Archivierte Einträge für Beispielhaft

Stasi-Affäre bei der “Berliner Zeitung”

Es ist ein sehr schwieriges Thema: Die Stasi-Verstrickung von zwei Redakteuren der “Berliner Zeitung”. Als hätte dieses Blatt derzeit nicht genug andere Sorgen und Baustellen. Auf der Website versuchen die Berliner offensiv mit dem Thema umzugehen: Unter dem gestrigen “Seite 3″-Artikel “Glaubwürdigkeit als höchstes Gut” von Chefredakteur Josef Depenbrock (“Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit sind beschädigt.”) finden sich Hinweise auf weitere Artikel zum Thema.

Heute erklärt der Sprecher des Redaktionsausschusses, Thomas Rogalla, dass die Mehrheit der Redaktion Anträge auf Akteneinsicht bei der Birthler-Behörde stellen will: “Mehr Klarheit”. Die Leser können sich in einem Weblog zur Stasi-Affäre äußern.

“Zeitenwechsel”: Sueddeutsche.de-Serie zur Zukunft des Journalismus

Zusammen mit dem Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik bereitete Sueddeutsche.de unter dem Titel “Zeitenwechsel” in den letzten Wochen Interviews mit namhaften Experten zur Zukunft des Journalismus auf. Heute endet diese Serie mit einem Interview mit dem “Guardian”-Chefredakteur Alan Rusbridger. Eine sehr gelungene Idee, alle elf Folgen sind unter www.sueddeutsche.de/zeitenwechsel nachlesbar.

Ähnlich informativ ist übrigens auch die Serie “Unter Druck. Medien in Zeiten des Umbruchs” bei Spiegel Online, die seit April 2005 auf über 200 Artikel (aufgelistet auf einer Seite!) angewachsen ist.

In Zeiten von mitunter oberflächlichen und unkritischen “2.0″-Mediendiensten sind solche Quellen manchmal eine regelrechte Oase.

Sueddeutsche.de, mal wieder

Ich halte mich ja schon extra bei der Überschrift zurück, gelangweilte Leser ahnen hoffentlich schon, was jetzt kommt und drehen routiniert ab. Nun, erst mal will ich etwas loben: Trotz aller Feeds und sonstigen Werkzeugen habe ich gemerkt, dass der tägliche (Montag bis Samstag) Sueddeutsche.de-Newsletter mit den aktuellen Topnachrichten in Textform für mich eine feine Sache ist (Anmeldung ohne lästige Datensammlerei nur mit E-Mail-Adresse). Gut gemacht!

In der aktuellen Ausgabe von Turi2 las ich eben den Hinweis: “Online-Demo: Reporter ohne Grenzen lässt heute online gegen Internet-Zensur demonstrieren. sueddeutsche.de” (Kleiner Hinweis an Turi2: Die Online-Demo fand übrigens gestern statt. Aber der Fehler kann einem auch leicht unterlaufen, da bei Suddeutsche.de nur von “heute” die Rede ist und kein Datum erscheint und schließlich interessiert man sich bei Turi2 vor allem für das ganze Personaltrallala der Branche, da kann einem so ein Fehlerchen schon mal passieren. Ach, obendrein wird zwei mal auf den Artikel verlinkt: “Unterdrückt: 63 Internet-Dissidenten sind derzeit weltweit inhaftiert, kritisiert die Organisation Reporter ohne Grenzen. sueddeutsche.de”)

Und siehe da, bei Sueddeutsche.de landet man wieder mal in einer der berühmt berüchtigten Bildstrecken. Mit einigen Screenshots von der Website der Reporters without Borders wird die Meldung gleich wieder auf zehn Seiten aufgeblasen oder besser verhackstückt (mit vier Rechtschreibfehlern übrigens!); Ausdrucken kann man sich diese portionierte Meldung natürlich auch nicht am Stück.

Schade drum, aber Hauptsache es bringt wieder ein paar Klicks und das Bildmaterial gab’s ja auch kostenlos. Man kann die Kritik am Einsatz von Bildergalerien als übertrieben ansehen, es gibt wichtigere Probleme im Onlinejournalismus, aber solche brummkreiseldummen Klickfallen nerven einen durchaus wohlgesonnenen Leser und auch Zeitungsredakteure der “SZ” endlos. Ende der Messe.

