Regionalportale: Carta ruft Sieg an der “Heimatfront” aus
Von Fiete Stegers am 7. Juli 2009Die Hypothese ist knackig, die Headline nicht nur krawallig, sondern ein ziemlicher Griff ins Klo: “Neues von der Heimatfront” ist ein Artikel von Wolfgang Michal überschrieben, in dem er postuliert: “Das nächste große Ding im Internet könnten regionale Online-Magazine sein, die von freien (und frei gesetzten) Lokal-Journalisten gemacht werden.”
Wirkliche Fakten zur Unterfütterung, warum gerade jetzt selbstgemachte Regionalportale auftrumpfen sollen, liefert Michal allerdings nicht. Sind die Eintrittshürden von Low- oder No-Budget-Websites heutzutage noch geringer als vor einigen Jahren? Mit Sicherheit. Ist die Unzufriedenheit des Publikums mit den traditionellen regionalen medialen Platzhirschen noch gewachsen? Vielleicht. Sind deshalb weniger inhaltlich-organisatorischer Aufwand und Ausdauer erforderlich, wenn man eine Plattform anbieten möchte, die nicht nur für ein Nischenpublikum interessant ist und nicht ausschließlich auf unentgeltliche Beiträge von Bürgerjournalisten setzt? Wohl kaum. Ist mit einem warmen Werberegen für jeden zu rechnen, der sein regionales Blog mehr als nur sporadisch aktualisiert? Im Moment keinesfalls.
Wir werden die Entwicklung aber weiter aufmerksam verfolgen und sind gespannt, ob Michal seine These noch untermauern kann.
Weitere Links
bei onlinejournalismus.de:
- Die Dummheit der Zeitungsmacher. Gastbeitrag von Jan Söfjer.
- “Wozu noch Zeitungen?” fragen die Forscher Leif Kramp und Stephan Weichert. Ihre Analyse: acht Probleme, acht Chancen für die Presse.
- MyHeimat: Stadtgeflüster mit Gewinn. Ein Portal für lokalen Bürgerjournalismus (2007)
- Echo Münster: In einem Jahr soll es sich selbst finanzieren. Geschasste Lokaljournalisten gründen Portal. (2007)
- Hype Hyperlokalität (2007)
- Citizen Journalism: Die Laien kommen (2006)
im übrigen Internet:
- Gerd Krumeich: Kriegsfront - Heimatfront (PDF) Die “Heimatfront” war eine “begriffliche Neuschöpfung der Kriegspropaganda”.
7. Juli 2009 um 22:34
Rede und Gegenrede zur neuen Rolle der Placeblogs…
Unter dem Titel Neues von der Heimatfront berichtet carta.info, das unlängst mit dem Grimme Online-Preis ausgezeichnet wurde, über die möglichen Potentiale von so genannten Placeblogs.
Netterweise werden da aus dem Ruhrgebiet auch ein pa…
10. Juli 2009 um 18:28
Lieber Fiete Stegers,
im Vorspann meines Beitrags steht ein Konjunktiv! Da steht regionale Online-Zeitungen “könnten” das nächste große Ding sein. Diese Annahme stützt sich auf drei Beobachtungen: 1. auf den dargestellten Trend zu den placeblogs; 2. auf den Abbau von Lokalredaktionen bei den so genannten Heimatzeitungen und 3. auf Aussagen von Kollegen, über die Gründung eigener Online-”Lokalredaktionen” nachzudenken.
Ich glaube, die Gelegenheit ist günstig, die regionalen Monopole aufzubrechen. Und ich hätte etwas weniger Bedenkenträgerei und etwas mehr Unterstützung von Ihnen erwartet. Ob wirklich was draus wird, hängt - wie immer - vom Elan, von der Ernsthaftigkeit und von der Ausdauer der Beteiligten ab. Und natürlich von den in meinem Beitrag erwähnten Randbedingungen.
P.S. Mit Ihrer Überschrift produzieren Sie übrigens selbst den “Skandal”, den Sie anschließend moralisch verdammen. Einen “Sieg an der Heimatfront” hat Carta nämlich nirgends ausgerufen. Das ist Ihre Erfindung.
10. Juli 2009 um 18:54
Wir pflegen hier allgemein eher gesunde Skepsis und kritische Beobachtung als ins große Horn zu stoßen oder bereitwillig jedem zu folgen, der dies tut.
Ansonsten habe ich schon in der Pottblog-Diskussion gefragt: Warum sieht der Artikel gerade jetzt erhöhtes Potenzial? Wo ist der Unterschied zur Situation vor zwei, vor vier, vor sechs Jahren?
13. Juli 2009 um 14:44
Möglicherweise ist Ihre Skepsis gar nicht so gesund. Sonst würden Sie nicht dauernd etwas fragen, was Sie eigentlich dem Text entnehmen könnten.