Schwergewichtiger Support fürs iPhone

Hand hält OWLE Bubo

Noch nie ist es mir so schwer gefallen, in einer Rezension zu einem klaren Urteil zu kommen: Es geht um den Owle Bubo, eine Metallhalterung mit Objektivgewinde für das iPhone. Ein tolles Tool, dass das iPhone in ein Werkzeug für Profis verwandelt? Oder ein weitgehend überflüssiges Spielzeug?


Der erste Eindruck vom Owle Bubo: massiv schwer. Der schwarze Rahmen wiegt rund 500 Gramm – mehr als manche digitale Spiegelreflexkamera. Das iPhone 4 (auch für 3GS erhältlich) wird erst in ein Hartgummicase gelegt und dann samt diesem durch Drücken im Metallrahmen fixiert. Oben und unten finden sich an den “Hörnern” des Rahmens insgesamt vier Schraubgewinde für ein Stativ oder Erweiterungen wie Licht, außerdem gibt es oben einen Schiebeschuh.

Vorne im Rahmen ist eine Aussparung für die Linse. Durch ein 37-mm-Gewinde kann außerdem ein zusätzliches Objektiv vor die eigentliche iPhone-Linse montiert werden. Mitgliefert wird in der Basis-Variante (rund 190 Euro) ein passendes Weitwinkel-Objektiv.

“Das kann die Linse des iPhones aber auch nicht besser machen, als sie ist”, kommentiert das ein Fotografen-Kollege. Allerdings lassen sich durch einen Adapter wie den EnCinema auch klassische DSLR-Objektive aufsetzen – und das wirkt dann schon ganz anders (Videobeispiel) (Paket mit Adapter: rund 414 Euro).
OWLE Bubo Set

Sets für den “Mobile Journalist”

Hersteller ALM bietet zumindest in den USA auch weitere Kombos an, die unter anderem für den Einsatz durch “Mobile Journalists” gedacht sind und ein vernünftiges externes Mikrofon von Rode mitliefern. In der Normalvariante des Owle Bubo wird ein kleines Steckmikrofon mitgeliefert, dass durch eine Aussparung im Rahmen an den Kopfhörerausgang des iPhone angeschlossen wird.

Eingesetzt in einen Rahmen liegt das iPhone – egal ob einhändig oder zweihändig – wirklich deutlich ruhiger in der Hand als in der klassischen Anfasshaltung mit spitzen Fingern, was man den Aufnahmen sofort anmerkt. Mit Licht und Stativ lässt sich das Smartphone aufrüsten, so dass durchaus sendbare Bilder entstehen: Ein Reporter des iPhone-Tickers beobachtete auf der Mobilfunkmesse in Barcelona im Februar NDR-Kollegen*, die den Owle Bubo im Einsatz testeten. Man sei mobiler, das iPhone im Bubo weniger einschüchternd als eine große Kamera, errege aber jede Menge Neugier, beschreibt einer von ihnen seine Erfahrungen. Laut Schnittpunkt, dem deutschen Vertriebspartner von ALM, haben schon mehrere deutsche Sendeanstalten Geräte bestellt.

Eine große und viele kleine Fragen

Doch die große Frage bleibt für mich: Wozu? Warum sollte ich zu einem hochgerüsteten iPhone greifen – und nicht eine ungleich bessere Spiegelreflex oder eine billige Videokamera nehmen? Ein Owle Bubo ist so groß und schwer, dass man ihn auch nicht einfach auf Verdacht in die Tasche steckt, nur um ihn im Falle eines Falles einzusetzen.

In der Betriebsanleitung wird außerdem geraten, das Telefon in den Flugmodus zu stellen (in meinem Test kam es ohne auch teilweise zu Störungen auf der Tonspur) – damit entfällt aber der große Vorteil des bequemen Streamens ins Netz.

Noch ein paar andere Punkte, die mindestens ein Fragezeichen hinterlassen:

  • empfindliche Bedienung über den Touchscreen
  • extrem reduzierte Hardware-Kontrolle vs. Vielfalt von Kamera-Apps
  • Limitation der iPhone-Kamera(-Steuerung)
  • keine Hinterbandkontrolle beim Ton
  • die Laufzeit des iPhone-Akkus
  • Gewinde wirkt für den häufigen Objektivwechsel nicht solide genug verarbeitet

So wirkt das iPhone im Owle Bubo wie ein Porsche, dem man die Chassis eines Landrover inklusive dicker Stollenreifen, Dachgepäckträger und Seilwinde übergestülpt hat. Oder ist doch ein geniales Zaubermittel, mit dem iPhone-Enthusiasten die wahren Kräfte ihres Geräts entfesseln können? Ich lasse mich gerne eines besseren überzeugen.

Das Testgerät wurde onlinejournalismus.de vom deutschen Vertrieb, der Firma Schnittpunkt in Köln, zur Verfügung gestellt.

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(* Ich arbeite für den NDR.)

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