Auf zum Revival der .orgs
Diese .orgs kämpfen für das Gute: Sechs Internetprojekte mit der Top Level Domain “.org” wurden als “”weltweite Sprachrohre in Deutschland” geehrt.
Von Jens Steiner
Diese .orgs kämpfen für das Gute: Sechs Internetprojekte mit der Top Level Domain “.org” wurden als “”weltweite Sprachrohre in Deutschland” geehrt.
Von Jens Steiner
Als tagesschau.de-Mitarbeiter zugegebenermaßen nicht neutral lese ich im Moment dort am liebsten die Blog-Einträge von Ariane Reimers. Nachdem sie gerade noch im Basiscamp am Mount Everest die PR-Aktion mit dem Olympischen Feuer begleitet hatte, berichtet sie nun aus dem improvisierten ARD-Studio Hanwang (ein Satcar und ein paar Zelte für Techiker und Reporterinnen) im chinesischen Erdbebengebiet – neben Live-Schalten und Beiträgen fürs Fernsehen auch im Blog. Spannend, was man hier über die Arbeitsbedingungen vor Ort und über das, was – aus technischen oder anderen Gründen – nicht in die Fernsehbeiträge eingeht, erfährt.
Für die BBC berichtet derweil ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in seinem Tagebuch vom Geschehen in Birma/Myanmar.
(Hinweise auf ähnliche Aktivitäten anderer Medien gerne in den Kommentaren)
Die BBC lässt über ihre Zukunft diskutieren – mit einer Reihe von Gastvorträgen von Größen der Kreativindustrie wie Sir David Attenborough oder Steven Fry, “hosted, but certainely not scripted by the BBC”. Alles zum nachträglichen angucken, anhören, nachlesen (gefunden beim begeisterten Stefan Niggemeier). Und sogar zum Einbetten (danke):
Zum Vergleich: der ARD-Film “Quoten, Klicks und Kohle” und die Reaktionen.
Aus Zeitgründen nur ganz kurz der Hinweis: das Adolf Grimme Institut hat heute die Nominierungen für den Grimme Online Award bekanntgegeben; zumindest so viel sei kommentiert – es ist für jeden Grantler etwas dabei: Die Berliner Blog-Mafia hat wohl wieder zugeschlagen, einige öffentlich-rechtliche Internet-Angebote (die trauen sich was, die von der Nominierungskommission) sind mit von der Partie, Spiegel Online ist auch dabei, etwas ziemlich Unfertiges (Beta, Beta) usw.
Aber zumindest finde ich auch Neues, “Nischiges”. Unter dem Strich hoffe ich, dass durch den Wettbewerb wieder Sehenswertes an die Oberfläche gekommen ist, hier finden sich die Nominierten.
Leider einmal mehr pomadig ist die Pressearbeit des Grimme Instituts: Die Pressemitteilung habe ich bis jetzt nicht erhalten; besser bedient ist man da beispielsweise mit Twitter (via Viralmythen).
Nachtrag
Um 15.36 Uhr, eine Viertelstunde nach Absenden dieses Beitrags traf die Pressemitteilung mit allen Nominierten dann doch ein. Passt schon.
Nachtrag 2
Thomas Knüwer hat zu allen nominierten Angeboten ein paar Sätze geschrieben, sein Resümee lautet: “Die Nominierungen bewegen sich zwischen erwartetem und Kann-man-nicht-böse-drüber-sein. Richtig dicke Überraschungen, Angebote, die mich staunen lassen, vermisse ich.” Siehe Beitrag: “Grimme spielt auf Nummer sicher”.
Mehr zu Nominierten bei onlinejournalismus.de:
“Das Gewicht wird sich verschieben” Zwischenbilanz des SpOn-Projekts “einestages” (Dezember 2007)
“Zum ersten Mal in der Geschichte des Axel-Springer-Preises hatte die Kategorie Internet die zweithöchste Zahl an Bewerbern nach der Kategorie Print”, heißt es auf Welt Online. Der Axel-Springer-Preis für junge Journalisten ist der einzige Nachwuchspreis, der alle Mediengattungen berücksichtigt und wird seit 1991 verliehen.
