Archivierte Einträge für Beispielhaft

Reportage aus einer anderen Medienwelt

Screenshot Audio-Slideshow bei mediummagazin.de

Jan Söfjer hat für das Medium Magazin (07/2010) die “Schwarzwälder Post” in Zell besucht – die kleinste Zeitung Baden-Württembergs. Mitgebracht hat er einen Bericht aus einer Welt vor unserer Zeit: der Herausgeber ist Besitzer der nahezu archaischen Kleinstdruckerei – und zugleich Chef des lokalen Gewerbevereins. Eine einzelne Redakteurin, keine wirtschaftlichen Sorgen …

Söfjers Text gibt es online wohl nicht zu lesen, dafür aber Audio-Slideshow-Version. Ein dankbares Thema für diese Art der Aufbereitung mit einigen großen O-Tönen. Die Text-/Foto-Reportage hat mir in diesem Fall im direkten Vergleich jedoch besser gefallen. Zu einem steckten mehr Infos drin, zu anderen leidet die Slideshow an einem inhaltlich sehr guten, atmosphärischen, aber dadurch leider schwer verständlichen und langem O-Ton als Einstieg. Das mag aber auch persönliche Wahrnehmung sein, weil ich zunächst den Text gelesen haben. Als Kombo auf jeden Fall etwas, was man so im Medienjournalismus selten sieht!

Fußball-WM: Zwei junge deutsche Multimedia-Projekte

Die WM scheint traditionell ein Innovationsmotor für den deutschen Multimediajournalismus zu sein: Ich erinnere mich noch, wie ich vor vier Jahren zur Fußball-WM für jetzt.de ein selbstentwickeltes Multimedia-Format ausprobiert habe (Hat leider nie so richtig funktioniert, für die meisten Leser war es zu ungewohnt). Jetzt haben wieder zwei Gruppen von Journalisten zur WM multimediale Experiment gewagt – nicht nur erzählerisch, sondern auch wirtschaftlich.

2470media

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2470media.com ist ein Zusammenschluss von einigen jungen Hannoveraner Foto-Journalisten. Anna Jockisch, Shooresh Fezoni, Michael Hauri und Daniel Nauck stammen alle aus der neuen Talentschmiede für Audio-Slideshows, der Fachhochschule Hannover mit ihrem speziellen Studiengang Fotojournalismus. Die vier haben sich gut vorbereitet, Experten befragt und sowohl Unterstützung durch den Gründercampus Niedersachsen als auch Kapital bei einer Bank beantragt.

Die GmbH erinnert sofort an die amerikanische Produktionsfirma Mediastorm und mein erster Gedanke, als die vier mich vor über einem Jahr in ihre Pläne einweihten war, wie bei Mediastorm: Und mit was wollen die Geld verdienen? Neben dem reglären Verkauf von ihren Produktionen an Verlage (mit vermutlich bescheidenen Honoraren, die ich ungern durch vier teilen wollen würde), sind Auftragsproduktionen etwa für Imagekampagnen von Konzernen sicher nicht unwahrscheinlich und sicher auch ganz lukrativ. Und dann fällt auf der Seite noch der kleine Kachingle-Button auf, ein Unternehmen und eine Idee, das durchaus die Vorstufe zu einem neuen Bezahlmodell für Journalismus sein könnte.

Bei ihrem WM-Projekt Soccer for Life steht dagegen der Charity-Gedanke im Vordergrund. Die hervorragenden Reportagen aus Afrika von Felix Seuffert (der mir bereits mit seiner Übungsreportage an der FH positiv aufgefallen war) werden mit Partnern wie “11 Freunde” und “taz” und einem Spendenaufruf präsentiert. Finanziert wird das Projekt vom Gründercampus und über Honorare von DFB-TV. Jedenfalls ist es eine Freude, diese mit Leidenschaft gemachten Reportagen aus Film und Fotos anzusehen, etwa über einen taxifahrenden Fußballtrainer, der alles macht, damit seine Kunden glücklich sind und seine Jungen Fußball spielen können.

Das Wintermärchen

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Begeisterung für Fußball und für Multimediajournalismus stand auch bei Christian Frey und Kai Schächtele im Vordergrund. Sie berichten in ihrem vor wenigen Tagen gestarteten Projekt wintermaerchen2010.com täglich aus Südafrika. Beide arbeiten als freie Journalisten und haben bereits einige Audio-Slideshows zusammen produziert. Und auch sie setzen auf freiwillige Unterstützung: Bereits 450 Euro kamen über einen einfachen Paypal-Link zusammen, das ist immerhin mehr, als die großen Verlage für einen Multimedia-Beitrag zahlen. Vielleicht ist es irgendwie ein schönes Gefühl für Rezipienten, einen Privat-Korrespondenten dort unten zu haben.

