Freilich fühlt es sich – vor allem für Außenstehende – manchmal wie Korinthenkackerei oder Schwarzmalerei an, so etwas anzukreiden. Aber als Nutzer darf man sich ruhig mal beleidigt fühlen und sollte sich nicht scheuen, solche Schludereien anzuprangern.
Zwei Beispiele von heute. Unter der Überschrift “Der Wahn von der Autobahn” erscheint folgender Teaser-Anfang:
“Nicht nur Ex-Nachrichtensprecherinnen verirren sich in der Geschichte: Viele Deutsche finden immer noch, es sei nicht alles schlecht gewesen im “Dritten Reich” – die Autobahn zum Beispiel. (…)”
Spiegel Online berichtet direkt vom Stammtisch, könnte man meinen, da halten sich ja bekanntlich viele Deutsche auf – ziemlich plump, wenn ein Text mit so einer unbebelegten, aber reißerischen Mutmaßung beginnt. (Nebenbei: Der Artikel erscheint übrigens im neuen Angebot einestages; bis man beim Text angekommen ist, bedarf es drei Klicks. Warum in der URL der Name Hans-Michael Kloth auftaucht und im Text der SPIEGEL-Autor Klaus Wiegrefe genannt wird, irritiert mich.)
Ein weiterer Text hält überhaupt nicht, was er verspricht und ist völlig übergeigt: “Personaleinsparung. Automatik-Züge machen Lokführer überflüssig”
“Es ist eine High-Tech-Vision und zumindest für Arbeitgeber ein Traum: Lokführer-Streiks könnten bald der Vergangenheit angehören, weil die Züge automatisch fahren. Auch in Deutschland sind immer mehr unbemannte Bahnen unterwegs – ohne dass die Sicherheit leidet.”
Von gerade mal zweieinhalb deutschen Projekten ist die Rede: Zum einen wird der Frankfurter Flughafen erwähnt, ohne allerdings auch nur ein Wort darüber zu verlieren, wie das mit der unbemannten Bahn dort aussieht. Dann wäre vielleicht das “immer mehr” etwas gemildert, denn die Hochbahn Sky Line fährt alle 2-3 Minuten gerade mal zwischen den Terminals, wie man etwa bei Expedia erfährt. In Dortmund sollen auch Zugfahrten ohne Fahrer stattfinden, erwähnt der Autor.
Aber immerhin: In Nürnberg soll ab Frühjahr 2008 die erste vollautomatische U-Bahn Deutschlands Fahrgäste befördern. Ja, es werden immer mehr und sie machen früher oder später die Lokführer tatsächlich überflüssig.