Archivierte Einträge für Citizen Journalism

Kollaborativer Kokolores bei der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”

“Der Leser schreibt mit”, hieß es vor zwei Wochen zum ersten Mal bei der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. “Anstatt einen Artikel nur zu drucken, haben wir ihn erst einmal ins Internet gestellt. Wir wollten wissen, ob die Leser dort vielleicht mehr wissen als wir”, schrieb “FAS”-Redakteur Jörg Albrecht (siehe hierzu auch “Partizipativer Journalismus bei der FAS” im Blog Journalismus 2.0). Sonst nur schnöder Beobachter oder Kritiker solcher journalistischen Experimente, machte ich am Freitag mal selbst mit. Und erlebte eine böse Überraschung. Weiterlesen…

Hype Hyperlokalität?

Ist der Bürgerjournalismus vor allem der mikro- (oder hyper-)lokalen Ebene erfolgreich, in den Gemeinden und Stadtteilen mit den nur für eine winzige Zielgruppe interessanten Themen, dort also, wo inzwischen nicht einmal mehr die WAZ hinter jedem Mülleimer einen Lokalredakteur sitzen hat? Schon vor anderthalb Jahren, als der Trend Citzen Journalism noch nicht nach Deutschland herübergeschwappt war, aber in den USA schon ganz heiß war, setzten dort viele der Projekte auf die lokale Ebene (Überblick: “Die Laien kommen”).

“Going Hyperlocal ist einer der aktuellsten Trends im sozialen Web”, schreibt Lorenz Lorenz-Meyer und verweist auf:

Placeblogger, ein zeitgemäß mit Drupal aufgesetztes Portal für ‘hyperlokale’ Nachrichtenblogger, gestartet am 1. 1. 2007. Der Fokus ist weltweit, aber nur für die USA findet sich bislang eine nennenswerte Zahl von Einträgen. Für Deutschland sinds bis dato 8. (Mag mal jemand nachhelfen?

Bei Lorenz Lorenz-Meyer gibt es noch zwei interessante US-Links zum Thema. Katja Riefler meinte seinerzeit:

Die lokale Lebenswelt ist natürlich das erste, was einem Journalisten als Lücke im Medienangebot auffällt. Hier werden wir mehr Aktivitäten sehen. Aber das ist ganz sicher nicht die einzige Ebene. […]

Markwort über die Angst auf der Toilette

Auch Focus-Chef Helmut Markwort sind Leserreporter nicht geheuer:

Ich kenne Prominente, ob aus dem Sport oder aus dem Showbusiness, die sagen: Ich habe ja schon auf der öffentlichen Toilette Angst, dass neben mir einer steht, sein Handy rausholt, mich da fotografiert und das dann irgendwohin verkauft. [...] Dass jeder Deutsche mal ein Paparazzo wird und überall mit seinem Handy rumrennt und das (ins Internet) reinstellt , das halte ich auf die Dauer für ein Problem.

Sagt Markwort in der Phoenix-Sendung “Im Dialog”, sein Kolumnist Harald Schmidt hatte sich ja schon mal ähnlich geäußert. Die Phoenix-Pressemitteilung verrät nicht, ob Markwort prominente Bekannte ihn wegen der Fotocommunity Focus Live anpöbeln, die ja auch Ansätze von Bürgerjournalismus probiert und etwa aktuell um Bilder von Sturmschäden bittet.

“Die haben uns vom Stuhl gehauen”

Mathias Müller von Blumencron (Foto: Spiegel/Montage: ojour)

… sagt SpOn-Chef Mathias Müller von Blumencron. Er meint neue Kompressionstechniken, die Online-Video seiner Ansicht nach in nächster Zeit noch mal einen kräftigen Schub nach vorn verleihen werden – nicht die anderen Medienhäuser, die im Netz kräftig ausbauen wollen. Über deren angekündigte “Online-Offensiven” freue er sich, sagt Blumencron im Gespräch mit onlinejournalismus.de, denn davon “werden wir alle profitieren”.

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Fleißkärtchen für Spiegel Online

Salopp gesagt “nervig” war Spiegel Online vor Weihnachten mit einer Vielzahl von Boulevardgeschichten (siehe hierzu Thomas Knüwers Blog-Beitrag Der Müll, das Netz und Spiegel Online). Heute gibt’s hingegen für fünf erwähnenswerte Medienberichte an zwei Tagen ein Fleißkärtchen. Als da wären: Anzeigen-Vertrieb: Google gewinnt mit Print; “Wall Street Journal”: Alte Dame, auf jung getrimmt; “Wall Street Journal”: Premiere für das Schrumpfblatt; Neue Zeitungsmodelle: Rückkehr der rasenden Reporter und Community-Millionendeal: Holtzbrinck schnappt sich StudiVZ. Ob diese geballte Seriosität mit dem morgigen 60. Geburtstag des “Spiegels” zusammenhängt, weiß ich nicht.

