WAZ bald ohne dpa - und DerWesten bleich?

Von Frank Miener am 29. Oktober 2008

Welch herber Schlag für den Einheitsbrei, den die Medien in Print und Online zurzeit fahren - sofern sie denn in ihrem überregionalen Teil auf die dpa setzen. Die WAZ-Gruppe erwägt angeblich, aus dem Basisdienstvertrag mit der dpa auszuscheiden. Es soll um ein Volumen von vier Millionen Euro gehen, das der führenden deutschen Agentur flöten gehen könnte. (Fragt sich nur, womit DerWesten.de dann seine Seiten füllen würde…).

Welt online, die diese Meldung auf den Markt gebracht hat, berichtet auch über mögliche Folgen: Entweder wird der Abopreis für die anderen dpa-Kunden (Verlage, die Anteilseigner an genau der Agentur sind, der sie Geld dafür geben, dass sie sie mit Nachrichten beliefert - wer macht eigentlich so etwas?) gesenkt oder aber bei dpa fliegen Leute raus. Was für deutsche Medien ja ein typisches Verhalten wäre.

Dabei ist das Problem auch hausgemacht. Sowohl bei der WAZ, die unter Sparzwang leidet und Personalabbau plant, als auch bei der dpa selbst. Die meisten Kunden sind unzufrieden mit der Leistung: langsam, viele Fehler und folgende Berichtigungen, langweilige Sprache, kein Pepp. Das hört man immer wieder, macht man seine Ohren in der Branche mal auf.

Und da ist etwas Wahres dran. Aktuelles Beispiel ist die Geschichte um das mutmaßliche - und dämliche - Obama-Attentatsplänchen zweier hirnloser Ami-Skins. AP hatte die Meldung vor 21.30 Uhr, Reuters eine Stunde später. dpa hat die Geschichte über ihre Infoline um 23.55 Uhr gebracht. Ziemlich armselig, muss man sagen. Überhaupt sind viele andere Agenturen besser - ddp zum Beispiel. Was auch ins Bild passt: dpa versetzt gerne mal Mitarbeiter virtuell an die Orte des Geschehens: Da schreibt ein Reporter etwa über Somalia, sitzt aber in Kairo. Für die Agentur kein Problem, aber eine Frechhet. Kunden und Leser nimmt man damit aber auch nicht wirklich ernst, gaukelt ihnen sogar etwas vor.

Darüber sollte sich die Agentur auch einmal Gedanken machen. Denn sonst rennt nicht nur die WAZ-Gruppe zu anderen Agenturen. Übrigens gab es vor Jahren schon einmal eine ähnlich spektakuläre Kündigungsdrohung eines anderen Verlages, der Rheinischen Post, ironischer Weise unter dem jetzigen WAZ-Chefredakteur. Das Blatt sollte damals dann eine Autorenzeitung werden.

Ein guter Ansatz. Dem deutschen Journalismus würde das nicht wirklich schaden - weder print noch online.

Weitere Links:

Update:

ddp wird in dieser Aufstellung als besser genannt: das gilt sowohl für die Themenauswahl als auch für die Aufbereitung - vieleTexte sind einfach schöner und besser formuliert. Richtig ist, dass dpa den größten Auswurf hat.

Update 31.10.2008: Auch Ippen erwägt Ausstieg
Meedia meldet heute: “Zu teuer, zu langsam und zu langweilig: Die Deutsche Presse Agentur gerät immer stärker unter Druck. Seit zwei Tagen ist bekannt, dass die WAZ-Gruppe überlegt, ihren dpa-Vertrag nicht zu verlängern und jetzt folgt Verleger Dirk Ippen (Münchner Merkur). Laut Textintern verriet er auf den Münchner Medientagen, dass man bereits eine Kündigung prüft.” Mehr …

15 Antworten zu “WAZ bald ohne dpa - und DerWesten bleich?”

  1. Christoph Dernbach sagt:

    In diesem Bericht werden leider Klischees und Fehlinformationen transportiert:
    “Die meisten Kunden sind unzufrieden mit der Leistung: langsam, viele Fehler und folgende Berichtigungen, langweilige Sprache, kein Pepp. Das hört man immer wieder, macht man seine Ohren in der Branche mal auf.” Welche Kunden sollen das denn sein? Eine aktuelle Untersuchung belegt genau das Gegenteil: http://www.agenturjournalismus.....ugnis.html

  2. Alexander sagt:

    “Überhaupt sind viele andere Agenturen besser - ddp zum Beispiel.” ?!? Da hätte ich jetzt doch gern mal das eine oder andere Argument gelesen.

