Archivierte Einträge für Citizen Journalism

Auf der Suche nach “Net-Credibility” und einem potenten Käufer

“Die Netzeitung steht zum Verkauf und putzt sich heraus – gerade noch rechtzeitig” – so beginnt heute eine umfangreiche Zustandbeschreibung des Online-Mediums in der “Süddeutschen Zeitung”: Nach der “optischen Entschlackung” von Anfang der Woche werden ein paar inhaltliche Neuerungen angekündigt, von denen aber keine umwerfend klingt.

Unklar bleibt auch, wie sich die Netzeitungs-Mannschaft verstärkt auf Internet-Themen stürzen will: Heißt das, aus Blogs abschreiben? Und was soll dann die “Net-Credibility” sein, die sich die Netzeitung selbst zubilligt? Damit sind schon andere auf die Nase gefallen. Die entsprechende Passage in der “SZ” ist ziemlich verquast – aber vielleicht liegt das ja auch daran, dass die neuen Netzeitungs-Chefs Ehlert und Angele selbst noch nicht genau wissen, was sie eigentlich wollen/sollen. Weiterlesen…

Termine in München, Frankfurt und Berlin

  • Vom 22. bis 24. Februar tagen in München die Mitglieder der Fachgruppe “Computervermittelte Kommunikation” der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Auf dem Programm stehen unter anderem Forschungsergebnisse zu Watchblogs, zum Selbstverständnis von Bürgerjournalisten und zur Veränderung des Agenda-Settings durch das Internet (Programm, PDF).
  • Der 3. Frankfurter Tag des Online-Journalismus widmet sich der “Region im Web 2.0″. Er findet am 1. März statt. Organisatoren sind der HR und die Evangelische Kirche.
  • Am 5. März diskutieren in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin unter dem Titel “Online never sleeps” u. a. Vertreter von sueddeutsche.de, Riesenmaschine, WestEins, Spiegel Online und Welt.de (Einladung, PDF). Bekannte Namen – aber viel neues ist wohl nicht zu erwarten. Auf dem Podium sitzt auch Thilo Haule (Result GmbH), der einiges zum Thema Web 2.0 und Journalismus noch einmal in einer Studie in Zusammenarbeit mit dem SWR zusammengefasst hat (PDF, ca. 50 Seiten).
(via Netzwerk Recherche). Weitere Termine hat Thomas Mrazek zusammengestellt.

Nachtrag (24.02.07):
Am 22. März gibt es in Leipzig einen Workshop “User Generated Content und Bürgerjournalismus”, veranstaltet vom Masterprogramm Medien Leipzig (MML) und unterstützt vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), u.a. mit Katharina Borchert, Thomas Knüwer, Stefan Niggemeier und Peter Schink. Die Teilnahme an diesem Workshop ist kostenfrei.

Erwartungen für 2007, Nachtrag

Parallel zu unserer Serie über “Einschätzungen für 2007″ (Christoph Neuberger, Thomas Knüwer [Video], Jan Schmidt und Spiegel-Online-Leiter Mathias Müller von Blumencron) habe ich für einen Artikel für das Medienmagazin Insight (jetzt erschienen in Heft 2/2007) auch die Chefredakteure von anderen großen Online-Redaktionen befragt: Robert Amlung (ZDF), Hans-Jürgen Jakobs (seit Dezember bei sueddeutsche.de), Frank Thomsen (stern.de) und Jochen Wegner (Focus Online). Web-Video und Nutzerinhalte bleiben die großen Themen, da sind sich alle einig. Jakobs gibt als Ziel aus, klar die “Führungsposition unter den Websites der Tageszeitungen” zu erreichen.

