Alle Beiträge der Kategorie 'Debatte'

Audio-Slideshow vs. Video: Nie mehr als Nische?

Von Fiete Stegers am 10. Januar 2010

Soundslides-Logo [Montage]
Matthias Eberl hat kürzlich den Deutschen Reporter-Preis für eine Audio-Slideshow gewonnen und dabei einige Aufmerksamkeit auf diese onlinespezifiische Darstellungsform gelenkt, für die er sich seit Jahren einsetzt.

Fabian Mohr hat sich nun Gedanken zum Thema Audio-Slideshow vs. Video gemacht und kommt zu dem Schluss: Audio-Slideshows “stagnieren kreativ”. Sie werden nie aus der Nische herausfinden, waren vielleicht nur ein Übergangsphänomen multimedialen Erzählens. Mit HD und videofähigen DSLR-Kameras geraten reine Audio-Slideshows ins Hintertreffen, meint der Zeit Online-Entwicklungsredakteur, der beide Darstellungsformen kennt und beherrscht. Er führt einige treffende Argumente ins Spiel, unter anderem:

  • den Arbeitsaufwand für eine ausgefeilte Slideshow
  • die Tatsache, dass schon ein schlechtes Bild in einer Slideshow enorm stören kann - während eine Video-Sequenz weniger störend auffällt
  • die Hürden, die es selbst beim Erstellen mit dem Wunderwerkzeug Soundslides innerhalb einer Online-Redaktion gibt (FTP-Upload-Rechte? Einbinden externer Flash-Objekte?)
  • die auf Video ausgelegte Infratstruktur von Online-Redaktionen und externen Hosting-Plattformen

Wer als Multimedia-Reporter arbeiten will, solle sich auf Video konzentrieren, rät Fabian Mohr deshalb. Richtig? Ich finde viele Argumente sehr nachvollziehbar, vermisse ähnlich scharfe Überlegungen für den Einsatz von Video. Dort hat sich ja einerseits immer wieder gepredigte Einsatz von schnell gedrehten Sequenzen, die in textegetriebene Beiträge eingebunden werden, bisher - ähnlich wie die Slideshows - noch nicht durchgesetzt. Und qualitativ hochwertige gedrehte und geschnittene Video-Beiträge sind andererseits in der Gesamtproduktion immer noch ein wenig komplexer zu erstellen als vergleichbare Audio-Slideshows.

In nächster Zeit werden sich die Produktionsvoraussetzungen dank Flip-Kameras in Lokalredaktionen und videofähigen DSLR weiter verändern. Aber die potenziellen technischen Möglichkeiten bedeuten ja nicht zwangsläufig, dass diese auch extensiv genutzt werden: Kurze Video-Schnipsel, aufwändige Audio-Slideshows und noch aufwändigere Kombinationen aus Video, Audio und Stills könnten auch weiterhin die Ausnahme bleiben, während eingleisige Formate - stumpfer Text, bloßes Video oder stumpfe Bilderstrecke - weiter dominieren.

(Matthias Eberl und Fabian Mohr sind/waren Autoren von onlinejournalismus.de).

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… bei onlinejournalismus.de:

Stimmen zu Fabian Mohrs Blog-Post:

  • Marco Maas: “[Fabian Mohr] hat wohl leider recht.”
  • Oliver Bechmann: “… fasst gut zusammen, warum ich mich von Soundslides & Audio-Slideshows ab- und den Video-Audio-Slide-Kombis zugewandt habe. […] Ich glaube allerdings nicht an das vollständige Aus der Audioslideshows.”
  • Steffen Leidel (Deutsche Welle) “Im Prinzip stehen wir am Ende der Ära von reinen Audioslideshows und am Anfang einer neuen Zeit im Multimedia-Storytelling, in der es um die Frage geht, wie man Foto, Ton und Film am besten zusammenführt.”
  • Markus Hündgen (DerWesten): “Auch wir haben damit experimentiert. Und nach einigen Versuchen das Stilmittel zu den Akten und Soundslides in den Papierkorb geschoben. Ausschlaggebend war nicht das User-Feedback - dieses war durchgehend positiv - sondern schlicht ökonomisches Kalkül.”
  • Dirk Kirchberg (HAZ): “Guter Journalismus, egal welche Gattung, war schon immer eine Nische (…). Daher darf es nicht um Technik oder Vermarktung gehen.”
  • Fabian Schweyher: Das Missverständnis liegt in der Annahme, dass Audio Slideshows eine gleichwertige Alternative zu Videos darstellen. Denn Ton-Bild-Strecken bieten sich nur für ganz bestimmte journalistische Darstellungsformen an.

