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Bloglines gibt auf: Das Ende der Feedreader?

Der webbasierte und damit rechnerunabhängige RSS-Reader Bloglines stellt seinen Dienst zum 1. Oktober 2010 ein, wie der Betreiber Ask.com mitteilt. Haben sich RSS-Dienste im Zeitalter der persönlichen Timeline bei Facebook oder Twitter überlebt? “RSS war in der Tat nie ein Angebot, das die Masse an Nutzern erreicht hat – es war schon immer ein eher nerdiges Technologie-Angebot”, schreibt Thomas Gigold.

Ganz so sehe ich das nicht, auch wenn ich nur aus meiner persönlichen Umgebung berichten kann: Die Integration von RSS-Abos in Browser und Mailprogramme hat sicher viele zur RSS-Nutzung gebracht, die vorher davon abgeschreckt waren. Ich selbst nutze natürlich auch längst Twitter- und Facebook, um von manchen Sites über neue Beiträge informiert zu werden. Meist parallel zu RSS- auch wenn ich gleichzeitig gemerkt, dass ich Feeds bei Bloglines seltener checke. Aber gegenüber einem Reader wie Bloglines ist bei Facebook und Twitter eher eine Sache der Instant Gratification in der aktuellen Timeline – ohne komfortable Bookmark- oder Recherchierfunktionen.

Letzeres fehlt mir auch bei Netvibes, welches ich mir bei der persönlichen Neujustierung des News-Tool-Mixes jetzt dennoch noch mal intensiver ansehen werde. Gibt es sonst empfehlenswerte Alternativen abseits von Google Reader?

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Nutzerbeteiligung über Drittplattformen

Man muss nicht gleich seine ganze Website auflösen und Inhalte nur noch auf Facebook stattfinden lassen – aber vielleicht die Kommentarfunktion? Social-Bookmark-Icons für Twitter, Facebook und ein paar weniger relevante Dienste sind eh inzwischen Standard – warum also künftig nicht nur noch über Facebook kommentieren lassen und und sich den Ärger mit der Moderation von Nutzer-Kommentaren ersparen? Das macht zumindest stern.de laut Community-Managerin Katarina Rathert seit einiger Zeit (Interview bei Dirk von Gehlen). Ein wichtigeres Argument: Dort fände eine gehaltvollere Diskussion statt – was nicht nur an den verbreiteten Klarnamen und der Sichtbarkeit der Kommentare der User für deren privates oder sogar berufliches Netzwerk liege.

Marek Hoffmann hält dieses Outsourcing von Kommentaren im Basic Thinking Blog trotzdem für den falschen Weg – nicht nur, weil User ohne Facebook-Account ausgeschlossen sind. Wer hat recht? Wo sind die Vor- und Nachteile, wenn Nutzerbeteiligung – auch abseits von Kommentaren – nur über Drittplattformen stattfindet – bekanntes Interface und großes Nutzerpotenzial vs. “die User sollen aber doch auf meinen Seiten landen”?

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… im übrigen Internet

Zweites “Scoopcamp” in Hamburg

dpa und die Initiative Hamburg@work laden Journalisten, Social-Media-Menschen und Programmierer zum “Scoopcamp” am 29. September nach Hamburg ein. Die Veranstaltung zum zweiten Mal statt. Besonders interessant finde ich, dass es neben Vorträgen und Diskussionen am Konferenztag noch einen anschließenden “Hackathon” am 30. September gibt, bei dem Ideen ausprobiert und Prototypen entwickelt werden sollen.

Ein Redner bei der Tagung ist Aron Pilhofer, Editor for Interactive News bei der New York Times. Thema seiner Keynote Adress: “Beautiful Data”. Datenjournalismus und Open Data war schon im letzten Jahr ein wichtiges Thema beim Scoopcamp. Die Veranstalter freuen sich auch noch über weitere Themenvorschläge.

Im Kanu mit Kamera und UMTS rund ums Ruhrgebiet

… das hat WDR.de-Reporter Stefan Domke ab Montag vor: “In fünf Tagesetappen wird er den Nebenfluss des Rheins von Schwerte bis Duisburg befahren. Seine Geoposition und das Bild einer Bordkamera werden live im Internet übertragen.” Warum das Ganze? “Am Anfang stand die Idee, das Gebiet der Kulturhauptstadt im Sommer, zur Urlaubszeit, aus eher ungewöhnlicher Perspektive kennenzulernen und zu präsentieren. Im Mittelpunkt einer solchen Tour, so der Wunsch, sollten dabei weniger die Leuchtturm-Projekte des Ruhr2010-Jahres stehen. Vielmehr wollten wir uns Orten und Landmarken widmen, die das Ruhrgebiet auch abseits von Zollverein&Co zu einem ausgesprochen lohnenswerten Ausflugziel machen.” Bin mal gespannt, wie er während des Paddels wie versprochen mit dem Publikum kommunizieren will – gibt’s fleißige Paddelhelfer?

