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Wo funktioniert Online-Video?

DV-Kamera mit Laptop für den Videoschnitt
Ein paar Fragen an alle, die sich für Online-Video interessieren: Kennt jemand ein Beispiel, wo Video online so eingesetzt wurde, dass daraus eine neue, in anderen Mediengattungen nicht reproduzierbare journalistische Darstellungsform geworden ist? Weiß jemand, wo Online-Videos in der journalistischen Berichterstattung wirklich funktionieren und einen Mehrwert bieten? Wo sie sich deutlich von dem, was man im Fernsehen findet, unterscheiden? Wo sich geschriebener Text und Bewegtbild einander ergänzen, aufeinander aufbauen? Ich suche solche Beispiele, habe aber wahrscheinlich die ganze Zeit Tomaten auf den Augen.

Liebe Leser und User, welche Online-Videoformate schätzen Sie und warum?

Taugt die “Flip” für redaktionelle Arbeit?

Flip Ultra

Über die kleine “Flip”-Videokamera ist ja schon eine ganze Menge berichtet worden – und fast durchweg so positiv, dass sich der Hersteller um die Vermarktung wohl keine Gedanken mehr machen muss.

Das Erfolgsrezept der Kamera lautet: Relativ gute Bild- und Tonqualität bei gleichzeitig einfachster Bedienbarkeit – so einfach, dass selbst “Bild”-Chef Kai Diekmann zum Flip-Fan und Hobby-Filmer geworden ist und darüber nachdenkt, seine “Leser-Reporter” mit der Flip auszustatten.

Doch taugt die Flip auch für seriöse journalistische Online-Videoberichterstattung?

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Online-Video und Tageszeitungen, BDZV-Linkliste

Ich hätte nicht gedacht, dass inzwischen 396 Ausgaben deutscher Tages- und Wochenzeitungen ihre Websites mit Video-Berichterstattung anreichern. Das geht aus einer Linkliste hervor, die der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zusammengestellt hat.

Zwar setzen die meisten Redaktionen immer noch auf die kostenlosen ZoomIn-Videos bzw. greifen auf Material von TV-Sendern oder Agenturen zurück. Doch auch die Zahl der Redaktionen mit Eigenproduktionen ist erstaunlich hoch.

Die Linkliste bietet einen guten Überblick für alle, die mal schauen wollen, was in Sachen Online-Video in Deutschland gerade so passiert.

Auf Wiedersehen, OJR.org

Nach rund zehn Jahren stellt das Online Journalism Review der USC Annenberg seine Arbeit ein. Schade, dort hatte ich immer wieder gute Analysen rund um die Entwicklung der Branche gefunden, vor allem in einer Zeit, in der es noch nicht so viele lesenswerte Fachblogs gab.

Die Diskussion um den Backpack-Journalismus beispielsweise wurde hier bereits 2002 geführt – fünf Jahre, bevor das Berufsbild in Deutschland in der Realität überhaupt ankam.

Wie es aussieht, bleibt die bisherige Website aber als Archiv bestehen.

Der Westen und der WDR – Welche Folgen hat die neue Video-Partnerschaft?

Das ist sie also, die erste Audio- und Video-Kooperation zwischen einem öffentlichen-rechtlichen und einem privaten Medienunternehmen. DerWesten.de wird künftig fertige Beiträge, die bereits im WDR-Programm gelaufen sind, lizenzieren und auf seiner Seite “ausstrahlen”. Das teilten beide Partner heute mit (1, 2).

Für die Nutzung wird eine Lizenzgebühr fällig, über deren Höhe beide Vetragsparteien Stillschweigen vereinbart haben. WDR-Material soll aber teurer sein als das der privaten Anbieter.

Als ich vor einigen Monaten zum ersten Mal von diesen Kooperationsplänen hörte, dachte ich: Ach, das läuft eh auf was ganz anderes hinaus. Die Öffentlichen-Rechtlichen werden ihre Videobeiträge früher oder später für jedermann freigeben, also – ähnlich wie YouTube – mit einem Embed-Code versehen, so dass Interessierte sie einfach in ihr Blog oder ihre Website einbinden können. Das ganze natürlich geknüpft an strenge Auflagen, zum Beispiel Werbefreiheit, nicht-kommerzielle Nutzung etc. Prinzipiell wäre das nur konsequent gewesen, denn die Gebührenzahler haben die Beiträge schließlich bezahlt.

Jetzt ist es ganz anders gekommen, und das wirft ein paar Fragen auf.

Darf der WDR überhaupt auf diese Weise kommerziell tätig werden? Den Privaten schwillt verständlicherweise der Kamm, juristische Schritte sind bereits angedroht.

Was macht der WDR mit den Erlösen? Beteiligt er die Autoren der weiterverkauften Beiträge?

