In letzter Zeit habe ich mich häufiger mal geärgert, weil mich jemand auf einen Artikel aus der FAZ oder Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung aufmerksam gemacht hatte, ich in deren Internetangebot nichts fand – oder aber nur im lediglich für Abonnenten der Print-Ausgabe zugänglichen Archiv. Wandert bei den Frankfurtern also mehr als früher in den Walled Garden, während andere Medien ihr Archiv öffentlich (und googlebar) zu machen?
“Nein”, sagt Kai N. Pritzsche, Chef von FAZ.net, zu onlinejournalismus.de. Mein Eindruck täusche: “Fast alle Texte aus der FAZ werden automatisch übernommen und sind 24 Stunden lang für alle Abonnenten frei zugänglich, Texte aus der FAS sieben Tage lang. Das machen wir seit x Jahren so.”
Zudem blieben all jene Artikel, auf die die Homepage oder eine Rubrikenstartseite des Onlineangebot explizit mit einem Teaser hinweisen, so lange für alle Nutzer frei zugänglich, wie sie in einer Themenrubrik dargestellt werden.

Der prozentuale Anteil der 1:1 übernommenen Print-Artikel lasse sich aber nur noch schwer messen, sagt Pritzsche: “Da viele Artikel vorab veröffentlicht werden, andere zwar einen Zeitungstext als Basis haben aber mehrfach aktualisiert wurden, wieder andere von Zeitungsredakteuren exklusiv fürs Netz geschrieben werden und auch ursprünglich fürs Netz geschriebene Artikel mittlerweile den Weg in die gedruckte Zeitung finden sind die Übergänge fließend.”
Auch viele Print-Redakteure sähen das Netz inzwischen als zweiten Veröffentlichungsweg, sagt Pritzsche. Dazu müssen die Zeitungskollegen nicht zwingend neben ihrem Zeitungsstück einen Extra-Text fürs Netz schreiben, oft reicht es Rechercheergebnisse oder Einschätzungen an die Online-Redaktion weiterzugeben, die diese dann in ihre Artikel einbaut. Einige Print-Redakteure verfolgen aufmerksam, was die Online-Redaktion zu ihrem Spezialgebiet veröffentlicht und melden sich wenn es Ergänzungen oder Anpassungsbedarf gibt.