Archiv für April 2009

Schweinegrippe visuell

Von Fiete Stegers am 28. April 2009

Sceenshot Infografik El Pais
(Vermutlich ein bisschen neidische) Kollegen machen auf Schweinegrippen-Grafiken bei internationalen Online-Medien aufmerksam:

(Dank an M.S. und C.R.! Weitere Tipps gerne in den Kommentaren)

Medienlese: 2000 Euro Spenden in drei Tagen

Von Fiete Stegers am 28. April 2009

2000 Euro Spenden in drei Tagen, um wenigstens das Einstellen der ausgewählten Link-Schau “6 vor 9″ des todgeweihten Blogs Medienlese.com zu bewahren - das klingt erst mal nach viel. Als Arbeitslohn für den Rubrik-Betreuer bis Oktober allerdings nach wenig.

Ich sehe hier keine Rettung, sondern nur eine Gnadenfrist. Wenn die Rubrik überleben will, muss sie wahrscheinlich bei einem solventeren Online-Medien unterkriechen. Ein Geschäftsmodell, dass aus einer Mischung aus Betteln und Erpressen der Nutzer beruht, kann sich auf Dauer außer der taz niemand leisten …

Upload sieht das Beispiel hingegen in seiner Analyse optimistischer.

(Via Medienrauschen.de )

Update 29.04.2009
medienlese.com: “Erfolgreiche Spendenaktion: “6 vor 9″ wird weitergeführt”

Hans-Jürgen Jakobs’ „Stiftung Blasentest“

Von Thomas Mrazek am 27. April 2009

hans-juergen-jakobs.jpg

Im druckfrischen und empfehlenswerten Werk „Die Alpha-Journalisten 2.0“ porträtiert Medienjournalist Christian Meier den Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs. „Der Konvertit“ lautet der Titel seines Aufsatzes. Meier schreibt:

„Auch sueddeutsche.de hat freilich beim Wettlauf um die bizarrsten Klickmonster mitgemacht. Beispielsweise mit Durst-Strecke: Die 100 besten Bier der Welt oder einer umfänglichen Galerie mit Fotos von Luxusuhren. „Da frage ich mich heute schon, wie es dazu kommen konnte“, übt sich Jakobs in Selbstkritik. Solche Galerien seien eher Katalog- als Journalistenarbeit und würden nicht mehr produziert. Seit einiger Zeit gelte für Fotostrecken eine interne Grenze von 25 bis 30 Elementen.“

Jakobs’ Einsicht in allen Ehren. Was davon zu halten ist?

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Internetfernsehen und UGC

Von Fiete Stegers am 25. April 2009

Nach “Das Verschwinden der Zeitung?” noch ein interessanter Basis-Reader der Friedrich-Ebert-Stiftung: “Internetfernsehen von TV-Sendern & User Generated Content”. Autoren sind Claudia Gerhards und Sven Pagel, die an der FH Düsseldorf lehren.

Einen Download-Link habe ich bisher noch nicht gefunden, aber an anderer Stelle gibt es ein Vortragsmanuskript der beiden zu ihrer Untersuchung (PDF).

Darf ein Politik-Redakteur bei Facebook lästern?

Von Fiete Stegers am 25. April 2009

Darüber, wie offenherzig Nutzer von sozialen Netzwerken mit privaten Informationen umgehen und welche Folgen das haben kann, berichten Journalisten immer wieder (Beispiel-Klassiker: Party-Foto zerstört Bewerbungschancen). Wie sie sich selbst verhalten, wenn sie bloggen, twittern oder sich bei Facebook tummeln, haben sie aber noch kaum diskutiert.

Warum wir das aber sollten, habe ich bei dnews.de aufgeschrieben. Stephen Myers hat sich bei Poynter Online vor einiger Zeit noch ausführlicher Gedanken gemacht.

Zum Aus von medienlese.com

Von Thomas Mrazek am 24. April 2009

Leider kann ich nur von unterwegs ein paar Worte dazu verlieren: “Wir von Blogwerk haben beschlossen, medienlese.com am 30. April einzustellen”, meldete Blogwerk-Chef Peter Hogenkamp heute Nachmittag. “Wir haben immer gewusst, dass medienlese.com zu einem guten Teil ein Prestigeobjekt ist, und dass man mit einem Medienblog, das kein Branchendienst sein konnte und wollte, nicht viel Geld verdienen konnte”, heißt es weiter.

Ich kann nur Don Alphonsos Kommentar in der Blogbar zustimmen, dass Medienlese “sich tatsächlich angestrengt und selbst was gemacht [hat], statt immer nur abzuschreiben und anderen Medien in den Arsch zu kriechen, wie das sonst in dieser Branche nicht selten ist.” Medienlese ist zum einen mit seinen morgendlichen Links “6 vor 9″ und vor allem mit zahlreichen fundierten und manchmal überraschenden Beiträgen von Autoren wie Klaus Jarchow, Ole Reißmann oder Ronnie Grob für mich zu einer liebgewordenen Lektüre geworden. Schade.

Geringe Hoffnung auf eine Übernahme bestehe zwar noch, doch am wahrscheinlichsten sei, dass das Projekt zum 30. April eingestellt werde, sagt Hogenkamp. Im Blog Massenpublikum wird bereits zu Spenden aufgerufen.

1700 Vorschläge für Grimme Online Award

Von Fiete Stegers am 23. April 2009

Internet-Nutzer und Website-Betreiber haben fast 1700 Vorschläge für den Grimme Online Award 2009 eingereicht, wie das Grimme Institut mitteilt. Das sind ein bisschen viel auch nur zum Überfliegen, aber ein paar mehr oder weniger bekannte Namen sind auf jeden Fall auf der Liste: Von Ahoi Polloi über Geo und FAZ oder Undertube und Folge-Mag bis zu dem noch recht frischen Blog von Michael Spreng.