Jochen Wegner hat noch zwei interessante Sachen gesagt, die keinen Platz mehr im Heft gefunden haben: Zum einen beobachtet er, dass große Online-Redaktionen beginnen, einander verstärkt Leute abzuwerben. Zum anderen wunderte er sich, dass bisher in Deutschland kein Internet-Unternehmen wie Yahoo versucht hat, sich mit eigenproduzierten (auch journalistischen) Qualitätsinhalten abzuheben: Da seien die klassischen Medienhäuser nach wie vor unter sich. Langfristig meint Wegner: “Irgendwann einmal wird es einen Verdrängungswettbewerb um die Augäpfel geben wird, der sich dann zwischen einer Videoplattform wie MyVideo und einem klassischen Online-Medium abspielt, aber 2007 sind wir noch nicht so weit. 2007 wachsen wir einfach.”

Dissonanzen bei der Readers Edition

Man muss immer etwas vorsichtig sein, solche Vorgänge aus der Außenperspektive zu beurteilen – man hat nie das ganze Bild. Aber das, was Peter Schink, Steffen Büffel, Florian Siebeck sowie Prinz Rupis Blog schildern, ist relativ gleichlautend: Die alten Moderatoren sind, bis auf wenige Ausnahmen, rausgeflogen. Der Ton der Verabschiedung nicht eben herzlich.

Hintergrund: Vor kurzem hat die Readers Edition den Besitzer gewechselt, sie gehört jetzt Michael Maier, dem ehemaligen NZ-Chefredakteur.

Dass man sich von Mitstreitern trennt, ist nun grundsätzlich nichts Verbotenes. Wenn es ehrenamtliche Mitarbeiter sind, macht aber wohl auch der Ton die Musik:

“Wir konnten nicht feststellen, dass Du mit diesen Aufgaben so gut zurecht kommst, wie es nötig wäre.”

“Zumindest warst Du mit den wenigen Aktivitäten in den letzten Wochen nur mäßig hilfreich.” (Quelle )

Well. Die wenigen Leute, die überhaupt Zeit, Lust und Talent haben, ohne Honorar ein Projekt wie die RE dauerhaft voranzutreiben, werden es sich in Zukunft drei mal überlegen. Dabei hätte die Readers Edition einen Kick-Start und eine Neujustierung wirklich dringend nötig.

Kollaborativer Kokolores bei der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”

“Der Leser schreibt mit”, hieß es vor zwei Wochen zum ersten Mal bei der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. “Anstatt einen Artikel nur zu drucken, haben wir ihn erst einmal ins Internet gestellt. Wir wollten wissen, ob die Leser dort vielleicht mehr wissen als wir”, schrieb “FAS”-Redakteur Jörg Albrecht (siehe hierzu auch “Partizipativer Journalismus bei der FAS” im Blog Journalismus 2.0). Sonst nur schnöder Beobachter oder Kritiker solcher journalistischen Experimente, machte ich am Freitag mal selbst mit. Und erlebte eine böse Überraschung. Weiterlesen…

Hype Hyperlokalität?

Ist der Bürgerjournalismus vor allem der mikro- (oder hyper-)lokalen Ebene erfolgreich, in den Gemeinden und Stadtteilen mit den nur für eine winzige Zielgruppe interessanten Themen, dort also, wo inzwischen nicht einmal mehr die WAZ hinter jedem Mülleimer einen Lokalredakteur sitzen hat? Schon vor anderthalb Jahren, als der Trend Citzen Journalism noch nicht nach Deutschland herübergeschwappt war, aber in den USA schon ganz heiß war, setzten dort viele der Projekte auf die lokale Ebene (Überblick: “Die Laien kommen”).

“Going Hyperlocal ist einer der aktuellsten Trends im sozialen Web”, schreibt Lorenz Lorenz-Meyer und verweist auf:

Placeblogger, ein zeitgemäß mit Drupal aufgesetztes Portal für ‘hyperlokale’ Nachrichtenblogger, gestartet am 1. 1. 2007. Der Fokus ist weltweit, aber nur für die USA findet sich bislang eine nennenswerte Zahl von Einträgen. Für Deutschland sinds bis dato 8. (Mag mal jemand nachhelfen?