Hier die Preisträger in der Kategorie Internet:
1. Preis: Sebastian Göllner: “Achtung, positiv!” – Das Doping-Webmagazin bei sport.ARD.de, online seit 27.03.2007
2. Preis: Julia Kiehne/Kathrin Klöpfer: “G8-Gipfel in Heiligendamm” auf heute.de, online seit 31.05.2007
3. Preis: Stephanie Lachnit: “Stadt statt Land: Wo lebt es sich besser?” auf einslive.de, online seit 03.07.2007.
Außerdem werden noch drei Angebote für “Herausragende Leistungen” genannt:
Heute meldete das Adolf-Grimme-Institut, dass die Nomininierungen für den Grimme Online Award 2008 (hoffentlich dieses Jahr ohne seltsame Entscheidung etc. pp.) am 8. Mai bekanntgegeben werden. Ja, der Preis hat für mich immer noch einen gewissen Wert, mit Onlinejournalismus.de haben wir ihn 2003 in der Kategorie Medienjournalismus gewonnen. Ein paar Monate später demolierte ich den schönen Pokal. Versehentlich, selbstverständlich. Ach, was ich eigentlich sagen wollte: Ich würde mich sehr freuen, wenn etwa das Weblog Websehen diesen Preis in diesem Jahr erhalten würde. Nur mal so gesacht. (-;
“Ganz neue Möglichkeiten der Nutzung” möchte die “Südwest Presse” mit ihrem neuen Online-Auftritt für Ulm und Neu Ulm bieten. Alle Meldungen auf der Seite sind geokodiert: “So sieht der Nutzer auf einen Blick, wo sich etwas ereignet hat”, schreiben die Schwaben.
Es ist das übliche Spielchen: Auf einer Karte werden durch Zeilensymbole Nachrichten symbolisiert, mit Zahlen Veranstaltungshinweise. Nach dem Anklicken erhält der Nutzer die jeweilige Meldung, umgekehrt funktioniert das Ganze (noch?) nicht: beim Klick auf “Karte” erscheint nur die ganze Karte ohne auf den jeweiligen Ort zu verweisen. Die Karte basiert auf Microsofts Virtual Earth.
Die Mischung von Anreißern weniger Meldungen in der linken Spalte und die Anzeige aller Meldungen auf der Karte ist unübersichtlich und irritierend, das ist einfach noch zu unausgereift. Die angepriesene Suche nach Ämtern oder Geldautomaten funktioniert noch nicht; aber im Seitenkopf sieht man ja auch noch das Wörtchen “beta”. Unterm Strich ist es ein interessanter Ansatz, den wir weiter beobachten werden.
Es ist ein sehr schwieriges Thema: Die Stasi-Verstrickung von zwei Redakteuren der “Berliner Zeitung”. Als hätte dieses Blatt derzeit nicht genug andere Sorgen und Baustellen. Auf der Website versuchen die Berliner offensiv mit dem Thema umzugehen: Unter dem gestrigen “Seite 3″-Artikel “Glaubwürdigkeit als höchstes Gut” von Chefredakteur Josef Depenbrock (“Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit sind beschädigt.”) finden sich Hinweise auf weitere Artikel zum Thema.
Heute erklärt der Sprecher des Redaktionsausschusses, Thomas Rogalla, dass die Mehrheit der Redaktion Anträge auf Akteneinsicht bei der Birthler-Behörde stellen will: “Mehr Klarheit”. Die Leser können sich in einem Weblog zur Stasi-Affäre äußern.
Zusammen mit dem Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik bereitete Sueddeutsche.de unter dem Titel “Zeitenwechsel” in den letzten Wochen Interviews mit namhaften Experten zur Zukunft des Journalismus auf. Heute endet diese Serie mit einem Interview mit dem “Guardian”-Chefredakteur Alan Rusbridger. Eine sehr gelungene Idee, alle elf Folgen sind unter www.sueddeutsche.de/zeitenwechsel nachlesbar.
Ähnlich informativ ist übrigens auch die Serie “Unter Druck. Medien in Zeiten des Umbruchs” bei Spiegel Online, die seit April 2005 auf über 200 Artikel (aufgelistet auf einer Seite!) angewachsen ist.
