Picnic 08-Notizen: Gemeinde-IPTV, öffentlich-rechtliches YouTube und Architektur-Fansite

Logo ‘Nederland P’ | Foto: Fiete StegersDrei ganz unterschiedliche Video-Projekte aus verschiedenen Ländern wurden auf der Konferenz Picnic 08 bei Sessions des Netzwerks Citizen Media präsentiert: Klassischer Bürgerjournalismus – aber mit Unterstützung einer Telekom-Firma, dann ein Projekt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den Niederlanden und eine Architektur-Fansite, der alle Anwesenden schließlich die besten Zukunftschancen einräumten.

Zunächst stellte Gijs van den Heuvel ein Projekt des traditionell christlich orientierten, öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders NCRV vor: „Nederland P“ soll demnächst starten und eine Art öffentlich-rechtliches YouTube werden. Dabei ist der Qualitätsgedanke nicht unwichtig um den spielerischen Wettbewerb unter den Kontributoren anstacheln: Wer gute Videos liefert und 300 Fans auf der Plattform vorweisen kann, soll belohnt weden – durch bessere Abspielqualität seiner Videos, außerdem wird er innerhalb der Plattform besser beworben. Dafür will NCRV auch etwas tun: Bereits jetzt läuft Project „Media Train“, um Schülern zu zeigen, wie man eine Kamera benutzt und wie man Interviews führt.

Skeptische Frage aus dem Publikum: „Warum sollte ich ausgerechenet bei Ihnen etwas hochladen?“ Heuvel: „Wir können einen Verbreitungskanal ins Fernsehen öffnen. Wir nutzen den besten Content in unseren Fernsehprogrammen, zum Beispiel auf unseren digitalen Themen-Kanälen.“

Logo ‘Nederland P’ | Foto: Fiete Stegers
Das P im Namen steht für „publiek“, öffentlich.

Gleichzeitig will „Nederland P“ auch selbst mit Produktionsfirmen und Initiativen zusammenarbeiten, um Content gegen Verbreitungsmöglichkeiten (und Aufmerksamkeit dafür) zu tauschen. „Wir sprechen außerdem mit anderen Internetplattformen, die selber keinen user generated content haben aber interessiert wären Content zu übernehmen, wenn Nederland P diesen auswählt“, und damit Qualität garantiert.“

„Nein, wir suchen nicht nach billigem Content“, versichert van den Heuvel – auch wenn eine Entlohnung der User nicht geplant ist. „Nederland P“ soll außerdem für alle der – aufgrund des niederländischen Rundfunkssystems – zahlreichen öffentlich-rechtlichen Sender zur Verfügung stehen.

Dorffernsehen via IPTV

Marcus Miletich von der Firma Sonavista stellte das Projekt „Buntes Fernsehen Engerwitzdorf“ vor: In der aus mehreren Einzeldörfern zusammengesetzten 8.000-Einwohner-Gemeinde gibt es seit 2004 einen eigenen, mit Unterstützung von Telekom Austria ins Leben gerufenen Offenen Kanal. Das System funktioniert über IPTV, aber mit einer einfachen Settop-Box auf dem Fernseher. Die Bürger beteiligen sich laut Miletich rege, im letzten Jahr gab es 10.000 Video-Abrufe. Die Themen: Natürlich ganz breit, von Sport, Lokalpolitk über Natur bis zu Kunst und fiktionalen Kurzfilmen. Interessant der Hintergedanke dabei: IPTV als Mehrwert für klassische Telefongesellschaften, um damit Festnetzkunden zu halten, weil das Publikum Spielfilme etc. auch woanders sehen kann – aber der mikrolokale Content exklusiv sei.

Architekturführer online

Ferner stellten zwei junge Architektinnen ihr Projekt „MIMOA“ vor – ein usergeneriertes Verzeichnis von moderner Architektur, für die sich Städtereisende interessieren könnten. „So etwas steht nämlich nicht im normalen Reiseführer“, war die Motivation der Gründerinnen. Die vor gut einem Jahr online gegangene Site stieß dabei offenbar in eine Lücke: Mehr als 3.500 Bauwerke sind erfasst, die User generieren pro Monat 250.000 Pageimpressions. Jetzt überlegen die Gründerinnen, wie es weiter gehen kann, da sich MIMOA einmal selbst tragen soll.

Am Schluss war das Publikum gefragt: Die überwiegende Mehrheit des Vortrags-Publikums bewertete die Erfolgschancen des Architektur-Projekts am besten – und riet ihnen dringend davon ab, das Portal für die User (z. B. für Zusatzfunktionen) kostenpflichtig zu machen.

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