Archiv für Juli 2008

Nonlineare Aufbereitung beim ZDF

Von Fiete Stegers am 29. Juli 2008

Für Fernsehleute ist da ja eine ganz andere Art des Zugriffs: heute.de lässt zum Thema Milchstreit einen Milchbauer, einen Molkereivertreter und eine Verbraucherschützerin zu Wort kommen - im Video. Allerdings nicht in Form linearer Interviews - stattdessen sind die Statements der drei zu den einzelnen Themen gesplittet in einer Matrix angeordnet, die den Nutzern den Zugriff nach Themen oder Personen ermöglicht. So können die Nutzer selbst entscheiden, was sie von wem hören möchten und die Statements miteinander vergleichen.

Einziger Nachteil: Man muss man immer zuerst eine Person auswählen, andersherum funktioniert es nicht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es sich bei der Aufbereitung um ein vom ZDF auch an anderer Stelle eingesetztes Flash-Tool handelt.

Angriff auf den Platzhirsch

Von Gastautor(in) am 29. Juli 2008

Screenshots Wall Street Journal und New York Times | [M]: ojour.de

Wie das “Wall Street Journal” die “New York Times” online bedrängt.

Von Michael Soukup

Weiterlesen »

Bild.com & die unabhängigen Mediendienste

Von Thomas Mrazek am 25. Juli 2008

“Gute Neuigkeiten für englischsprachige Olympiabegeisterte und Klatschsüchtige: Der Berliner Boulevardgigant Bild (Axel Springer AG) hat einen internationalen Ableger seines Online-Portals gestartet”, das meldet nicht etwa die Presseabteilung des Springer Verlags, sondern der Mediendienst “text intern”. Es sei nur ein zeitlich begrenzter Markttest, dämpft der Mediendienst die Freude. (”Mehr hierzu lesen Sie am Freitag in text intern (Nr. 60). Ein Ansichtsexemplar erhalten Sie hier kostenlos.” - Funktioniert bestimmt hervorragend diese crossmediale Werbung, gähn.)

Zu sehen gibt es das Angebot unter Bild.com (schade, Bildblog.com ist leider offenbar in der Hand eines Domain-Händlers). Ach, wenn wir schon bei der “Bild” und dem Internet sind: “Barbara Eligmann bloggt für “Bild der Frau”. Die Sat.1-Moderatorin erzählt von ihrem Leben als Powerfrau im Fernsehen und Powermutti von drei Kindern”, das meldet nicht etwa die Presseabteilung des Springer Verlags, sondern der Mediendienst Turi2. Freilich ohne den “abtörnenden” Hinweis, dass der Springer Verlag ein “Premium-Werbepartner” von Turi2 ist, aber wir wollen hier selbstverständlich nix unterstellen, Herr Turi hat uns hier ja schon deutlich und glaubhaft erklärt, dass er strikt für die Trennung von Redaktion und Anzeigen eintritt.

Nachtrag
Ein Kollege wies mich eben darauf hin, dass es schon zur Fußballeuropameisterschaft ein englischsprachiges Angebot von Bild.de gab.

Klick - Neid - Klick

Von Frank Miener am 24. Juli 2008

Wie stellt man 170 Berufe und deren Einkommen, geliefert von Destatis, dar? Als Tabelle? Ist unübersichtlich, aber wenigstens auf einen Blick zu erfassen. Im Netz bedeutet das aber ja nur einen Aufruf für die Seite. Was also tun bei der PI-heischenden äh journalistischen Präsentation dieser Ergebnisse?

Welt online ist dabei recht kreativ geworden. Sie haben hier die Ergebnisse in eine Fotogalerie gepackt. Clever, kann man dazu nur sagen.

welt

Denn hier spielt man mit dem Neid der Leute. Ich muss wissen, was mein Nachbar verdient. Mal abgesehen davon, dass es eine deutsche Unart ist, nicht übers Gehalt zu reden, kann man auch ganz gut über “die da oben” lästern. Mithin ist ein solches Ranking immer wieder gern genommen.

Dabei 170 Klicks zu generieren, um diesen Neid zu füttern, ist allerdings dreist. Das ist jedenfalls kein non-lineares Erzählen, kein Journalismus.

