Archivierte Einträge für Citizen Journalism

“Jeder Idiot darf Journalist werden”

Vielleicht ist die härteste Erkenntnis für Journalisten die, für wen man da arbeitet. Dass das Publikum zu einem großen Teil aus Menschen besteht, die ahnungslos sind, die Brisanz eines Artikels nicht begreifen, seinen Kern missverstehen. Die Ironie nicht erkennen und rhetorische Fragen beantworten. Die voreingenommen, ungerecht und unreflektiert sind, meistens verbohrt, manchmal fanatisch, bestenfalls desinteressiert.
[...]
Jeder Leser, Zuschauer und Nutzer kann seine Meinung heute mühelos und fast ungefiltert ins Netz schreiben, und das Ergebnis ist keine gepflegte Podiumsdiskussion, bei der man am Ende noch kurz das Mikrofon ins Publikum gibt, sondern eher einer Auseinandersetzung in einer Kneipe, in der viele Stunden und Promille nach einem Fußballspiel Anhänger verschiedener Mannschaften aufeinandertreffen und die Hälfte, die nicht damit beschäftigt ist, sich zu übergeben, mit möglichst überzeugender Lautstärke versucht, den anderen gleichzeitig die Blindheit des Schiedsrichters in der 57. Minute und die fiskalischen Probleme bei der Umsetzung der bedarfsorientierten Grundsicherung zu erläutern.

Was das für Folgen hat, erläutert Stefan Niggemeier in der taz in einem Artikel über das Mitmachnetz und Minderwertigkeitskomplexe bei Journalisten: nichts Neues, aber Grundsätzliches gut auf den Punkt gebracht.

Punk is not dead: Karl Nagel schreibt bei SpOn

Zwischen reizvoll, bizarr, überraschend und vielleicht abgedroschen: Karl Nagel (47), selbsternannter “Meister des Chaos” und Mitgründer der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands” (APPD), schreibt bei Einestages über die “Chaostage”, die am 18.12.1982 zum ersten Mal in Hannover stattfanden. Nagels Text ist mäßig unterhaltsam, interessanter sind vielleicht die Bilder, zum Teil von Karl Nagel (der ein Punk-Fotoarchiv mit 4.000 Bildern online gestellt hat) und einige DPA-Fotos von damals.

Mehr bei onlinejournalismus.de:

“Einestages”: “Gewicht wird sich verschieben”: Interview mit Einestages-Projektleiter Hans Michael Kloth

Wunschzettel für 2008

Onlinejournalismus 2008 (Foto: Stegers)

Letztes Jahr gab es einen Merkzettel mit den angekündigten Vorhaben der Redaktionen. Diesmal drehen wir den Spieß um: Was wollen wir 2008 im Onlinejournalismus sehen, damit es voran geht? Für einen Weihnachtswunschzettel sind wir zwar fast schon ein wenig spät dran, aber über gute Vorsätze zu Neujahr dürfen sich die Onlineredaktionen, Blogger, Video-Vorkämpfer und Bürgerjournalisten da draußen gerne jede Menge Gedanken machen. Wir bitten um Vorsatz-Vorschläge unten in den Kommentaren

(Und frohe Festtage wünschen wir unseren Lesern natürlich auch!)

DJV lädt zur Podiumsdiskussion “Regeln oder Anarchie? – Journalismus im www” ein

Update 11.01.08
DJV-Qualitätsdiskussion: Niveau einer Christiansen-Sendung

Update 09.01.08: Die Podiumsdiskussion am Donnerstag, 10.01.08, ist bereits ausgebucht, kann aber live unter www.djv.de/livestream ab 19.00 Uhr bis zum vorgesehenen Ende gegen 21.00 Uhr verfolgt werden.

