Die Chancen von Google+

Google+ (Screenshot [M])

Über Google+ ist bereits enorm viel geschrieben worden – auf gute Einführungsbeiträge habe ich an anderer Stelle hingewiesen. Die große Frage bleibt: Wie krempelt der Neuling, der inzwischen 10 Millionen Nutzer hat, die Social-Network-Szene um?


Das Zeug dazu hat Google+ auf jeden Fall. Trotz der Beta-Phase läuft alles smooth. Vor einiger Zeit haben wir darüber diskutiert, ob der Platzhirsch Facebook noch zu stürzen sei. In Google+ hat er einen mächtigen Konkurrenten bekommen, der ihm auch über die dort bereits aktiven Early Adopter hinaus einen großes Stück des Kuchens abjagen kann. Das Interface ist attraktiver und verständlicher als Buzz und Wave, es erinnert wenig an Googles nur regional erfolgreiches Netzwerk Orkut, sondern mit seiner Newsstream-Seite deutlich an Facebok – erweitert um einige dort lange vermisste Funktionen (eigene Beiträge ändern, Hinweis, wer diese sehen kann etc.).

Das Management der unterschiedlichen Freundeskreise, mit denen jeweils unterschiedliche Informationen geteilt werden, mag nicht sofort 100%ig verständlich sein, ist aber deutlich intuitiver und nutzerfreundlicher als die Ansätze ähnlicher Dienste bei Facebook, zumal, wenn man sich als zurückhaltender Nutzer auf die Googles Default-Kreise “Freunde”, “Familie”, “Bekannte” und “Following” beschränkt. Letzteres erlaubt wie bei Twitter die rein passive Vernetzung.

Die User sind schon da

Dass jeder schon bei Facebook sei und daher keine Motivation habe, zu Google+ zu wechseln, ist ein ist ein weiteres äußerst schwaches Gegenargument von Facebooks Mark Zuckerberg. Er unterschlägt: Noch mehr Menschen als Facebook nutzen täglich einen der Google-Dienste, auch wenn nicht alle dort ein Konto haben.

Die Überlegung, ob man ein Social-Network-Profil mit privaten Informationen ausgerechnet bei dem Anbieter führen möchte, dem man auch für Suchanfragen, E-Mail und andere Dienste nutzt, ist natürlich eine eigene Frage (Google+ Privacy Policy).

Denn auch wenn viele Nutzer darauf hoffen, dass Facebook seine Monopolstellung verliert – mit einem Wechsel zu Google würden sie ein noch viel mächtigeres Monopol schaffen – eine Art Google++.

gibt etwa Frederik Fischer bei Hyperland zu bedenken (der sich im übrigen mit den wirtschaftlichen Implikationen für Facebook beschäftigt).

Passend dazu gibt es auch schon eine Diskussion um Realnamen vs. Pseudonyme bzw. Markennamen (siehe auch hier).

Und was heißt das für Journalisten/Medien?

  • Google+ ist bisher ein Netzwerk für persönliche Profile. Offizielle Profile für Marken, Firmen und Organisationen – wie die Fanseiten bei Facebook – soll es laut Google erst gegen Ende des Jahres geben. Bis dahin will Google die entsprechenden Funktionen mit “einigen hundert” ausgewählten Firmen aus unterschiedlichen Bereich testen. Einige nutzen natürlich jetzt schon persönliche Profile professionell – aber Google warnt derzeit noch, es werde keine Möglichkeit zur Umwandlung geben.
  • Zu Facebooks Like-Button tritt Google+1-Button, der sich nach ersten Auswertungen bereits
  • wachsender Popularität erfreut.
  • Journalism.co.uk zeigt zehn Wege auf, wie Journalisten Google+ benutzen können.
  • Jeff Jarvis gibt einige Tipps: Quelle für Meinungen und User-Generated-Content, gut zum Promoten von Inhalte, gut zum Kollaborieren, jedoch weniger glaubwürdig als Facebook.

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