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Was mir auch hier gefällt: Das Geld interessiert die beiden gar nicht so sehr. Sie wollen in erster Linie dabei sein und schöne Geschichten erzählen. Aktuell zum Beispiel über den Ärger der Afrikaner, die in der Nacht auf Montag an den Ticketbuden umsonst gewartet haben.

Egal was aus den Projekten finanziell wird … journalistisch sind sie für mich jetzt schon eine Inspiration.

Zu Recht nominiert oder am User vorbei?

Auf der diese Woche veröffentlichten Liste der Nominierten für den Grimme Online Award 2010 steht auch ein Special des HR zur Boticelli-Ausstellung in Frankfurt. Die Nutzer können hier einige Boticelli-Bilder erkunden und bekommen von Fachleuten der Ausstellung – die vor einer Bluescreen aufgenommen wurden und als Video zu sehen sind – beispielhaft einige Aspekte der Gemälde erläutert (mehr im Making-of).

Ich finde das Special bemerkenswert und habe es in den letzten Monaten mehrfach als Beispiel in Seminaren gezeigt, wo es bei den Teilnehmern meist sehr gut ankam. Aber vielleicht gibt es auch andere Meinungen: Überproduziert? Zu statisch? Statt multimedialem Schnickschnack lieber mehr Informationen im Text? Wie sehen Sie es?

HR-Special zu Boticelli (Screenshot)

[Ich bin ARD-Mitarbeiter.]

MSNBC: Video-Snippets empfehlen

Coole Funktion bei MSNBC: Via E-Mail, Twitter oder Facebook lassen sich nicht nur einzelne Videos empfehlen, sondern auch nur bestimmte Abschnitte daraus. Auch Embedden ist möglich. Ob der normale User mit der Möglichkeit, In- und Out-Punkt auf einer Timeline hin- und herzuschieben, nicht eher überfordert ist, ist eine andere Frage – aber für Experten sehr elegant.

Beim Video-Livestream ist die Funktion – wenig überraschend – nicht möglich.

Video-Sharing-Funktion bei MSNBC (Screenshot)

Merkel eifert New York Times nach

Kürzlich bemerkt: Auf der Website der Bundesregierung wird mindestens eine Regierungsklärung der Bundeskanzlerin optional auch in einem Flash-Interface angeboten, das parallel zum Video das Transkript der Rede anbietet. Vorbild ist ganz offenbar ein ähnliches Feature der New York Times, die dies zu den Fernsehdebatten im Präsidentschaftswahlkampf anbot.

Schön, dass die Bundesregierung es so ermöglicht, die Rede parallel zum Video zu lesen oder nach Sinnabschnitten vor- und zurückzuspringen. Auch zum Download ist das Video verfügbar.
Screenshot: Video und Transkript

In Sachen Usablity ist aber noch Nachbesserungsbedarf: Auf der Übersichtsseite wird offensichtlich auf ein falsches Video (das einer Regierungserklärung von Dezember verlinkt). Und die seltsamen Icons der Mediathek (!) der Website (oben rechts) sind alles andere als selbsterklärend.
Screenshot

BBC: Transparenz beim Relaunch


Bei der BBC gibt es derzeit – vermutlich unabhängig von den aktuellen Plänen zu Umorganisation und Einsparungen auch im Online-Bereich – Vorbereitungen für einen umfassenden Relaunch. Dieser wird schon seit längerem durch Blog-Einträge begleitet, die einen Blick in die Werkstatt auf bereits präsentable Änderungen erlauben. So wurde kürzlich die neue Basis-Gestaltungssprache vorgestellt und erläutert. Nun widmet sich ein Eintrag der Umgestaltung der Startseite des Gesamtangebots, die in einer Beta-Version bereits online zu sehen ist.

Schnell und unkompliziert: Test.de-Artikel per Handy bezahlen

Wenn es um das Thema Paid Content geht, wird die Stiftung Warentest stets als einer der Pioniere auf diesem Gebiet genannt (siehe auch Onlinejournalismus.de vom 15.07.2002!). Und bei Test.de funktioniert das Ganze auch: „Im Jahr 2009 riefen Nutzer fast 800.000 kostenpflichtige Inhalte für insgesamt mehr als 1,5 Millionen Euro ab“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung Warentest.

