Archiv für Februar 2009

Zeit stellt “Zuender” ein

Von Fiete Stegers am 27. Februar 2009

“Die Zeit” führt ihr Jugendportal “Zuender” nicht mehr fort. Nach “Zoomer” das zweite jugendliche Opfer der Flurbereinigung bei Holtzbrinck? Zeit-Online-Chef Wolfgang Blau begründet das Ende so: “Bei zahlreichen ZUENDER-Geschichten haben wir uns im letzten Jahr aber oft gefragt, weshalb wir diese Artikel eigentlich nicht gleich auf der Haupt-Site von ZEIT ONLINE veröffentlichen, wo sie viel mehr Leser finden könnten.” Die “originelle Herangehensweise an oft ganz alltägliche Themen” werde künftig in das Hauptangebot integriert. “Kein einziger Mitarbeiter” verliere seinen Job.

Enttäuschung: “ARD Video” im Appleladen

Von Fiete Stegers am 25. Februar 2009

Als ARD-Mitarbeiter jauchzte ich auf, als der iTunes-Newslettter ankündigte: “ARD Video startet kunterbunt bei uns im Store.” Die Freude wich Enttäuschung, als ich mir das Angebot anschaute: Ein Häuflein Kinder-Serien und “hochwertige” Geo-Dokumentationen - kostenpflichtig.

Natürlich gibt es bei der ARD bzw. Tochterfirmen offline seit ewigen Zeiten bestimmte Produktionen kostenpflichtig zu erwerben (Hörbücher, Serien-DVDs …). Aber im populären iTunes-Store unter Trara ein Angebot mit dem scheinbar allgemeingültigen Namen “ARD Video” für Kaufware einzurichten, unter dem die Nutzer eher eine vollwertige Mediathek erwarten? Das tut den bereits verstreut und vor allem kostenlos via iTunes-Shop erhältlichen ARD-Angeboten Unrecht und löst bei den Gebührenzahlern - wie in den Nutzerkommentaren bei iTunes - Unverständnis und die berechtigte Frage aus, wofür sie denn noch alles zahlen sollen.

Exklusives “Internet-Tagebuch des Familienmörders”

Von Thomas Mrazek am 25. Februar 2009

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Vier Menschen sind tot. Wer sucht, stößt im Internet schnell auf Seiten, auf denen sie über sich und ihr Leben berichten, private Fotos zu sehen sind. Wie gehen Medien damit um? Das Beispiel “Hamburger Abendblatt”.

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Die Süddeutsche und die Angst vor falschen Freunden

Von Fiete Stegers am 24. Februar 2009

Aus der unendlichen Reihe “Die SZ und das Internet - eine Geschichte voller Missverständnisse” (bei Langeweile einfach überspringen):

Ein SZ-Magazin-Autor, leitender Redakteur und bekennender Late Adopter, entdeckt Facebook - das heißt, eigentlich entdeckt er es nicht für sich, sondern sucht nach einem zaghaften Erstkontakt erschreckt das Weite.

Sein gutes Recht, aber warum muss er darüber in der Zeitung (Zeitschrift) schreiben? Ein überflüssiger Text ohne Botschaft. “schöne kommentare seiner befremdeten leser!”, empfahl der Facebook-Freund, der mich auf den Artikel hinwies. So meint eine Leserin: “Einfach nicht registrieren, es wird ja keiner gezwungen. Aber an einem sozialen Netzwerk auf so langweilige und nicht fundierte Art und Weise einfach mal ein bisschen rumzumeckern, ist des SZ-Magazins nicht würdig. Wenn das Ganze wenigstens überspitzt und/oder witzig geschrieben wäre … “

Facebook-Rede: CNN macht’s nochmal

Von Fiete Stegers am 24. Februar 2009

Wer es bei der Präsidenten-Vereidigung verpasst hat: CNN überträgt heute die erste Rede Obamas zur Lage der Nation noch einmal nach dem gleichen Muster, das heißt, in Kooperation mit Facebook. Die User können mit ihren persönlichen Freunden oder sämtlichen Facebook-Nutzern sowie CNN-Personal chatten. Beginn der eigentlichen Rede ist um 21 Uhr EST (3 Uhr unserer Zeit).

Zur Stunde haben 246.613 Facebook-Nutzer ihre Teilnahme angekündigt, weitere 92.267 haben in ihrem Profil markiert, dass sie vielleicht teilnehmen. Wer keine explizite Einladung bekommen hat: “Gäste dürfen Freunde zu dieser Veranstaltung mitbringen.” Oder einfach den CNN-Livestream auswählen und vorher bei Facebook einloggen.

Unterstützt Jens Weinreich!

Von Thomas Mrazek am 22. Februar 2009

Jens Weinreich ist freier Sportjournalist, Gründer des Sportnetzwerkes und bekannterweise kein Vertreter eines Jubeljournalimus. Er liegt seit Monaten in einem Konflikt mit dem Deutschen Fussball-Bund (DFB), der beispielhaft für den Umgang grosser Organisationen mit Journalisten ist.

Da der Konflikt mit dem DFB seine finanziellen Mittel zu übersteigen droht, bittet Jens Weinreich nun um Spenden. Über die Hintergruende informiert er in seinem Weblog: Zwanziger/DFB ./. Weinreich: Spenden und Mitleidsbekundungen (22. Februar 2009)

Kontoname: Spenden DFB ./. Weinreich
Kontonummer: 1005801897
Deutsche Kreditbank AG (BLZ 12030000)
BIC/SWIFT BYLADEM1001
IBAN DE71120300001005801897

Diesen Text entnahm ich dem sehr empfehlenswerten Newsletter des Netzwerk Recherche.

