Autoren-Archiv

DerWesten zum Flashmob-Aufruf gegen den Duisburger OB

Von Thomas Mrazek am 28. Juli 2010

“Die Netzgemeinde mobilisiert sich gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Twitterer wollen sich am Mittwoch zu einem „Flashmob“ vor dem Duisburger Rathaus treffen. Um 17.30 Uhr wollen die Nutzer des Mikro-Blogs Adolf Sauerland zum Rücktritt auffordern”, heißt es im Einstieg eines Artikels bei DerWesten, der den Titel “Twitterer fordern Sauerland zum Rücktritt auf” trägt. Außerdem wird in dem Artikel auf eine Online-Petition verlinkt, die den Oberbürgermeister zum Rücktritt auffordert.

Klar muss bei dieser Katastrophe auch darüber berichtet werden, wie einige Menschen im Internet (ich halte “Die Netzgemeinde” für einen völlig unangemessenen Begriff, ebenso “des Mikro-Blogs”) mit ihrer Trauer aber auch mit ihrer Wut über das Geschehene und die vermeintlich Verantwortlichen umgehen. Dabei sollte allerdings gerade beim führenden lokalen Medium absolutes Fingerspitzengefühl angesagt sein, DerWesten, die “WAZ” tragen da große Verantwortung.

In dem Artikel wird nicht darauf hingewiesen, wer die Initiatoren dieses Flashmobs sind – es scheint sich um eine amorphe Masse zu handeln; ebenso verhält es sich bei der Online-Petition – es wird kein Urheber genannt. Da wurde einfach nicht recherchiert sondern nur plump aus dem Netz kopiert – Hauptsache, die Entwicklung wird spannend dokumentiert und “die Netzgemeinde” ist ja eh irgendwie okay. Ein gestern bei DerWesten veröffentlichter Artikel, der sich direkt unter dem “Flashmob”-Artikel befindet, weißt übrigens deutlich auf die Stimmungslage in Duisburg hin: “Morddrohungen – OB Sauerland versteckt Familie”.

“Zeitung online” besser per Twitter verfolgen

Von Thomas Mrazek am 8. Juni 2010

Heute begann in Düsseldorf die Tagung “Zeitung Online”. Bei der vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und World Association of Newspapers and News Publishers (WAN-IFRA) veranstalteten Multimediakonferenz werden “die neusten Online-Trends, E-Publishing-Lösungen und innovativen Vertriebskonzepte für mobile Endgeräte diskutiert”. RP Online bietet eigens dazu ein Dossier “Special zum Kongress “Zeitung online 2010″ in Düsseldorf” an, das neben Eigen-PR auch Informatives - zumindest für den nicht aus der Medienbranche stammenden Leser - bietet.

Erhofft hatte ich mir eine Live-Berichterstattung, doch der RP Online-Bericht “Zeitung Online ist eröffnet” lässt einen leider regelrecht gruseln - Bratwurstjournalismus vom Feinsten, garniert mit unzähligen Fehlern; als Kostprobe der inzwischen korrigierte Teaser:

Der Fachkonferenz”Zeitung Online” hat begonnen. Die Resonanz ist groß. Im Tagungsraum sitzen rund 300 Experten, Chefredakteure, Marketingstrategen dicht gedrängt. Richard Rebmann, Vize-Präsident des Bundes deutscher Zeitungsverleger begrüßte die Gäste im Saal.

Da ist man mit den Häppchen-Informationen via Twitter zumindest im Groben besser informiert - Hashtag #zo10.

Dirk von Gehlen bittet um vier Sätze für den Journalismus

Von Thomas Mrazek am 2. Juni 2010

Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von Jetzt.de, bittet in seinem Privat-Blog Digitale Notizen, bloggende Journalisten um “Vier Sätze für Journalismus” basierend auf den folgenden Fragen, die ich sogleich beantwortete.

Das sollte jeder Journalist/jede Journalistin heute lernen:
Alle Ausspielmöglichkeiten des (Online-)Journalismus zumindest im Kopfkino immer mal wieder ausprobieren und ausloten.

Nutzerbeteiligung macht den Journalismus besser, wenn …
… sie ernst genommen und professionell begleitet wird.

In zehn Jahren werden wir uns darüber wundern, dass in der heutigen Debatte …
… noch so intensiv über die Vor- und Nachteile des Online-Journalismus diskutiert wurde, statt einfach mal zu machen!