Alles zum Blumenkübel

Ein zerstörter Blumenkübel sorgte im Münsterland für Aufregung – und einen guten Tag lang für noch mehr bei diversen Twitterern, Bloggern usw.

Was das über Internet-Phänome und Lokaljournalismus sagt und welche Auswirkungen die unerwartete Prominenz auf die Zugriffszahlen der Münsterschen Zeitung hatte, haben schon andere aufgeschrieben:

Das Gute an der Sache: Inzwischen wurden den Betroffenen Ersatz für den Blumenkübel gespendet.

Relaunch bei Focus und Frankfurter Rundschau

Focus und Frankfurter Rundschau haben ihre Websites relauncht. Die FR erklärt ausführlich, was nun anders ist, der Focus sogar sehr ausführlich. Erste Eindrücke:

Die FR-Homepage wirkt deutlich bunter als Focus.de. Viel grün – aber trotzdem nicht gerade unverwechselbar. Blassgraue Schrift auf Weiß – da sollte nachgebessert werden.

Die Focus-Homepage wirkt im oberen Teil sehr elegant und aufgeräumt und bietet Platz für ein großes Titelbanner. Sobald man allerdings über die Top-Meldungen hinweg nach unten die Ressorts scrollt, sieht man, dass die Focus-Designer hier vor dem selben Problem wie andere Sites standen: “Das muss auch noch auf die Startseite.”

Der “schlanke Seitenkopf”, den der Focus extra hervorhebt, wird leider durch das massive Werbebanner konterkariert. Bei kleineren Bildschirmauflösungen bleibt da nicht viel vom Inhalt im Blickfeld (auch wenn das ebenso bei anderen Websites auftritt). Andersherum werden iPad-Nutzer auf die Mobil-Version der Website umgeleitet, die sich auf dem Tablet-Bildschirm auch nicht so gut macht.

Screenshot Focus.de 1024×768px

Screenshot Focus.de 800×600px

Auf den Artikelseiten übernimmt Focus Online das von Spiegel Online bekannte Muster, in der linken Spalte verwandte Inhalte anzubieten und rechts andere Angebote zu bewerben – gefällt mir hier gut. Die FR setzt neben den Artikel rechts einen Kasten mit Meta-Daten – bekannt etwa von Zeit Online.

Die Nutzerkommentare sind bei beiden Sites bisher positiver als beim jüngsten Relaunch von BBC News.

(wird evtl. noch ergänzt)

WDR-Streetview vom A40-Picknick

Die A40, die geliebt-gehasste Verkehrsschlagader quer durchs Ruhrgebiet, ist heute auf 60 Kilometer Länge gesperrt. Zwischen Duisburg und Dortmund findet stattdessen das vermutlich größte Picknick der Welt statt – eine Aktion im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Wer wie ich nicht dabei ist, kann sich die Strecke aber (bereits seit einigen Tagen) in einer Art Streetview-Special auf WDR.de ansehen.

Screenshot “360-Grad-Still-Leben Ruhrschnellweg” bei WDR.de

Das aus 1500 Panorama-Fotos zusammengefügte Special zeigt die Strecke zunächst im Normalzustand. Es lässt sich nach Autobahn-Ausfahrten und den (von den Organisatoren zugeteilten) Nummern der 20.000 Picknicktische durchsuchen. Hotspots markieren interessante Punkte entlang der Strecke, bereits vorhandene WDR-Berichte und externe Links.

Der Mammut-Akt steht der Redaktion aber erst noch bevor: Ab Sonntagabend sollen nach und nach rund 10.000 Fotos vom Tag der Aktion eingebaut – so dass ein Vorher-/Nachher-Vergleich möglich ist.

Hinweise auf weitere interessante Links zum “Still-Leben A40″ gerne in den Kommentaren.

[Ich bin ARD-Mitarbeiter und habe für WDR.de gearbeitet.]

