Die erste und die letzte reine “Online-Zeitung”

Von Fiete Stegers am 7. November 2009

Die Netzeitung ist bald Geschichte.

Aus wirtschaftlichen Gründen wird das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion zum 31. Dezember 2009 aufgegeben. Aus diesem Grund wird sämtlichen Mitarbeitern in Kürze betriebsbedingt gekündigt werden. Es wird geplant, zukünftig die Netzeitung als automatisiertes Nachrichtenportal zu nutzen”

heißt es in der Pressemitteilung des Besitzers, der Mediengruppe M. DuMont Schauberg. Die Redakteure sollen zum Jahresende ihren Job verlieren.

Überraschend ist das nicht. Die Netzeitung, 2000 angetreten mit dem Anspruch der “ersten deutschen Zeitung, die nur im Internet erscheint”, war schon lange vom Tode gezeichnet. Vor einem Jahr wurde der Stamm der freien Mitarbeiter reduziert. Neustart-Versuche (Anfang 2007 und Anfang 2008) waren erfolglos.
Anspruch und Wirklichkeit der Netzeitung

Anspruch und Wirklichkeit der Netzeitung (© Altpapier)

Trotz einiger innovativer Ideen (zuletzt den für Deutschland frühen Bürgerjournalismus-Versuchen der Readers Edition) und der Bemühungen um Querfinanzierung durch die Beackerung von anderen Medienfeldern (Radionachrichten, Teletext): Weil große Einnahme ausblieben, hatte die Netzeitung wenig Überlebenschancen. Ihr Personalstamm war einfach zu klein, um auf Dauer als “Me-Too”-Medium mit General-Interest-Anspruch mit den großen Medienhäusern mitzuhalten, sobald diese ihre Online-Redaktionen aufrüsteten. Als Einzelkämpferin konnte sie nicht von Synergieeffekten profitieren - etwa durch eine großen Pool an Content eines Muttermediums.

Was ich allerdings nicht verstanden habe: Warum nicht beizeiten ein Unternehmen wie Web.de oder GMX zugeschlagen hat und die Netzeitung als Content-Einheit für ihre Sites übernommen hat, so lange die Marke noch strahlte.

Warum die Netzeitung auch die letzte deutsche Zeitung, die nur im Internet erscheint, sein könnte? Weil sich beim nächsten Versuch, ein unabhängiges Netzmedium zu kreieren, hoffentlich niemand an einen Begriff aus dem Druckzeitalter klammert.

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2 Antworten zu “Die erste und die letzte reine “Online-Zeitung””

  1. Thomas Mrazek sagt:

    Bei den erwähnten Ideen der Netzeitung würde ich noch die Blogschau, vor allem das “Altpapier” und die 2004/2005 - also lange vor Nachrichten.de - eingeführte und leider wieder eingestellte Nachrichtensuche erwähnen.

  2. Julia Wagner sagt:

    netzeitung ist ein großer Verlust, und das meine ich ernst (auch wenn ich mir nie merken konnte, ob mit einem oder zwei “z”). Ein Rückschritt zu Print und etablierten Massenmedien.

    Aber ich bin zuversichtlich, dass es neue Initiativen geben wird für eine seriöse reine Online-Berichterstattung. netzpublik.de ist z.B. eine spannende Sache, die ein Magazin 2.0 von Nutzern generiert etablieren will und sich dabei nicht auf News konzentriert, sondern auf einen Magazinstil.

    Ich denke es ist für social media Angebote und “Laienjournalismus” wenig ratsam, tagesaktuell zu berichten. Das muss fast schiefgehen, denn die Konkurrenz ist schlicht zu groß. Beispiele: die schwächelnde wikinews und eben die netzteitung. Wer sagt, dass ein Magazinformat nicht funktioniert? es muss ja nicht immer brandaktuell sein!

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