WAZ bald ohne dpa – und DerWesten bleich?

Welch herber Schlag für den Einheitsbrei, den die Medien in Print und Online zurzeit fahren – sofern sie denn in ihrem überregionalen Teil auf die dpa setzen. Die WAZ-Gruppe erwägt angeblich, aus dem Basisdienstvertrag mit der dpa auszuscheiden. Es soll um ein Volumen von vier Millionen Euro gehen, das der führenden deutschen Agentur flöten gehen könnte. (Fragt sich nur, womit DerWesten.de dann seine Seiten füllen würde…).

Welt online, die diese Meldung auf den Markt gebracht hat, berichtet auch über mögliche Folgen: Entweder wird der Abopreis für die anderen dpa-Kunden (Verlage, die Anteilseigner an genau der Agentur sind, der sie Geld dafür geben, dass sie sie mit Nachrichten beliefert – wer macht eigentlich so etwas?) gesenkt oder aber bei dpa fliegen Leute raus. Was für deutsche Medien ja ein typisches Verhalten wäre.

Dabei ist das Problem auch hausgemacht. Sowohl bei der WAZ, die unter Sparzwang leidet und Personalabbau plant, als auch bei der dpa selbst. Die meisten Kunden sind unzufrieden mit der Leistung: langsam, viele Fehler und folgende Berichtigungen, langweilige Sprache, kein Pepp. Das hört man immer wieder, macht man seine Ohren in der Branche mal auf.

Und da ist etwas Wahres dran. Aktuelles Beispiel ist die Geschichte um das mutmaßliche – und dämliche – Obama-Attentatsplänchen zweier hirnloser Ami-Skins. AP hatte die Meldung vor 21.30 Uhr, Reuters eine Stunde später. dpa hat die Geschichte über ihre Infoline um 23.55 Uhr gebracht. Ziemlich armselig, muss man sagen. Überhaupt sind viele andere Agenturen besser – ddp zum Beispiel. Was auch ins Bild passt: dpa versetzt gerne mal Mitarbeiter virtuell an die Orte des Geschehens: Da schreibt ein Reporter etwa über Somalia, sitzt aber in Kairo. Für die Agentur kein Problem, aber eine Frechhet. Kunden und Leser nimmt man damit aber auch nicht wirklich ernst, gaukelt ihnen sogar etwas vor.

Darüber sollte sich die Agentur auch einmal Gedanken machen. Denn sonst rennt nicht nur die WAZ-Gruppe zu anderen Agenturen. Übrigens gab es vor Jahren schon einmal eine ähnlich spektakuläre Kündigungsdrohung eines anderen Verlages, der Rheinischen Post, ironischer Weise unter dem jetzigen WAZ-Chefredakteur. Das Blatt sollte damals dann eine Autorenzeitung werden.

Ein guter Ansatz. Dem deutschen Journalismus würde das nicht wirklich schaden – weder print noch online.

Weitere Links:

Update:

ddp wird in dieser Aufstellung als besser genannt: das gilt sowohl für die Themenauswahl als auch für die Aufbereitung – vieleTexte sind einfach schöner und besser formuliert. Richtig ist, dass dpa den größten Auswurf hat.

Update 31.10.2008: Auch Ippen erwägt Ausstieg
Meedia meldet heute: “Zu teuer, zu langsam und zu langweilig: Die Deutsche Presse Agentur gerät immer stärker unter Druck. Seit zwei Tagen ist bekannt, dass die WAZ-Gruppe überlegt, ihren dpa-Vertrag nicht zu verlängern und jetzt folgt Verleger Dirk Ippen (Münchner Merkur). Laut Textintern verriet er auf den Münchner Medientagen, dass man bereits eine Kündigung prüft.” Mehr …

  • Facebook
  • Twitter
  • StumbleUpon
  • Diigo