Blogs, Politik und Journalismus in Deutschland

Von Fiete Stegers am 17. Januar 2009

Brauchen Blogger den Mainstream? In der vorherigen Ausgabe der Medienzeitschrift Message wurde eine kommunikationswissenschaftliche Studie der Uni Leipzig veröffentlicht (Text als PDF). Sie hatte deutsche Blogs auf politische Inhalte untersucht (zum einen populäre Weblogs ausführlich, zum anderen mittels Analyse von Suchmaschinen-Ergebnissen, Untersuchung im Sommer 2008 - also für wissenschaftliche Verhältnisse geradezu brandneu). Zentrale Thesen waren: Viele Blog-Inhalten bauten auf den traditioneller Medien auf, wären mithin ohne diese nicht möglich. Politik sei ein Randthema in Blogs.

In der aktuellen Message-Ausgabe reagieren darauf Johnny Haeusler (Spreeblick), Stefan Niggemeier (Medienjournalist & -blogger), Lukas Heinser (Blog Coffee & TV) und Johannes Boie (bei Bloggern wenig beliebter SZ-Autor). Auch ich wurde Ende Dezember um meine Meinung gebeten. Hier ist sie.

Es ist weder überraschend noch neu, dass sich laut Studie ein großer Teil der Blogeinträge auf Berichte in sogenannten Mainstream-Medien stützt. Schließlich liefern die etablierten Tageszeitungen, Fernsehsender und Websites immer noch eine Menge Gesprächsstoff. Und in den meisten Fällen ist Bloggen genau das: Konversation.

Blogger wollen auf Dinge hinweisen, die sie anderswo erfahren haben, ihre Meinung dazu sagen, diskutieren. Wenige Blogger haben Lust, Zeit und Energie, eigene Geschichten mit journalistischem Anspruch zu recherchieren — wenngleich einige diesen Anspruch umso lautstärker formulieren und etliche über Unzulänglichkeiten der traditionellen Medien schimpfen. Das ist zumindest mein Eindruck — auch wenn ich nur einen kleinen Ausschnitt der sich aus unzähligen Sub-Szenen zusammensetzenden Blog-Gesamtheit kenne.

Dass sich in der A-Kategorie keine ausgewiesenen Politik-Blogs finden, ist ebenfalls seit langem bekannt. Ob dies und die Stichwort-Auswertungen der Studie hinreichender Beleg für eine apolitische Gesamthaltung der deutschen Weblog-Mehrheit sind, halte ich für fraglich.

Die Blogs Basic Thinking, Sichelputzer und Stefan Niggemeier sind zwar beliebt, aber ganz im Gegensatz zur Klassifizierung in der Studie keine »General-Interest«-Blogs, sondern auf Internet- bzw. Medienthemen spezialisiert. Hier Beiträge etwa zum Thema »Rauchverbot« einzufordern, ist absurd.

Politische Großthemen sind nichts für thematische Nischenblogs. Und dass sich zu diesem Thema in anderen Blogs ebenfalls nur wenige Beiträge finden ließen, mag auch damit zusammenhängen, dass das Thema in den traditionellen Medien ausgiebigst stattfand und Blogger nur wenig Neues hinzuzufügen hatten.

Die Tatsache, dass Blogs das Thema »Vorratsdaten­speicherung« bereits lange vor den Massenmedien thematisierten, zeigt hingegen: Es kann genau anders herum sein, wenn Blogger ein Thema für in den Medien unterrepräsientiert halten (und sich selbst betroffen fühlen). Ob das bei anderen Themen auch funktionieren kann, werden wir vielleicht im Wahljahr 2009 sehen. Auf jeden Fall werden dann eine ganze Reihe politikzentrierte Blogs aus dem Boden sprießen.

3 Antworten zu “Blogs, Politik und Journalismus in Deutschland”

  1. Quastenflosser;-) sagt:

    Ich möchte “hier” nur sehr kurz darauf eingehen.
    Im Beitrag sind eigentlich gleich auch Antworten.
    Mediale Konditionierungen führen genau zu diesen Prozessen.
    Traurig aber wahr. Und leider leider sitzen wir alle in diesem Boot. Und dieses Boot hat Grenzen.
    Politisch müsste ich ja begründen, was wenn aus Persönlicher Erfahrung besteht und sich daraus generiert.
    Was aber wenn Konditionierungen genau diese Erfahrungen aus sagen wir mal Markttechnischen Gründen gar nicht gewünscht ist ?
    So würde mir Copy & Paste bleiben.
    D.h. man eignet sich eine Masse an Theoretischem Wissen an und kommt gar nicht in die Lage diese auch zu überprüfen. Nicht umsonst wird Markt gleich Psychologie alltäglich dahergelabert, und schon wird es schwierig.
    Nehme ich die Vorratsdatenspeicherung gibt genau diese das 1984 Phänomen des ” Du mussst die Lüge nur wiederholen, das diese zur Wahrheit wird” und schon hängen eine grosse Masse an “Konsumenten” genau in dieser Schleife.
    Nein.. Ich bin kein Journalist, und in der heutigen Zeit ist das eh so eine Sache, was denn da noch Journalismus ist.
    Blogger sind keine Journalisten, und dann ist Bloggen Punk, und aber doch nicht. Im gleichem Atemzug geht es um Verhökern von Daten (Wo werden meine gehandelt) und diejenigen, die eigentlich wollten schimpfen über ihr sinkenden Frachter, da sie evt. aus genau der selben Bewegung heraus schon wieder im Mainstream angekommen sind.
    Und damit im Übertragenem Sinne Copy&Paste betreiben.
    An der nächsten Ecke lauert dann die Missgunstmafia die ihre eigene Gedankencopypaste Attitüde über jemanden stülpen möchte.
    Es ist traurig und leider leider auch nur eine Wahrheit.

  2. JürgenG sagt:

    Gehe ich recht in der Annahme, dass die Beiträge in der aktuellen Message-Ausgabe nicht frei im Netz lesbar sind? Oder finde ich sie einfach nur nicht?
    Danke!

  3. Fiete Stegers sagt:

    Ganz recht. “Message” pflegt auch eine Print-Only-Strategie.

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