Konferenz-Twitterei: Was bringt’s?

Von Thomas Mrazek am 6. Mai 2009

Nein, ich habe es noch nie getan, von einer Konferenz zu twittern und habe es auch nicht vor. Ich rezipiere solche Beiträge zumeist sporadisch. Allerdings frage ich mich zunehmend nach dem Sinn und Unsinn solchen Publizierens - wem bringt das was? Den Twitternden selbst, den Teilnehmern, den Lesern im Lande an den Empfangsgeräten; den Veranstaltern, den Akteuren (Menschen, Marken), deren Namen immer wieder kursieren, den Anbietern von Mobilgeräten? Ist es nur noch mehr Rauschen?

gckl schrieb bei Twitter eine gute Antwort: “Das Kongressgezwitscher scheint ein diffuses Zugehörigkeitsgefühl zu fördern.” Geben Sie auch Ihre 140 Zeichen oder gerne mehr hinzu …

Aktuelle Beispiele: #next09 oder hier: Medientreffpunkt.

Das Thema wäre übrigens auch ein - wie ich finde - dankbarer Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit.

Mehr zu Twitter hier bei Onlinejournalismus.de und bei Delicious.

6 Antworten zu “Konferenz-Twitterei: Was bringt’s?”

  1. Alexander Svensson sagt:

    Meine persönliche Antwort: Twitter ist für Konferenzteilnehmer der einfachste Backchannel, es hilft beim Feststellen, wer noch auf der Konferenz ist, dient zum Austauschen von Links zur Konferenz, selbstverständlich auch zum Loben und Lästern - all das funktioniert, wenn genügend Twitternutzer da sind. Als Liveticker für Außenstehende finde ich Twitter dagegen ungeeignet, und ich habe volles Verständnis für alle, die während twitterlastiger Konferenzen genervt sind. Meine persönliche Lösung ist derzeit filttr.com, ein webbasierter Twitterclient, der Inhalte z.B. mit bestimmten Hashtags (beispielsweise #next09, #dsds, #tatort oder #bvb) herausfiltert.

  2. Thomas Mrazek sagt:

    @Alexander: Besten Dank für Deinen Beitrag, ähnlich sehe ich es auch; Danke auch für den Hinweis auf das Herausfiltern, das kannte ich bislang nicht.

  3. probek sagt:

    Den Tweetstream filtern können auch die Twitter-Clients TweetDeck und DestroyTwitter, letzterer sogar mit mehreren Schlüsselwörtern gleichzeitig oder durch die Ausblendung einzelner Follower. Lokalen Anwendungen vertraue ich ggf. auch eher mein Twitter-Login an als einer Webseite mit ungewisser Zukunft.

    Aber davon ab: so schlimm finde ich die gelegentliche Überflutung des Streams mit “sachfremden” Tweets nun auch wieder nicht, als dass ich da nicht drüberlesen könnte. Drüberlesen bin ich vom Feedreader eh gewohnt, wen eine ähnliche Informationsüberflutung auf Twitter nervt, der sollte halt seine Follower-Zahl reduzieren, einen vernünftigen Client benutzen (s.o.) oder sich fragen, ob er nicht gleich bei über 140 Zeichen und E-Mail-Versenden bleiben sollte (oder nicht zu alt* für sowas wie Twitter ist).

    *cum grano salis

  4. Muschelschubserin sagt:

    Mich persönlich stört weniger die Quantität dieser Tweets als die Qualität. Wenn ich im Minutentakt und für mich als Außenstehende völlig zusammenhangslos Zitate um die Ohren gehauen kriege (wobei ich oft noch nicht einmal weiß, von wem und worüber derjenige gerade spricht), dann mutieren solche Tweets zum Informationsmüll.

    Selbst, wenn ich weiß, worum es geht, sind viele der zitierten Sätze völlig irrelevant und überhaupt nicht neu. Ich muss nicht hyper-aktuell zum tausendsten Mal lesen, dass erneut ein Medienmensch sagt, Print könne nur durch Qualitätsjournalismus gerettet werden…

    Für mich ist das oft (nicht immer!) ähnlich wie bei Katastrophen wie dem Amoklauf, Flugzeugabsturz und Einsturz des Stadtarchivs: Ich kann gut auf die ach so aktuellen, aber sehr unreflektierten Infos bei Twitter verzichten. Interessiert mich ein Thema, kann ich auch eine Weile warten, bis jemand fundiert darüber bloggt. (Das gilt im Übrigen auch für Fotos - ich muss nicht sehen, was jemand zu Mittag ist bei einer Konferenz oder wie leer ein Saal ist.)

    Bei Konferenz-Getwitter sollte es meiner Meinung nach darum gehen, per @-Zeichen zu kommunizieren (was ich dann nicht immer sehen kann), ein paar wichtige Infos über die Veranstaltung mitzuteilen, gute Links anzukündigen, eigene Beiträge zu verlinken und Knallerzitate, also wirklich wichtige und neue Aussagen, zu zwitschern. Mehrwert halt, nicht Müll.

  5. Alexander sagt:

    @probek: Mir sind lokale Apps auch lieber, aber Tweetdeck kann leider nur einen Begriff ausschließen und bei DestroyTwitter funktioniert die Filterung über “exclude these keywords” sehr unzuverlässig.

  6. probek sagt:

    @Alexander
    Das ist mir bei DestroyTwitter auch schon aufgefallen, dachte aber, es läge an mir … (nutze in der Regel Tweetdeck und bin sehr zufrieden). Ansonsten empfinde ich, wie gesagt, das Problem nicht als so störend. So massiert manchmal der Stream mit vermeindlich uninteressanten Tweets überflutet wird, so schnell ebbt das oft auch wieder ab. Das Signal-Rausch-Verhältnis ist bei Twitter nun mal anders als bei Blogeinträgen oder gar den gedruckten Ergüssen meiner Mitmenschen. Aber genau das macht oft den Reiz aus.

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