Nachtrag
Und gleich in die nächste Klickfalle getappt: Das Titelthema des aktuellen “Stern” interessierte mich natürlich: “Wie viel verdienen Selbstständige?”. Im Anreißertext auf der Homepage heißt es: “Vom Apotheker bis zur Prostitutierten: Freiberufler, Handwerker und Künstler haben zwar kein geregeltes Einkommen, sind deswegen aber nicht unbedingt unglücklicher. Der stern schaute ihnen ins Portemonnaie.” Also draufgeklickt. Oha, nur zehn Berufe werden vorgestellt, freilich gibt es keine Übersicht dazu, nach dem drauf- nun also wieder durchklicken.

Optisch und inhaltlich gut gemacht (und vermutlich aus dem Heft übernommen): Es erscheint jeweils ein großes Portraitbild der Selbstständigen in Arbeitsmontur und darunter ein paar Fragen – kurze Antworten. Der freie Journalist ist leider nicht dabei. Bei Bild Nummer 10 erscheint die Titelseite des aktuellen Hefts und der Hinweis: “Mehr zum Thema im neuen stern. Darin: der große stern-Report. Hundert Freiberufler, Handwerker und Gewerbetreibende lassen sich ins Portemonnaie schauen.” Je nun, mich reizt diese Online-Wegelagerei nun nicht unbedingt zum Griff ins Portemonnaie. )-:

“Die Zeit”: “237 Gründe, Sex zu haben”

Ja, Sie lesen richtig, das da oben ist der aktuelle Aufmacher des “Zeit”-Feuilletons! Freilich dreht es sich um ein anderes Thema:

“Im Internetjournalismus geht es vor allem um Klicks, also die Zahl der Zugriffe, die eine Seite provoziert. Je mehr Sex, Quiz oder Bilder, desto höher die Quote. Was aber zählt Qualität?”

Eigentlich ein altbekanntes Thema für unsere Leser, doch Autor Karsten Polke-Majewski bietet auch für das Fachpublikum neue Facetten.

Neben dem wohlinformierten Beitrag halte ich es Polke-Majewski vor allem zugute, dass er neben anderen Medien (u.a. Spiegel Online, Sueddeutsche.de.) auch bedenkliche Entwicklungen bei Zeit Online aufzeigt. Das ist Journalismus, danke! Eine hervorragende Diskussionsgrundlage für die Debatte rund um das Thema Qualität im Onlinejournalismus.

Nachtrag
Auch die “Taz” beschäftigt sich heute mit dem Thema: “Internet-Journalismus: Ein Gütesiegel muss her” fordert Frank Überall. Ebenso Don Dahlmann in seinem Blog bei Welt Online, Die Welt im Kasten, Dahlmann resümiert: “Ob der Deutsche Presserat da [für ein Gütesiegel, T.M.] die richtige Adresse ist? Besser wäre es, etablierte Blogger würden mal zusammen mit einem Verein wie der “Bundeszentrale für politische Bildung” ein solches Konzept entwickeln.” Und auch unser neuer Onlinejournalismus.de macht sich seine Gedanken: “Ein Medienkodex für alle”.

Weitere Links

bei onlinejournalismus.de:

  • Der neue Hype: Die allzu starke Fixierung auf Klickquoten könnte allerdings dem Bestreben um Qualitätsjournalismus schaden (aus: “Journalist” 12/2007)
  • Sueddeutsche.de: “Vielleicht waren wir zu zögerlich”: Interview mit Hans-Jürgen Jakobs
  • Welt.de: Die Welt steht Kopf
  • Im Quotenparadies: Wie Klickzahlen die redaktionelle Arbeit verändern. Von Klaus Meier und Benedikt Tüshaus.
  • im sonstigen Internet:

Gut kombiniert: Video und Text im Westen

Screenshot: Bruckhausen-Reportage bei DerWesten

Video und Text nicht als getrennte, sondern als sich ergänzende Elemente sehen – darüber wird viel theoretisiert, in der Praxis läuft es dann doch meistens anders. DerWesten hat mit der längeren Reportage “Die verlorenen Straßen von Bruckhausen” jedoch eine gelungene Kombination veröffentlicht. Weiterlesen…

Onlinemagazin für das junge Europa

Schöne Idee:

Upcoming July 2008 europe-and-me.eu will be Europe’s first online-magazine from young Europeans for young Europeans. We’re working hard to become as sexy, innovative, entertaining (and intellectually demanding, of course) as you can imagine.

Die angerissenen Ideen (PDF) würde ich sofort alle lesen. Und sie suchen noch Mitarbeiter.