Heikle Twitter-Debatte um die “Rhein-Zeitung”

Von Thomas Mrazek am 27. Oktober 2009

rz-twitter

Bei der Koblenzer “Rhein-Zeitung” scheint der Haussegen schief zu hängen. Scheint, denn die Quelle, die einige Ungereimheiten bei der Regionalzeitung anprangert, bedient sich eines anonymen Twitteraccounts.

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Internet-Manifest, ein Diskussionsbeitrag

Von Fiete Stegers am 8. September 2009

Ich wundere ich mich ein bisschen über einige Kommentare zu unserem Internet-Manifest (etwa hier und hier): Haben wir uns missverständlich ausgedrückt oder will man uns missverstehen? Die Überschrift sagt eigentlich eindeutig, dass es hier um Journalismus und dessen Verhältnis zum Internet geht. Nicht um interpersonale Kommunikation, nicht um E-Commerce und nicht um all die anderen Teilbereiche des Netzes - da gibt und gab es andere.

Nirgendwo steht, dass unsere Thesen in Stein gemeißelt sind, geschweige denn wird der von einigen hitzköpfigen Gemütern hereininterpretierte Alleinvertretungsanspruch für “das Internet” (eine absurde Vorstellung) formuliert.

Im Gegenteil: Wir freuen uns über Kommentare, Diskussion und Verbesserungsvorschläge, wie nicht zuletzt die Creative-Commons-Lizenz zeigt.

Der oder die eine oder andere Netznutzer wird auch sagen: “Klar, kann ich so unterschreiben. Im Grunde selbstverständlich. Traurig, aber da draußen gibt es viele, die es noch nicht kapiert haben.” Genau darum geht es.
Tagcloud (Quelle: smartondemand.de)Tagcloud gefunden bei smartondemand.de

Sehr gelungen finde ich übrigens Maiks Söhlers Kommentar in der Netzeitung, auch wenn er sich stellvertretend fragt:

Hat da einer was gesagt? Im Feuilleton der «FAZ», der «Süddeutschen», des «Spiegel» stand doch gar kein Manifest? Kein Mitarbeiter kann die Aufzeichnung des dreiminütigen Interviews mit Sascha Lobo in den Tagesthemen vom Montagabend vorlegen, niemand hat die Statements von Markus Beckedahl in der Sondersendung von Deutschlandradio Kultur mitgeschnitten. Und auch am Donnerstag in der «Zeit» findet der Offline-Verantwortliche vermutlich nichts, was seine bisherige Einschätzung der Medienkrise erschüttern könnte. Es gibt da nur diesen komischen Link, den einige jüngere Mitarbeiter gerade so oft herumschicken.

Wäre das Manifest als FAZ-Leitartikel erschienen, wäre das auch ziemlich scheel gewesen. Und dass es nicht in ein Print-Feuilleton schafft, ist noch nicht gesagt.

Immerhin gibt es schon eine englische, rumänische, finnische und spanische Übersetzung (eine niederländische Kurzfassung habe ich auch noch irgendwo gesehen).

Update, 11.09.2009: Neben weiteren Sprachversionen gibt es auch einen Beipack-Zettel von Mit-Autor Stefan Niggemeier.

“Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.”

Von Fiete Stegers am 7. September 2009


Internet | Foto: Fiete Stegers
Auch ohne oder trotz Sachkenntnis kannt man ja heutzutage Erklärungen in die Welt posaunen oder fromme Wünsche formulieren oder forsche Forderungen aufstellen. Wir haben versucht, Sachkenntnis einfließen zu lassen. Auch wenn wir uns an manchen Stellen nicht einigen konnten und andererorts auf abwägendes Einerseits-Andererseits zugunsten der Thesenhaftigkeit der große Linie mit dem griffigen Kürzel Internet-Manifest verzichtet wurde.

