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Merkel eifert New York Times nach

Kürzlich bemerkt: Auf der Website der Bundesregierung wird mindestens eine Regierungsklärung der Bundeskanzlerin optional auch in einem Flash-Interface angeboten, das parallel zum Video das Transkript der Rede anbietet. Vorbild ist ganz offenbar ein ähnliches Feature der New York Times, die dies zu den Fernsehdebatten im Präsidentschaftswahlkampf anbot.

Schön, dass die Bundesregierung es so ermöglicht, die Rede parallel zum Video zu lesen oder nach Sinnabschnitten vor- und zurückzuspringen. Auch zum Download ist das Video verfügbar.
Screenshot: Video und Transkript

In Sachen Usablity ist aber noch Nachbesserungsbedarf: Auf der Übersichtsseite wird offensichtlich auf ein falsches Video (das einer Regierungserklärung von Dezember verlinkt). Und die seltsamen Icons der Mediathek (!) der Website (oben rechts) sind alles andere als selbsterklärend.
Screenshot

Online-Videojournalismus – wohin?

DV-Kamera mit Laptop für den Videoschnitt
Online-Videos – eben noch große Hoffnung bei Zeitungen, jetzt schon in einem gefährlichen Abwärtstrend, weil sich Qualität nicht refinanzieren lässt? Videopunk Markus Hündgen fasst eine aktuelle Diskussion aus US-Blogs zusammen.

Dazu passt eine Umfrage von TNS Emnid, die unter anderem zu dem Ergebnis kommt:

40 Prozent der befragten Zeitungsleser ist Web-TV, also ein eigenes, breitbandig über das Internet übertragenes Fernsehprogramm, unbekannt. Ein Viertel der Befragten weiß nichts von der Möglichkeit, sich Videos zu den Nachrichten auf den Websites anschauen zu können. Entsprechend niedrig ist der Anteil der Nutzer: Lediglich vier Prozent haben diese Angebote auf den Websites der Tagszeitungen bereits genutzt – ähnlich gering ist der Anteil derjenigen, die sich diese Angebote dort überhaupt wünschen.

Befragt wurden Zeitungsleser, die auch Internetnutzer sind.

Update, 21.03.2010
Ein paar Details der Emnid-Studie zum Thema Web-TV:

  • “ist mir unbekannt”: 40%
  • “kenne ich zumindest dem Namen nach”: 41,7%
  • “Habe ich schon einmal genutzt”: 9,3%
  • “habe ich schon einmal auf der Website meiner Tageszeitung genutzt”: 3,9%
  • “wünsche ich mir auch auf der Website meiner Tageszeitung”: 3,4%

Eine andere Frage aus der Studie betraf “Videos zu den Nachrichten zum Herunterladen auf der Website”: 48% sagten “kenne ich – zumindest dem Namen nach”, 15,6% “habe ich schon einmal genutzt”.

Zahlen für nicht zeitungslesende Nutzer wurden laut Emnid nicht erhoben.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de

BBC: Transparenz beim Relaunch


Bei der BBC gibt es derzeit – vermutlich unabhängig von den aktuellen Plänen zu Umorganisation und Einsparungen auch im Online-Bereich – Vorbereitungen für einen umfassenden Relaunch. Dieser wird schon seit längerem durch Blog-Einträge begleitet, die einen Blick in die Werkstatt auf bereits präsentable Änderungen erlauben. So wurde kürzlich die neue Basis-Gestaltungssprache vorgestellt und erläutert. Nun widmet sich ein Eintrag der Umgestaltung der Startseite des Gesamtangebots, die in einer Beta-Version bereits online zu sehen ist.

“We’re all gonna die”

Der dänische Fotograf Simon Hoegsberg hat ein hundert Meter (oder viele Pixel) langes Bild aus den Einzelfotos von 178 Menschen angefertigt, die innerhalb von 20 Tagen über eine Brücke in Berlin gingen.

But see for yourself – wow! (via Interactive Narratives)

DSLR News Shooter

Um Nachrichten-Kameraleute, die mit (hochgerüsteten) Spiegelreflex drehen, geht es im Blog “DSLR News Shooter” von Dan Chung.

