Mach deinen eigenen Scoop!

Transparent "Scoopcamp 2011" (Foto: Fiete Stegers)

 

Bei der Konferenz Scoopcampin Hamburg ging es zum dritten Mal ums “New Storytelling”. Unter der Devise: “Einfach machen”.

Hauptrednerin war Shazna Nessa, Director of Interactive bei Associated Press, die sich mit den Themen Visualisierung/Infografiken im Onlinejournalismus auseinandersetzte. Einige der von ihr vorgestellten Web-Tools und Anwendungsbeispiele hatte wahrscheinlich jeder, der sich mit dem Thema schon einmal auseinandergesetzt hatte, bereits gesehen (inbesondere natürlich die gerade auch von der Online News Association ausgezeichnete Visualisierung der Vorratsdatenspeicherung bei Zeit Online). Bisher unbekannt war mir ein von AP mit Unterstützung der Knight Foundation entwickeltes Open-Source-Werkzeug zur Datenauswertung namens Overview. Es wurde zum Beispiel zur Visualisierung der Irak-War-Logs eingesetzt. Interessant auch die Information, dass AP jährlich rund 1500 Anfragen nach dem US-Informationsfreiheitsgesetz stellt, um an Behördeninformationen zu kommmen.

“Demo, don’t memo”

Ermutigend war auch die Information, dass eine Visualisierung von AP zur Atomkatastrophe in Fukushima bei den Nutzern auf Interesse stieß und laut Nessa Abrufe im zweistelligen Millionenbereich erzielte. Denn so cool und eindrucksvoll viele Projekte aus dem Bereich Datenjournalismus/Visualisierung sind: Wie überzeugt ein Onlineredakteur mit einer guten Idee seine Chefs dazu, Ressourcen zur Umsetzung bereitzustellen, wenn unklar ist, ob damit Reichweite zu erzielen ist oder ein solches Prestige-Projekt in den Abrufen weit hinter einer schnöden Textmeldung landet?

Nessas Empfehlung war klar und deutlich: einfach machen, Zeit anderswo abknapsen oder in der eigenen Freizeit – “Demo statt Memo” in der Hoffnung, dass sich dieses Bottom-Up-Prinzip erfolgreich ist.

Social-Media-Einsatz bei Regionalzeitungen

Ins gleiche Horn stießen Philipp Ostrop und Michael Krechting, die in ihrem Workshop Praxibespiele aus ihren Redaktionen bei zwei mittelgroßen deutschen Regionalzeitungen vorstellten. “Ich gehe dann nachher zur IT-Abteilung und sage: “Guck mal, was ich tolles gebaut habe”, sagte Ostrop über den Einsatz von kostenlosen Third-Party-Web-Tools auf der eigenen Zeitungswebsite.

Ostrop erläuterte, wie er für die Ruhrnachrichtenbei einem plötzlichen Unwetter im Raum Dortmund Twitter als Nachrichtenquelle eingesetzt und die Nutzer-Meldungen mittels Storify in die RN-Website eingebettet hatte. Auch Krechting zeigte ebenfalls am Beispiel eines unvorhergesehenen Wetterereignisses, wie die Neue Osnabrücker Zeitung Social Media genutzt hatte: Als jugendliche Nutzer auf der bis dahin wenig frequentierten Facebook-Seite der NOZ die Frage auftat, ob am nächsten Tag die Schule in Osnabrück ausfalle, mobilisierte die Redaktion spontan alle verfügbaren Ressourcen, um die – nach dem Schneeballprinzip plötzlich wachsende Community – zu informieren – so aktuell wie möglich und im Dialog.

Passend dazu kursiert in diesen Tagen im Web ein Link von Julius Tröger, wo dieser erklärt, wie er und seine Kollegen mit Hilfe von Google-Tools die Berliner Wahlergebnisse visualisiert haben – ohne Programmierkenntnisse.

 

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