Das ist schlicht und ergreifend Klick-Grabbing.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de:

Wo ist das Publikum hin?

Von Fiete Stegers am 21. Juli 2008

Im Netz natürlich, mit weiter wachsendem Anteil jedenfalls. Allensbach hat den Wandel im Mediennutzungsverhalten untersucht, FAZ-”Netzökonom” Holger Schmidt fasst zusammen. Er weist noch einmal auf “The State of News Media 2008″ hin, wo geschlussfolgert wird:

Mehr und mehr kommt zum Vorschein, dass das größte Problem für die traditionellen Medien nichts damit zu tun hat, wo sich die Menschen ihre Nachrichten herholen. Die immer bedrohlicher werdende Realität ist, dass die Werbung nicht so schnell ins Internet wandert wie die Konsumenten. Die Krise des Journalismus ist nicht der Verlust des Publikums. Es ist das Ende der Verbindung zwischen Nachrichten und Werbung

Passend dazu auch ein aus unserem del.icio.us-Angebot gefischter Artikel der österreichischen Presse, der von einem “blutigen Sommer” in der US-Zeitungslandschaft angesichts wegbrechender Erlöse spricht und die Antwort in Investitionen in Online sieht.

Gefunden bei Stefan Niggemeier, der angesichts der Allensbach-Daten zur Zeitungsnutzung bei jungen Menschen fragt:

Ob die Menschen, die gerne behaupten, dass noch nie ein Medium ein anderes ersetzt habe, diese Zahlen kennen?

In der Tat: Auch wenn es sicher einen Wandel bei der Art und Bedeutung der Nutzung von Medien gibt: Ich frage mich immer, warum Verlagsverantwortliche davon ausgehen, dass jemand, der nie selbst eine Zeitung gekauft hat oder es sogar nicht einmal in seinem Elternhaus mitbekommen hat, mit 30 auf einmal eine Regionalzeitung abonnieren soll? Oder was Programmverantwortliche so optimistisch macht, das jemand, der oder die heute mit DVDs, RTL und Pro7 aufwächst, in 20 Jahren auf einmal die dritten Programme der ARD für sich entdeckt?

In diesem Sommer habe selbst ich als passionierter Zeitungsleser erstmals darauf verzichtet, mir für Wucherpreise eine Auslandsausgabe für den Strand zu kaufen. Für den Liegestuhl das Taschenbuch, für Infos das Netz.

Deutsche Blogger usw.

Von Fiete Stegers am 21. Juli 2008

Jetzt haben die Kollegen von SpOn den Blog-Artikel aus der Printausgabe online gestellt (”Die Beta-Blogger”):

Egal, was man über Blogger schreibt, hinterher wird man von ihnen doch nur verdroschen, weil man nix verstanden oder mit den falschen Leuten gesprochen hat. Ist ein bisschen so, als würde man sich einer Sekte nähern, die in internen Grabenkämpfen versunken ist.

Wer also noch möchte …

Viel Ballyhoo: Yahoo-Dossier bei Meedia

Von Thomas Mrazek am 21. Juli 2008

Seit einer Woche ist Meedia, “Deutschlands neues Medien-Portal”, am Start. In einem ausführlichen Dossier widmet sich die in Hamburg ansässige Redaktion heute dem Kampf um Yahoo. Das Dossier, Meedia nennt es ein “Special”, hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck.

Weiterlesen »

Interactive Narratives ist wieder da

Von Fiete Stegers am 20. Juli 2008

Während die langjährige Pflichtlektüre für Online-Journalisten, das Online Journalism Review, seinen Betrieb kürzlich eingestellt hat, ist die Website Interactive Narratives nach längerer Relaunch-Pause wieder da: Sie sammelt Links auf Multimedia-Features (”packages” im US-Jargon) - ideal, wenn man auf der Suche nach gelungenen Beispielen ist, aber kaum Zeit hat, selbst diverse Online-Medien danach zu scannen. Nun gibt es auch einen RSS-Feed für die Seite, um Neuzugänge im Auge zu behalten.

