Während die langjährige Pflichtlektüre für Online-Journalisten, das Online Journalism Review, seinen Betrieb kürzlich eingestellt hat, ist die Website Interactive Narratives nach längerer Relaunch-Pause wieder da: Sie sammelt Links auf Multimedia-Features (“packages” im US-Jargon) – ideal, wenn man auf der Suche nach gelungenen Beispielen ist, aber kaum Zeit hat, selbst diverse Online-Medien danach zu scannen. Nun gibt es auch einen RSS-Feed für die Seite, um Neuzugänge im Auge zu behalten.
Die Seite ist nach dem Relaunch mit einigen Web-2.0-gemäßen Sortier- und Bewertungsfunktionen ausgestattet, dort tut sich aber im Moment noch nicht sehr viel.
Gefallen hat mir zum Beispiel das “After the Destruction” von Travis Fox. Der Multimedia-Pionier der Washington Post ist zwei Jahre nach Hurrican Katrina nach New Orleans zurückgekehrt und hat dort Menschen wiedergetroffen, die er damals interviewte. Außerdem gibt es einige schöne Panoramabilder, bei denen jeweils zwei Aufnahmen des gleichen Ortes einander gegenübergestellt werden. Ansonsten arbeitet Fox mit Elementen, wie sie derzeit typisch für Multimedia-Features sind: Menschen selbst im O-Ton erzählen lassen, Kombinationen von Stills und Bewegtbild, keine Erzähler – oder aber gleich als Reporter selbst die eigene Arbeit und die Erfahrungen vor Ort thematisieren.
Ähnlich ist es bei Hank Wilson, der – ausgestattet mit einem Stipendium – die Story “Keinen Verpfeifen – keine Verdächtigen” produziert hat. Dabei geht es um ein Viertel, in dem viele Morde geschehen, aber kaum jemand etwas gesehen haben will. Wilson lässt die Bewohner in vielen kurzen Standbild-/O-Ton-Bewegtbild-Einspielern zur Wort kommen.
Und es gibt noch mehr zu entdecken – oder selbst bei Interactive Narratives vorzustellen. Der Anteil deutscher Beispiele ist dort erwartungsgemäß weiter äußerst gering.
Interactive Narratives erscheint unter dem Dach der Online News Association.
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