“So aufregend die schöne neue DSLR-Welt auch ist: Sie bleibt zunächst weiterhin der fiktionalen und der dokumentatorischen Schiene vorbehalten. Halt allem, was nicht bei Drei schon auf dem Sendemast sitzen muss”, kommentiert Markus Hündgen angesichts der Produktionsdauer eines dort Beispiels aus dem Blog.

(via Claus Hesseling/Regina McCombs).

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Abendblatt.de verliert im Dezember überdurchschnittlich Visits

Das “Hamburger Abendblatt” hat im Dezember deutlich an Reichweite eingebüßt. Die Zahl der bei der IVW gemeldeten Visits sank von 6,4 Millionen im November auf 5,6 Millionen im Dezember. Das sind fast 14 Prozent weniger als im November. Blickt man allein auf die Angebotsteile, die gegenüber der IVW als redaktioneller Content definiert werden, ergibt sich ein ähnliches Bild (13,2 Prozent weniger Kategorien-Visits aus dem Inland).

Sind die Verluste darauf zurückzuführen, das Besucher von Abendblatt.de seit dem 15. Dezember regionale Beiträge nur gegen Bezahlung abrufen können (es sei denn, sie kommen über Suchmaschinen)? Das lässt sich aus den Zahlen (Excel-Datei) auf den ersten Blick nicht herauslesen. Zwar waren die Visit-Einbußen stärker als im Vergleich November/Oktober (minus 5,4 Prozent). Aber im Dezember ist auch die Gesamtzahl der Visits aller bei der IVW gemeldeten Angeboten zurückgegangen (minus 3 Prozent), sicherlich wegen der Feiertage. Auch Spiegel Online verbuchte beispielsweise rund 7,5 Prozent weniger Visits, tagesspiegel.de und taz.de ähnlich wie das Abendblatt jeweils rund 14 Prozent Verlust.

Wie sieht es bei der “Berliner Morgenpost” aus, die ebenfalls zum Springer-Verlag gehört und zeitgleich mit dem “Hamburger Abendblatt” ein entsprechendes Bezahlmodell eingeführt hat? Dort sind die Visits im Dezember noch drastischer gesunken – um mehr als 20 Prozent. Das könnte möglicherweise ein Indiz dafür sein, dass der Rückgang bei beiden Sites tatsächlich mit der Bezahlschranke für die lokalen Inhalte zu tun hat, da diese bei der “Berliner Morgenpost” mutmaßlich noch eine größere Rolle spielen als beim “Hamburger Abendblatt”, die gerne ihren überregionalen Anspruch herausstreicht.

(Hinweise und Meinungen zur Deutung der Zahlen gerne in den Kommentaren.)

Weitere Links
… im übrigen Internet:

  • Horizont.net Bild.de überholt Spiegel Online
  • Meedia – mit ähnlichem Tenor aber ausführlicheren Betrachtungen.

Audio-Slideshow vs. Video: Nie mehr als Nische?

Soundslides-Logo [Montage]
Matthias Eberl hat kürzlich den Deutschen Reporter-Preis für eine Audio-Slideshow gewonnen und dabei einige Aufmerksamkeit auf diese onlinespezifiische Darstellungsform gelenkt, für die er sich seit Jahren einsetzt.

Fabian Mohr hat sich nun Gedanken zum Thema Audio-Slideshow vs. Video gemacht und kommt zu dem Schluss: Audio-Slideshows “stagnieren kreativ”. Sie werden nie aus der Nische herausfinden, waren vielleicht nur ein Übergangsphänomen multimedialen Erzählens. Mit HD und videofähigen DSLR-Kameras geraten reine Audio-Slideshows ins Hintertreffen, meint der Zeit Online-Entwicklungsredakteur, der beide Darstellungsformen kennt und beherrscht. Er führt einige treffende Argumente ins Spiel, unter anderem:

  • den Arbeitsaufwand für eine ausgefeilte Slideshow
  • die Tatsache, dass schon ein schlechtes Bild in einer Slideshow enorm stören kann – während eine Video-Sequenz weniger störend auffällt
  • die Hürden, die es selbst beim Erstellen mit dem Wunderwerkzeug Soundslides innerhalb einer Online-Redaktion gibt (FTP-Upload-Rechte? Einbinden externer Flash-Objekte?)
  • die auf Video ausgelegte Infratstruktur von Online-Redaktionen und externen Hosting-Plattformen