Der zweite Kanal

Fernsehberichterstattung am (Vor-)Wahlabend – das bedeutet viel Hin- und Hergeschalte. Als Interviewpartner oder Reporter kann man froh sein, wenn man nicht plötzlich von der Regie zugunsten eines wichtigeren Gesprächspartners im Regen stehen gelassen wird, als Zuschauer, wenn die Schalte auch tatsächlich wie angekündigt klappt. CNN geht an die Sache pragmatisch ran und benutzt bei der Berichterstattung – gerade gesehen bei den Florida Primaries – einfach das Netz als zweiten Kanal: Sie wollen die Clinton-Ansprache live weitersehen, während das Programm wieder zu den Republikanern schaltet? “Go to CNNPolitics.com” empfiehlt das TV-Insert – dort wird Clinton weiter live gestreamt.

“Der Westen” in der Krise

Leider fehlt mir die Zeit, mich gebührend mit diesem Thema zu beschäftigen; ich konstatiere jedoch eine kleine Krise bei “Der Westen” – die ersten IVW-Zahlen des Portals sind im Vergleich zum Vorjahr – als die einzelnen Zeitungstitel noch selbstständig im Netz agierten – sehr ernüchternd. Solide informiert darüber Robin Meyer-Lucht bei Spiegel Online “”Der Westen” kostet die WAZ Leser”, eine Spur interessanter ist der Artikel “DerWesten: Weniger als die Summe seiner Teile” von Pottblogger Jens Matheuszik, denn dort diskutiert in den Kommentaren “Der Westen”-Chefredakteurin Katharina Borchert mit einigen ihrer Kritikern.

Hilfreich zum Thema ist die Rezension von “Der Westen” durch den Medienberater Steffen Büffel in der aktuellen Ausgabe der “Drehscheibe”, einem Informationsdienst für Lokaljournalisten.

Nachtrag 15.01.08
In einem weiteren Beitrag beschäftigt sich Pottblogger und Nicht-Journalist (das ist in diesem Zusammenhang wichtig) Jens Matheuszik ausführlich mit seiner Lokalausgabe von Der Westen: “WAZ Bochum macht auf Online: Ein Samstag voller Unzulänglichkeiten”. Man muss das nicht unbedingt alles lesen, das Prinzip wird schnell klar.

Wie schwierig es andererseits für die hauptsächlich für den Print-Bereich bezahlten Redakteure ist, zusätzlich noch für das Portal Inhalte zu generieren, verdeutlicht der Kommentator Kevin (Kommentar # 10), der offenbar einer Lokalredaktion angehört. Was tun? Man kann sowohl den Der Westen- als auch den Print-Verantwortlichen nur raten, sich bald an einen Tisch zu setzen und über bessere Lösungen für alle Beteiligten nachzudenken – ansonsten droht ein crossmediales Chaos.

Miststücke in der “Zeit”

Herrje, es sollte etwas mehr Aufmerksamkeit geniessen – das Meckerblog von Zeit Online. Obzwar ich den Autor “Onkel Brumm” persönlich kenne (siehe auch Interview mit Onkel Brumm im Dezember 2006), weiß ich nicht, ob das Blog an zu wenig Aufmerksamkeit leidet, aber allein wenn ich die Kommentare und Trackbacks als Maßstab nehme, dämmert diese – meines Wissens in Deutschland einmalige – Institution redaktioneller Selbstkontrolle ein wenig vor sich hin. Dabei kann Onkel Brumm doch mit wohlfeilen Worten ganz schön eklig sein und langt dort hin, wo es weh tut – im neuesten Beitrag lässt er sich beispielsweise über “ausführliche Produktbeweihräucherung” aus. Wohlgemerkt bei der “Zeit”, und wünscht sich, dass Zeit Online “diese Mist-Stücke nicht übernimmt”.

Machet auf das Tor! “Zeit” erweitert Online-Archiv um 250.000 Artikel

Nach dem “Spiegel”, der im Frühjahr sein Archiv kostenfrei öffnen wird (wir berichteten), beschert nun die “Zeit” die Internet-Nutzer. In einer Pressemittteilung heißt es:

“ZEIT online erweitert das kostenlose Online-Archiv der ZEIT um über 250.000 Artikel. Seit Juni 2007 sind unter http://www.zeit.de/archiv alle seit 1995 in der ZEIT erschienenen Texte frei zugänglich – nun kommt auch ein Großteil des Archivs seit 1946 dazu.”

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