Studie der FH Hannover zu iPad-Apps
Mittels einer Eyetrack-Untersuchung und einer anschließenden Befragung der 40 Studienteilnehmer verglich Professor Stefan Heijnk an der Fachhochschule Hannover vier deutsche iPad-Apps. Ein Teilergebnis: Die App der Tagesschau* liefert laut Studie bessere Textqualität als die Vergleichsapps der elektronischen Presse.
Von Stefan Heijink
Die Befragung der Teilnehmer meiner aktuellen Eyetracking-Studie Junge Leser und Zeitungs-Apps hat erste Ergebnisse geliefert: Die Tagesschau-App beispielsweise überzeugte im Wettbewerb mit den Apps von Frankfurter Rundschau, Hamburger Abendblatt und Hannoversche Allgemeine vor allem inhaltlich und erzielte mit der Note 1,7 den besten Wert in der Dimension “Textqualität”.
Eine ganze Reihe der Antworten aus den offenen Frage-Kategorien („Was fiel Ihnen besonders negativ auf? Was fiel Ihnen besonders positiv auf?“) weisen ebenfalls auf explizite inhaltliche Stärken der Tagesschau-App hin. So werden „gute Informationen in angemessenem Umfang“ registriert, zudem „die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen“ und dass neben Texten und Bildern „auch Videos und Hörfunkbeiträge angeboten werden“. Gelobt werden auch die „gute Bildqualität“ und die „gute Soundqualität“.
Allerdings: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Im Navigationskonzept der App gibt es noch deutliches Optimierungspotenzial – hier schnitt die Tagesschau-App mit der Note 2,3 am schlechtesten ab. Fast alle in den offenen Frage-Kategorien kritisierten Mängel zielen auf Navigationskomponenten in der Tagesschau-App.
Medienpolitisch interessant: 29 Prozent der Befragten sagen, kostenpflichtige Zeitungs-Apps werden sich nicht verkaufen, weil es die kostenlose Tagesschau-App gibt. Allerdings sind die kostenlosen Apps anderer Printmedien ein wohl noch größeres Verkaufshemmnis: 45 Prozent sagen, dass sich die kostenpflichtigen Apps nicht verkaufen werden, weil es kostenlose Zeitungs-Apps gibt.
Die Präsentation mit weiteren Vorab-Ergebnissen zur FHH-Studie “Junge Leser und Zeitungs-Apps” gibt es hier als kostenlosen Download (Powerpoint). Die vollständigen Ergebnisse der Studie werden im Sommer 2011 veröffentlicht.
Der Beitrag erschien zuerst in Stefan Heijinks Blog zu seinem Buch “Texten fürs Web”, das im März in einer Neuauflage erscheinen soll.
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* Einzelne Mitarbeiter von onlinejournalismus.de sind oder waren für tagesschau.de tätig.




Man nehme sich vier Apps, die im Vergleich zu Flipboard, NewsPulse etc. massiv unterlegen sind, drücke sie jeweils schlappen acht oder neun Testpersonen in die Hand und leite aus marginalen Bewertungsunterschieden Ergebnisse ab.
So einfach geht das an deutschen Fachhochschulen. Soll man das ernst nehmen?
Ein Beispiel: Neun Testpersonen bewerten die Textqualität der Tagesschau-App mit der Note 1,7, die der FR und der HAZ mit 1,9 und die des Abendblatts mit 2,1. Daraus folgert man in der Studie, die Tagesschau-App liefere die beste Textqualität.
Bewertet wurde die Textqualität anhand einer einzigen Ausgabe jeder App.
Sorry, man muss nicht Statistik als Fach im Studium gehabt haben, um zu erkennen, dass diese Aussage auch nicht annäherungsweise korrekt ist. Bei so wenigen Testpersonen und bei einer Bewertung einer einzigen Ausgabe muss gesagt werden, dass zumindest die Textqualität der drei besten Apps, wenn nicht aller vier Apps nicht oder bestenfalls marginal unterschiedlich bewertet wird.
Zudem behauptet die Studie, die Tagesschau-App würde “vor allem inhaltlich” überzeugen. Tatsächlich weist die App der Tagesschau neben der Note 1,7 für die inhaltliche Qualität Noten wie 1,8 bzw. 1,9 für die anderen Kriterien auf. Bei so wenigen Testpersonen sind solche Werte mangels statistischer Signifikanz als identisch zu betrachten.
Ein wenig Wert kann man immerhin noch aus den Umfragen am Ende ziehen. 40 befragte Personen, fast zwei Drittel weiblich, hoher Zeitungsleseranteil – alles das ist nicht gerade repräsentativ (auch nicht für die Zielgruppe der jungen Leser), aber einige Ergebnisse wie z.B. der Wunsch nach multimedialen Inhalten sind wenigstens klar und eindeutig.
Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse der Eye-Tracking-Studie. Aber eine Analyse der Optik und der Navigation von News Apps muss iPad-adäquate News-Apps wie z.B. Flipboard berücksichtigen, um wirklich aussagekräftige Ergebnisse zu liefern.