1. Das Internet ist anders.
Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln - das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

Formuliert und unterzeichnet haben diese und 16 weitere Behauptungen zum Journalismus im Internet-Zeitalter Johnny Haeusler, Thomas Knüwer, Stefan Niggemeier, Mario Sixtus u. a.

Update:
Da der Internet-Manifest-Server auch ohne Link von Heise oder SpOn schon ächzt, gibt es gesamte Manifest jetzt auch hier.


Update, 08.09.2009:
Internet-Manifest, ein Beitrag zur Diskussion

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Auf gutem Weg: Nachrichten.de, erster Eindruck

Von Thomas Mrazek am 4. September 2009

Nachrichten.de, das automatisierte Nachrichtenportal der Tomorrow Focus AG steht in den Fußstapfen. Ich habe es aus Zeitgründen bisher nur sehr kurz testen können, aber einen ersten spontanen Eindruck möchte ich doch äußern: das gefällt mir - übersichtlich, “intelligent”.

Allerdings treten beim ersten spontanen Testen auch “Kinderkrankheiten” auf, derentwegen man sich anfangs über Google News lustig machte (siehe hierzu Beitrag “Google sei mit uns”, 2005): So wundert es mich etwa, dass die Aufmacher der Sportseite alle vom “Albboten” (kennt den jemand?) stammen. Bei einschlägigen Testsuchen geht man mitunter leer aus. Angenehm fällt auf, dass das Ganze von Anfang mit journalistischem Hintergrund aufgebaut wurde. Im Gegensatz zu Google News mutet Nachrichten.de optisch sehr angenehm an, positiv zu erwähnen ist auch, dass alle Quellen aufgeführt werden. Kurzes Fazit: Das könnte etwas - zumindest eine ernsthafte Konkurrenz für Google News - werden. Allein zum Ergänzen journalistischer Recherchen könnte Nachrichten.de taugen, das ist freilich zu wenig, es muss für einen Massenmarkt taugen.

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Sueddeutsche.de: Paid Content durch die Hintertür?

Von Thomas Mrazek am 2. September 2009

Turi2 schreibt in seiner Abendausgabe: ”

Süddeutsche im Web mit Paid Content: Ausgewählte Zeitungsartikel erscheinen online nur noch als Snippet mit Weiterlesen-Button, der ganze Text kostet dann bis zu zwei Euro.”

Das beruhe auf eigenen Beobachtungen, heißt es weiter, als Beispiel wird dieses Interview genannt.

Das vorliegende Beispiel halte ich nicht für der Weisheit letzten Schluß. Warum? Wie kommt sich ein Leser vor, der bei Lektüre eines spannenden Textes ohne Vorwarnung an dieser Zahlschranke landet? Und selbst wenn ich vor Anwählen des Artikels deutlich darauf hingewiesen werde, dass es sich nur um einen Textausschnitt handelt, werde ich spätestens auf der unbequemen Archivseite stoppen: 2 Euro beträgt der Obulus für diesen Artikel, Nutzungsdauer 24 Stunden. Aber es wäre jetzt müßig, hier weiter im Nebel zu stochern. Wir haben per E-Mail bei Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs nachgefragt, was die Münchner da planen.

Handfesteres zum Thema bietet Fudder-Projektleiter Markus Hofmann in seinem Gastbeitrag “Paid Content - Mein Déjà-vu-Erlebnis” im Jepblog der Axel-Springer-Akademie.

Nachtrag 03.09.09: Antwort von Hans-Jürgen Jakobs

“Wir sind im Moment noch mitten in der Diskussion über die Einführung von Paid-Content-Angeboten. Weitere Schritte werden in der zweiten Monatshälfte besprochen. (…)

Im Gegensatz zu vielen anderen Häusern sind ältere SZ-Artikel kostenpflichtig. Es gibt ein funktionierendes E-Paper-Angebot, das wir ausbauen werden. Wenn wir en bloc Teile der SZ anbieten, betrachten wir das als E-Paper-ähnlich und verlangen Geld dafür, was womöglich Aggregatoren wie turi 2.0 ärgert.”

