Archivierte Einträge für

Zeit Online huldigt Renault

Die “Probefahrt” ist seit vielen Jahren Bestandteil der gedruckten “Zeit”. In feuilletonistischer Manier fröhnen die Autoren darin dem Fahrgenuß mit einem ausgewählten Automobil. Aktuell ist der Renault Clio an der Reihe – “Ein Auto mit Bildungsauftrag”, heißt es in der Überschrift. Flott geht es weiter: “Als der créateur d’automobiles den Clio erschuf, hatte er einen besonders guten Tag.” Und so weiter und so fort.

Nach Lektüre der allzu wohlfeilen Huldigungen für dieses Fahrzeug könnte man sich fragen, ob Renault dem Autor oder der Zeitung dafür nicht auch einen guten Tag in Form einer finanziellen Zuwendung beschert hat. Was in der Zeitung schon anrüchig erscheinen mag, bestätigt sich schließlich bei Zeit Online als Schleichwerbung (der Link führt zum PDF-Dokument “Praxis-Leitfaden Ziffer 7 Pressekodex” des Deutschen Presserats: Die achtteilige Bildergalerie könnte eins zu eins einem Prospekt des Fahrzeugherstellers entstammen: Die Bilder stammen von Renault, die durchweg positiven und die Vielfalt des Clio anpreisenden Texte ebenso. Schade, dass es das Meckerblog bei Zeit Online nicht mehr gibt.

Nachtrag 11.07.09
Zeit Online hat die Bildergalerie inzwischen entfernt und erklärt den Lesern diese Korrektur auch – gut so!

Nachtrag 13.07.09
Oh mei! (bayerischer Stossseufzer) Ein Leser wies eben darauf hin, dass man von mir monierte Galerie weiterhin sehen kann. Ich glaubte der Aussage von Zeit Online: “Um aber jeglichen weiteren Missverständnissen vorzubeugen, haben wir die Bildstrecke vorsorglich entfernt und nur noch ein als Werksfoto deklariertes Bild stehen lassen, das den besprochenen Wagen zeigt.”

Nachtrag 14.07.09
Wir haben den Hinweis erhalten, dass Renault keinerlei Zuwendungen an “Zeit”/Zeit Online geleistet hat. Jetzt ist die Bildstrecke endgültig weg.

Keiner meckert mehr über “Miststücke” bei Zeit Online

Ein meines Erachtens leider etwas vernachlässigtes Projekt (nur dann und wann wurde es in der Literatur erwähnt, etwa bei Professor Klaus Meier), das so genannte Meckerblog bei Zeit Online stellte jetzt seinen Dienst ein. Ein unabhängiger Journalist, “Onkel Brumm”, beobachtete in diesem Blog das Web-Angebot der Wochenzeitung und wies auf Fehler und Fehlentwicklungen hin. Dafür erhielt er ein geringes Honorar.

Am Sonntag schrieb Onkel Brumm (richtiger Name ist der Redaktion bekannt): “Mit diesem Posting endet das Meckerblog – mehr als drei Jahre sind man (sic) genug. Findet jedenfalls die Redaktion, und ich stimme dem zu.” Wenigstens ein Ende ohne Knatsch, wie dem Beitrag “Finis Meckerblog” zu entnehmen ist, denn der Autor wird nach eigenen Angaben künftig häufiger für Zeit Online schreiben. Trotzdem ist es natürlich schade, dass diese – meines Wissens in Deutschland einmalige – Institution redaktioneller Selbstkontrolle nun endet.

Dass dieser Job nicht immer einfach war, sagte uns der Meckerblogger im Interview vom 22.12.2006: “Vermutlich bin ich als Kritiker nicht gerade beliebt”. Die mangelnde Aufmerksamkeit für dieses Blog beklagten wir im Beitrag “Miststücke in der ‘Zeit’”.

Wie nutzen Sie Soziale Netzwerke?

Für die Zeitschrift “Message” arbeite ich an einem Artikel zum Thema Soziale Netzwerke und Journalismus. Hierzu würde ich gerne Ihre Meinung hören (sofern Sie als Journalist tätig sind).

  • Wie nutzen Sie Soziale Netzwerke (wie etwa StudiVZ, Facebook, Xing, aber auch Twitter) für Ihre Arbeit (es muss sich nicht auf Recherche reduzieren)?
  • Was für Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
  • Sind Sie selbst in Sozialen Netzwerken registriert und aktiv (es ist ja für das journalistische Arbeiten mit diesen Angeboten nicht zwingend notwendig Mitglied zu sein respektive überhaupt nicht möglich überall dabei zu sein)?

Antworten bitte per E-Mail an:
kontakt(at)thomas-mrazek.de
Gegebenenfalls hake ich noch mal nach. Der Artikel wird später hier veröffentlicht. Vielen Dank schon mal.

Wie Journalisten diese Netzwerke besser nicht nutzen sollten, ist im Artikel “Deckname Moser” nachzulesen.

