Newsgaming: Aus Spiel mach Ernst


Julian Kücklich über Newsgaming | Screenshots/[M]: ojour
“In Second Life hält sich ja bekanntlich niemand mehr auf”, bekräftigte Medienforscher Julian Kücklich lapidar den allgemeinen Abgesang auf den einstigen Medien-Hype. Warum und er und andere sich aber dennoch Gedanken über “Newsgaming” – den Einsatz von Computerspiel-Elementen für den Journalismus machen, erläuterte er auf dem Medienforum NRW.

Kücklich ist als “Media Futures Associate” wissenschaftlicher Berater der britischen Nachrichtenagentur Press Association und dort für den Blick in die Kristallkugel zuständig, was die Entwicklung des Journalismus und den Einsatz neuer Technologien angeht. In seinem Vortrag auf dem Medienforum in Köln stellte er drei Hauptfelder vor, auf denen sich klassische Nachrichtenmedien und Computerspiele sich seiner Meinung nach gewinnbringend annähern können:

  • Social-News-Plattformen , bei denen User Nachrichten bewerten können

Kücklich über “Knewsroom” als Beispiel für spielerische Aspekte Social-News-Websites

  • Newsgames – vom einfachen Nachrichten-Quiz bis zu “Serious Games”, die für die User Aspekte von Nachrichtenthemen erlebbar machen.

Kücklich über das Spiel “September 12th”:

  • den Einsatz von (grafischer) Computerspiel-Software zur Darstellung und Simulation von Ereignissen – vom Flug über eine Katastrophenregion mittels Flug-Simulator-Engine über 3-D-animierte Innenräume bis zur Was-wäre-wenn-Szenarien

Letzere könnten sich sogar bis zu eher Vorhersage von Nachrichtenentwicklungen entwickeln, dem Blick auf die Nachrichten von Morgen. Kücklich: “Bei World of Warcraft gab es etwa kürzlich eine Seuche, deren Verbreitungsmuster in der virtuellen Welt sehr realistisch waren.”

“Wir werden in Zukunft nicht mehr über Spielentwicklung (und seine Anwendung für den Journalismus) diskutieren, sondern einfach über Multimedia“, erwartete in der anschließenden Diskussion auf dem Medienforum Stephan Reichart, Hauptgeschäftsführer des Spielentwickler-Verbandes G.A.M.E.. Er hofft auf Aufträge für seine Mitglieder und äußerte die Hoffnung, ARD und ZDF könnten informative Spiele produzieren lassen, um so Kinder und Jugendliche zu informieren.

Jörg Sadrozinski, Redaktionsleiter von tagesschau.de, zeigte sich neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen, verwies aber hier auf mögliche rechtliche Beschränkungen durch den Rundfunkänderungsstaatsvertrag – und auf die hohen Entwicklungskosten aufwändiger Spiele-Produktionen.

“Es muss ja nicht wie etwa Grand Theft Auto das Äquivalent zu einem Hollywoodblockbuster sein. Einfache Newsspiele sind mit kleinem Budget zu verwirklichen – so wie zum Beispiel die Applikationen bei Facebook“, meinte Kücklich dazu. Das entspräche dann einem nur mit einem Kamera- und einem Ton-Mann produzierten Fernsehbeitrag.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.


O-Ton Frank Syré, 0’27

Auch Zoomer-Chef-Redakteur setzte auf die Möglichkeit, mit kleinen Schritten anzufragen: “Wir können beispielsweise nur bestimmte ausgewählte Teile von großen Engines für unsere Zwecke nutzen.”


Kücklich rät Redaktionen, mit Newsgames zu experimentieren

In der Realität sieht man das allerdings noch nicht: Bei deutschen Medien wird zwar häufiger die Darstellungsform Quiz eingesetzt – die von Kücklich in seinem Vortrag genannten aufwändigeren Beispiele stammten aber sämtlich aus den USA, so etwa das für Amnesty International entwickelte Pictures For Truth, “September 12th” oder “Point of Entry”. Auch Journalismus-Forscher entdecken das Thema: So wird an der Universität Berkeley in dem Projekt “7th Street” versucht, ein verschwundenes Jazz-Viertel zum Leben entwickelt.

Insgesamt stecke Newsgaming aber noch in den Kinderschuhen – und in Deutschland ganz besonders, meinte selbst Kücklich abschließend.

Screenshots von FR-Online
Glücksspiel und Zerstörung: Eher keine fruchtbare Verbindung von Games und Journalismus, die hier die FR in ihrem Internetangebot anpreist

Weiter Links
… im Internet:

  • Facebook
  • Twitter
  • StumbleUpon
  • Diigo