Seit heute bietet die Stiftung Warentest auf Test.de ein neues Bezahlverfahren per Handy an. Der Artikelkauf über das Handy funktioniert ohne Registrierung, lediglich die Handynummer muss bei der Bestellung auf Test.de eingegeben werden. Dann erhält der Nutzer eine SMS mit einer Transaktionsnummer (TAN) zugeschickt. „Diese gibt er im zweiten Schritt online ein. Unmittelbar nach der Bestätigung sind die kostenpflichtigen Inhalte freigeschaltet“, heißt es in der Beschreibung. In rund 30 Sekunden wird der gewünschte Artikel freigeschaltet. Abgerechnet wird über die Mobilfunkrechnung.

Ob andere Anbieter dieses unkomplizierte Verfahren demnächst auch anbieten werden?

“We’re all gonna die”

Der dänische Fotograf Simon Hoegsberg hat ein hundert Meter (oder viele Pixel) langes Bild aus den Einzelfotos von 178 Menschen angefertigt, die innerhalb von 20 Tagen über eine Brücke in Berlin gingen.

But see for yourself – wow! (via Interactive Narratives)

Ausgezeichnete Audio-Slideshow

Glückwunsch an unserem Mitstreiter Matthias Eberl: Seine Audioslideshow “Außen ein Puff, innen die Hölle” über eine Münchener Bar (veröffentlicht bei sueddeutsche.de) ist als “beste Webreportage” 2009 vom Reporterforum geehrt worden.

(via Medium Magazin)


Mehr zum Thema Slideshows

Blattkritik bei der Münchener “Abendzeitung” als Video

Screenshot Blattkritik bei der Abendzeitung

Dass Redaktionen sich bei ihrer Arbeit beobachten lassen, ist nicht unbedingt neu. “Die schummrigen Standbilder und Wortfetzen aus der Redaktionskonferenz vermitteln eher den Charme der der frühen Internet-Jahre als das einer transparenten, modernen Redaktion”, ramenterte ich 2006 etwa über den längst wieder eingestellten Versuch der Münchener Straßenverkaufszeitung “tz”, Leser via Webcam und Chat an ihrer morgendlichen Konferenz teilhaben zu lassen (der Text erschien im “BJV Report” des Bayerischen Journalisten-Verbands und ist als PDF, 6 Seiten, 264 kb, abrufbar).

Heute morgen animierte mich ein Hinweis in der Print-Ausgabe der Münchener “Abendzeitung” dazu, mal wieder ein Video aus dem Genre Redaktions-Nabelschau anzuschauen: “Starkoch Eckart Witzigmann als Blattkritiker der AZ”. Der österreichische Koch hatte sich die Wochenend-Ausgabe des (leider!) an Auflagenschwund leidenden Blattes angeschaut.

Formal zu beanstanden ist, dass die ganze Chose knapp eine Stunde dauert und niemand einem vorher sagt, wie lange der Maestro spricht. Ich gebe es zu, ich habe es mir nicht komplett angeschaut. Anfangs ist es ganz nett anzuschauen, wie der 68-jährige Koch stark dialektal gefärbt mal süffisant, mal ausgiebig anekdotisch, mal kommentierend spricht; Seite für Seite und anhand seiner Notizen seziert er die Zeitung. Je nun, nach zirka zehn Minuten wird’s leider etwas ermüdend; allenfalls der Blick auf den leidenden Chefredakteur Arno Makowsky erheitert den Zuseher dann noch. Hier und da gibt es dann auch mal Vorschläge und sanfte Schelte für die Zeitung. Am Ende meint der freundliche Witzigmann: “Das war keine Kritik”.

Die “Abendzeitung” lädt sich ab und zu externe Kritiker ein, die nicht unbedingt aus dem Bereich des Journalismus stammen. Auch das ist seit jeher gang und gäbe, dennoch liefert diese Darstellungform als Video einen gewissen Charme und wirkt authentisch. Obendrein hält sich der Aufwand in Grenzen. Fazit: Auf gut bayerisch – nix Sensationelles nicht, aber man kann es durchaus mit geringen Bordmitteln mal ausprobieren; die Nabelschau hält sich in Grenzen und gibt keine Redaktionsgeheimnisse preis, der Unterhaltungswert ist zumindest anfänglich da, der Zuschauer hat das Gefühl dabei zu sein (obacht, allerdings bei den Hustgeräuschen!).

Nachtrag 19.10.09 zur ökonomischen Situation der “Abendzeitung”

“Stützungsaktion für darbendes Boulevardblatt: “Abendzeitung” dockt beim SV an”, titelt heute Kress.de.

Nachtrag 19.10.09 zum Thema öffentliche Blattkritik

Die Koblenzer “Rhein-Zeitung” stellt über FileSocial.com eine Blattkritik online.

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