Deutsche Blogger usw.
Von Fiete Stegers am 21. Juli 2008Jetzt haben die Kollegen von SpOn den Blog-Artikel aus der Printausgabe online gestellt (”Die Beta-Blogger”):
Egal, was man über Blogger schreibt, hinterher wird man von ihnen doch nur verdroschen, weil man nix verstanden oder mit den falschen Leuten gesprochen hat. Ist ein bisschen so, als würde man sich einer Sekte nähern, die in internen Grabenkämpfen versunken ist.
Wer also noch möchte …
22. Juli 2008 um 06:29
Ich denke, der wesentliche Unterschied zwischen US- Blogs und unseren, findet in diesem Satz seinen Ausdruck: “It shows your commitment and love for sharing, looking at what you’ve contributed so far to the net community.” Ich fand diesen Satz in einem Kommentar zum 100sten Blogbeitrag eines Bloggers (Evelyn Lim; http://urlzip.de/8ew), den ich sehr schätze.
Das Netz als weltweite Gemeinschaft (”the net community”) zu sehen, ist eine Denkweise, die bei uns noch lange nicht ankommen wird. Doch genau daran hapert die Relevanz. Solange wir nicht begreifen, daß das Schachteldenken, bezogen auf die Welt keine Chance hat, werden wir auch nicht allzuviel Relevanz erlangen. Das betrifft auch Blogs, die ausschließlich in der deutschen Sprache geschrieben werden. Denn die Sprache stellt im Web2,0 keine Barriere mehr dar. Es findet sich immer jemand zum Übersetzen.
Was wirklich fehlt, ist eine Kultur des Begreifens dessen, daß die Menschheit im Grunde eine Familie ist und die Herausforderungen der Zukunft auch nur im Sinne des oben zitierten Satzes meistern wird.
Dazu kommt noch, daß uns Deutschen wirklich eine Streitkultur fehlt. Als “Aggression” jahrzehntelang fehlgedeutetes und verteufeltes Austragen von Meinungsverschiedenheiten, hat uns entweder zu Duckmäusern oder zu tatsächlich aggressiven Pöblern werden lassen. Das ist schade, aber durch einen Lernprozess zu korrigieren, der im Grunde darin besteht, sich auf Provokationen nicht einzulassen. In jeder Provokation steckt etwas, das man ernstnehmen und thematisieren kann. Das nimmt dem Provokateur den Wind aus den Segeln und lässt ihn irgendwann begreifen, daß er mit sachlichen Argumenten weiterkommt.
Das Witzige an dieser ganzen Relevanz- Geschichte ist ja, daß jeder der eigene Akzente setzt, Themen aufgreift, gute Recherche durchführt, um dann etwas Fundiertes zu schreiben, bei der hier üblichen “Relevanzmessung” keine Chance hat.
Eine Chance bei der auf Klickraten und Verlinkungen reduzierten “Relevanz” hat nur der Autor, der sich an gängige Themen anhängt, oder Sex and Crime bietet.
Und genau das führt dann wieder zu einer Abwertung in der Kritik durch jene Journalisten, die ihre Recherche auch nur unter den oben erwähnten Relevanzkriterien betreiben - die Katze beißt sich in den Schwanz.
Entrinnen läßt sich dem Ganzen wohl nur dadurch, daß man “sein Ding” macht und sich um diese Relevanz- Aufregung nicht kümmert.