Umfangreiche Studie zum Online-Journalismus

“Ein Twitter-Beitrag, der maximal 140 Zeichen lang sein darf, ist in Sekundenschnelle getippt und veröffentlicht. Dieses Buch ist genau das Gegenteil dazu: Es hat nicht nur viele Seiten, sondern auch eine lange Vorgeschichte”, heißt es im Vorwort zum eben erschienenen Werk “Journalismus im Internet. Profession – Partizipation – Technisierung”, herausgegeben von Christoph Neuberger, Christian Nuernbergk und Melanie Rischke.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse liefern die Herausgeber in der Ausgabe 4/2009 der “Media Perspektiven” (PDF, 15 S., 160 kb):

“Wie wandeln sich Journalismus und aktuelle Öffentlichkeit, wenn sich mit dem Internet die medialen Randbedingungen ändern? Diese Frage stand im Mittelpunkt des DFG-Forschungsprojekts „Vermittlungsakteure, -strukturen und -leistungen der aktuellen Internetöffentlichkeit“, das am Institut für Kommunikationswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität durchgeführt worden ist (2006 bis 2008). Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse des Projekts vorgestellt.”

Das “SZ Magazin” fragt “Wozu Zeitung?”

Die morgige Ausgabe des “Süddeutsche Zeitung Magazins” widmet sich dem Thema “Wozu Zeitung?” – “Das Internet macht Druck, die Auflagen schrumpfen, die Einnahmen sinken: Die klassischen Medien müssen sich der größten Sinnkrise ihrer Geschichte stellen. Ein Heft über den Umbruch einer Branche. Von A bis Z”. Online gibt es das Ganze schon heute.

Inhaltlich mit dem Heft auseinandergesetzt haben sich bereits die Darmstädter Journalistikprofessoren Klaus Meier: “Wie man journalistisch mit der Frage „Wozu Zeitung?“ umgeht: Fünf Tipps anhand des SZ-Magazins vom 8. Mai” und Thomas Pleil: “Die SZ auf dem PR-Trip”.

Nachtrag #1
Stefan Niggemeiers Blog-Beitrag “Schöner sterben mit dem „SZ-Magazin”” weist auf erhebliche Mängel in einem der angebotenen Artikel hin.

Nachtrag #2

Gut gemacht auf der Website des “SZ Magazins”: Dort gibt es eine Übersichtsseite, auf der die Diskussionen zu den Heftartikeln dokumentiert werden. Die Artikel wurden verschiedenen Ausbildungsinstitutionen, Blogs und Websites angeboten (uns leider nicht, vielleicht waren die Sueddeutsche.de-Macher von unserer stets dezent geäußerten Kritik über ihre Website nicht angetan – keine Ahnung).

Nachtrag #3
Bei uns gibt es eine längere Fassung des Textes von Stephan Weichert und Leif Kramp zu den acht Problemen der Zeitungen.

Konferenz-Twitterei: Was bringt’s?

Nein, ich habe es noch nie getan, von einer Konferenz zu twittern und habe es auch nicht vor. Ich rezipiere solche Beiträge zumeist sporadisch. Allerdings frage ich mich zunehmend nach dem Sinn und Unsinn solchen Publizierens – wem bringt das was? Den Twitternden selbst, den Teilnehmern, den Lesern im Lande an den Empfangsgeräten; den Veranstaltern, den Akteuren (Menschen, Marken), deren Namen immer wieder kursieren, den Anbietern von Mobilgeräten? Ist es nur noch mehr Rauschen?

gckl schrieb bei Twitter eine gute Antwort: “Das Kongressgezwitscher scheint ein diffuses Zugehörigkeitsgefühl zu fördern.” Geben Sie auch Ihre 140 Zeichen oder gerne mehr hinzu …

Aktuelle Beispiele: #next09 oder hier: Medientreffpunkt.

Das Thema wäre übrigens auch ein – wie ich finde – dankbarer Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit.

Mehr zu Twitter hier bei Onlinejournalismus.de und bei Delicious.

Axel-Springer-Preis für junge Journalisten: Vorbildliches aus dem Netz

Auch wenn der folgende Text aus Zeitgründen nur reinkopiert ist – wir gratulieren herzlich und verweisen gerne auf diese vorbildlichen Internet-Beiträge, die heute mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten ausgezeichnet wurden. Weitere Informationen und die Preisträger der weiteren Kategorien Fernsehen, Hörfunk und Print finden Sie unter: www.axel-springer-akademie.de/axel-springer-preis.html

1. Preis
Sebastian Christ

„Die Folgen der Entvölkerung“
1. September 2008
stern.de

2. Preis
Team 4 der Axel Springer Akademie

„Machtmaschine“
25. November 2008
macht-maschine.de

3. Preis
Patrick Gensing


„Piratenpartei statt SPD: Die NPD auf dem Weg zur Regionalpartei“

Januar 2008
npd-blog.info

Für “Herausragende Leistungen” werden erwähnt:

Bernhard Böth, faz.net (siehe hierzu Journalismus-Darmstadt.de: “Diplomarbeit mit Axel-Springer-Preis ausgezeichnet”)
Georg Döller, zdf.de

Nachtrag
Über die mißlungene Preisverleihung im Netz berichtet Peer Schader in seinem Blog Medienpiraten.