  3. Siga sagt:

    Ich lese bei heise/golem/… fast nur dpa-Meldungen o.ä. Die kriegt man u.U. genau so gut als news.google.de-RSS-Feed und dort u.U. auch Quellen verlinkt und dann umgeht man dpa. “Bitcom labert” “Bernanke labert” “Bush labert” “Merkel verkündet”… finde ich auch auf den entsprechenden Webseiten dieser Personen und/oder Organisation und/oder Konkurrenten.

    Speziell die online-”Presse” sollte sich nicht ach so künstlich aufregen. Wenn Lokalzeitungen dpa zitieren und nichts zusätzlich schreiben, ist das “ok” weil “(dpa)” dransteht.
    Bei heise/golem verlange ich für den Preis (werbung ansehen/ausfiltern/google-text-werbung lesen) das da auch ergänzt wird. Insbesonders, weil dort Leute sitzen, die ergänzen könnten. Beim pusemuckelaner Tageblatt sind die Evolutionsstufen der aktuellen Vista/Firefox/Windows-Patches weniger geistig präsent.

    Wenn ich Presseverbands-Boss wäre, würde ich fordern, den Eigenanteil bei online-Artikeln kenntlich zu machen (”Studenten dürfen zu zweit eine Diplamarbeit abgeben wenn ersichtlich ist, wer welche Teile geschrieben hat. Das kann z.B. durch Kenntlichmachung der Kapitel geschehen.” oder so ähnlich). Wenn man mal bei news.google.de auf die Nachrichtenlisten geht und “ausgeblendete meldungen anzeigen” anschaut, sieht das bei vielen Artikeln aus, wie eine total gleichgeschaltete presse. Das ist das brot-butter-geschäft der Presse (Kleine kurze Nachrichten), wird aber verleugnet und großspurig mit Einzelartikeln verteidigt, die grade mal bestenfalls einstellige Prozentmengen der geklickten/gelesenen Seiten darstellen. 1% Milch und 99% Melanin geben keine Milch. 1% EigenArtikel/EigenText und 99% dpa-Artikel geben keine Presse/Redaktion/journalismus sondern ausgelagerte/verkappte/indirekt werbemarktmäßig mitfinanzierte Industrie/Partei/herschendeSeilschaften-Presseabteilungen.

  4. Frank Miener sagt:

    Vorweg: Das ist natürlich eine Polemik…

    @Christoph Dernbach: Wie schon aus dem Zitat hervorgeht, ist es ein subjektives Gefühl, dass innerhalb der Branche immer wieder geäußert wird. Das gilt insbesondere für den Basisdienst und nicht unbedingt für die Töchter, immerhin sind Sie ja auch der Chef der dpa infocom. Da mag die Studie etwas anderes besagen - die verlinkten Auszüge sind da ja nur ein Indiz. Dennoch gibt es eine Kritikebene, die über den Preis hinausgeht.

    @Alexander: Das mag jetzt äußerst subjektiv sein: Es ist für mich schlicht die Schreibe und auch die Aufbereitung von Themen. ddp liefert zudem Themen, die ich von dpa seltener oder eben in für meine Begriffe weniger adäquater Weise erhalte. Das ist für den bunten Bereich zu sehen, aber auch im Service und der Politik. Aber wie gesagt: es ist subjektiv.

  5. Fiete Stegers sagt:

    dpa hat auf jeden Fall einen deutlich höheren Output als die deutschsprachige Konkurrenz.

  6. Frank Miener sagt:

    Masse, aber Klasse?

    Aber um fair zu bleiben: dpa bietet nicht immer schlechte Arbeit. Aber dennoch ist die Qualität, wie überall, verbesserungsfähig.

