Podcasts: Was sich Rundfunkjournalisten so anhören …

Podcast-Logo (Peter Marquardt / Creative Commons by-sa/2.0/de)Logo: Peter Marquardt / Creative Commons

In Podcasts liefern unkonventionelle Hörfunker und traditionelle Radiosender Hörbares für unterwegs und auf Abruf. Sechs Rundfunkjournalisten stellen ihre Lieblingsformate vor. Der Beitrag erschien in ähnlich Form im “Journalist” 10/2008; falls Ihr/Sie noch weitere Vorschläge haben – bitte in den Kommentaren eintragen, Danke und viel Spaß.

Inge Seibel-Müller, Stephanskirchen (Oberbayern), ist Mitglied des Projektteams Hörfunk der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) und betreut die Plattform www.hörfunker.de der bpb.

„Ich lade mir Podcasts gewöhnlich auf meinen MP3-Player und höre sie im Auto oder bei längeren Zugfahrten. Meine Tipps: hr2 Der Tag: Der knapp einstündige Hintergrund zu jeweils einem aktuellen Thema gehört zu den besten journalistischen Sendungen im Radio und wurde zu Recht mehrfach preisgekrönt. Durch den Einsatz vielfältiger Darstellungsformen wird “Der Tag” fast durchgehend interessant gestaltet. Störend sind höchstens die manchmal recht langen Telefoninterviews mit wissenschaftlichen Theoretikern. radioeins – Medienmagazin: Im Radio läuft das Medienmagazin ausgerechnet Samstags zur Sportschau-Zeit. Wer den Podcast nutzt, erspart sich die Musikpausen zwischen den Beiträgen und Interviews. Jörg Wagner nimmt sich in der Sendung regelmäßig auch Zeit für Medienthemen, die von anderen ignoriert werden. Hervorzuheben ist, dass RBB-Redakteur Wagner auch kritische Beiträge über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk anbietet. mzwo – das Medienmagazin: Der von Medienstudenten der Hochschule Mittweida produzierte Podcast beschäftigt sich vor allem mit neuen Entwicklungen im Internet. Die 14-täglich erscheinenden Folgen werden ansprechend moderiert und enthalten gut recherchierte Tipps. Alle in den Beiträgen genannten Links werden auf der begleitenden Website aufgeführt.“

Ina Tenz ist Programmdirektorin bei Radio ffn, Hannover (www.ffn.de).

„Die Podcasts von NPR (National Public Radio) sind für mich die perfekte Quelle für großartig geführte Interviews und sensationelle Live-Mitschnitte von Konzerten, aktuell zum Beispiel das Radiohead-Konzert von Anfang September in Santa Barbara. Es macht Spaß, auf der übersichtlichen Seite NPR im Podcast-Bereich zu stöbern. Es gibt 42 unterschiedliche Rubriken mit diversen Angeboten. Für aktuelle Themen empfehlenswert: „Story Of The Day“. Für längere Flugreisen: die NPR Radio Diaries oder auch die Rubrik „Fresh Air”, brilliante Interviews mit gesellschaftspolitischen Persönlichkeiten, aufbereitet mit umfangreichen Hintergrundinformationen. Auch ein guter Tipp: BBC Radio 1 Documentary und BBC Radio 1 Introducing (alles über neue Musik, neue Künstler). Fazit: Radiosender machen die besten Podcasts, hier gilt: ‘Denn sie wissen, was sie tun’.“

Marko Schlichting ist Hörfunkredakteur bei der Agentur BLR und RadioDienst, München. Er betreibt einen eigenen Medien-Podcast.

„Die ersten Podcasts, die ich gehört habe, kamen von der BBC. Hier empfehle ich vor allem „From our own Correspondent“ vom World Service, eine Art „Weltspiegel“ ohne Bilder. Ein deutsches Pendant dazu ist der Podcast der GEO, GEOaudio. Die Redakteure lesen ihre Beiträge noch selbst und lassen sie nicht von unmotivierten, meist unterbezahlten Fremdsprechern oder gar von einer Computerstimme einlesen. Bravo! Häufig interessant sind auch die zweitverwerteten Radiobeiträge der ARD-Kollegen, hier für mich vor allem die diversen Medienmagazine, aber auch andere Sendungen wie das neue Politikum bei WDR 5, hier werden „die Themen des Tages gegen den Strich gebürstet – profiliert, kritisch, bissig, spöttisch, zugespitzt“. Als Videopodcast, der sich mit Themen aus dem Bereich Computer und Zubehör befasst, empfehle ich PC-Welt.tv. Dort stellen die Kollegen der Zeitschrift sehr ausführlich und professionell neue Hard- und Software vor. Geballtes Wissen auf beachtlich hohem Niveau.“

Larissa Vassilian arbeitet als freie Journalistin in München unter anderem für Bayern2 und SWR2. Unter dem Pseudonym Annik Rubens wurde sie mit Schlaflos in München zu einer der bekanntesten Podcasterinnen in Deutschland. Für die Website des Bayerischen Rundfunks erstellte sie ein umfangreiches Podcast-Dossier.

