Archiv für Januar 2009

Twitter-Gewitter in den Mediendiensten

Von Thomas Mrazek am 30. Januar 2009

Puh, ein Hype geht um, zumindest in den einschlägigen Mediendiensten und -Magazinen: Ob “Medium Magazin”, “Journalist”, Meedia oder Turi2 überall wird über Twitter berichtet. Ach, in der “Drehscheibe” gibt es in der Druck- und Online-Version auch zwei Beiträge für Tageszeitungs-Journalisten von mir: “Zwitschern im Blätterwald” (Einführungsartikel) und ein Kurzinterview mit Katrin Scheib, Chefin vom Dienst bei DerWesten. Ich hoffe, es wird daraus erkennbar, wie meine Meinung zum Thema Twitter ist: Gemach, gemach, mal ausprobieren, aber nicht allzu viel davon erwarten und nicht übermäßig viel Zeit investieren und vor allem ein bisschen kreativ und gewitzt sein.

Für ärgerlich halte ich die einseitige Hype-Berichterstattung, ja ja, die Medienkrise, da möchte mancher gebeutelte Medienschaffende freilich auch mal wieder angenehmeres sehen. Nicht selten geht die “Berichterstattung” dann in plumpe PR über; siehe heute etwa ein Interview bei Turi2* mit der geistreichen Überschrift: “Twitter-Expertin fordert Medienmacher zum Zwitschern auf” (Versicherungsvertreter empfiehlt an die Vorsorge zu denken). Einen Überblick zu mehr oder weniger geistreichen Beiträgen zum Thema Twitter gibt es auch in meinem Delicious-Bookmarks.

* Turi2 ist übrigens ein sehr netter Mediendienst, dieser Tage gab es dort folgende Eigenanzeige:

Sie wollen ins Branchenfernsehen? Kein Problem: turi2.tv dreht bei Burdas DLD-Conference während der gesamten drei Tage. Peter Turi erwartet Sie zu Interview und Fragebögen im Nebengebäude (Aufzug benutzen!) vorm Media Center im Preysingsaal, 1. Obergeschoss, HVB-Forum Kardinal-Faulhaber-Straße.
Wer etwas zu sagen hat, traut sich ins Branchenfernsehen turi2.tv

Ich freue mich auf die “Interviews” und beantworteten Fragebögen. (-;

Grimme Online Award 2009

Von Thomas Mrazek am 27. Januar 2009

In der Hoffnung, dass einige “Gute” diese PR-Mitteilung aufnehmen, leite ich das mal weiter:

“Der Wettbewerb zum nächsten Grimme Online Award startet am 1. Februar 2009. In der Zeit vom 1. Februar bis zum 31. März 2009 können dann wieder Website-Anbieter und User ihre Favoriten online vorschlagen.”

Möge sich der doch arg ramponierte Wettbewerb in diesem Jahr besser präsentieren. Alles weitere unter: www.grimme-online-award.de.

Begrenzte Reichweite für automatische Twitter-Feeds von Redaktionen?

Von Fiete Stegers am 26. Januar 2009

Wer als Online-Medium sein Twitter-Account nur mit automatisch aus einem anderen Feed generierten Einträgen bestückt (die häufig noch verzögert einlaufen), wird damit nur ein begrenztes Publikum erreichen, meint Ulrike Langer. Sie hat die im Blog von Leander Wattig gesammelten Reply-Zahlen auf Twitter-Accounts von Verlagen als Basis dafür genommen - inbesondere von Der Westen (dialogorientiert, viele Replys, relativ viele Folllower), Spiegel (noch recht neu, aufgrund der hohen Nutzerzahlen der Website viele Follower) und Focus (Automatik-Twitter, Sättigung bei Followern sei erreicht).

Die Frage ist: In welchem Verhältnis stehen absolute Twitter-User-Zahl und Wert des Dialogs zum Twitter-Aufwand für Redaktionen? Und: Lieber deutlich weniger Tweets als automatische?

