Online-Videojournalismus - wohin?
Von Fiete Stegers am 19. März 2010
Online-Videos - eben noch große Hoffnung bei Zeitungen, jetzt schon in einem gefährlichen Abwärtstrend, weil sich Qualität nicht refinanzieren lässt? Videopunk Markus Hündgen fasst eine aktuelle Diskussion aus US-Blogs zusammen.
Dazu passt eine Umfrage von TNS Emnid, die unter anderem zu dem Ergebnis kommt:
40 Prozent der befragten Zeitungsleser ist Web-TV, also ein eigenes, breitbandig über das Internet übertragenes Fernsehprogramm, unbekannt. Ein Viertel der Befragten weiß nichts von der Möglichkeit, sich Videos zu den Nachrichten auf den Websites anschauen zu können. Entsprechend niedrig ist der Anteil der Nutzer: Lediglich vier Prozent haben diese Angebote auf den Websites der Tagszeitungen bereits genutzt – ähnlich gering ist der Anteil derjenigen, die sich diese Angebote dort überhaupt wünschen.
Befragt wurden Zeitungsleser, die auch Internetnutzer sind.
Update, 21.03.2010
Ein paar Details der Emnid-Studie zum Thema Web-TV:
- “ist mir unbekannt”: 40%
- “kenne ich zumindest dem Namen nach”: 41,7%
- “Habe ich schon einmal genutzt”: 9,3%
- “habe ich schon einmal auf der Website meiner Tageszeitung genutzt”: 3,9%
- “wünsche ich mir auch auf der Website meiner Tageszeitung”: 3,4%
Eine andere Frage aus der Studie betraf “Videos zu den Nachrichten zum Herunterladen auf der Website”: 48% sagten “kenne ich - zumindest dem Namen nach”, 15,6% “habe ich schon einmal genutzt”.
Zahlen für nicht zeitungslesende Nutzer wurden laut Emnid nicht erhoben.
Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de
- Audio-Slideshow vs. Video: Nie mehr als Nische?
- Plädoyer für den multimedialen Zeitungsjournalisten (2009)
- Ein Videopunk als Abteilungsleiter. Markus Hündgen im Porträt (2008)
- Zeitungs-TV im Netz. Ein Überblick (2007)
19. März 2010 um 16:53
Das heißt also, dass 60 Prozent der Befragten Web-TV kennen - oder verstehe ich da etwas falsch? Das mag zwar nicht so berauschend sein, aber man könnte auch mal fragen, wie viele die Kurse der Terminbörse kennen und lesen in der Zeitung. Außerdem geht die Untersuchung doch am Kern vorbei. Mit Web-Videos versuche ich, die Youtube-Generation anzusprechen, nicht den Zeitungsabonnenten, der das Ding schon von Oma geerbt hat. Wenn die Zeitungen sich auf dieses “Kerngeschäft” konzentrieren, dann werden sie mit ihren Lesern aussterben, ob nun mit oder ohne Video.
19. März 2010 um 17:31
Stimme ich grundsätzliclh zu, interessant ist aber der Satz, den ich oben noch im Zitat ergänzt habe.
Ob es sich um eine Auftragsstudie handelt und dass dafür gesorgt hat, dass die Teilgruppe der “Doppelnutzer” hervorgehoben wurde, habe ich leider der Pressemitteilung nicht entnehmen könnte. Es ist ja nicht unwahrscheinlich, dass bei den Nur-Online-Nutzern der Anteil der WebTV-Nutzung höher ist.
19. März 2010 um 18:02
So lasset die Zahlen sprechen: Viel aussagekräftiger finde ich die Abrufzahlen bei deutschen Tageszeitungen. In Relation zu den Gesamt-Uniques eines Zeitungs-Portals liegt die Nutzung von Bewegtbildinhalten (leider) ziemlich weit am unteren Ende der Beliebtheitsskala. Ratios von 3 bis 10 Prozent sind der Standard. Will heißen: Maximal 10 Prozent der Besucher schauen Videos.
19. März 2010 um 18:07
Natürlich ist aber die Nutzung von Bewegtbildinhalten - von reinen Videoplattformen abgesehen - aber bei allen journ. Online-Angeboten geringer als die Texten. Was aber nicht an der besonderen Wertigkeit von Texten liegt (hallo, Herr Hanfeld), sondern an Nutzungsgewohnheiten und Usability.
22. März 2010 um 11:36
Social comments and analytics for this post…
This post was mentioned on Twitter by ojour_de: Neuer Artikel: Online-Videojournalismus - wohin?: Online-Videos - eben noch Hoffnung bei Zeitungen, jetzt schon in… http://bit.ly/b16qv0…
28. März 2010 um 11:35
Hängt wohl auch vom Thema ab: Die Videos, die ich für die Frankfurter Rundschau zur Eintracht und zur Bundesliga produziere, werden im Durchschnitt genauso intensiv abgerufen wie die Texte zu diesem Thema.
Bei mir selbst stelle ich aber auch fest, dass mich Allerwelts-Videos im Web nicht interessieren, weil ich sie als Zeitfresser kennengelernt habe. Also schaue ich mir sehr selektiv nur solche an, die mich thematisch wirklich reizen.
Darin ist eben ein Text unschlagbar - ich kann immer schnell drüber scannen, um festzustellen, ob es sich lohnt weitere Zeit in das Stück zu investieren. Beim Video schaltet man entweder ab oder sieht sich dem Gefühl ausgesetzt, doch was Spannendes verpasst haben zu können.
Übrigens wehre ich mich ein bißchen dagegen, solche Videos als Web-TV zu verstehen. Ich dachte, es gäbe eine einigermaßen weitgehende Übereinstimmung darin, dass Web-Videos nicht TV nachahmen sollten. Sondern ihren eigenen Stil finden.
26. April 2010 um 21:22
Création site internet bretagne…
Merci pour cet article intéressant. Bien à vous…….