Gastbeitrag: Die Dummheit der Zeitungsmacher

Von Gastautor(in) am 24. Juni 2009

Alte Zeitung | Foto: just.Luc unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de
Foto: just.Luc unter Creative Commons

Gastbeitrag von Jan Söfjer

Überall hört und liest man, dass das Internet den Zeitungen das Wasser abgräbt und so ganz falsch ist das ja auch nicht. Genauso endet aber jeder Beitrag mit dem Fazit, die Zeitung habe auch in Zukunft eine Berechtigung, weil sie hintergründiger etc. pp. als das Netz sei.

Das ist alles sehr schön und richtig, aber leider geht das an der Realität vorbei, denn sehr sehr viele lokale und regionale Zeitungen sind ziemlicher Schrott. Da besteht dann schon einmal der gesamte Mantel aus Agenturmeldungen. Das reine Veröffentlichen dieser ist aber die primäre Aufgabe des Internet-Journalismus.

Das einzige, was dann solche Zeitungen noch auszeichnet sind ihre lokalen Geschichten. Da jedoch findet der Leser oftmals nur noch belangloses Stückelwerk von völlig überlasteten Redakteuren, freien Mitarbeitern und Praktikanten zusammengekleistert. Und dann sagen die Verantwortlichen auch noch, dass der Leser von heute, gerade die jungen, keine langen Texte, und das heißt wohl auch, keine anspruchsvollen Texte mehr lesen wollen, dass sie sich nicht mehr konzentrieren können, sprich zu dumm sind für das Kulturgut Zeitung.

So, meine lieben Zeitungsmacher, wird es euch und euer Produkt bald wirklich nicht mehr geben. Und Schuld wird nicht das Internet sein.

Jan Söfjer studierte Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt und besucht derzeit die Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl in Reutlingen.

Mehr zum Thema
“Wozu noch Zeitungen?” fragen die Forscher Leif Kramp und Stephan Weichert. Ihre Analyse: acht Probleme, acht Chancen für die Presse.

16 Antworten zu “Gastbeitrag: Die Dummheit der Zeitungsmacher”

  1. ahe sagt:

    Was für ein selbstgerechtes, oberflächliches (und im vorletzten Satz grammatikalisch fragwürdiges) Gejammer . . .

  2. ahe sagt:

    Sorry: im drittletzten Satz grammatikalisch fragwürdig.

  3. Thomas sagt:

    Der Witz bei diesem Beitrag besteht wohl darin, dass er sich genauso liest wie das, was krtisiert wird.

  4. Steffino sagt:

    Der Herr Gastautor will Online-Journalismus studiert haben?

    Artikel wie diese bringen mich jedenfalls nicht dazu, keine Zeitung mehr zu lesen… ;-)

  5. hoog sagt:

    Geht runter wie Sahne! Deftig, aber absolut korrekt.

  6. Lohnschreiber sagt:

    Ganz verkehrt ist das ja nicht … aber eben leider auch nicht ganz richtig.

    Es stimmt ja schon, dass manche Lokalzeitung wirklich Texte von fragwürdiger Qualität raushaut. Da kann einem beim Lesen schon mal anders werden. Und natürlich wäre es auch wünschenswert, im Mantelteil hochwertige Texte eigener Autoren zu lesen.

    Aber dann so platt zu argumentieren, dass das Veröffentlichen von Agenturmeldungen Aufgabe des Internetjournalismus sei (wieso denn?), ist ziemlich daneben.

    Natürlich kann sich der Leser diese Meldungen auch im Netz suchen. Aber Aufgabe des Journalisten ist doch auch die Einordnung von Nachrichten, das Auswählen dessen, was wichtig ist, was der Leser auf jeden Fall wissen und in der Zeitung angeboten bekommen haben sollte. Und dieser Aufgabe kommen auch die Lokalblättchen nach - im günstigsten Fall mit einer wohlfeilen Auswahl an Geschichten. Und wenn sie sich dann noch die Mühe geben, die Agenturmeldungen ein wenig zu redigieren, was den meisten dieser Meldungen ganz gut tut, dann muss das daraus entstehende Produkt nicht zwangsläufig schlecht sein.