Nachtrag, 07.09.09
Jakblog, Christian Jakubetz beschäftigt sich auch mit dem Thema: “Lieber erst mal den Kunden beschimpfen…”

„Warum sollte ausgerechnet Spiegel Online Vorreiter sein?“

Von Gastautor(in) am 31. August 2009

ruediger_ditz_spiegel_onlineSpiegel Online-Chefredakteur Rüdiger Ditz spricht in unserem Interview über das angeblich nahe Ende der Gratiskultur im Internet.

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Heddesheimblog: Seinen Job lieben und die Leser ernst nehmen

Von Thomas Mrazek am 23. Juli 2009

screenshot_heddesheimblog

Der Journalist Hardy Prothmann betreibt seit April das Heddesheimblog. Hardy Prothmann ist überzeugt, dass diese Form des Regionaljournalismus eine Zukunft hat. Wir haben mit ihm gesprochen.

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Zeitungskrise? Nicht bei uns!

Von Gastautor(in) am 10. Juli 2009

Alte Zeitung | Foto: just.Luc unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de
Foto: just.Luc unter Creative Commons

Gastbeitrag von Peter Schumacher

Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger erklärt uns in dieser Pressemitteilung, warum in Deutschland eine Zeitungskrise wie in den USA quasi undenkbar ist:

Anders als in den USA seien die Zeitungen in Deutschland sehr gut aufgestellt. Ein Grund sei die enge Bindung zu ihrem Publikum, die im Lokalen besonders ausgeprägt sei. Dazu gehöre außerdem ein Vertriebssystem, das mit der Zeitungszustellung bis zur Haustür weltweit beispielhaft sei. In Deutschland würden die besten Zeitungen der Welt gemacht und im Unterschied zu den USA und vielen anderen Ländern gelte hier nicht der ausschließlich renditeorientierte Shareholder value. Die deutsche Zeitungs­branche sei mittelständisch geprägt. An der Spitze stünden Verleger mit publizistischem und unternehmerischem Anspruch.


Peter Schumacher
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Medienwissenschaft an der Universität Trier.

Nachtrag 12.07.09
Christian Jakubetz nimmt sich auch noch mal des Themas an: “Die Zeitung, die gute und edle”.

Weitere Links
Vor zwei Jahren war bei uns der “Qualitätsjournalismus” auf ähnliche Art und Weise auf dem Prüfstand: “Hans-Jürgen Jakobs und der “Journalismus in Gefahr” - ein Nachdenkstück zum Mitklicken”.

Regionalportale: Carta ruft Sieg an der “Heimatfront” aus

Von Fiete Stegers am 7. Juli 2009

Die Hypothese ist knackig, die Headline nicht nur krawallig, sondern ein ziemlicher Griff ins Klo: “Neues von der Heimatfront” ist ein Artikel von Wolfgang Michal überschrieben, in dem er postuliert: “Das nächste große Ding im Internet könnten regionale Online-Magazine sein, die von freien (und frei gesetzten) Lokal-Journalisten gemacht werden.”

Wirkliche Fakten zur Unterfütterung, warum gerade jetzt selbstgemachte Regionalportale auftrumpfen sollen, liefert Michal allerdings nicht. Sind die Eintrittshürden von Low- oder No-Budget-Websites heutzutage noch geringer als vor einigen Jahren? Mit Sicherheit. Ist die Unzufriedenheit des Publikums mit den traditionellen regionalen medialen Platzhirschen noch gewachsen? Vielleicht. Sind deshalb weniger inhaltlich-organisatorischer Aufwand und Ausdauer erforderlich, wenn man eine Plattform anbieten möchte, die nicht nur für ein Nischenpublikum interessant ist und nicht ausschließlich auf unentgeltliche Beiträge von Bürgerjournalisten setzt? Wohl kaum. Ist mit einem warmen Werberegen für jeden zu rechnen, der sein regionales Blog mehr als nur sporadisch aktualisiert? Im Moment keinesfalls.

Wir werden die Entwicklung aber weiter aufmerksam verfolgen und sind gespannt, ob Michal seine These noch untermauern kann.

Weitere Links
bei onlinejournalismus.de:

im übrigen Internet: