Presserat äußert sich zu “problematischen Kombinationen von Foto und Werbung”

Bei den einschlägigen Fällen gruselt es einen immer wieder: Ein Unfall, eine Katastrophe ist passiert. Es wird auf Websites darüber berichtet, es wird auch weiterhin Werbung auf den Seiten ausgespielt. Business as usual. Freilich geht das – fast absehbar – manchmal gehörig schief: Die automatisch eingespielte Werbung erzeugt eine unwillkommene Situationskomik. Der achso gesunde Menschenverstand bleibt erst mal ausgeschaltet. Hier ein von Flurfunk Dresden dokumentiertes Beispiel.

Der Deutsche Presserat beschäftigte sich jetzt mit so einem Fall:

Das Gremium erhielt eine “Beschwerde über die Online-Veröffentlichung eines Fotos eines schweren Verkehrsunfalls, bei dem zwei Frauen getötet wurden, beschäftigt. In das Foto eingeklinkt war Werbung für eine Risikolebensversicherung. Ein Leser kritisierte diese Kombination als unsensibel und geschmacklos. Die Redaktion teilte mit, dass solche Werbung unbeeinflusst von Redaktion und Anzeigenabteilung aus einem Pool von Anzeigen eines Dienstleisters eingespielt würde.”

Der Presserat sah in der Angelegenheit eine Verletzung der Ziffer 1 Pressekodex und hier speziell der Menschenwürde der Unfallopfer und ihrer Hinterbliebenen:

“Zwar ist die Redaktion nicht für die automatisierte Einblendung von Werbung verantwortlich, weshalb auch auf das Aussprechen einer Maßnahme verzichtet wurde. Das Gremium ist aber der Auffassung, dass – auch im Hinblick auf das Ansehen der Presse – derart unglückliche Kombinationen vermieden werden sollten. Der Presserat empfiehlt den Verlagen daher, Vorkehrungen zu treffen, um solche Veröffentlichungen auszuschließen.”

Möge die Botschaft auch tatsächlich ankommen, Zeit genung um entsprechende “Vorkehrungen” zu treffen, war wohl gegeben.

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