    Aber um das auseinander zu klamüsern fehlte dann vielleicht die Zeit, was? Oder lag’s doch nur daran, dass “der Leser von heute, gerade die jungen, keine langen Texte, und das heißt wohl auch, keine anspruchsvollen Texte mehr lesen wollen, dass sie sich nicht mehr konzentrieren können, sprich zu dumm sind für das” … öhömm … Kulturgut Onlinejournalismus? Wäre ja auch möglich.

  7. Jan Söfjer sagt:

    Es ist nicht meine Meinung, dass Internetjournalisten primär Agenturmeldugen online stellen, sondern es ist faktisch so. Das ist der Kernjob dieser Branche. Agenturmeldungen raushauen und dazu noch Texte aus der Zeitung online stellen. Und manchmal, bei wenigen Online-Seiten, schreibt auch noch ein Online-Redakteur selber etwas. Das ist zumindest das Bild, das jeder sieht, der sich die großen deutschen Online-Redaktionen von innen angesehen hat.

    @Lohnschreiber: “Aber Aufgabe des Journalisten ist doch auch die Einordnung von Nachrichten.” Das denke ich auch bzw. dachte es auch. Das passiert aber viel zu oft nicht. Im Online-Journalismus passiert das nicht, weil alle Online-Redaktionen chronisch und seit ihrer Gründung unterbesetzt sind und bei den Print-Zeitungen passiert das auch zunehmend nicht mehr. Das ist alleine schon ein Resultat aus den massiven Sparwellen, die die letzten Jahren die Redaktionen ausgedünnt haben.

    @Steffino: Online-Journalismus studiert zu haben heißt nicht, die Zeitung überflüssig zu finden. Der Online-Journalismus ergänzt nur die Zeitung. So wie immer alle neuen Medien die alten nur ergänzt haben. Das Problem, was den Online-Journalismus betrifft, ist nur, dass er in Deutschland eigentlich gar nicht existiert. Es werden fast nur Agenturmeldungen und Printtexte veröffentlicht. Dafür wurde aber das Medium nicht erfunden. Und das in der Berufspraxis nach und nach einsehen zu müssen, das macht einen zum Realisten. Das ganze Gelaber über die Zukunft im Internet ist doch bloßes Gewäsch. Nichts davon existiert. Was gibt es denn? Ein paar schlechte Videos, archivierte Podcasts und ein paar Blogs. Na super. Was für eine Revolution.

  8. Katharina Dockhorn sagt:

    Ich bin entsetzt, denn was lernen Journalisten heute an Hochschulen? Dass sie ungefragt klauen dürfen?
    Denn was ist mit dem Urheberrecht bei Agenturmeldungen? Es wird doch umgekehrt ein Schuh draus, dass Agenturmeldungen im Internet nur etwas zu suchen haben, wenn dafür von den Seiteninhabern auch die entsprechenden Verträge abgeschlossen wurden. Und jeder weiß, dass dies oft nicht passiert. Die Agentueren haben nicht umsonst bereits Suchmaschinen entwickeln lassen, die all die aufspüren sollen, die ungefragt ihre Arbeit verwenden.
    DPA wird von den Zeitungsverlegern bezahlt, die damit ihren Mantel bestücken können. Es wäre ja auch viel zu teuer, wenn jede Zeitung überall auf der Welt Korrespondenten hat.

  9. Fiete Stegers sagt:

    @ Katarina Dockhorn: Wo steht denn hier, dass Journalisten “ungefragt klauen dürfen”? Möglicherweise habe ich es überlesen.

  10. Thomas sagt:

    Hmm, ich war ja vom Gegenteil überzeugt, aber wie es aussieht, scheint der Beitrag doch keine Parodie sondern ernst gemeint zu sein???