Wer als Multimedia-Reporter arbeiten will, solle sich auf Video konzentrieren, rät Fabian Mohr deshalb. Richtig? Ich finde viele Argumente sehr nachvollziehbar, vermisse ähnlich scharfe Überlegungen für den Einsatz von Video. Dort hat sich ja einerseits immer wieder gepredigte Einsatz von schnell gedrehten Sequenzen, die in textegetriebene Beiträge eingebunden werden, bisher – ähnlich wie die Slideshows – noch nicht durchgesetzt. Und qualitativ hochwertige gedrehte und geschnittene Video-Beiträge sind andererseits in der Gesamtproduktion immer noch ein wenig komplexer zu erstellen als vergleichbare Audio-Slideshows.

In nächster Zeit werden sich die Produktionsvoraussetzungen dank Flip-Kameras in Lokalredaktionen und videofähigen DSLR weiter verändern. Aber die potenziellen technischen Möglichkeiten bedeuten ja nicht zwangsläufig, dass diese auch extensiv genutzt werden: Kurze Video-Schnipsel, aufwändige Audio-Slideshows und noch aufwändigere Kombinationen aus Video, Audio und Stills könnten auch weiterhin die Ausnahme bleiben, während eingleisige Formate – stumpfer Text, bloßes Video oder stumpfe Bilderstrecke – weiter dominieren.

(Matthias Eberl und Fabian Mohr sind/waren Autoren von onlinejournalismus.de).

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de:

Stimmen zu Fabian Mohrs Blog-Post:

  • Marco Maas: “[Fabian Mohr] hat wohl leider recht.”
  • Oliver Bechmann: “… fasst gut zusammen, warum ich mich von Soundslides & Audio-Slideshows ab- und den Video-Audio-Slide-Kombis zugewandt habe. [...] Ich glaube allerdings nicht an das vollständige Aus der Audioslideshows.”
  • Steffen Leidel (Deutsche Welle) “Im Prinzip stehen wir am Ende der Ära von reinen Audioslideshows und am Anfang einer neuen Zeit im Multimedia-Storytelling, in der es um die Frage geht, wie man Foto, Ton und Film am besten zusammenführt.”
  • Markus Hündgen (DerWesten): “Auch wir haben damit experimentiert. Und nach einigen Versuchen das Stilmittel zu den Akten und Soundslides in den Papierkorb geschoben. Ausschlaggebend war nicht das User-Feedback – dieses war durchgehend positiv – sondern schlicht ökonomisches Kalkül.”
  • Dirk Kirchberg (HAZ): “Guter Journalismus, egal welche Gattung, war schon immer eine Nische (…). Daher darf es nicht um Technik oder Vermarktung gehen.”
  • Fabian Schweyher: Das Missverständnis liegt in der Annahme, dass Audio Slideshows eine gleichwertige Alternative zu Videos darstellen. Denn Ton-Bild-Strecken bieten sich nur für ganz bestimmte journalistische Darstellungsformen an.

Vertane Chance

Spiegel Online bietet eine großformatige Infografik zum Luftangriff bei Kundus – die leider aber in der vorliegenden Form überhaupt nicht funktioniert. Man sieht ihr an, dass sie fürs gedruckte Heft produziert und nicht onlinegerecht angepasst wurde. Schade.

IVW: Klickvieh zählt weniger

Die IVW veröffentlicht die Online-Nutzungsdaten für November in einer “einer neu strukturierten und im Datenangebot erweiterten Ausweisung” (Pressemitteilung). Künftig sollen Visits statts PIs entscheidend sein.

Ausgezeichnete Audio-Slideshow

Glückwunsch an unserem Mitstreiter Matthias Eberl: Seine Audioslideshow “Außen ein Puff, innen die Hölle” über eine Münchener Bar (veröffentlicht bei sueddeutsche.de) ist als “beste Webreportage” 2009 vom Reporterforum geehrt worden.

(via Medium Magazin)


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