Blamabel: Spiegel-TV über Twitter und die SPD
Von Fiete Stegers am 16. September 2008Dieses Video könnte ein Beispiel für inneren Meinungspluralismus beim Spiegel sein - für gute crossmediale Vernetzung und Qualitätsjournalismus ist der Beitrag keins. Möglicherweise könnte er noch für verunglückte Satire-Versuche in (politischen?) TV-Magazinen stehen. Wovon ist die Rede? Spiegel TV zieht sich in dem Beitrag an einem angeblich twitternden Müntefering hoch.

Inkriminiertes Spiegel-TV-Video: Hier beweist jemand zugleich Internet- und Visualisierungskompetenz.
Obwohl auch Autor oder Autoren klar sein muss, dass es ein Fake ist, lassen sie das nur ganz am Rande aufblitzen. Stattdessen schlägt der Beitrag einen Bogen über den tatsächlich twitternden Hubertus Heil (der anders als seinerzeit bei den Spiegel-Online-Kollegen hier mehr Zukunftsbeispiel als Spottobjekt ist) und landet wieder bei einem falschen Lafontaine, mit einem Seitenhieb auf die Pressestelle der Linkspartei, die von Twitter noch nie gehört habe.
Dazwischen Müll-Sätze wie diese, angesichts derer Bastian Sick wahrscheinlich schon mittelschwere Magenkrämpfe bekäme:
Twittern ist das (sic!) PR von heute. Hubertus Heil hatte damit angefangen. Die Genossen konnten den Parteitag der US-Demokraten mit ihm live aus Denver miterleben. Heils kurze SMS-Botschaften treffen den Nerv der Zeit. [.…] Simsen, chatten, unentwegt kommunizieren - der neueste Technik-Schnickschnack kommt bei den Sozen besonders gut an. […] Für den Nutzer Müntefering heißt das: Seine Botschaften werden notiert.
Weitere Links
bei onlinejournalismus.de:
- Zwitschern, meistens ungehört. Über die Relevanz von Twitter für Journalisten.
- “Hubertus Heil twittert aus Denver” Ein Politiker fängt an zu zwitschern.
- Suche nach mehr Beiträgen zum Thema-Twitter
im Internet:
- Auch Blogger Henning Schüring erstaunt der Beitrag: “Wieso behaupten sie, dass Hubertus Heil der erste twitternde Politiker wäre?”
- Berliner ZeitungLaut diesem Artikel vom 13.09.2008 twittert ein Mitarbeiter einer Berliner PR-Agentur in Müntes Namen - ungefragt.
- Twitters SMS-Dienst wurde zu teuer. Ben Schwan in der taz über Wachstumsprobleme bei Twitter (15.08.2008)
- Wikipedia: Micro-blogging ist mehr als Twitter.
- Torsten Kleinz Twitter, die geschlossene Gesellschaft? Erklärungsversuche
16. September 2008 um 11:06
Könntest Du noch den Screenshot der Szene dazustellen, in der jemand www.twitter.com in das Google-Suchfeld eingibt?
16. September 2008 um 11:31
Visualisierung ist Trumpf! Allerdings wundert mich, dass nicht “Auf gut Glück!” ausgewählt wurde.
16. September 2008 um 11:48
Oh ja, mich hat’s schon gewundert, dass das keiner aufgreift — ich sass unglaeubig grinsend vor diesem Video, dessen “Screengrabs” wohl vom Praktikanten in der Mittagspause aufgenommen wurden, inklusive Gelaber im Hintergrund oO
16. September 2008 um 12:48
Hoppla, das hatte ich verwechselt — bei Spon scheint es System zu haben, URLs in Google einzugeben. Siehe http://www.spiegel.de/politik/.....63,00.html
21. September 2008 um 19:44
Politik 2.0: Wenn Politiker bloggen und twittern…
Man kann sich wie Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit mal PR-wirksam und standortpolitisch sinnvoll kurz auf einem Start-up wie Plazes zeigen oder bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit auf eine schicke 3D-Welt-Schlagzeile…