Weitere Links

… bei onlinejournalismus.de:

… anderswo im Internet:

Mord, Sex und Bernd das Brot: Nachrichten-Darwinismus beim Marktführer

Von Fiete Stegers am 23. Januar 2009

Screenshot Schaukasten “Seite 2” bei Spiegel OnlineGrundsätzlich war die Einführung einer “Seite 2″ bei Spiegel Online im Mai 2008 ja eine super Idee (und ist es noch). Aber darüber, welcher Themenmix dieser Seite für “Reportagen, Analysen, Interviews” wie im konkreten Fall aktuell auf der SpOn-Startseite beworben wird, ließe sich vielleicht noch mal diskutieren … Ohne den Hintern im Großformat wäre es doch auch gegangen, liebe Kollegen!

Datenschutz auf die harte Tour: Das “Google-Porträt”

Von Thomas Mrazek am 22. Januar 2009

Profil bei StudiVZ (Screenshot [M])

Das französische Magazin “Le Tigre” porträtiert unbekannte Internet-Nutzer und recherchiert dafür in sozialen Netzwerken. So publizierte das Magazin die Lebensgeschichte eines französischen Angestellten nur aufgrund öffentlich zugänglicher Quellen. Mit “Details über seine Reisen und sein Liebesleben”, berichtet die “FAZ”. Der Porträtierte sei “bleich” geworden, als er den Artikel las.

Der Artikel ist Auftakt einer Serie mit dem Namen “Google-Porträt”. Im “FAZ”-Beitrag (mit Hinweis auf weitere Artikel zum Thema) heißt es weiter:

“Von ganz normalen Zeitgenossen werden die Informationen zusammengestellt, die sie selbst dem Internet anvertraut haben. Bei Facebook und anderswo. Die Naivität und der Exhibitionismus vieler Menschen seien grenzenlos, sagt ein Redakteur des “Tigre”. Und will ihnen zeigen, was mit ihren Angaben geschehen kann.”

Aus journalistischer Sicht halte ich diese Herangehensweise für gewagt, aber legitim. Wir haben letztes Jahr im Beitrag “Deckname Moser” über den Mißbrauch von sozialen Netzwerken bei der journalistischen Recherche berichtet.

Nachtrag 23.01.09
Medienrauschen berichtete bereits am 15.01.09 über das Thema: “ergoogelt, erfacebooket und erflickrt - wenn das Internet Dich besser kennt als Deine Mutter”.

Berliner Theatertreffen fördert sechs bloggende Kulturjournalisten

Von Thomas Mrazek am 22. Januar 2009

Der ZDF-Theaterkanal berichtet auf seiner Website:

“Das Theatertreffen fördert in diesem Jahr sechs Nachwuchs-Kulturjournalisten bis 35 Jahre sowie einen Fotografen, die vom 1. bis 17. Mai 2009 erste Online-Erfahrung sammeln oder bereits bestehende Kenntnisse ausbauen wollen. (…) Dabei werden sie redaktionell von erfahrenen Mentoren der Berliner Zeitung begleitet. Die Teilnahme der ausgewählten Journalisten wird durch ein Arbeitsstipendium in angemessener Höhe, die Unterbringung in Berlin, die Übernahme der Reisekosten und einen Festivalpass unterstützt.”

Einsendeschluß für Bewerbung ist der 15. Februar 2009; alle weiteren Informationen finden sich auf der Website des ZDF-Theaterkanals. Eine lobenswerte Initiative!

sueddeutsche.de: Soundslides mit Musik

Von Fiete Stegers am 21. Januar 2009

Achtung, wer Boxen an seinen Computer angeschlossen hat, sollte besser die Lautstärke herunterregeln, bevor er diese Audio-Slideshow bei sueddeutsche.de anklickt. Der Soundtrack zur Bildergalerie über die Finanzkrise ist ein halbwegs martialisch geratener Industrialsong - für alle, denen das Einstürzen dieses ökonomischen Kartenhauses noch nicht dramatisch genug war? Grundsätzlich keine schlechte Idee, aber in diesem Fall ist man doch über das Ziel hinaus geschossen - zumal die mit Soundslides produzierte Slideshow mit einem Autostart aufwartet und mehr als zwei Minuten lang ist. Die meisten Nutzer sind wahrscheinlich schnell wieder weg, geschweige, dass jemand bei der Vertonung Muße zum Lesen der Bildunterschriften aufbringt.

