(Kleiner) Sieg über “Bild”

Schreiben des Deutschen Presserats (Foto: Fiete Stegers)

“Der Beschwerdeausschuss kommt zu dem Ergebnis, dass BILD mit der Online-Berichterstattung unter der Überschrift “Galerie der Schande” gegen die in Ziffer 1 des Pressekodex festgeschriebene Wahrung der Menschenrechte verstoßen hat.” Worum ging es und warum ist die Sache noch nicht zuende?

Im Juni habe ich den Deutschen Presserat auf eine Fotogalerie bei Bild Online aufmerksam gemacht. Überschrieben mit „Galerie der Schande“ zeigte sie mehr als 100 Fotos von Pädagoginnen aus den USA, die laut Bildunterschrift sexuelle Beziehungen zu Schülern unterhielten („Sex-Lehrerinnen“). Welcher Art diese Verhältnisse genau waren und wie sie strafrechtlich beurteilt wurden, ging es aus den kurzen Bildunterschriften nur unvollständig bis gar nicht hervor. Aber dass die perverse Klickmaschine als moderner Pranger wirkte, voyeuristische Begierden befriedigte, war für mich offensichtlich.

Ich vermutete außerdem, dass die privat anmutenden Fotos der Galerie zum Teil aus dubiosen Quellen stammten und zumindest einige abgebildete Frauen kaum mehr als relative Personen der Zeitgeschichte betrachtet werden konnten, über die im Bild berichtet werden darf), und bat den Presserat um Prüfung.

“Herabwürdigung von Frauen zum bloßen Objekt”

Der Beschwerdeausschuss des Presserates stufte die Bildergalerie als einen Verstoß gegen Ziffer 1 des Pressekodex ein, die den schönen Titel „Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde trägt“.

Die Springer-Juristen führten zu Verteidigung von Bild Online hingegen an:

  • die Bildergalerie sei ein „Second Read“ zur Geschichte über eine ähnliche Geschichte in Österreich gewesen, die das “Informationsinteresse der Öffentlichkeit zu diesem in Deutschland eher selten diskutierten Thema” befriedige.
  • die Bilder stammten mitnichten aus dubiosen Quellen, sondern seien von US-Polizeibehörden zur Verfügung gestellt worden.

Offline – nicht wirklich
Allerdings: „Unabhängig davon sei die Fotogalerie inzwischen aus dem Netz genommen.“ Dieser Satz aus dem Protokoll der Beschwerderatssitzung freute mich noch mehr als die vom Presserat ausgesprochene „Missbilligung“ des Vorgehens von Bild Online wegen der Herabwürdigung der abgebildeten Frauen.

Zumindest bis zu dem Augenblick, als ich durch kurzes Googlen feststellte, in wie vielen anderen Artikeln auf Bild.de die „Galerie der Schande“ derzeit weiterhin eingebunden ist.

Auch wenn bei meiner ersten Sichtung in einigen Fällen von vielen der Bilder lediglich die Bildunterschrift, nicht das Foto angezeigt wird:

Ring frei für Runde 2.

… im übrigen Internet

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