Die Seite ist nach dem Relaunch mit einigen Web-2.0-gemäßen Sortier- und Bewertungsfunktionen ausgestattet, dort tut sich aber im Moment noch nicht sehr viel.

Gefallen hat mir zum Beispiel das “After the Destruction” von Travis Fox. Der Multimedia-Pionier der Washington Post ist zwei Jahre nach Hurrican Katrina nach New Orleans zurückgekehrt und hat dort Menschen wiedergetroffen, die er damals interviewte. Außerdem gibt es einige schöne Panoramabilder, bei denen jeweils zwei Aufnahmen des gleichen Ortes einander gegenübergestellt werden. Ansonsten arbeitet Fox mit Elementen, wie sie derzeit typisch für Multimedia-Features sind: Menschen selbst im O-Ton erzählen lassen, Kombinationen von Stills und Bewegtbild, keine Erzähler - oder aber gleich als Reporter selbst die eigene Arbeit und die Erfahrungen vor Ort thematisieren.

Ähnlich ist es bei Hank Wilson, der - ausgestattet mit einem Stipendium - die Story “Keinen Verpfeifen - keine Verdächtigen” produziert hat. Dabei geht es um ein Viertel, in dem viele Morde geschehen, aber kaum jemand etwas gesehen haben will. Wilson lässt die Bewohner in vielen kurzen Standbild-/O-Ton-Bewegtbild-Einspielern zur Wort kommen.

Und es gibt noch mehr zu entdecken - oder selbst bei Interactive Narratives vorzustellen. Der Anteil deutscher Beispiele ist dort erwartungsgemäß weiter äußerst gering.

Interactive Narratives erscheint unter dem Dach der Online News Association.

Weitere Link
s
… bei onlinejournalismus.de

Netzeitung vor dem Aus?

Von Frank Miener am 6. Juli 2008

Die Spatzen pfeifen es schon länger von den Dächern, nun verdichten sich anscheinend die Zeichen, dass die Netzeitung vor dem Aus steht. Zumindest, wenn man heise.de hier Glauben schenkt. Die Originalmeldung hat Welt online hier verbreitet.

Der Grund ist dabei mit Sicherheit aber nicht, dass reiner Onlinejournalismus nicht funktioniert - das digitale Blatt hält sich immerhin seit 2000 ohne Printausgabe.

Der Grund ist hier vielmehr in der Eigentümerstruktur zu suchen, denn die BV Deutsche Zeitungsholding (Link bei wikipedia.de) von David Montgomery ist seit kurzem der Eigner. Und genau wie beim Print-Flaggschiff der Gruppe, der Berliner Zeitung, scheint sich hier zu bewahrheiten, dass es nur um die Rendite geht.

Allein: Die Lage für die Netzeitung hat sich durch die großen Relaunches z.B. von Welt, Süddeutscher und vieler anderer Portale verändert. Die Pionierleistung des Blattes ist Webstandard, und zuletzt hinkte sie hinterher. Man schweifte ab (z.B. hier), war wenig beachtet. Der letzte Relaunch verunglückte (hier, hier und hier).

Das soll kein Nachruf sein, denn die Redakteure leisten noch immer gute Arbeit. Doch wenn ein Investor am Ruder ist, heißt es leider immer häufiger - das Flaggschiff retten, alle anderen über Bord.

Das wäre schade.

Typologie der Audio-Slideshow

Von Matthias Eberl am 3. Juli 2008

Titelbild

Im folgenden Aufsatz werde ich verschiedene Formen der Audio-Slideshow unterscheiden. Dabei werde ich nicht nach verwendeten Formaten gliedern, wie es ewa Fabian Schweyher in seiner Diplomarbeit zur Audio-Slideshow versucht hat. Sondern ich möchte die möglichen Formen der Audio-Slideshow nach ihrer Vermittlungsform kategorisieren. Grundlage sind die verschiedenen Arten des Erzählers, die der französische Literaturwissenschaftler Gérard Genette in seinem Werk “Die Erzählung” unterscheidet. Daraus ergeben sich auch Erkenntnisse für die praktische Umsetzung einer Audio-Slideshow.

Weiterlesen »