Archivierte Einträge für Citizen Journalism

Picnic 08-Notizen: Gemeinde-IPTV, öffentlich-rechtliches YouTube und Architektur-Fansite

Logo ‘Nederland P’ | Foto: Fiete StegersDrei ganz unterschiedliche Video-Projekte aus verschiedenen Ländern wurden auf der Konferenz Picnic 08 bei Sessions des Netzwerks Citizen Media präsentiert: Klassischer Bürgerjournalismus – aber mit Unterstützung einer Telekom-Firma, dann ein Projekt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den Niederlanden und eine Architektur-Fansite, der alle Anwesenden schließlich die besten Zukunftschancen einräumten.
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Online Journalism Review: Auf ein Neues!

Im Juli stellte das Online Journalism Review der Annenberg School of Communication an der University of Southern California den Betrieb ein. Zuvor war es jahrelang eine der wichtigsten Publikationen für den Onlinejournalismus gewesen, zuletzt in Blogform aber etwas ins Hintertreffen gegenüber anderen, jüngeren Websites geraten.

Jetzt tut sich beim OJR wieder etwas: Die neue Annenberg-Direktorin Geneva Overholser kündigt in einem Editorial an, dass die Publikation in veränderter Form zurück ist. Das OJR ist nun Teil des Knight Digital Media Centers, zweimal in der Woche soll es neue Beiträge geben, man setzt besonders auf die Konversation mit den Nutzern und sowie auf vier thematische Schwerpunkte:

1. Journalismus in einer “Konversationsumgebung”, in der das Publikum auch eine Stimme hat

2. Investigative Recherche im Internet-Zeitalter

3. Neue Geschäftsmodelle für den Journalismus

4. “Guerilla-marketing” für Nachrichten – SEO usw.

Weitere Links
bei onlinejournalismus.de:

Citizen- … journalism? CNN-Vizepräsidentin Grant über iReport

Susan Grant | Foto: Sebastian GerhardRichtig durchgestartet sei das Citizen-Journalism-Programm von CNN mit dem Amoklauf am Virginia-Tech-College, erzählt CNN Executive Vice Präsident Susan Grant. Weltweit strahlten Sender die Videobilder aus, die ein Student mit seinem Handy aufgenommen und auf CNNs “iReport”-Seite eingereicht hatte. Wie sich das iReport-Programm aus Sicht des Senders heute darstellt und warum explizit nicht “Journalismus” drübersteht, schildert Grant im Interview (Audio) mit onlinejournalismus.de

[Update: Jetzt auch deutsche Textversion]

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CNN: iReporter, Journalist Award (live)

Unsere alte G8-Mannschaft von Gipfelblog.de ist wieder beisammen. In den nächsten ein, zwei Stunden wird live von einer Diskussion zum Einsatz von Bürgerjournalisten bei CNN gebloggt. Susan Grant von CNN berichtet über das iReport-Programm des Senders. Abends berichten wir auch von der Preisverleihung des CNN Journalist Award (wo wir in der Kategorie Online selbst nominiert sind).

YouTube-Videos für eine bessere Welt

YouTube hat einen weltweiten Wettbewerb für Nachwuchs- und Bürgerjournalisten ausgerufen, der von Sony mit Ausrüstung und dem Pulitzer Center für Krisenberichterstattung inhaltlich unterstützt wird. Die Initiatoren wollen aufstrebende Journalisten „ermutigen, kurze und qualitativ hochwertige Videoberichte über Ereignisse zu verfassen, die von den klassischen Medien eher selten oder gar nicht beachtet werden.“ Das klingt toll – die genauen Teilnahmebedingungen des Wettbewerbs lesen sich dann aber etwas merkwürdig.

In der ersten von drei Runden sollen Teilnehmer einen Video-Beitrag von höchstens drei Minuten Länge „über eine bedeutende Person in ihrem Umfeld verfassen“ (Englisch oder UT). Eine Jury des Pulitzer-Centers wählt zehn Kandidaten aus, die in der nächsten Runde „ein Video von höchstens vier Minuten Länge über eine lokale Begebenheit von weltweiter Bedeutung drehen“ sollen. Die YouTube-User entscheiden, wer in die nächste Runde kommt. Dort soll dann über „eine unterrepräsentierte Gemeinschaft“ berichtet werden, wie es der Pressemitteilung heißt. Dafür stellt Sony zwei weitere Videokameras zur Verfügung, mit denen sich Mitglieder dieser Gruppe für das Video (diesmal fünf Minuten) selbst filmen soll. Das ergibt für mich in einem Fünf-Minuten-Stück wenig Sinn.