So könnte ein Geschäftsmodell für den Journalismus von morgen aussehen:

Zahlende Nutzer, denen professioneller Journalismus doch noch so viel wert ist.

Sueddeutsche.de linkt sich selber

Von Thomas Mrazek am 26. Mai 2010

Bietet euren Lesern Orientierung, setzt mehr sinnvolle Hyperlinks ein; so lautet eine der Faustregeln für guten Onlinejournalismus, die mitunter schon seit gut zehn Jahren – und nicht erst durch Jeff Jarvis – verkündet werden. Freilich sind die meisten Medien hierzulande immer noch sehr zurückhaltend was die Vernetzung insbesondere mit anderen Websites angeht.

Sueddeutsche.de setzt seit einigen Tagen konsequent Links innerhalb der eigenen Texte. Aktuelles Beispiel: in einem Kommentar von Heribert Prantl zum Koch-Rücktritt (“Roland Koch, der Unvollendete”) finden sich immerhin acht, wohlgemerkt nur interne, Links innerhalb des Textes. Gleich am Textanfang wird auf auf das Wort “Roland Koch” verlinkt, der Link zeigt dann alle bei Sueddeutsche.de vorhandenen Artikel zu dieser Person an; ich hätte hinter diesem Link eigentlich die Vita Roland Kochs vermutet. Als nächster Link taucht noch mal der Koch auf, diesmal gibt es alle Artikel in denen “Koch” eine Rolle spielt – am Ende natürlich auch Fernsehköche. Das ist einfach inkonsistent und irritierend.

Noch ein Beispielsatz aus diesem Prantl-Kommentar mit Link:

“Dass er in die CDU eine Lücke reißt, in der nun nur noch Leute wie der Stuttgarter Ministerpräsident Stefan Mappus stehen und eine bescheidene Figur abgeben, dürfte Roland Koch insgeheim durchaus befriedigen.”

Hier hätte man sich wohl Informationen über den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus erwartet - doch man erhält alle Artikel, in welchen alle Ministerpräsidenten eine Rolle spielen. Kurzum: Die offenbar automatisierten Links im Textkörper irritieren eher, als dass sie den Leser mit sicherer Hand zu relevanten Informationen führen. Da erwarte ich mir von einem Angebot wie Sueddeutsche.de einfach intelligentere Lösungen, so fühlt man sich eher an die unsäglichen Klickschindereien jenes Angebots in der Vergangenheit erinnert.

Mehr bei Onlinejournalismus.de:
Problemverbindung: News-Sites und externe Links

Zehn Jahre onlinejournalismus.de

Von Thomas Mrazek am 22. April 2010

10_jahre_ojour

Am 20. April 2000 um 4.53 Uhr war es soweit, onlinejournalismus.de erblickte als Studienprojekt von Roman Mischel und Jan-Peter Steppat, Journalistik-Studenten an der Universität Dortmund, das Licht der Online-Welt. Statt vieler Worte: Gehen Sie einfach mal auf Zeitreise, stöbern sie auf unserer Seite aus dem Jahr 2000 herum. Sie finden dort viele bekannte aber mittlerweile auch nicht mehr so bekannte Namen, die den Onlinejournalismus hierzulande wohl ein wenig mitprägten.

Ein Höhepunkt war für uns 2003 die Auszeichnung mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Medien-Journalismus. Zehn Jahre Onlinejournalismus zelebrierten wir 2004 in einem umfangreichen Dossier. Seit Februar 2006 erscheinen wir im Blog-Format – onlinejournalismus.de 3.0 nannten wir es damals.

Freilich müssten wir noch viele – mitunter mühevoll recherchierte und multimedial aufbereitete – Artikel hervorheben. Wir sagen einfach nur Danke an alle Autoren, die für uns stets ohne Honorar tätig waren. Eure Arbeit hat den Journalismus im Netz auch vorangebracht.

21. April 2010: Die Online-Welt ist bunter und vielfältiger denn je, es gibt einige sehr gute Medienblogs (siehe etwa unser Netvibes-Angebot). Aber hier ist es spürbar ruhiger geworden. Wir sind alle gut beschäftigt. Wir überlegen uns, wie wir unser liebgewonnenes Magazin in Zukunft weiterführen. onlinejournalismus.de 4.0 braucht allerdings in jedem Fall noch ein wenig Zeit. Nichtsdestotrotz sind derweil Themenvorschläge, Ideen und Mitmacher/innen weiterhin herzlich willkommen.