In Zeiten von mitunter oberflächlichen und unkritischen “2.0″-Mediendiensten sind solche Quellen manchmal eine regelrechte Oase.
Ich halte mich ja schon extra bei der Überschrift zurück, gelangweilte Leser ahnen hoffentlich schon, was jetzt kommt und drehen routiniert ab. Nun, erst mal will ich etwas loben: Trotz aller Feeds und sonstigen Werkzeugen habe ich gemerkt, dass der tägliche (Montag bis Samstag) Sueddeutsche.de-Newsletter mit den aktuellen Topnachrichten in Textform für mich eine feine Sache ist (Anmeldung ohne lästige Datensammlerei nur mit E-Mail-Adresse). Gut gemacht!
In der aktuellen Ausgabe von Turi2 las ich eben den Hinweis: “Online-Demo: Reporter ohne Grenzen lässt heute online gegen Internet-Zensur demonstrieren. sueddeutsche.de” (Kleiner Hinweis an Turi2: Die Online-Demo fand übrigens gestern statt. Aber der Fehler kann einem auch leicht unterlaufen, da bei Suddeutsche.de nur von “heute” die Rede ist und kein Datum erscheint und schließlich interessiert man sich bei Turi2 vor allem für das ganze Personaltrallala der Branche, da kann einem so ein Fehlerchen schon mal passieren. Ach, obendrein wird zwei mal auf den Artikel verlinkt: “Unterdrückt: 63 Internet-Dissidenten sind derzeit weltweit inhaftiert, kritisiert die Organisation Reporter ohne Grenzen. sueddeutsche.de”)
Und siehe da, bei Sueddeutsche.de landet man wieder mal in einer der berühmt berüchtigten Bildstrecken. Mit einigen Screenshots von der Website der Reporters without Borders wird die Meldung gleich wieder auf zehn Seiten aufgeblasen oder besser verhackstückt (mit vier Rechtschreibfehlern übrigens!); Ausdrucken kann man sich diese portionierte Meldung natürlich auch nicht am Stück.
Schade drum, aber Hauptsache es bringt wieder ein paar Klicks und das Bildmaterial gab’s ja auch kostenlos. Man kann die Kritik am Einsatz von Bildergalerien als übertrieben ansehen, es gibt wichtigere Probleme im Onlinejournalismus, aber solche brummkreiseldummen Klickfallen nerven einen durchaus wohlgesonnenen Leser und auch Zeitungsredakteure der “SZ” endlos. Ende der Messe.
Nachtrag
Und gleich in die nächste Klickfalle getappt: Das Titelthema des aktuellen “Stern” interessierte mich natürlich: “Wie viel verdienen Selbstständige?”. Im Anreißertext auf der Homepage heißt es: “Vom Apotheker bis zur Prostitutierten: Freiberufler, Handwerker und Künstler haben zwar kein geregeltes Einkommen, sind deswegen aber nicht unbedingt unglücklicher. Der stern schaute ihnen ins Portemonnaie.” Also draufgeklickt. Oha, nur zehn Berufe werden vorgestellt, freilich gibt es keine Übersicht dazu, nach dem drauf- nun also wieder durchklicken.
Optisch und inhaltlich gut gemacht (und vermutlich aus dem Heft übernommen): Es erscheint jeweils ein großes Portraitbild der Selbstständigen in Arbeitsmontur und darunter ein paar Fragen – kurze Antworten. Der freie Journalist ist leider nicht dabei. Bei Bild Nummer 10 erscheint die Titelseite des aktuellen Hefts und der Hinweis: “Mehr zum Thema im neuen stern. Darin: der große stern-Report. Hundert Freiberufler, Handwerker und Gewerbetreibende lassen sich ins Portemonnaie schauen.” Je nun, mich reizt diese Online-Wegelagerei nun nicht unbedingt zum Griff ins Portemonnaie. )-:
onlinejournalismus.de beobachtet die Entwicklung des Journalismus im Internet.
onlinejournalismus.de wird mit WordPress betrieben (Theme: Modern Clix von Rodrigo Galindez).