„Jeden Freitag freue ich mich auf Mark Kermode von der BBC. Der Brite ist von ganzem Herzen Filmkritiker bei der BBC und ist wunderbar unbestechlich, wortgewandt und einfach eine Type. Jede Woche berichtet er Simon Mayo eine halbe Stunde lang von den Kino-Neustarts. Im deutschen Bereich ist für mich der SWR1-Leute-Podcast ganz weit vorne. Musik, Nachrichten und Wetter/Verkehr sind rausgeschnitten, es bleibt täglich eine halbe Stunde reines Interview, geleitet von den fantastischen Moderatoren Stefan Siller und Wolfgang Heim. Im englischsprachigen Raum ist auch „The Moth“ sehr zu empfehlen. Zehn Minuten lang hat da ein Mensch Zeit, eine Geschichte zu erzählen, auf einer Bühne, vor Live-Publikum, ohne Notizen. Mal lustig, mal spannend, mal unendlich traurig. Zur Entspannung höre ich gerne rein in private Podcasts wie von Holger aus Wien mit seinem Macmaniacs-Podcast, oder meinen Münchner Kolleginnen, den Chicks on Tour oder deren männlichem Counterpart, den Couchpotatoes. Sie alle quatschen einfach drauflos, herrlich ungeplant. Schön schräg sind die beiden französischen Straßenmusiker von „La Chanson Du Dimanche“, die sich jeden Sonntag irgendwo auf die Straße hocken und ein Liedchen mit klasse Text trällern. Kleiner Hinweis für alle Medienmacher: Die Medienmagazine der großen Rundfunkanstalten gibt es mittlerweile auch alle als Podcast. Von Radio Eins bis B5.“

Philip Banse, arbeitet als freier Journalist in Berlin vor allem für das Landesstudio von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur. Er bloggt (philipbanse.de) und produzierte Podcasts für Welt Online und Handelsblatt.com. Mit Kollegen veröffentlicht er den wöchentlichen Podcast Küchenradio.org.

TWiT – This Week in Tech: Wöchentliche Talk-Runde mit Insidern der us-amerikanischen IT-Branche. Moderator Leo Laporte produziert wöchentlich ein Dutzend IT-Podcasts und ist zu Recht „Kult“. Einer der meistgehörten Podcasts. Chaosradio Express: Das Bildungsradio des Chaos Computer Clubs. Tim Pritlove befragt seine Gäste zu Themen, die technisch interessant und gesellschaftlich relevant sind. Pritlove versteht es, komplexe Themen auch für Nicht-Hacker runter zu brechen. Manchmal etwas sehr technisch (Thema: Programmiersprachen), immer lang (im Schnitt zwei Stunden). Besonders gut: Folge 89 über Computerspiele. Out Loud: Jede Woche werden Autoren des New Yorker zu ihrer Geschichte befragt, die sie für die aktuelle Ausgabe geschrieben haben. Interessantes Format, um Print-Produkte im Netz zu bewerben. CitizenReporter.org: Bicycle Mark, US-Blogger in Amsterdam, versteht sich als Bürgerjournalist und investiert relativ viel Zeit in Themen, die er für „under reported“ hält. Er befragt Spiegel-Autoren zu ihren Geschichten über deutschen Atommüll und Afrika-Reisende zu ihren Treffen mit professionellen Spam-Versendern. Als Audio und Video-Podcast erhältlich. File on 4: Rund 30 Minuten investigativer Radio-Journalismus von BBC 4. Oft auf Fokus auf Großbritannien, aber viele Themen sind auch für deutsche Ohren interessant (etwa „Wind power dilemma“). Handwerklich bemerkenswert.“

Daniel Fiene moderiert bei Antenne Düsseldorf und ist Podcaster bei wasmitmedien.de.

Podcasts sind perfekt, um sich frischen Wind um die Alltagsnase wehen zu lassen. Immer wieder höre ich zur Ideenfindung in Podcasts von anderen Sendern rein. Ständig abonniert habe ich jedoch nur wenige Podcasts, um nicht den Blick über den Tellerrand zu verlieren. Den gleichnamigen Podcast von Alex Wunschel zum Beispiel. Der Marketing-Experte berichtet kritisch und liebevoll verspielt über die Welt der neuen Medien (Tellerrand). Der Podcast Medienrecht ist Pflicht für Journalisten. Das mobile Mini-Seminar wird durch das SAEK (Sächsische Ausbildungs- und Erprobungskanäle), Chemnitz herausgegeben. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, wird beim J!Cast, dem Jura-Podcast zum Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht, von Laura Dierking bestens bedient. Thomas Knüwer führt nicht nur ein bissiges Weblog beim Handelsblatt; ihn gibt es auch im Medienpodcast Bel Étage zu hören. Unter den Medienmagazinen aus dem Öffentlich-Rechtlichen Bereich, möchte ich das von Radio Eins empfehlen. Jörg Wagner führt seit mehr als zehn Jahren durch die RBB-Sendung Medienmagazin und war einer der ersten Podcaster im Medienbereich. Ganz bescheiden will ich zum Schluss auf mein Magazin Was mit Medien hinweisen. Zusammen mit Herrn Pähler werfe ich Woche für Woche einen Blick hinter die Kulissen der Medienszene.

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