“Am 12. Mai werden die Nominierungen im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung in der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf offiziell bekannt gegeben”, so die Ankündigung: “Diese Gelegenheit möchten wir nutzen, um einen Blick auf aktuelle Entwicklungen im Netz zu werfen und diese gemeinsam mit den Nominierten und anderen interessierten Online-Akteuren zu diskutieren.”

Gute Freunde auch in der Krise: Die INSM und die Medien

Von Thomas Mrazek am 16. April 2009

Nur eine kurze Notiz, Kenner der Materie werden sich über das gelungene Zusammenspiel von PR und Journalismus sicher freuen. Im Tagebuch der Initiative Soziale Marktwirtschaft, abgekürzt INSM (“eine rein interessengesteuerte Pressure Group, die wirtschaftsliberale Positionen ins Land trägt, finanziert durch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie”, charakterisierte sie unser Mitstreiter Fabian Mohr 2006), jubeln die Verantwortlichen heute über die gute Medienresonanz ihres eben veröffentlichten Regionalrankings:

Großes Interesse bei Online-Medien
Das INSM Regionalranking 2009 erzeugte sofort nach seiner Veröffentlichung am Donnerstagmorgen um 11.00 Uhr eine hohe Medienresonanz. Bis zum Nachmittag verzeichnete “Google News” schon mehr als 100 Verweise auf Online-Medien. Vor allem regionale Internetdienste profitierten von den detaillierten Informationen bis auf Landkreis-Ebene. Die überregionalen Medien thematisieren vor allem das schlechte Abschneiden der ostdeutschen Regionen in der Rangliste. ”Auch zwanzig Jahre nach der Wende verzeichnet die INSM ein großes Gefälle zwischen Ost und West”, schreibt zum Beispiel die ZEIT ONLINE. Und FOCUS Online setzt noch eine Spitze drauf: “Blühende Landschaften gibt es 20 Jahre nach der Wende vor allem in Bayern”, schreiben die Münchner.

Nachtrag 23.04.2009
Im sehr empfehlenswerten Newsletter des Netzwerk Recherche wird die von einigen Medien praktizierte Praxis heute auch noch mal kritisiert: “Unkritische Berichterstattung spielt Lobbyismus in die Hände”. Weitere Beiträge fanden sich einige Tage nach unserem Bericht im Zeit Meckerblog (”Kommentarlose Übernahme von PR-Informationen”, dort auch die Kommentare beachten!) und im Blog Lobbycontrol (”Erneut unkritische Berichterstattung über INSM Ranking”).

Basislektüre: “Das Verschwinden der Zeitung?”

Von Fiete Stegers am 7. April 2009

Die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kamp haben kürzlich für die Friedrich-Ebert-Stiftung einen Band über “Das Verschwinden der Zeitung?” verfasst. Ganz habe ich es noch nicht gelesen, aber die einleitenden Thesen und Handlungsempfehlungen fassen schön zusammen, was Grundwissen sein sollte, wenn man derzeit einen Artikel zum Thema verfasst oder ein Diskussionspodium erklimmt.

(Download als PDF, es gibt auch eine Printversion)

re:publica: Kleine (persönliche) Nachlese

Von Fiete Stegers am 4. April 2009

Podium auf der re:publica | Foto: Fiete Stegers

Die re:publica 2009 ist vorbei. Meine enttäuschte getwitterte Kritik an einer durch Panelgäste und Publikumsfragen gleichermaßen unergiebigen Diskussion zum Thema Medienwandel ist hier und da zitiert worden.

Auch Bloggerin und Journalistin Lisa Frank beschwert sich, es würden “… in Panels und Diskussionsrunden Dinge erklärt, von denen ich dachte, die seien Grundvoraussetzungen, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Wenn es eine halbe Stunde für Microblogging und Großstadtnomaden gibt und dann erst einmal zehn Minuten Twitter sowie Handykameras erklärt werden, frage ich mich doch, wen erwartet man eigentlich als Publikum?” Sie fragt sich “für wen diese Veranstaltung eigentlich gemacht ist?”

Screenshot ARD Teletext Den Spagat zwischen den Ansprüchen von Experten (in ihrem Teilgebiet, das auf der re:publica nur eines von vielen sein kann) einerseits und relativen Neulingen andererseits, die auch den Veranstaltern der Konfernez bewusst ist, habe ich auch in meiner Kolumne für Dnews aufgegriffen, ebenso wie die überzogenen Ansprüchen mancher Kritiker: “Wie relevant ist die re:publica?”

Wenn die Nennung durch die Kollegen des ARD-Videotexts ein Kriterium ist: Das hat die Konferenz schon mal erreicht.

P.S.: “Wie relevant ist die re:publica? Offenbar relevant genug, dass quasi jeder einen Beitrag mit dieser Fragestellung zu bringen scheint.” (Nathanael)

Weitere Links
… im sonstigen Internet:

  • Lisa Frank hat auch noch ein Fazit für die taz geschrieben, fühlt sich aber falsch redigiert.
  • Thomas Knüwer über die Parallelwelt re:publica (mit einem perfekten aber überspringbaren Beispiel am Anfang, einem in jedem Fall überflüssigen Mittelteil und ernsthaften Betrachtungen am Ende seines Eintrags)
  • “Blog Kommunikation” verlinkt diverse Blog-Kommentare zur Veranstaltung
  • Ulrike Langer über die “Dauerschleife der Bloglandschaft” und uninspirierende Fragen aus dem Publikum.