Gegen Bezahlung: DerWesten lässt das Höschen runter

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Auf der verzweifelten Suche nach Erlösquellen ist Netz-Medien mitunter kein Mittel zu schade. DerWesten wirbt bei Parteien mit einem dubiosen Angebot.

Die Debatte über Bezahlinhalte ist derzeit im Online-Bereich das Thema Nummer 1 – nennenswerte Ergebnisse gibt es erwartungsgemäß noch keine. „Wenn alles gut läuft, schreiben wir 2010 schwarze Zahlen“, verkündete im Januar Bodo Hombach für DerWesten.

Vergesst Mobile
Hombach, einer der beiden Geschäftsführer der WAZ-Gruppe, ergänzte diese Aussage: „Jetzt diskutieren wir mit Mobilfunkanbietern. Wir werden unsere Online-Inhalte auch über Handys verbreiten.“ Mit dem Verbreiten ist es freilich nicht getan. „Mobile Advertising wird kurz- bis mittelfristig keine neue Erlösquelle für Medienunternehmen werden“, sagte der Geschäftsführer der seit rund zehn Jahren auf Mobile spezialisierten Münchner Agentur Mindmatics, Ingo Lippert, kürzlich bei einem Medienkongress. Ob Hombachs Rechnung in diesem Bereich aufgeht ist also fraglich.

Sexismus?
Aber in Essen ist man kreativ. Die „taz“ berichtet heute über eine dubiose Akquiseaktion der WAZ-Gruppe (Artikel „Parteien aufm Pott“). Für die anstehenden Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen können Parteien für 25.000 Euro ein Werbepaket auf DerWesten buchen. Die Präsentation des Angebots stößt an Geschmacksgrenzen: „Es geht um ein recht eigenwilliges Motiv: eine auf dem Klo sitzende Frau mit heruntergelassenem rotem Unterhöschen, die sich zu einem auf dem Boden liegenden Notebook hinunterbeugt,“ beschreibt die „taz“ die Angebotsbroschüre (siehe PDF, 8 S., 2,81 MB, der WAZ-Gruppe auf dem Server von Die Linke Nordrhein-Westfalen). Die Linkspartei Nordrhein-Westfalen und der Landesverband der Grünen halten diese Präsentation für „sexistisch“. Die WAZ-Gruppe sieht dies natürlich anders, die „taz“ zitiert Unternehmenssprecher Paul Binder: „Es ist nicht frauenfeindlich und nicht sexistisch.“ Zudem habe dies bereits der Werberat 2007 attestiert, als das Motiv für die damalige Werbekampagne von DerWesten eingesetzt wurde.

Wer zahlt, schafft an
Aber vor allem inhaltlich gibt es Wesentliches an dem Angebot zu bemängeln: Die Trennung zwischen Werbung und journalistischen Inhalten erscheint nicht eindeutig. „Nur wer das Paket bucht, taucht auch in dem Wahl-Special auf,“ sagt Unternehmenssprecher Binder gegenüber der „taz“. Das ist wiederum eine eindeutige Ansage des nach eigenen Angaben „größten Nachrichtenportals der Region“. Zweifelhaft bleibt, ob sich DerWesten auf diese Art und Weise weiter etablieren kann. Zweifelhaft ist auch, ob überhaupt eine Partei auf dieses Angebot eingehen wird.

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