Nachdem der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken, sich kürzlich mit seinen umstrittenen Äußerungen über Blogs einige Kritik von Bloggern und Journalisten anhören musste (siehe: “Müll von Qualität trennen”: Rede des DJV-Bundesvorsitzenden), gibt es am 10. Januar 2008, 19 Uhr in Berlin-Mitte Gelegenheit unter anderem mit ihm darüber zu sprechen. Hier der Text zu der Veranstaltung “Regeln oder Anarchie? – Journalismus im www”:

Brauchen Online-Medien klar umrissene journalistische Grundregeln, vergleichbar dem Pressekodex für Zeitungen und Zeitschriften? Welche Rolle spielt Qualitätsjournalismus im Internet? Welche Bedeutung kommt im journalistischen Alltag den Blogs zu? Diese Fragen werden vor allem in Internetblogs immer wieder sehr strittig diskutiert. Der DJV will die Diskussion öffentlich mit Medienexperten und Praktikern führen. Über den Journalismus im world wide web diskutieren am 10. Januar unter anderem DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, Hans-Ulrich Jörges vom Stern, Prof. Dr. Wolfgang Donsbach von der Universität Dresden, Thomas Knüwer vom Handelsblatt-Blog und der Blogger Don Alphonso.

Bitte lassen Sie uns bis spätestens 21. Dezember 2007 per E-Mail an djv@djv.de wissen, ob Sie an der Podiumsdiskussion teilnehmen möchten. Weitere Details zu der DJV-Podiumsdiskussion teilen wir zu einem späteren Zeitpunkt mit.

Nachtrag 18.12.07
Das Podium ist nun vollständig: Hans-Ulrich Jörges vom “Stern”, Prof. Dr. Wolfgang Donsbach von der Universität Dresden, Thomas Knüwer vom Handelsblatt-Blog, Michaela May von N 24 (Chefkorrespondentin Politik), Björn Sievers von Focus Online, der Blogger Don Alphonso und DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.

Stattfinden wird das Ganze am Donnerstag, den 10. Januar 2008 um 19.00 Uhr im Automobil Forum Unter den Linden in Berlin-Mitte. Laut Pressemitteilung sind noch Anmeldungen unter djv@djv.de möglich.

“einestages”: “Gewicht wird sich verschieben”

Eines Tages (Screenshot/M: ojour)

Das Echo war überwiegend positiv, als Spiegel Online seine Zeitgeschichte-Community “einestages” Anfang Oktober startete – auch bei uns. Inzwischen gibt es auch einige Stimmen, die die Erfolgschancen eher kritisch sehen. Projektleiter Hans Michael Kloth spricht im Interview über die Startphase, PageImpressions und Ausbaumöglichkeiten.
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Netizen-Journalismus, Ohmy News und chinesische Blogger

Netizen – den Begriff prägte Michael Hauben (1973-2001), um Netzbürger mit gesellschaftlicher Verantwortung zu charakterisieren. Michaels Eltern Ronda und Jay Hauben, Internet-Historiker an der Columbia University, New York, sprachen im Vorfeld des Kongresses Wem gehört das Internet? mit Gabriele Hooffacker über Netizen-Journalismus, Ohmy News und chinesische Blogger. Das Interview ist in englischer Sprache. Weiterlesen…

Der Westen – erste Stimmen

[aktualisiert, Dienstag, 8.00 Uhr]

Quer durch den Gemüsegarten einige Blog-Reaktionen auf den Launch von Der Westen.

“Alles wird besser, nur wird es gut genug? Ich werde das Portal ganz sicher nutzen, keine Frage. Wo sonst fände ich lokale Kompetenz im Netz. (…) Um mein neuer Netzmittelpunkt zu werden, müsste aber noch eine Menge geschehen. Um etwa primär dort zu bloggen, würde ich mir ein viel stärker individualisierbares System wünschen.”

blog.50hz.de

“Erster Eindruck, ziemlich bieder, also viel Raum sich über Qualitätsjournalismus zu beweisen.”

Hugo E. Martin

“Das ist jetzt bei regionalen Tageszeitungen endlich einmal nicht mehr Online als Randaktivität in den Händen von Beauftragten. Herausforderungen bleiben aber auch für die nächsten, die sich am Thema versuchen: beispielsweise beim Veranstaltungskalender, der sich — wie so häufig — eher wie eine überkomplexe Suchmaschine anfühlt und in diesem Fall die gesamte Bandbreite von Ruhrpott Punk Superbowl bis Tierärztlicher Notdienst Haltern abdeckt.”

Wortfeld

“Natürlich ist DerWesten gegenüber den bisherigen Webangeboten der WAZ-Mediengruppe ein Quantensprung. Inwiefern DerWesten sich etablieren wird kann man jedoch jetzt noch nicht einmal ahnen – denn das hängt natürlich vor allem auch von den Inhalten ab.”

Pottblog

“Ich sag es mal so: Wenn ich keine guten Inhalte habe, hilft mir weder die Communitylinkorgie was, noch das Layout oder eine Karte. Gilt sowohl für die lasche Schreibe der eigentlichen Frontseite als auch das weit hinten versteckte, gehaltlose Communityblog2.0-Dingens.”

Blogbar

“…alles eine Frage der Perspektive: Schaut man sich durchschnittliche (Regional-)Zeitungsportale und deren HTML-basiertes Elend in Deutschland so an, muss man der WAZ attestieren, einen ziemlich großen Wurf gelandet zu haben. Nimmt man das mediale Trommelfeuer zum Maßstab, das in den vergangenen Wochen über uns hereinprasselte, dann relativiert sich das. Gelungen, sicher. Aber die Neuerfindung des crossmedialen Journalismus ausrufen, nur weil man jetzt Videos, Blogs, Tags und eine Community hat?”

“Journalistisch jedenfalls – und noch reden wir auch im Netz in erster Linie von Journalismus und nicht von Gimmicks – ist der Westen zumindest am Tag 1 nahe an der Bankrotterklärung.”

JakBlog

“Der erste Eindruck ist positiv. Die Seite kommt zweispaltig und aufgeräumt daher, große Fotos zieren die Aufmacher. Eine Multimedia-Spalte und eine eigene Überssichtsseite für Videos sind vorhanden, die rechte Spalte zeigt die aktuelle Diskussionen, Blog-Artikel und Tags. Kein großer Wurf, eher Erwartbares bei einem Medium dieser Größe.”

Turi

“Zur Zeit ist das Portal mit Werbebannern und Popups nur so überfrachtet. Zumindest zum Start könnte man auf webzwonulligere Werbeformen setzen, etwas mehr userbasiertes oder behavioral Targeting einsetzen.”

Sichelputzer

“Wer mit dem Gedanken spielt, dort den Newsletter zu abonnieren oder am Bundesliga-Tippspiel teilzunehmen, sollte sich das sehr gut überlegen. Die Daten, die DerWesten hierfür verlangt, sind fast ein eigenes Kapitel wert..”

F!XMBR

“Alles was sich zu dieser Stunde sagen läßt: der große Wurf ist es nicht und es ist ebenfalls durchaus fraglich, ob die Aufhübschung durch Web-2.0-Features genügt.”

Wissenswerkstatt

“Die große Herausforderung für Chefredakteurin Katharina Borchert besteht nun darin, viele neue Nutzer von DerWesten zu überzeugen. Denn die bisherigen Online-Auftritte der WAZ-Gruppe werden nur von sehr wenigen Menschen genutzt. Selbst WAZ.de kommt laut AGOF nur auf rund 280.000 Unique User monatlich.”

deutsche startups

Eines Tages bei Spiegel Online …

Jetzt schmückt man sich auch beim lange Zeit Web-2.0-abstinenten Marktführer mal mit einem “Beta”-Logo: “einestages”, das zeitgeschichtliche Nutzer-Portal, soll offiziell am Montag starten, ist aber bereits online. Optisch macht es einen angenehmen, nicht überladenen Eindruck. Erste Inhalte kommen von der Spiegel Online-Redaktion, mal frisch für “einestags” verfasst, mal bereits vorher auf der Haupseite veröffentlicht. Ein damaliger GSG-9-Beamter schildert die Erstürmung der Landshut, Stefan Remmler darf Elvis’ Erfolg erklären (na gut, ein etwas übergeigter Teaser sei verziehen), die Redaktion sucht unbekannte deutsche Elvis-Fans von einem Foto aus der Militärzeit des Kings (Rubrik “Fundbüro”).

[Update 08.10.07] Weiterlesen…

Myheimat: Stadtgeflüster mit Gewinn

myheimat

Mit Bürgerjournalismus Geld zu verdienen schien bislang unmöglich. Die Augsburger Internet-Plattform MyHeimat schafft es mit ihren Print-Ausgaben. Weiterlesen…

I know more than you about the internet! No, you don’t.

Stephen Colbert lässt dem papiertrollenden Internet-Paranoiker Andrew Keen die einzig richtige Behandlung angedeihen – die humoristische. [Video bei Comedy Central] Wir sollten vielleicht öfter gleich die Komiker reinrufen, statt unsere Zeit bei wichtigtuerischen Journalisten-Panels und Kongressen zu verplempern…

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