Reportage aus einer anderen Medienwelt

Screenshot Audio-Slideshow bei mediummagazin.de

Jan Söfjer hat für das Medium Magazin (07/2010) die “Schwarzwälder Post” in Zell besucht – die kleinste Zeitung Baden-Württembergs. Mitgebracht hat er einen Bericht aus einer Welt vor unserer Zeit: der Herausgeber ist Besitzer der nahezu archaischen Kleinstdruckerei – und zugleich Chef des lokalen Gewerbevereins. Eine einzelne Redakteurin, keine wirtschaftlichen Sorgen …

Söfjers Text gibt es online wohl nicht zu lesen, dafür aber Audio-Slideshow-Version. Ein dankbares Thema für diese Art der Aufbereitung mit einigen großen O-Tönen. Die Text-/Foto-Reportage hat mir in diesem Fall im direkten Vergleich jedoch besser gefallen. Zu einem steckten mehr Infos drin, zu anderen leidet die Slideshow an einem inhaltlich sehr guten, atmosphärischen, aber dadurch leider schwer verständlichen und langem O-Ton als Einstieg. Das mag aber auch persönliche Wahrnehmung sein, weil ich zunächst den Text gelesen haben. Als Kombo auf jeden Fall etwas, was man so im Medienjournalismus selten sieht!

Relaunch der BBC-News-Website

news.bbc.co.uk hat den angekündigten Relaunch erfahren. Die Site ist – natürlich – in die Breite gegangen. Die Schriftstile sind entsprechend größer, die einzelnen Elemente ebenfalls. Auf die “Low graphics”-Version wird ganz verzichtet, dafür gibt’s größere Bilder und mehr (integrierte) Videos. Abschied vom kleinteiligen Späte-90er-Feel also. Aber mir ging’s wie mehreren Kollegen, die sich im Gespräch oder auf Twitter äußerten: Wirklich einschneidende Veränderungen oder gar einen ganz großen Wurf, der andere erblassen lässt, kann ich auf Anhieb nicht erkennen. Total unaufgeräumt wirkt auf mich der untere Teil von Beitragsseiten, in dem sich diverse verwandte Inhalte befinden, die früher teilweise in der rechten Spalte angeführt wurden.

Im BBC-Blog The Editors, das schon die Vorbreitung des Relaunchs begleitete, werden die Neuerungen ausführlich erläutert. Dazu gehört laut FAQ auch die Integration des Facebook-Like-Buttons. Die Kommentare der Nutzer, die sich im Blog zu Wort melden, sind überwiegend negativ – auch im Vergleich zu anderen Relaunchs.


Weitere Links

  • Guardian The BBC News redesign: Hot, or not?

Fotostrecken von der Hinrichtung

Im US-Bundestaat Utah ist ein als Mörder verurteilter Mann von einem Erschießungskommando hingerichtet worden. Auf unser aller Vorbild-Website news.bbc.co.uk ist die Geschichte der Aufmacher, der erste Subteaser verheißt: “In Pictures: Utah Execution”. Dahinter erwartete ich instinktiv eine minutiöse Dokumentation der Erschießung – Bild für Bild.

news.bbc.co.uk (Screenshot)

So sieht es dann doch nicht aus. Nur vier Bilder Nach anfangs nur vier Bildern sieben Motive, die vornehmlich den Hingerichteten, eine Hinrichtungszelle und Angehörige der Opfer zeigen – nicht die Hinrichtung selbst, wie es der Teaser vermuten ließ. Eines der Bilder, das die widersprüchlichen Emotionen der Angehörigen zeigt, ist starker Fotojournalismus.

Oder ist hier durch Aufmachung und Umfang insgesamt schon eine Grenze überschritten? Eine Frage, die sich beim Umgang mit Fotos, die Gewalt, Leid und Opfer zeigen, immer wieder stellt und die wahrscheinlich jedes Mal neu beantwortet werden muss. Denken wir an Fotostrecken, die das Ausmaß einer Naturkatastrophe verdeutlichen oder an die Diskussion um ethische Zurückhaltung versus Beschönigung bei Kriegsbildern.

Oder an die Frage, ob eine 17-teilige Bildergalerie über einen schweren Verkehrsunfall sein muss, auch wenn sie hauptsächlich Aufnahmen von Rettungsfahrzeugen zeigt. Im Blog der Journalistin Ulrike Langer melden sich dazu u. a. Diskutanten zu Wort, die den dokumentarischen Anspruch des Fotojournalismus hervorheben und süffisant auf hochgelobte Fotoblogs wie The Big Picture verweisen. Und ob die Online-Redakteure der Mitteldeutschen Zeitung froh darüber sind, dass ihnen hier Design als Standard-Funktion bei sämtlichen Bildern – also auch Unglücksfotos – anbietet, diese als E-Card zu versenden.

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