Zumindest die deutsche Pressemitteilung klingt also so, als würde da teilweise die Form über den Inhalt gestellt. Immerhin versprechen die Initiatoren auf der Projekt-Website auch Video-Tutorials über das Filmemachen.

Update, 17.09.2008

Google-Sprecher Henning Dorstewitz teilt auf Anfrage von onlinejournalismus.de mit: “Eine ‘bedeutende Person’ muss kein Spitzenpolitiker sein. Es kann die Hausfrau aus der Nachbarschaft sein, die eine spannende Geschichte zu erzählen oder erlebt hat. Ähnlich verhält es sich auch mit der ‘unterrepräsentierten Gruppe’, die es in der zweiten Runde vorzustellen gilt. Auch wenn es für die Teilnehmer der Runde 2 noch genauere Informationen geben wird, sobald die Teilnehmer feststellen, werden diese selbst entscheiden können, über welche Gruppe diese berichten möchten.”

Und was unter Berichterstattungstechniken zu verstehen ist, könnten Interessierte am besten anhand von Beispielen hier und hier erfahren, so Dorstewitz.

Nola.com im Zeichen des Sturms

Schon 2005 war das Angebot von Nola.com, der Website der Tageszeitung “Times-Picayune” in New Orleans, angesichts von Hurrikan “Katrina” und den Folgen auch für die Journalisten erstaunlich umfangreich und gut gemacht. Jetzt nähert sich erneut ein Hurrikan der Stadt, die vollständig evakuiert werden soll – und Nola.com hat sich ebenso vollständig darauf eingestellt.

Die gesamte Startseite ist dem Sturm gewidmet. Es gibt Links auf die aktuellen Wetterentwicklungen, eigene Rubriken für die neuesten Artikel und Fotos und einzelne Stadtteile inklusive RSS-Feeds und einen umfangreichen “Survival-Guide” sowie einen Twitter-Feed Ganz oben auf der Seite werden die Nutzer aufgefordert, eigene Bilder, Berichte und Videos einzusenden. Auch die Foren, über die Nutzer sich miteinander austauschen können – nach Thema oder Stadtteil – werden prominent gefeatured.

“Hubertus Heil twittert aus Denver”

Geile Überschrift, habe ich gedacht, als ich das bei Alexander Svensson las. Irgendwie vieldeutig. Ein paar Eindrücke von den Eindrücken des SPD-Generalsekretärs von der Demokraten-Krönungsmesse in Denver:

Pfarrer hintze ist auch da. ungefähr 19 Stunden ago from TwitterBerry
Mdb muetze hat ein skateboard, mdb annen schuh gekauft. Wir koennen jetzt weiterarbeiten

Waren noch mit einigen delegierten und ein paar journalisten ein bier trinken. Waren alle von der michelle obama rede begeistert. ungefähr 11 Stunden ago from TwitterBerry

Us-presse zum gestrigen verlauf der convention positiv. Hier beginnt jetzt das forum mit bill clinton, madeleine albright, joschka u.a. ungefähr 2 Stunden ago from TwitterBerry

Themen sind armutsbekaempfnung und klimawandel. Joschka ist moderator, clinton hielt impulsreferat. Kernthese: gute absichten reichen nicht ungefähr 1 Stunde ago from TwitterBerry

Das erreicht teilweise fast die Qualität des jetzt schon legendären Christoph-Daum-Tickers der Kollegen vom Kölner Express, könnte man meinen. Kann man aber auch lassen: Ich gehe mal davon aus, dass das wirklich die orginalen Heil-Eindrücke sind und er sie nicht einem Referenten ins Blackberry diktiert. Dann ist tatsächlich ein Stück Politik hautnah. Heil scheint vom Twitter-Fieber gepackt und hat in diesem Fall ja auch einen Anlass, über den es ein bisschen was zu erzählen gibt (das erinnert mich an unseren Twitter-Einsatz beim G8-Gipfelblog im letzten Jahr) – bzw. bei weil sie von ihm stammen, sind auch Belanglosigkeiten interessanter als bei sonstigen Twitter-Nutzern. Übrigens: Heil geht auch auf Bemerkungen anderer Twitter-Nutzer ein.

