Zwitschern, meistens ungehört
Spike hat gerade gekackt.
Nicht, dass das irgendwie wichtig ist. Unter anderem, weil Spike aus Einsen und Nullen besteht (denn es ist ein virtueller Hund aus dem Spiel Nintendogs). Aber auch aus journalistischer Sicht. Es ist also, um mal mit den Kommunikationswissenschaftlern zu sprechen, eine Nullmeldung. Nachrichtenwert nicht erkennbar.
Also ungefähr genau das, was Twitter so macht. Der Hype des Micropublishing im Internet, dem alle hinterher rennen und über den Nachrichten verbreitet werden. So eine Art SMS im Netz, ich twittere, also bin ich.
Nur – wen interessiert das eigentlich? Klar: Twittern ist eine Form der Kommunikation. Definitiv sogar, denn man kann auch antworten. So entstehen Gespräche. Twitterianer sehen das als tolles Mittel, eben die Fortentwickelung der SMS. Transparent, schnell, weltweitwebig. Twitter lässt sich in HTML-Seiten und Blogs einbinden, Medien verwenden das System zunehmend auch als Marketinginstrument. Technisch gesehen lässt es sich ja auch prima als Newsticker verwenden.
Also alles gut und besser als eine Shortmessage? Immerhin sind nur 140 Zeichen möglich, weniger noch als bei der guten, inzwischen alten Textnachricht auf dem Handy. Der Unterschied liegt darin, dass eine SMS aus Sender und Empfänger, natürlich auch Empfängergruppen, besteht und zielgerichtet ist. Twitter dagegen, und das vergessen einige wohl, ist ein Herausposaunen in die Welt. So etwa wie “Mir ist langweilig”. Entschuldigung, ist das relevant?
Eben nicht. Natürlich kann man das auch von Blogs sagen, gern auch von diesem, wenn man möchte. Relevanz ist eine Frage der Perspektive. Und relevant sind solche Nachrichten nur für kleinste informelle oder auch formelle Gruppen und Organisationseinheiten. Ob das öffentlich über das Netz laufen sollte oder in einem abgeschotteten Raum, sei einmal dahingestellt.
Fans von Twitter weisen außerdem auf den gewachsenen Informationsgehalt von Interviews hin, da dem Interviewpartner nur 140 Zeichen zur Verfügung stehen und daher komplizierte und euphemistische Antworten ausbleiben, heißt es bei wikipedia.de. Dass ein Interview sowieso niemals authentisch ist, mit Ausnahme live gesendeter O-Ton-Ansammlungen, kommt dabei aber wieder zu kurz. Komplizierte Antworten bleiben in der Tat aus. Was aber nicht heißt und nicht heißen kann, dass jede Antwort damit richtig und für den Sachverhalt ausreichend ist.
Andererseits: Twitter kann auch für Journalisten interessant sein. Nicht, um zu überprüfen, ob ein Nintendo-DS-Hund virtuell abführt. Sondern um Situationen zu verfolgen. Aus Hurrikanes wurde getwittert, vom Demokratenparteitag aus Denver, SPD-General Hubertus Heil macht es auch. Das lohnt die Auseinandersetzung mit dem Thema. Als Quelle und dann auch mit der nötigen Relevanz.
Dumm nur, dass viele Journalisten sich noch nicht einmal mit Blogs auskennen. Digitales Zwitschern wird da noch weniger genutzt werden.
Weitere Links:
bei onlinejournalismus.de
- Blamabel: Spiepel-TV über Twitter, Müntefering und die SPD
- Hubertus Heil twittert aus Denver
- Twitter, was nun? Erste eigene Erfahrungen (2007)




Wen’s interessiert: Ich grille mir jetzt ein paar Würstchen.