Clipshows im TV

UPromTV (“Du-Promi-Glotze”) will als Spartensender für User-Videos starten, meldet TVBlogger. Wo genau sie senden will, verrät die dahintersteckende Münchner Produktionsfirma auf ihrer Website noch nicht.

Die Idee ist ja nicht neu: RTL hat mit Clipfish auf Giga ab 8. Janur was ähnliches vor, die bereits existierende Sat1/MyVideo-Show hat sich Spiegel Online schon einmal angeschaut.

Ich bin auf die erste fundierte Analyse zum Thema gespannt und hoffe hier zum Beispiel auf einen Nachschlag der (unbedingt empfehlenswerten Site) Digitaler Film. Oder hat sich die Thematik in spätestens einem Jahr bereits wieder erledigt, wie ein User bei TVBlogger meint, wenn die Inhalte auf “Pleiten, Pech und Pannen”-Niveau bleiben (im TV allerdings ein Dauerbrenner)?

Al Gores Internet-TV-Crossover Current.tv gibt es immerhin noch. Und zumindest hat es teilweise ganz andere Themen: Wie einfach es ist, in Somalia eine AK-47 zu kaufen.

Einschätzungen für 2007, heute: Jan Schmidt

Hat ihn eigentlich schon einmal jemand als Weblogwissenschaftler bezeichnet? Jan Schmidt beschäftigt sich an der Forschungsstelle Neue Kommunikationsmedien in Bamberg und auf seiner eigenen Site intensiv mit Weblogs und Webloggern. Welche Entwicklungen erwartet er 2007 in der Blogosphäre?

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Einschätzungen für 2007, heute: Christoph Neuberger

An Christoph Neuberger kommt man nicht vorbei: Seit gut zehn Jahren beobachtet der Journalistikprofessor die Entwicklung der Online-Medien in Deutschland und hat dazu umfangreiche empirische Studien durchgeführt. Er erwartet, dass 2007 einer der 2006 angelaufenen Trends voll durchschlägt:

2007 wird nach den Zeitungen ein weiteres klassisches Medium unsanft wachgerüttelt. Nun ist das Fernsehen an der Reihe: Journalistische Vi­deoformate und Werbespots werden in TV-Qualität über das Internet laufen. Daneben werden Amateurbilder weiter an Bedeutung gewinnen. Sender und Regulierer werden Schwierigkeiten haben, sich auf die neuen Trends einzustellen. Die einzige Ausnahme wird die BBC sein.

Zuvor in dieser Reihe: Einschätzungen für 2007, Thomas Knüwer: “Journalisten werden sich selbstständig machen” (Video).

Maier setzt ganz auf die Bürger

Das Job-Karussell dreht sich weiter: Die Netzeitung verkündet einen überraschenden Chefwechsel für den Jahresanfang. Michael Angele und Matthias Ehlert führen die Website künftig als Doppelspitze. Der bisherige Chefredakteur und Geschäftsführer Michael Maier kauft (zu welchem Preis wohl?) die “Readers Edition”, das Citizen-Media-Projekt der Netzeitung.

“Wir werden weiter eine gute Beziehung zu Dr. Maiers neuer Firma Blogform unterhalten”, teilt Netzeitung-Besitzer Orkla Media mit.

Nachtrag: Bei der Readers Edition selbst gibt es noch eine Informationen mehr: “Weiterhin wird Michael Maier ab nächstem Februar ein mehrmonatiges Fellowship an der Harvard University antreten.” Und dann nebenher aus einer College-Garage die Readers Edition auf Trab bringen?

Nachtrag 2:
Jeff Jarvis freut sich schon auf Maier.
Mehr über die Readers Edition.

US-Wahl: TV-Sites top, Blogger lala

Zwei Lehren aus der US-Wahlnacht, die das Project for Excellence in Journalism in einer umfangreichen Analyse gezogen hat:

1. The two most valuable things the news media offers on these fast-moving election nights now is a quick summary of key results for those wanting the headlines and deep veins of data that users can mine on their own. That may explain why TV Web sites fared well.

5. When the system works—voting occurs without widespread problems and the media establishment isn’t faltering—citizen sentinels, bloggers, and other observers, while potentially important watchdogs, have a more restricted role.

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