Archivierte Einträge für Beispielhaft

Blogs, Meinungsfreiheit, PR & Lügen: DFB vs. Jens Weinreich

Der freie Sportjournalist Jens Weinreich hatte im Juli im Blog Indirekter Freistoss in einem Leserkommentar den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als “unglaublichen Demagogen” bezeichnet.

“Dagegen hatte Zwanziger vor Gericht geklagt und bis jetzt zwei Mal verloren, ein drittes Mal [wollte] er es offenbar in seiner Heimat Koblenz versuchen. Nun macht sein Verband aus dem Schmierenspiel eine einzige dummdreiste Lüge und fantasiert von einer diffamierenden Kampagne, die der Journalist angezettelt habe. Kein Wort von den verlorenen Prozessen, kein Wort davon, dass der Journalist nicht eingeknickt ist und keine Erklärung abgegeben hat, sondern bei seinem Wortlaut bleibt”,

beschreibt Hal Faber in seiner Heise.de-Kolumne “Was war. Was wird.” den Sachverhalt. Weiter heißt es dort:

“Vom DFB-Präsidenten ist dieser Satz unstrittig zitierbar: “Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.” Ein Verlierer will er auf keinen Fall sein, der Kommunikationsherrscher. Was ist eigentlich jemand, der zwei Gerichtsbeschlüsse unterschlägt? Macht ihn die Defraudation zu einem Defraudagogen?”

Wer den ganzen Sachverhalt noch mal nachlesen will (es lohnt sich wirklich!), möge die folgenden Quellen nutzen. Die Sache bietet viel Materie für Lehrbücher oder Seminare: Ob – wie zuletzt – völliges PR-Versagen, Medienethik, das Ausreizen der Meinungsfreiheit oder irrationale Ängste vor der Internet-Kommunikation. Und alle Quellen sind so weit als möglich für jedermann zugänglich. Weiterlesen…

Themen gesucht: Worüber Medien nicht berichten

“Heute, morgen und übermorgen kann man noch Themen oder Nachrichten bei der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) einreichen, die von den Mainstream-Medien vernachlässigt wurden”, darauf weist Christiane Schulzki-Haddouti in ihrem Blog Kooptech hin.

Zu meinem Bedauern muss ich auch einmal mehr feststellen, dass ich dieses Thema, diese lobenswerte Initiative in den letzten Jahren selbst vernachlässigt habe.

Online first in Dänemark

Am Tag nach der US-Wahl gab es für die meisten europäischen Zeitungen nur notdürftige Aufmacher dazu: Anbiedernd “Good Morning, Mr. President” (ohne einen Namen zu nennen), aufatmend im Stil von “Tschüß, Bush” oder sachlich mit dem Tenor “Hohe Wahlbeteiligung …”

Die dänische Zeitung Politiken machte ihren Titel dagegen mit dem fetten Hinweis “Mehr auf politiken.dk” auf – denn dort gab es das erst nach Redaktionsschluss feststehende Wahlergebnis am Morgen bereits.

Nichterschienen – neue Website für Schubladentexte

Auch im Zeitalter des so genannten Web 2.0 kommt es vor, dass Texte einfach nicht erscheinen oder vielleicht auf wenig besuchten Blogs ihr Dasein fristen. Das nichtkommerzielle Angebot “Nichterschienen” (www.nicht-erschienen.de) möchte da helfen:

“Es gibt zahlreiche Gründe, warum ein Artikel nicht erscheint, obwohl er lesenswert ist. Auf Nichterschienen.de können Autoren Texte veröffentlichen, die sie schweren Herzens in der Schublade deponiert haben. Und Leser erfahren, was sie in den Zeitungen und Magazinen nicht lesen konnten.”

Am Ende der Texte steht jeweils noch die Begründung “Nicht erschienen, weil: …”. Freilich hegt man wohl die Hoffnung, dass die Texte und Bilder vielleicht doch noch einen zahlenden Abnehmer finden. Zumindest könnte die Website für freie Journalisten ein gutes Schaufenster darstellen. Ein wenig schade ist, dass nicht kommentiert werden kann, das gehört für mich – Intention hin oder her – einfach dazu. Trotzdem wünsche ich diesem, von der Münchner Journalistin Tanja Schwarzenbach initiierten Projekt viel Erfolg.

WOW! Die Wahlkarte der New York Times

Wahlkarte als Aufmacher bei der New York Times title=

Einfach Startseite aufrufen – die Karte ist der aktuelle Aufmacher.

Weitere Links

Journalisten-Gewerkschaften richten WAZ-Protestblog ein

Unter dem Titel “Medienmoral NRW” bieten die Journalisten-Gewerkschaften DJV, Landesverband Nordrhein-Westfalen und Verdi jetzt ein gemeinsames – und m. E. übrigens vorbildliches – Protestblog an:

“Die Seite www.medienmoral-nrw.de soll dazu beitragen, Informationen schnell auszutauschen. Sie soll aber auch den Lesern, der Wirtschaft und der Politik in NRW die Gefahr aufzeigen, in großen Teilen des Ruhrgebiets künftig publizistischen Einheitsbrei zu erhalten.”