Nach welchen Kriterien wählt der WDR seine künftigen Kooperationspartner aus? Schließlich dürften ja auch andere Online-Plattformen neben dem Westen Interesse haben. Hat der WDR das Recht, einem bestimmten Verlag abzusagen? Oder gilt gleiches Recht für alle?

Die verkauften Beiträge müssen übrigens verständlicherweise werbefrei bleiben. Doch was heißt das im Detail? Post-Roll- oder Pre-Roll-Werbung bzw. anderweitige Einblendungen im Video werden ganz sicher verboten sein. Aber ein Werbebanner über der Seite eines Artikels, in der irgendwo im Inline-Player ein WDR-Video integriert ist? Da bleibt viel Spielraum für Interpretation.

Könnte ja sein, dass das Kooperations-Modell erfolgreich ist und alle rechtlichen Hürden nimmt. Dann wird es ganz sicher von anderen öffentlich-rechtlichen Anbietern kopiert (das ZDF steht laut WDR kurz vor dem Abschluss eines Vertrages mit dem Süddeutschen Verlag, der Bayerische Rundfunk verhandelt angeblich mit Focus Online).

Nur was wiederum bedeutet das für die vielerorts erst kürzlich gestarteten und teils sehr ambitionierten Video-Aktivitäten der einzelnen Online-Redaktionen? Werden Formate eingestampft? Werden die neuen Online-VJs schlagartig überflüssig? Kommt die große Gleichförmigkeit? Werden dann überall dieselben Videos abgespielt? Oder schafft so eine Kooperation mehr Freiraum für die Umsetzung eigener interessanter Themen?

Und noch ein Punkt: In Fachblogs wird bereits seit längerem diskutiert, dass Online-Video eine ganz andere Bildsprache als TV hat: Schneller, näher dran, authentischer. Gerade durch die Experimentierfreude der Online-Videoproduzenten entsteht eine andere, oft viel ansprechendere und mutigere Ästhetik als die des durchformatierten Fernsehens. Wäre doch schade, wenn das künftig verloren ginge.

(Hinweis: Ich arbeite unter anderem selbst gelegentlich für die Video-Redaktion von DerWesten.de.)

N24.de, Relaunch

Screenshot des Mediencenters von N24.de

Der TV-Nachrichtensender N24 hat heute in den frühen Morgenstunden seine überarbeitete – oder besser: völlig neue – Website veröffentlicht. Der Ansatz ist zumindest in Deutschland etwas völlig anderes, für einen Fernsehsender aber möglicherweise naheliegend: Der Kern des Informationsangebots besteht aus Videos.

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Wenn es die IVW nie gegeben hätte, dann…

(bitte in den Kommentaren vervollständigen)

Video-Equipment, Tipps

In drei kurzen Artikeln hat Andy Dickinson zusammengefasst, welches Equipment er Redaktionen zurzeit empfehlen würde, wenn sie auf den Video-Zug aufspringen wollen und dafür überschaubare Summen ausgeben möchten:

Online-Video: Zeitung schlägt Fernsehsender

Arminia Bielefeld entlässt Trainer Ernst Middendorp – wohl das Topthema des Tages in der Region Ostwestfalen-Lippe. Auf der Suche nach Video-Material zur Pressekonferenz grase ich sämtliche Seiten des WDR ab (der in Bielefeld mit einem Studio vertreten ist). Weder auf WDR.de noch auf der Website des Lokalstudios Bielefeld noch in der WDR-Mediathek ist irgendetwas dazu zu finden (Stand: 22:00 Uhr).

Fündig werde ich eher zufällig auf nw-news.de, der Website der dort ansässigen Tageszeitung “Neue Westfälische”. Das etwa zwei Minuten kurze Video, das die NW-Videoreporter gegen 19:00 Uhr zunächst in das Netzwerk von Zoomin eingespeist haben, um es dann wieder auf ihrer eigenen Website abzuspielen, ist zwar technisch ganz sicher nicht auf dem Niveau wie es der WDR hätte bieten können – aber es genügt mir, um den ein oder anderen O-Ton zu hören und einen Eindruck der Ereignisse zu gewinnen.

Was ich daraus lerne: Selbst bei solchen lokalen Topthemen müssen sich Zeitungen in Sachen Online-Video keinesfalls mehr hinter gestandenen Fernsehmachern verstecken. In diesem Fall 1:0 für die Neue Westfälische.

Bereichernde Video-Häppchen

Einer der größeren Fehler in Sachen Online-Video ist nach wie vor, dass sich viele Macher am Fernsehen orientieren und versuchen, es mit billigeren Mitteln zu kopieren. Tatsächlich dürfte die Stärke von Online-Video aber in der klugen Kombination von geschriebenen Text und bewegtem Bild liegen.

Wie kleine Video-Häppchen als Bereicherung eines längeren Texts eingesetzt werden können, zeigt zum Beispiel der Artikel Pearls Before Breakfast auf washingtonpost.com (gefunden in einem sehr lesenswerten Artikel über den Stand der Dinge bei Online-Video in den USA).

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