Carta und der Onlinejournalismus

Kann das was werden? Carta ist ein Mehr-Autoren-Blog, initiiert unter anderem von dem Journalisten, Medienberater, Kommunikationswissenschaftler und Ein-Mann-Institut Robin Meyer-Lucht*. Noch ist es sehr beta und in stetem Wandel begriffen, was man bei Carta findet. Oder positiv ausgedrückt: Man wird Zeuge eines soft launch von etwas, für das Meyer-Lucht offenbar große Pläne hegt. Die Carta-Autoren widmen sich Themen aus Politik, Medien und Wirtschaft. Die etwas pompöse Selbstbeschreibung:

CARTA ist ein Netzwerk-Syndikat für Analyse und Meinungsbildung. Die Online-Publikation verknüpft die Beiträge seiner dezentral organisierten Autoren mit Verweisen auf die relevantesten Inhalte aus dem Internet. CARTA ist dezentrales, digitales Op-Ed. CARTA ist Filter und Produzent, Meta- und Mehrautoren-Blog.

Ein Cicero 2.0? Das Endlichmalpolitisch-Blog? Eine deutsche „Huffington Post“ (Wikipedia) für das Wahljahr 2009? Bloß eitle Eigen-PR? Oder ein Projekt, das nie ausreichende Relevanz erreicht und schnell austrocknet wie manch auf Gastautoren aufbauende Webprojekte? Die Werbebanner werden jedenfalls schon einmal professionell vermarktet.

Unter den ersten veröffentlichten Texten sind zwei für Onlinejournalisten interessante: Mercedes Bunz (tagesspiegel.de) fordert in einem Grundsatztext eine „neue Poesie der Neugierde“ für den Onlinejournalismus – und den Journalismus überhaupt:

1. Marke statt Medium: Publizistische Marken sind in Zukunft weniger als bisher von einer spezifischen medialen Logik geprägt, sondern verteilen ihre spezifische inhaltliche Ausrichtung, ihr Markenprofil, auf verschiedene Medien.

2. Veröffentlichung heute heißt Kommunikation: Journalisten produzieren für Medien keine Beiträge, sie kommunizieren mit ihren Lesern – mitunter auch im direkten Dialog.

3. Plattform statt Sender: Eine Marke besticht in Zeiten des Überangebots an Information nicht nur durch selbst hergestellte Inhalte, sondern versteht sich als Plattform und wählt gemäß der ihr eigenen Logik die relevanten Beiträge für ihre Leser aus.

Die Autorin fordert unter anderem den Einsatz wirklich onlinespezifischer, multimedialer Formate (wir sind auf die Umsetzung im Hause Holtzbrinck gespannt …).

Meyer-Lucht selbst hat ein Treffen von Bundesregierung, Verlegern und Journalistenverbänden getragenen Nationalen Initiative Printmedien“ (Homepage – fast erwartbar PDF-lastig) besucht. Offenbar eine traurige Veranstaltung, bei der der zuständige Vertreter der Bundesregierung selbst konstatiert: “Wenn ich morgens ins Büro komme und mich über die Nachrichtenlage informieren will, schaue ich ins Internet. Zeitungen spielen da quasi keine Rolle mehr.”

* Anmerkung von Meyer-Lucht über mögliche Rollenkonflikte

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