem eigenen Produkt zu überzeugen. Wenn ihnen dann nicht gefällt, was sie da sehen, schmeißen sie es weg. Das ist bei SEO genauso…
    grüße
    eric

  6. Michael Schwarz sagt:

    Was die SZ in Bezug auf SEO abliefert ist einfach nur ein Trauerspiel. Die eigene schlechte Suchmaschinen(un)optimierung als Maßstab für andere Zeitungen heranziehen zu wollen ist mehr als dreist.

    In meinem Blog habe ich mal einen kleinen SEO-Vergleich zwischen welt.de und sueddeutsche.de gezogen.

  7. TechDivision sagt:

    Das ist aber jemand sehr frustriert. Anstatt zu Jammern und dann die PR-Keule herauszuholen, wäre es an Herrn Jakobs Stelle zielführender, erstmal seine eigenen Hausaufgaben zu machen… Da mir bei dem Thema einfach “der Kamm geschwollen ist”, habe ich selber darüber gebloggt: http://blog.techdivision.com/w.....aben-wird/

  8. Johannes sagt:

    Gerade Onlineangebote von großen Zeitungen/Zeitschriften haben noch einige “Leichen” im Keller, die neben den offensichtlichen Fehlern in der korrekten HTML-Umsetzung (sehe ich nicht unbeding als SEO, sondern eher als korrektes Webdesign) für die Zukunft noch einiges an Problemen bereiten können: http://www.sistrix.de/news/730.....-seos.html

  9. Jan sagt:

    Man mag sich darüber streiten, ob 50 und mehr Prozent Suchmaschinen Traffic wirklich gut ist, was eigentlich zählt ist der neugewonnene, wiederkehrende User. Somit ist der direkte Traffic immer noch der wertvollste.
    Was Verlagshäuser nur gerne vergessen ist: Usability und Qualität sind online noch viel wichtiger als im Printgeschäft. Es geht nicht darum dem Nutzer so viele Inhalte wie möglich zur Verfügung zu stellen, sondern darum ihm Qualitativ das zu bieten, was ihn interessiert und das jeden Tag aufs neue. Wenn dann noch neue User über Suchmaschinen generiert werden können ist eigentlich erst der Standard dessen was Internet heisst ereicht. Aber ist das schon SEO?

  10. Michael Gisiger sagt:

    Was, bitte, soll denn “journalistische Wettbewerbsverzerrung” sein?! Ich kann eigentlich nur meinem Vorredner Jan zustimmen - statt jammern sollten viele Holzmedien endlich ihre Hausaufgaben machen. Aber solange die Mehrheit der Print-Mogule der Meinung ist, dass z.B. Google News Inhalte klaut, wird sich nicht viel ändern…

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