Das dann aber bitte demnächst auch im gleichen Stil aus Berlin:

struck ist stinksauer. merkel will unsere fraktion schon wieder unterbuttern und beck sagt nichts.

jetzt meldet sich auch noch einer der jusos zu Wort. das kann lange dauern – keine zeit mehr zum einkaufen heute. Schon wieder konnopke.

@wirres: hast du ne bessere idee?

Update, 27.08.2008:
SpOn und sueddeutsche.de hatten das Thema gestern auch schon, hier eine Sammlung weitere Meinungen.. Poynter (jüngst relaunched) informiert über twitternde US-Journalisten auf dem Parteitag.

Online News Association: “Eines Tages” nominiert

Die Nominierten für die diesjährigen Preise der Online News Association in den USA sind bekannt gegeben worden, darunter “Eines Tages” von Spiegel Online (was dort gebührend gefeiert wird). Meines Wissens ist es die erste deutsche Nominierung überhaupt – kein Wunder, bisher gab es keine spezielle Kategorie für internationale Beiträge.

Währenddessen wird geunkt, dass bei “Eines Tages” zwar viele registriert Nutzer gebe, es aber mit deren Beiträgen nicht so gut laufe – die prominent verlinkten “Eines Tages”-Stücke seien in der Regel solche von professionellen Autoren. Ein wenig klingt das auch in der aktuellen Lobhudelei in eigener Sache durch: “Immer wieder schaffen es Lesertexte bis ganz oben auf die einestages-Homepage – und manchmal sogar auf die Startseite von SPIEGEL ONLINE.” Also die Ausnahme, nicht die Regel. “Das Gewicht wird sich allmählich in Richtung Leserbeiträge verschieben”, hatte der zuständige Redakteur Hans Michael Kloth dazu im November 2007 im Interview mit onlinejournalismus.de gesagt.

Erster Eindruck von den übrigen Nominierten: Auf jeden Fall kein Übergewicht von einzelnen Sites wie Washington Post oder New York Times, sondern eine Menge unterschiedlicher Namen.

Global Voices: Stimmungsbericht aus Budapest

Jan Becker berichtet bei tagesschau.de von einem internationalen Treffen von Bloggern und Bürgerjournalisten in Budapest.

Der Global-Voices-Gründer Ethan Zuckerman begrüßt herzlich und formlos, “zu dieser Mischung aus Konferenz und Familientreffen.” Zusammen mit der ehemaligen US- Auslandskorrespondentin Rebecca MacKinnon hat er vor drei Jahren im Umfeld der Universität Harvard die Webseite “Global Voices” ins Leben gerufen. “Wir sind wie eine Zeitung für Blogger, sammeln ihre Berichte, fassen zusammen, übersetzen und bündeln sie”, erklärt er den anwesenden klassischen Journalisten. Die sind einfach zu erkennen, weil sie statt Computern Notizblöcke oder Mikrofone auf dem Schoß balancieren.

Geplanter Print-Ableger von Einestages könnte funktionieren

Der Spiegel-Verlag plant einen Print-Ableger seiner hauptsächlich nutzergenerierten Zeitgeschichts-Community Einestages, berichtet Horizont.net. Das Magazin könnte unter dem Namen “Memories” erscheinen.

“Bauchgefühl Mrazek” & Äpfel-Birnen-Vergleich: Das könnte funktionieren. Zum einen sind mittlerweile viele gute Geschichten bei Einestages vorhanden. Zum anderen können sich Projekte wie etwa das bundesweit erscheinende Reader’s Digest-Magazin “Daheim in Deutschland” (fast ohne Web-Hintergrund!) oder das auf den lokalen Markt spezialisierte MyHeimat mit sehr schlichten Geschichten ihrer Leser behaupten. Interessant würde bei “Memories” dann freilich die Frage nach der Vergütung der Autoren.

Weitere Links

bei onlinejournalismus.de:

  • “Einestages”: “Gewicht wird sich verschieben”. Interview zur Zeitgeschichte-Plattform von Spiegel Online
  • MyHeimat: Stadtgeflüster mit Gewinn
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