Weiterbildungsseminar „Wissenschaft Online“ in Dortmund

Von Thomas Mrazek am 9. April 2010

Die Initiative Wissenschaftsjournalismus an der Technischen Universität Dortmund weist auf ihr in drei Module gegliedertes Weiterbildungsseminar für Wissenschaftsjournalisten hin. “Das Seminar “Wissenschaft Online” will einen kompetenten Onlinejournalismus fördern”, heißt es in der Beschreibung. Start des ersten Moduls ist bereits am 20./21. Mai.

“Das Seminar richtet sich an feste und freie Online-Wissenschaftsjournalisten aller Mediensparten, die sich beruflich regelmäßig mit wissenschaftlichen Themen beschäftigen. Es sind 12 Plätze zu vergeben. Bis auf einen Eigenanteil von 200,- Euro trägt die Initiative Wissenschaftsjournalismus alle Kosten für das fünftägige Seminar (Übernachtung, Verpflegung).”

Um die Teilnahme am Seminar kann man sich bis zum 10. Mai 2010 schriftlich bewerben, weitere Informationen unter: www.initiative-wissenschaftsjournalismus.de.

Schnell und unkompliziert: Test.de-Artikel per Handy bezahlen

Von Thomas Mrazek am 15. Februar 2010

Wenn es um das Thema Paid Content geht, wird die Stiftung Warentest stets als einer der Pioniere auf diesem Gebiet genannt (siehe auch Onlinejournalismus.de vom 15.07.2002!). Und bei Test.de funktioniert das Ganze auch: „Im Jahr 2009 riefen Nutzer fast 800.000 kostenpflichtige Inhalte für insgesamt mehr als 1,5 Millionen Euro ab“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung Warentest.

Seit heute bietet die Stiftung Warentest auf Test.de ein neues Bezahlverfahren per Handy an. Der Artikelkauf über das Handy funktioniert ohne Registrierung, lediglich die Handynummer muss bei der Bestellung auf Test.de eingegeben werden. Dann erhält der Nutzer eine SMS mit einer Transaktionsnummer (TAN) zugeschickt. „Diese gibt er im zweiten Schritt online ein. Unmittelbar nach der Bestätigung sind die kostenpflichtigen Inhalte freigeschaltet“, heißt es in der Beschreibung. In rund 30 Sekunden wird der gewünschte Artikel freigeschaltet. Abgerechnet wird über die Mobilfunkrechnung.

Ob andere Anbieter dieses unkomplizierte Verfahren demnächst auch anbieten werden?

Gelungene Sueddeutsche.de-App und ein neues App-Blog

Von Thomas Mrazek am 5. Januar 2010

Werbung für die iPhone-App der SZ (Screenshot)

Ausgerechnet ein geschätzter Kollege den ich eher für einen Paid-Content-Skeptiker halte, machte mich eben in einem Twitter-Beitrag auf die App von Sueddeutsche.de aufmerksam: Giesbert Damaschke schrieb dort: “Ah, die SZ als iPhone App – für 1,59 im Monat könnte ich das glatt abonnieren.”

Dabei braucht man – zunächst – gar nicht die kostenpflichtige “Gold-Version”, denn die so genannte “Basic-Version” tut’s auch: Ohne Schnickschnack findet man dort übersichtlich angeordnet eine Auswahl von 15 Ressorts unter “News”; sehr gut angepriesen wird auch die Paradedisziplin der “Süddeutschen Zeitung”: aktuelle Meinungsbeiträge finden sich unter einem eigenen Menüpunkt (auf der Website geht diese Rubrik neben vielen anderen eher etwas unter).

In der Gold-Version auf deren Existenz man beim Aufruf der Kostenlos-Version in einem zehnsekündigen Vorspann zwangsweise hingewiesen wird, gibt es eine “Offline-Nutzung durch Download-Funktion”, einen News-Alert und keine Werbung – für 1,59 Euro/30 Tage. Mehr bei Sueddeutsche.de.

Sicher ist das Ganze nicht perfekt und bietet auch keine endgültige Lösung der Finanzierungsfrage, aber die Münchner Tageszeitung bietet damit einen weiteren, unprätentiösen Einstieg in den Mobil-Bereich.