Einmal mehr ebenso vorbildlich weist übrigens der Pottblogger und “WAZ”-Kenner Jens Matheuszik auf dieses Blog hin.

Ob das Ganze was bringt? Das Blog kann nur ein kleines Rädchen im Protest gegen die irrsinnigen Sparpläne der WAZ-Gruppe sein, möge es weite Verbreitung finden.

Update 07.11.2008
Die WAZ-Gruppe bietet jetzt unter www.derwesten.de/blogs/mediengruppe auch ein Blog zum Thema “Die WAZ-Mediengruppe im Wandel” an, “Bleibt alles anders”, lautet der Titel.

Update 15.11.2008

Das WAZ-Protestblog informiert jetzt auch über Twitter: twitter.com/medienmoralnrw

Heise-Homestory in Bildern

Spiegel Online zeigt, wie das oft geschmähte Format Bilderstrecke eben auch eingesetzt werden kann, es aber viel zu selten wird: als intelligente Fotoreportage mit darauf abgestimmten Texten, nicht als bloße Klickmaschine mit More-of-the-same-Agenturmaterial.

Thema der Story ist das 25-jährige Bestehen der Computerzeitschrift c’t aus dem Heise-Verlag. Ich habe jetzt nicht alle 27 Bilder durchgeklickt, aber schon die ersten fangen ziemlich genau die Atmosphäre ein, die mir in den Heise-Hallen seinerzeit auch aufgefallen ist – sie würden den Blogeintrag von damals perfekt illustrieren: Heise.de / Behind the scenes (23. Juli 2006).

“Schlechter Online”

Den Abschlussvortrag von Stefan Niggemeier zu der von mir mit organisierten DJV-Veranstaltung “Besser Online” gibt es jetzt auch online unter dem bezeichnenden Titel “Schlechter Online”. Ein ganz anderes Resümee der Veranstaltung zieht der Pressesprecher des DJVs, der den Saal vor Niggemeiers gut halbstündigem Vortrag verließ, was soll ich – als Vorsitzender des Fachausschuss Online im DJV – dazu noch sagen? Puh, zum Glück sind am Samstag, fast gleichzeitig zu unserer Tagung, beim Bundesligaspiel zwischen Werder und dem BVB offenbar alle Journalisten – und ich vermute mal, auch die Pressesprecher beider Vereine – bis zum Spielende geblieben … (-;

Einen herzlichen Dank auch an dieser Stelle an alle Beteiligten, die Besser Online möglich gemacht und mitgeholfen haben! Aus meiner Sicht war es eine sehr gelungene Veranstaltung, die mir großen Spaß gemacht hat; ich hoffe, es war für die Besucher ebenso. Materialien und Bilder zu dieser Veranstaltung werden nach und nach unter www.besser-online.info publiziert. Ich hoffe, dass es nächstes Jahr wieder diese Tagung geben wird, als eventueller Veranstaltungsort ist übrigens München vorgesehen. Sorry, dass ich hier so tröpfchenweise blogge, ich sitze gerade im Zug.

Weitere Links:
Dokumentation auf dem DJV Weblog zu Besser Online, online seit 03.11.2008

New York Times auf Wahlkampfreise


Blog-Besitzer Lukas Heinser wies uns auf “Road to November” hin. Die Wahlkampf-Reportage-Reise der “New York Times” ist heute mit einer Folge in San Francisco gestartet. Im verbleibenden Monat sind die NYT-Reporter unterwegs zur Westküste und berichten mit Texten, Fotos, Videos etc. „Meiner Meinung nach ist das Onlinejournalismus, wie er sein sollte“, meint Lukas Heinser. Also ein klarer Fall für die Kategorie Beispielhaft?
Weiterlesen…

Wie man Bilderstrecken auch aufbereiten kann …

… aber deutsche Onlinemedien es nicht machen, zeigt aktuell The short – but eventful – life of Ike bei Boston.com aus der dortigen Reihe “The Big Picture”:

1. SEHR große Bilder (990 x 600+ px)
2. Jedes für sich sehr stark (geben die Standardbildagenturen in D’land das überhaupt her?
3. Keine Klick-Schinderei, tatsächlich alles auf einer Seite untereinander dargestellt

The long-held tradition of keeping images online tiny and lightweight is commendable still – when designing a general purpose site. But one dedicated to quality imagery should take full advantage of the medium

schrieb Boston.com-Webdesigner Alan Taylor im Juni zum Start des Formats in seinem Blog mit dem schönen Namen “Gedankengang”.

Ganz ausgereift erscheint mir das Format aber noch nicht: 30 Fotos untereinander auf einer Seite sind vielleicht doch ein bisschen zu viel des Guten. Sie nehmen sich etwas von der Wirkung, ein Riesenteil (lässt sich netterweise einzeln verlinken) passt bei meiner Bildschirmauflösung noch nicht einmal allein auf einen Browser-Screen. Die Bildunterschriften sind außerdem noch im Agenturslang – da könnte man noch dran arbeiten, auch wenn das Bild hier im Vordergrund steht (Christoph Maier sieht das anders).

(via u.a.Basic Thinking)

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