Bei seiner Slideshow über die Amtseinführung von Barack Obama verzichtet sueddeutsche.de ebenfalls auf einen Sprechertext. Die Tonspur besteht in diesem Fall aus versöhnlichen Popklängen mit kurzem Rock-Klimax. Auch nicht jedermanns Geschmack, aber besser zu ertragen.

Ob es irgendwo eine Gesamtübersicht über alle Audio-Slideshows von sueddeutsche.de gibt, ist nicht auf Anhieb ersichtlich.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de:

… im sonstigen Internet:

Stellenangebot: Köln: Fester oder freier Online-Redaktionsleiter für den DocCheck Newsletter (m/w)

Von Thomas Mrazek am 21. Januar 2009

Die Stellenanzeige im Wortlaut:

Köln: Fester oder freier Online-Redaktionsleiter für den DocCheck Newsletter (m/w)
Sie sind als Journalist für treffende Diagnosen bekannt und wollen das Gesundheitswesen einer eingehenden Visite unterziehen?

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Obama und der Amtseid im Web

Von Fiete Stegers am 20. Januar 2009

Screenshot SpOn
Zur Inaugurationszeremonie in Washigton haben ja alle Nachrichtensites groß aufgefahren. Ein paar subjektive Eindrücke: Spiegel Online hat wieder mal ein Liveblog (gut) von vor Ort (besser), für dieses aber immer noch keinen RSS-Feed (unverständlich) und eine seltsame Dachzeile (noch viel unverständlicher).

Die User mitreden lassen

Screenshot BBC Stream zur Inauguration Barack ObamasDer Livestream der BBC war bis auf einen kurzen Aussetzer exzellent, außerdem mit Reporter- und User-Kommentaren (u. a. via Twitter) verbunden. CNN integrierte Facebook-Kommentare bei seinem Stream.

Interessant, aber unverständlich fand ich den “Scroll-Strahl” des Vorab-Features “The Preparers” bei der Washington Post, die dafür Vuvox einsetzen.

Was war sonst gut, was schlecht? Andere Eindrück gerne in die Kommentare.

Nachträge, 21.01.2008:
Poynter hat Screenshots von US-Websites gesammelt (1, 2, 3). Thomas Knüwer ist von CNN und der neuen Website des Weißen Hauses begeistert. Spaß macht mir “Faces in the crowd” der Washington Post (gefunden in der Linksammlung von tagesschau.de). Soundphotographer.de bespricht weitere Multimedia-Beiträge zum Thema.

Jens Weinreich Sport- und Onlinejournalist des Jahres

Von Thomas Mrazek am 20. Januar 2009

Nachdem er vor wenigen Tagen vom “Medium Magazin” zum Sportjournalisten des Jahres ernannt wurde, gab es gestern beim Goldenen Prometheus des Medienmagazins “VISDP” eine weitere Auszeichnung für Jens Weinreich: Onlinejournalist des Jahres.

Selbstverständlich kannmuss man Journalisten- und Medienpreise kritisch betrachten. “Mit ihren Bewertungskriterien sollen sie handwerkliche Standards festlegen und damit zur Professionalisierung beitragen”, schrieb ich 2002 – ach, was für ein edles Ansinnen, könnte ich in der Rückschau über mich selbst höhnen.

Aber bei Jens Weinreich kann ich guten Gewissens sagen, dass die Juroren mit seiner Wahl allein diesem hehrem Anspruch gerecht werden. Denn sie weisen damit auf die Arbeit eines Journalisten hin, der unter anderem mit beharrlicher und unbequemer Recherche aber auch mit dem vielfältigen und umfangreichen Publizieren auf seinem Weblog nolens volens so etwas wie Vorbildcharakter erlangt hat. Wir gratulieren Jens Weinreich!

Nachtrag 06.02.09

Eine “Inflation der Journalistenpreise” moniert der Evangelische Pressedienst und schlägt zugleich einige neue, eher nicht ernst zu nehmende Journalistenpreise vor.