  7. Thomas Mrazek sagt:

    Ich kann zur Qualität von DPA nichts sagen, da ich seit Jahren als Kunde raus aus dem Geschäft bin. Gestern hörte ich jedoch auf einem Podium auf den Medientagen München von einem Podiumsteilnehmer eine ähnliche Kritik wie die von Fiete Stegers hier geäußerte. Aber fragt nicht von wem, ich war nur im Vorbeilaufen und im Vollstress kurz bei diesem Podium und möchte da niemanden etwas womöglich fälschlicherweise in den Mund legen. - Allerdings (banale Erkenntnis): Es herrscht Diskussionsbedarf!

  8. Matthias Krause sagt:

    Nun wird ja auch nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Es ist doch auch ganz hübsch, ein bisschen zu drohen und dann den Preis des eigenen Abos herunterzuhandeln. Als ehemaliger langjähriger Mitarbeiter von zunächst dpa und später ddp kann ich sagen, dass wir uns bei ddp viel Mühe gegeben haben, einen frischeren Dienst zu machen. Das ist uns auch häufig gelungen, heißt aber noch lange nicht, dass einen die Kunden plötzlich en masse abonnieren. Ansonsten würde ddp kaum so vor sich hinkrepeln, wie es das immer noch tut. dpa ist eine große, träge alte Dame, die unglaubliche Stärken besitzt, sich aber dringend mal wieder aufhübschen müsste. Vieles regelt sich da nach meiner Erfahrung erst auf biologischem Wege…

  9. Christoph Dernbach sagt:

    Natürlich kann jemand das “subjektive Gefühl” haben, dass an den dpa-Diensten was auszusetzen ist. Wenn es sich um einen Kunden handelt, bekommen wir das bei dpa auch unmittelbar mit, weil wir auf verschiedensten Ebenen mit den Kunden kommunizieren. Und bei einem Output von über 3000 Meldungen am Tag kann es immer wieder mal Diskussionen um die Qualität eines einzelnen Textes, eines Fotos oder einer Infografik geben.Ich würde bei einem “subjektiven Gefühl” aber nicht Formulierungen verwenden wie “Die meisten Kunden sind unzufrieden mit der Leistung”.

    Ich möchte noch einmal auf die Studie von der Ludwig-Maximilians-Universität in München vom April 2008 zurückkommen. Dafür wurden 176 Nachrichtenchefs von Print-, Rundfunk- und Online-Redaktionen befragt. Ich habe mal zentrale Ergebnisse der Studie in einer kleinen Präsentation visualisiert: http://tinyurl.com/5uo6j9 Bei den Themen Zuverlässigkeit, Neutralität, Schnelligkeit, Dichte des Korrespondentennetzes, Kooperationsbereitschaft mit dem Kunden und Qualität der Nachrichtenselektion bekommt dpa von den Nachrichtenchefs durchgängig die Bestnoten. Nur beim Thema “Sprache” üben die Nachrichtenchefs deutliche Kritik. “Sprache” ist dann auch eines der zentralen Themen des fortlaufenden Qualitätssicherungsprozesses bei dpa für 2008 und 2009.

    Wer Interesse an der Studie im Detail hat, kann sich bei mir melden (christoph.dernbach@dpa-info.com oder christoph@dernbach.com).

    Ich kann dann ein PDF der kompletten Studie weiterleiten. Die Studie wurde übrigens nicht von dpa in Auftrag gegeben oder finanziell gefördert.

    Anmerkung: Dieser Kommentar blieb gestern Nachmittag leider im Spam-Filter hängen. Thomas Mrazek

  10. Jens Weinreich sagt:

    Vorweg: Ich bin hoffentlich unverdächtig, dpa zu verteidigen. Auf meinen Fachgebieten versagt der Dienst inhaltlich sehr häufig und leistet mitunter alles andere als journalistische Arbeit.

    (Habe erst kürzlich dpa kritisiert, weiß aber gar nicht, ob es gegen die Regeln verstößt, auf einen eigenen Blogbeitrag zu verweisen. Wenn es so ist, sorry, trotzdem der Link: http://jensweinreich.de/?p=1460)

    Zum Beitrag von Frank Miener:

    “Die meisten Kunden sind unzufrieden mit der Leistung: langsam, viele Fehler und folgende Berichtigungen, langweilige Sprache, kein Pepp.”