  11. Lohnschreiber sagt:

    Neeee Jan, so wird da kein Schuh draus. Du hast ja recht, dass sich Onlinejournalismus in weiten Teilen allein darauf beschränkt, Agenturtexte und Texte der Printkollegen ins Netz zu heben. Aber bei den Agenturtexten findet ja auch eine Selektion statt. Also auch durchaus journalistische Arbeit.

    Du schreibst ja selbst - und das völlig zutreffend - dass die meisten Onlineredaktionen chronisch unterbesetzt sind. Folglich bleibt gar nichts anderes übrig, als zu selektieren, welche der zig Agenturmeldungen man denn nun mitnimmt - alle schafft man ja gar nicht. Aber der Seitenbauer im Print macht ja im Grunde auch nichts anderes. Er wählt Agenturmeldungen aus, die er auf die Seite hebt, und packt dann die Texte seiner schreibenden Kollegen aus dem eigenen Hause hinzu. Genau das macht auch der Onliner - bloß für ein anderes Medium.

    Meines Erachtens steht der Onlinejournalist vor einem anderen Problem, nämlich dass er noch nicht genau weiß, wo er hin soll, welche Prioritäten er setzen soll.

    Einerseits kommt von den Lesern die gerechtfertigte Forderung nach Qualität. Und auf der anderen Seite steht der Geschwindigkeitsrausch. Und egal was der Onliner macht, er wird die Arschkarte ziehen.

    Nehme ich mir Zeit, um eine Geschichte noch einmal genauer zu recherchieren, kann ich mir schon vorher das Feixen vorstellen, das anhebt, sollte zu dem Thema schon irgendjemand irgendwas getwittert haben. Die Qualitätsfrage stellt sich da ja nicht, ist ja nur Twitter, da sind beliebig viele Fehlschüsse erlaubt.

    Haut man indes eine Geschichte schnell raus und landet dabei mal genau so daneben, wie viele der Twittermeldungen (kann ja im Eifer des Gefechts mal vorkommen), gibt’s Dresche von der Qualitätsfraktion.

    Meines Erachtens sind das die Mühlsteine, zwischen die sich der Onlinejournalismus gerade begibt: Die Entscheidung, entweder verdammt schnell oder verdammt gut zu sein. Beides gleichzeitig gelingt manchmal zwar auch, ist aber wohl eher die Ausnahme.

    Ich denke, man täte gut daran, sich für eines von beidem zu entscheiden. Und ich denke, die Entscheidung für Qualität wäre die richtige. Die hämischen Kommentare, dass dieser oder jener Dienst schneller war, müsste man dann aushalten. Das könnte man aber auch recht gut, wenn man darauf verweisen könnte, dass auf unserer Seite halt die gesicherten Informationen und die sauber recherchierten Geschichten zu finden sind.

    Den derzeitigen Wettstreit kann man aber nur verlieren, weil man - wie es dem Betrachter gerade passt - entweder mit dem Schnellsten der Klasse verglichen und dabei lediglich das Tempo gewertet wird. Oder der Vergleich läuft auf reiner Qualitätsebene, wobei es dann auch nicht so überraschend ist, dass derjenige, der genügend Zeit und Muße zum Recherchieren und Schreiben hatte, das bessere Ergebnis vorzuweisen hat.

    Und mach diese Situation mal Entscheidern in einem traditionellen Medienhaus klar, die das Internet vor allem daher kennen, dass sie sich regelmäßig Spiegel online ausdrucken lassen. Da wirst Du dann auf der einen Seite angepflaumt, warum denn diese oder jene Meldung noch nicht im Netz steht (weil ich gerade dran arbeite und es gut werden soll!) oder Du kriegst Mecker, weil bei der eilig rausgehauenen Geschichte die Rechtschreibung etwas entglitten ist, ein, zwei Sätze nicht ganz so geküsst waren oder sich die eine oder andere Information im Nachhinein als unzutreffend herausgestellt hat.

    Das macht richtig Spaß. Vor allem, wenn Du dann noch auf allen möglichen Seiten im Netz von selbsternannten Experten um die Ohren geballert bekommst, wie doof oder eben langsam Onlinejournalisten sind.