Update 02.03.2009
“Am Donnerstag, 5. März, kommt es vor dem Landgericht Frankfurt am Main zur nächsten Verhandlung über den Widerspruch des DFB gegen eine von Weinreich erwirkte Gegendarstellung zur diffamierenden und mit Unwahrheiten gespickten Pressemitteilung des DFB vom 14. November 2008″, meldete heute der Newsletter des Sportnetzwerks.

Springers schönste Tochter?

Von Fiete Stegers am 18. Februar 2009

Screenshot Abendblatt 14.02.2009Wie war das noch gleich mit der Online-Offensive beim Hamburger Abendblatt? Auch wenn wir es langsam leid sind, überflüssige Bildergalerien anzuprangern: Als Aufmacher präsentiert uns die Springer-Zeitung soeben eine Bildergalerie (29 Fotos) über “Hamburgs schöne Töchter” samt dazugehörigem Bericht über die Modenschau eines im Text ausgiebig gewürdigten lokalen Modehauses. Garniert wird das auf der Abendblatt-Startseite mit Werbung für ein Online-Spiel sowie “federleichtem French Pop”. Und mit einem Neunziger-Jahre-Tickerlaufband, das - zumindest hier - offenbar sämtliche anderen Browserfenster erlahmen lässt.

Twitter: Wider den redaktionellen Ernst …

Von Thomas Mrazek am 17. Februar 2009

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Redaktionelle Selbstkritik bei der Münchner “Abendzeitung”, allerdings lesen derzeit nur rund 370 “Follower” (vor drei Wochen waren es noch 35, ergänzte die “Abendzeitung” eben) das Twitter-Angebot der Boulevard-Zeitung. Ich betrachte das bislang eher als Klamauk; gehaltvolle inhaltliche Diskussionen lassen sich über Twitter nicht führen, wie die “Abendzeitung” und ich letzte Woche feststellen mussten (ja, ich habe dabei über die Stränge geschlagen).

Ich könnte mir vorstellen, dass es in einem halben Jahr viele Twitter-Angebote von Medien nicht mehr geben wird oder dass sie zumeist nur mehr oder weniger automatisch bespielt werden (sprechen wir Ende August doch noch mal darüber). Ich will die Bemühungen dieser Zeitung und anderer Medien damit aber auf keinen Fall in die Tonne treten, es ist insbesondere in Krisenzeiten löblich, wenn neue Dinge ausprobiert werden, da kann es ruhig auch mal etwas klamaukig werden. Zur Mahnung auch ein aktueller Twitter-Beitrag von Fiete Stegers: “Ob Twitter inzwischen weltweit schon mehr Arbeitsstunden gefressen hat als Solitaire?”.

Für die Metaebene: In der Bookmark-Sammlung Onlinejournalismus gibt es rund 150 Beiträge zu Twitter. Und selbstverständlich gibt es auch auf dieser Seite einige Beiträge dazu.

Was mir gefällt: Heute HAZ.de

Von Thomas Mrazek am 13. Februar 2009

Hannoversche Allgemeine

So, in einem Weblog darf es ja auch mal etwas subjektiver sein, mal schauen, ob “Was mir gefällt” sich in Zukunft auch mit Inhalten füllen lässt. Freilich soll das Ganze auch relativ kurz und wie gesagt auch mit etwas Bauchgefühl ausgestattet sein. Jetzt aber los: Ja, HAZ.de, der neu gestaltete (um das Wort Relaunch zu vermeiden) Online-Auftritt der “Hannoverschen Allgemeinen” gefällt mir gut.

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Bei der Unterhosen-Parade hat Springer die Nase vorn

Von Fiete Stegers am 9. Februar 2009

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Feinripp-Versorgungsunternehmens Schiesser sind ein ohnehin quotenträchtiges Thema, das man im Onlinejournalismus geradezu ideal als Bilderstrecke aufbereiten kann - zumindest denkt man das bei Welt Online.

Völlig untypisch besteht diese nur aus fünf Bildern (darauf fünf Herren, zwei Damen). Doch wer das knappe Fotomaterial der gängigen Agenturen zu diesem Thema kennt, weiß, dass sich die Welt hier ganz schön ins Zeug gelegt hat: Vier Fotos stammen von Schiesser direkt, eins vom Themendienst GMS. Sicherheitshalber schiebt Welt zusätzlich zwei ältere Bilderstrecken hinterher: “Spektakuläre Insolvenzen” und “Weitere Pleiten”.

Damit liegt Welt Online weit vor der Kollegen. Spiegel Online hatte das Thema vorhin nicht einmal auf der Seite. Die FAZ bietet einen eigenen Korrespondentenbericht - nüchtern aufgemacht. Das Handelsblatt verlässt sich auf eine knapp bekleidete Dame als Teaserbild (”Da konnte Schiesser auch die beste Werbung nichts helfen.”) - und recycelt seine Bildstrecke “Insolvente Kultunternehmen”. Ähnlich bei der Süddeuschen: “Pleiten deutscher Traditionsunternehmen” zählt neun (größtenteils langweilige) Bilder.

Der Westen ist offen und ehrlich: “Die Schiesser AG hat Insolvenz angemeldet. Grund genug für einen fotografischen Ausflug in die Welt der Unterwäsche.”