    Was soll das denn heißen? Geht es auch journalistischer? “Die meisten Kunden” - woher weiß der Autor das? Hat er mit den meisten Kunden gesprochen? Warum legt er dann nicht einige Zahlen vor? “Langweilige Sprache, kein Pepp”? Da reagiere ich erst recht allergisch: Geschwafel, bringt nicht weiter.

    Journalistisch viel wichtiger scheint mir doch zu sein: Geschichten statt PR-Gedöns. Hintergründige Aktualität. Recherchierte Geschichten! Mehr aus dem Projekt regio-Data (hier muss man die dpa doch sogar mal loben, oder)!

    Doch bitte nicht mit solchen Nonsens-Argumentationen langweilen (”kein Pepp”). Das sind keine Kategorien, die zuvorderst diskutiert werden müssen. Das sind - präzise betrachtet - keine oder total zu vernachlässigende Kategorien. Es gibt drängendere Fragen in Bezug auf die dpa.

    Ich hätte in/auf einem Qualitätsblog auch viel mehr erwartet - vor allem viel mehr als ich bisher in den Medienteilen der Holzpresse lesen kann :))

  11. Thomas Mrazek sagt:

    @ Jens Weinreich: Bis auf “Ich hätte in/auf einem Qualitätsblog auch viel mehr erwartet - vor allem viel mehr als ich bisher in den Medienteilen der Holzpresse lesen kann :))” ist Deine Kritik okay, wir bezeichnen uns nicht als “Qualitätsblog”, freilich wollen wir versuchen neben unseren ganzen Jobs einigermaßen gute Qualität zu liefern. In dem Fall ist das leider wohl schief gegangen. Sorry. Wir bessern uns hoffentlich.

  12. Siga sagt:

    Ich bin ja nur genervter Leser: Soll dpa denn mehr machen als Kartoffeln waschen und in einen Sack packen ? Putzen, Schneiden, kochen,… macht dann die Hausfrau(der Zeitungs-Journalist).

    Oder soll dpa 1:1 übernehmbare/druckbare Berichte inclusive Bewertung und Einordnung und Zusatzinfos liefern ? Dann machen die das echt schlecht. Dann müsste man aber z.b. den Preis(=Lohn+Zeitaufwand) eines selbstgemachten Lokalartikels nehmen, und die Preise so regeln, das die dpa pro recherchiertem Artikel auch entsprechend viel Geld bekommt um Artikel recherchieren zu können.
    Wie immer hängt man im Mischmasch fest und wundert sich, das die Leser abwandern. news.google.de liefert ja auch und zwar dasselbe.

    PR-Meldungen nachplappern ist keine Leistung. Die “Journalisten” peilen einfach nicht, wieso sie schlecht sind und die Bürger es nicht mehr lesen. Und verändern macht Arbeit, also macht man weiter wie bisher und wundert sich bei Melamin-China-Milch, Bankern, BahnBoni,… über die Auswüchse.
    Politiker und Bahnk-Manager leben nur deshalb so gut, weil die Presse sie gewähren lässt.

  13. Thomas Mrazek sagt:

    “WAZ-Blätter können nicht ohne dpa”, schreiben die Ruhrbarone, allerdings führen sie für diese kühne Überschrift nur ein dünnes Beispiel an.

  14. Thomas Mrazek sagt:

    Sehr informativer Zapp-Beitrag (Länge 8:54 Min.) zum Verzicht der WAZ auf DPA.

  15. Thomas Mrazek sagt:

    Stefan Niggemeier zeigt am Beispiel der Nachricht zur Schließung von Hertie-Filialen wie die “WAZ”/DerWesten - mehr oder weniger trickreich - ohne DPA auskommen.
    Nachtrag, 28.01.09, 6.30 Uhr
    Bitte auch den Kommentar von Katharina Borchert dort beachten. In Zukunft werden einige wohl mit Argusaugen auf DerWesten schauen.

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