Bei Lorenz Lorenz-Meyer gibt es noch zwei interessante US-Links zum Thema. Katja Riefler meinte seinerzeit:

Die lokale Lebenswelt ist natürlich das erste, was einem Journalisten als Lücke im Medienangebot auffällt. Hier werden wir mehr Aktivitäten sehen. Aber das ist ganz sicher nicht die einzige Ebene. […]

Markwort über die Angst auf der Toilette

Auch Focus-Chef Helmut Markwort sind Leserreporter nicht geheuer:

Ich kenne Prominente, ob aus dem Sport oder aus dem Showbusiness, die sagen: Ich habe ja schon auf der öffentlichen Toilette Angst, dass neben mir einer steht, sein Handy rausholt, mich da fotografiert und das dann irgendwohin verkauft. [...] Dass jeder Deutsche mal ein Paparazzo wird und überall mit seinem Handy rumrennt und das (ins Internet) reinstellt , das halte ich auf die Dauer für ein Problem.

Sagt Markwort in der Phoenix-Sendung “Im Dialog”, sein Kolumnist Harald Schmidt hatte sich ja schon mal ähnlich geäußert. Die Phoenix-Pressemitteilung verrät nicht, ob Markwort prominente Bekannte ihn wegen der Fotocommunity Focus Live anpöbeln, die ja auch Ansätze von Bürgerjournalismus probiert und etwa aktuell um Bilder von Sturmschäden bittet.

“Die haben uns vom Stuhl gehauen”

Mathias Müller von Blumencron (Foto: Spiegel/Montage: ojour)

… sagt SpOn-Chef Mathias Müller von Blumencron. Er meint neue Kompressionstechniken, die Online-Video seiner Ansicht nach in nächster Zeit noch mal einen kräftigen Schub nach vorn verleihen werden – nicht die anderen Medienhäuser, die im Netz kräftig ausbauen wollen. Über deren angekündigte “Online-Offensiven” freue er sich, sagt Blumencron im Gespräch mit onlinejournalismus.de, denn davon “werden wir alle profitieren”.

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Fleißkärtchen für Spiegel Online

Salopp gesagt “nervig” war Spiegel Online vor Weihnachten mit einer Vielzahl von Boulevardgeschichten (siehe hierzu Thomas Knüwers Blog-Beitrag Der Müll, das Netz und Spiegel Online). Heute gibt’s hingegen für fünf erwähnenswerte Medienberichte an zwei Tagen ein Fleißkärtchen. Als da wären: Anzeigen-Vertrieb: Google gewinnt mit Print; “Wall Street Journal”: Alte Dame, auf jung getrimmt; “Wall Street Journal”: Premiere für das Schrumpfblatt; Neue Zeitungsmodelle: Rückkehr der rasenden Reporter und Community-Millionendeal: Holtzbrinck schnappt sich StudiVZ. Ob diese geballte Seriosität mit dem morgigen 60. Geburtstag des “Spiegels” zusammenhängt, weiß ich nicht.

Clipshows im TV

UPromTV (“Du-Promi-Glotze”) will als Spartensender für User-Videos starten, meldet TVBlogger. Wo genau sie senden will, verrät die dahintersteckende Münchner Produktionsfirma auf ihrer Website noch nicht.

Die Idee ist ja nicht neu: RTL hat mit Clipfish auf Giga ab 8. Janur was ähnliches vor, die bereits existierende Sat1/MyVideo-Show hat sich Spiegel Online schon einmal angeschaut.

Ich bin auf die erste fundierte Analyse zum Thema gespannt und hoffe hier zum Beispiel auf einen Nachschlag der (unbedingt empfehlenswerten Site) Digitaler Film. Oder hat sich die Thematik in spätestens einem Jahr bereits wieder erledigt, wie ein User bei TVBlogger meint, wenn die Inhalte auf “Pleiten, Pech und Pannen”-Niveau bleiben (im TV allerdings ein Dauerbrenner)?

Al Gores Internet-TV-Crossover Current.tv gibt es immerhin noch. Und zumindest hat es teilweise ganz andere Themen: Wie einfach es ist, in Somalia eine AK-47 zu kaufen.

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