Neues App-Blog
Zum Jahresanfang haben altbekannte Blogger und Journalisten, nämlich Franziska Bluhm, Daniel Fiene, Thomas Knüwer und Jens Schröder ein Blog “über Smartphone-Apps für iPhones & Co.” gestartet: Mind the App.

Nachtrag 06.01.2010
Was natürlich bei den Sueddeutsche.de-Artikeln, die alle aus der aktuellen Online-Ausgabe kommen, fehlt, ist der Datumsstempel, den es auch in der in der Bezahlversion nicht gibt. Iphone-Nutzer haben offenbar schon länger auf dieses Angebot des Süddeutschen Verlags gewartet – bei Itunes liegen sowohl die kostenlose als auch die kostenpflichtige Version in der Kategorie Nachrichten bei den Downloads derzeit an zweiter Stelle. Bei den meistgekauften Apps steht “Bild” (0,79 Euro) an erster Stelle, Dritter ist Welt Mobil (1,59 Euro).

Nachtrag 11.01.2010

Spreeblick bemängelt via Twitter: Habe die Push-Benachrichtigungen über “Eilmeldungen”, die ich schon vor zwei Tagen gelesen habe, abgestellt.

Sueddeutsche.de berichtet heute in einem Artikel: “App in die Zukunft! iPhone: Verleger hoffen”; im Vorspann heißt es: “Goldgräberstimmung im Online-Journalismus: Bezahl-Apps für das iPhone sind ein Verkaufsschlager. Damit könnten Nachrichten im Netz endlich profitabel werden.” Zahlen, die diese Aussagen belegen, werden allerdings nicht genannt.

Nachtrag, 18.01.2010
Das Upload Magazin meint “Peinlich, peinlich: “Süddeutsche Zeitung” kauft sich lobende Blogposts” für die iPhone-App. Die zuständige Marketing-Agentur Trigami reagiert mit einer Stellungnahme.

Kleiner Relaunch bei taz.de

Von Thomas Mrazek am 29. Dezember 2009

Zum 3. Januar kündigt im taz-Hausblog der Leiter von taz.de, Matthias Urbach, “ein neues und großzügigeres Layout” seiner Seite an. Die umfangreiche Internet-Berichterstattung soll in einem neuen Ressort “Netz” ausgebaut werden. Urbach resümiert, dass 2009 ein gutes Jahr für taz.de gewesen sei, zugleich räumt er aber auch ein, dass das Angebot trotz gestiegener Anzeigenerlöse “die vollen Kosten der Onlineausgabe noch nicht erwirtschaften” könne.

Weitere Artikel über taz.de bei onlinejournalismus.de

Nachtrag 03.01.2010
“Der Relaunch wird sich ein paar Tage verzögern”, schreibt Matthias Urbach im taz-Hausblog, es gibt technische Probleme, zutreffend ist der Beitrag “Eichhörnchen beim Relaunch” betitelt.

Nachtrag 07.01.2010
Während der Relaunch noch auf sich warten lässt, berichtet einer der beiden “taz”-Geschäftsführer, Andreas Bull, heute im taz-Hausblog über “Spektakuläre Zuwächse bei der Nutzung von taz.de”.

Bull nennt einige Zahlen, die dieses Wachstum belegen, unter anderem diese: Im 4. Quartal 2009 hatte taz.de 9.849.589 Visits während es 2008 im gleichen Zeitraum noch 5.731.321 Visits waren - ein Zuwachs von 4.118.268 Visits (72 Prozent).

“Die wahrscheinlich eigentlich wichtige Nachricht daran ist, dass diese Zuwächse nicht durch oberflächlich pfiffige Suchmaschinenoptimierung oder hinterhältige „clickmonster“, die unbefangene Besucher zu immer neuen Seitenaufrufen verführen, oder durch publizistisch abwegige Spieleangebote „generiert“ sind. Sie sind vielmehr Ergebnis von sorgfältiger Präsentation originärer Texte der taz-Redaktion und Beteiligung der Lesenden an den Debatten, die dadurch angestoßen werden.”


Nachtrag 15.01.2010

Es ist vollbracht! “Die Web-Revolution fällt aus”, stichelt Meedia. Es ist tatsächlich nix Sensationelles nicht, solide Arbeit und eben richtig bemerkt Stefan Winterbauer bei Meedia, dass es bei der “taz” eh mehr auf die Inhalte als auf die Verpackung ankomme. Allerdings sollten die taz.de-Verantwortlichen auch einige der im taz-Hausblog geäußerten Kritiken an Technik und Barrierefreiheit der neuen Seite berücksichtigen.