  12. Dieter Hoogestraat sagt:

    @lohnschreiber: Was du beschreibst, gilt doch für alle Redaktionen und schließt nahtlos bei dem an, was Gastautor Jan Söfjer festgestellt hat: Ein bisschen Zackzack, möglichst niedrige Kosten und schon ist die Qualität dahin – egal, ob Print oder Online.

    Wie soll es auch anders ein, wenn Zeitungsverleger von ihren Abonnenten für Produkte Geld haben möchten, deren Inhalte sie im Netz für Null verschleudern.

    Angesichts dieser Situation mag ich kaum detailliert über die Aufgaben von Onlinejournalisten nachdenken. Ich kriege als Freischaffender schlicht kalte Füße, weil meine Abnehmer sich vor lauter Hilflosigkeit gegenüber den elektronischen Medien kurzerhand selbst erledigen.

    Kaum wundert es mich noch, wenn fest angestellte Mitarbeiter mit blassen Gesichtern, Honorare von 13 Cent/Zeile oder 5 Euro/Foto sowie der Kampf um Urheberrechte für das, was man im Vorbeigehen „mal eben schnell zusammenwürfeln kann“, da zum alternativtauglichen Geschäftsmodell werden.

    ———————

    Am Freitag wurde das Wattenmeer von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Von den neun Tageszeitungen, die auf der ostfriesischen Halbinsel erscheinen, von wo ich schreibe, konnte ich vier ohne größeren Aufwand finden. Was Jan über die Situation in den Lokalredaktionen schreibt, fand ich für mich selbst bei einem Thema dieser Tragweite vollends bestätigt.

  13. Martin sagt:

    Es gibt m.E. in Regionalzeitungen in der Tat zu viel Anlass- und Polizeiberichterstattung. Die Zeitungen müssten eigentlich auf Geschichten setzen, die kritisch geschrieben und nirgendwo sonst zu bekommen sind. Dennoch ist der o.s. Beitrag etwas undifferenziert und pauschal gehalten, da mehrere Beobachtungen/Effekte vermischt werden: ökonomische, publizistische und soziale. Zu den sozialen gehört bspw., dass sich die redaktionellen Mitarbeiter leider durch Veranlassung der Chefredaktion /Verlagsleitung oft genug gezwungen sehen, Texte über nichtige Anlässe in der Gemeinde zu schreiben, nur damit sich die betreffenden Bürger in der Zeitung wiederfinden. Das ist aber kein publizistisches Modell mehr. Richtig ist: Die mittleren und kleinen Verlage sind in der Defensive. Was schon heute verlagsunabhängig so alles im Web möglich ist: http://www.martin-welker.de/wp/?p=311

  14. Julia sagt:

    “Es ist nicht meine Meinung, dass Internetjournalisten primär Agenturmeldugen online stellen, sondern es ist faktisch so.”

    Als Online-Journalistin wehre ich mich dann aber doch gegen die Anschuldigung…! Wie kommt der Herr Autor darauf? Sicherlich ist es ein wichtiger Bestandteil der Arbeit - aber nicht der einzige! Bei uns zumindest gehört es durchaus noch zum Alltag, eigenen Content zu produzieren.

    Wieviele Redaktionen hast du denn schon von innen gesehen? Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer!

  15. Torsten sagt:

    Als gelegentlicher Leser Eurer Site kann ich auch nur sagen: Viel vermeintliche Weisheit für ein doch junges Alter. Vorwagen ist gut, aber hier: eindeutig zu weit geschossen, vor allem als “Gastbeitrag”.

  16. lebenskunst sagt:

    Ein schöner Ausblick, der teilweise schon eingetreten ist, gibt es hier: http://media.aperto.de/google_epic2015_de.html

Kommentar schreiben

Bitte lesen Sie die Regeln für Kommentare.


Zeigen Sie, dass Sie kein Spambot sind und lösen Sie die Aufgabe (ohne Taschenrechner).