Hans-Jürgen Jakobs’ „Stiftung Blasentest“

hans-juergen-jakobs.jpg

Im druckfrischen und empfehlenswerten Werk „Die Alpha-Journalisten 2.0“ porträtiert Medienjournalist Christian Meier den Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs. „Der Konvertit“ lautet der Titel seines Aufsatzes. Meier schreibt:

„Auch sueddeutsche.de hat freilich beim Wettlauf um die bizarrsten Klickmonster mitgemacht. Beispielsweise mit Durst-Strecke: Die 100 besten Bier der Welt oder einer umfänglichen Galerie mit Fotos von Luxusuhren. „Da frage ich mich heute schon, wie es dazu kommen konnte“, übt sich Jakobs in Selbstkritik. Solche Galerien seien eher Katalog- als Journalistenarbeit und würden nicht mehr produziert. Seit einiger Zeit gelte für Fotostrecken eine interne Grenze von 25 bis 30 Elementen.“

Jakobs’ Einsicht in allen Ehren. Was davon zu halten ist? Weiterlesen…

Zum Aus von medienlese.com

Leider kann ich nur von unterwegs ein paar Worte dazu verlieren: “Wir von Blogwerk haben beschlossen, medienlese.com am 30. April einzustellen”, meldete Blogwerk-Chef Peter Hogenkamp heute Nachmittag. “Wir haben immer gewusst, dass medienlese.com zu einem guten Teil ein Prestigeobjekt ist, und dass man mit einem Medienblog, das kein Branchendienst sein konnte und wollte, nicht viel Geld verdienen konnte”, heißt es weiter.

Ich kann nur Don Alphonsos Kommentar in der Blogbar zustimmen, dass Medienlese “sich tatsächlich angestrengt und selbst was gemacht [hat], statt immer nur abzuschreiben und anderen Medien in den Arsch zu kriechen, wie das sonst in dieser Branche nicht selten ist.” Medienlese ist zum einen mit seinen morgendlichen Links “6 vor 9″ und vor allem mit zahlreichen fundierten und manchmal überraschenden Beiträgen von Autoren wie Klaus Jarchow, Ole Reißmann oder Ronnie Grob für mich zu einer liebgewordenen Lektüre geworden. Schade.

Geringe Hoffnung auf eine Übernahme bestehe zwar noch, doch am wahrscheinlichsten sei, dass das Projekt zum 30. April eingestellt werde, sagt Hogenkamp. Im Blog Massenpublikum wird bereits zu Spenden aufgerufen.

Gute Freunde auch in der Krise: Die INSM und die Medien

Nur eine kurze Notiz, Kenner der Materie werden sich über das gelungene Zusammenspiel von PR und Journalismus sicher freuen. Im Tagebuch der Initiative Soziale Marktwirtschaft, abgekürzt INSM (“eine rein interessengesteuerte Pressure Group, die wirtschaftsliberale Positionen ins Land trägt, finanziert durch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie”, charakterisierte sie unser Mitstreiter Fabian Mohr 2006), jubeln die Verantwortlichen heute über die gute Medienresonanz ihres eben veröffentlichten Regionalrankings:

Großes Interesse bei Online-Medien
Das INSM Regionalranking 2009 erzeugte sofort nach seiner Veröffentlichung am Donnerstagmorgen um 11.00 Uhr eine hohe Medienresonanz. Bis zum Nachmittag verzeichnete “Google News” schon mehr als 100 Verweise auf Online-Medien. Vor allem regionale Internetdienste profitierten von den detaillierten Informationen bis auf Landkreis-Ebene. Die überregionalen Medien thematisieren vor allem das schlechte Abschneiden der ostdeutschen Regionen in der Rangliste. ”Auch zwanzig Jahre nach der Wende verzeichnet die INSM ein großes Gefälle zwischen Ost und West”, schreibt zum Beispiel die ZEIT ONLINE. Und FOCUS Online setzt noch eine Spitze drauf: “Blühende Landschaften gibt es 20 Jahre nach der Wende vor allem in Bayern”, schreiben die Münchner.

Nachtrag 23.04.2009
Im sehr empfehlenswerten Newsletter des Netzwerk Recherche wird die von einigen Medien praktizierte Praxis heute auch noch mal kritisiert: “Unkritische Berichterstattung spielt Lobbyismus in die Hände”. Weitere Beiträge fanden sich einige Tage nach unserem Bericht im Zeit Meckerblog (“Kommentarlose Übernahme von PR-Informationen”, dort auch die Kommentare beachten!) und im Blog Lobbycontrol (“Erneut unkritische Berichterstattung über INSM Ranking”).

 « 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ... 26 27 28 »


onlinejournalismus.de beobachtet die Entwicklung des Journalismus im Internet.

onlinejournalismus.de wird mit WordPress betrieben (Theme: Modern Clix von Rodrigo Galindez).