Selbstmörderisch? Hamburger “Abendblatt” startet mit Paid Content

Von Thomas Mrazek am 15. Dezember 2009

abendblatt.de (Screenshot)

“Vielleicht ist es aussichtslos. Vielleicht ist es selbstmörderisch. Vielleicht ist es auch unverschämt. Doch vor allem ist es eins: Es ist alternativlos”, orakelt Matthias Iken auf Abendblatt.de, weiter heißt es: “Der Zugriff auf Lokal- und Regionalberichte sowie das Archiv ist nun für 7,95 Euro pro Monat im Abo zu haben. Für Zeitungs-Abonnenten bleibt das komplette Angebot von abendblatt.de kostenfrei.”

Nachtrag, 15.12.09, 18.50 Uhr
Herrje, ich habe nur wenig Zeit, hier etwas zum Thema zu schreiben, wer eine fundierte Analyse sucht, findet sie bei Stefan Niggemeier. Nur ein paar Notizen: “Eine neue Phase des Journalismus im Internet beginnt”, heißt es bei Abendblatt.de verheißungsvoll, das ist nicht ganz richtig.

Der Axel Springer Verlag startete unter dem Markennamen “Go On” schon im September 1996 (!) in Hamburg und Berlin lokale Angebote, die nur über T-Online erreichbar waren. “Bis Ende 1997 sollen 10.000 zahlende Mitglieder pro Stadt gewonnen werden”, schreibt Klemens Polatschek in einem Papier mit dem Titel “When Newspapers Go Electric - Bausteine zu einer Chronologie des Hypes” (PDF-Dokument). Springer soll in diese Projekte 30 Millionen Mark investiert haben. Das Projekt scheiterte. Lesenswert hierzu auch ein DPA-Artikel von Christoph Dernbach bei Heise Online aus dem Jahr 2001 mit dem bezeichnenden Titel “Bezahl-Web - Springer, geh du voran …”.

Übrigens gibt es solche Formen des Bezahljournalismus längst bei anderen Angeboten, wie etwa bei der Sächsischen Zeitung Online. Dort wurden die Bezahlschranke wohl auch nicht über Nacht eingeführt. Unter anderem an dieser meines Erachtens kundenunfreundichen Vorgehensweise wird das Experiment beim Hamburger “Abendblatt” und bei der Berliner “Morgenpost” wohl scheitern (apropos über Nacht, Chip Online weist schon auf eine “löchrige Content-Sperre” hin …, aber das wird sich ja wohl beheben lassen, ebenso wie die undeutsche Datumsanzeige “December”).
Obendrein gibt es noch eine “Hintertür” für die Leser, die via Suchmaschinen auf die kostenpflichtigen Artikel zugreifen können, wie unter anderem DWDL berichtet.

Wie könnte es weitergehen? Klar wird es signifikante Einbrüche bei der Reichweite geben, das ist freilich einkalkuliert, andererseits wird das starre Abo-Modell wie beim “Abendblatt” wohl nicht lange Bestand haben. Spätestens im Januar, Februar könnte ich mir vorstellen, dass lokale und regionale Inhalte zu einem geringen Teil wieder frei erhältlich sein werden und das es vielleicht flexiblere Preismodelle geben wird.

Dass die Kassenhäuschen wieder verschwinden, könnte ich mir hingegen frühestens im Sommer vorstellen, aber das ist eher unwahrscheinlich, weil es auch mit einem Gesichtsverlust verbunden wäre. Von Seiten des Axel Springer Verlags wird in den nächsten Wochen wohl eher gut kontrollierter PR-Sprech in dieser Sache zu hören sein: “Unser Paid Content-Angebot wird für uns selbst überraschend gut angenommen, kaum Reichweitenverluste”; Leserstimmen, Testimonials: “Das ist es mir wert!”.

Nachtrag, 16.12.09, 9.30 Uhr
Auf Abendblatt.de äußern sich prominente Befürworter des Paid Content-Angebots “Guter Online-Journalismus ist umsonst nicht zu haben” und weniger Prominente, die das Bezahlangebot eher ablehnen: “Das denken Leser und Internet-Community - “Das wird sich nicht durchsetzen”.

Weitere Links
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