Archivierte Einträge für Design

AR im SZ-Magazin: Spielerische Avantgarde

Als ich heute morgen das “SZ-Magazin” in die Hand nahm, rätselte ich zuerst, wer auf dem Cover sein Gesicht hinter seinen Händen verbarg, tippte dann aber doch bald auf Sandra Maischberger. Doch das zweite Rätsel folgte sogleich: “Dieses Heft lebt”, suggerierte ein eingekreistes Plus-Zeichen. Also blätterte ich wie geheißen auf Seite 27 und erfuhr vom Augmented Reality-Experiment des SZ-Magazins.”Augmented Reality” (AR) heißt so viel wie “angereicherte Realität” oder “erweiterte Wirklichkeit.” Man richtet seine Handykamera auf einen realen Gegenstand und wenn der im Kanal einer Smartphone-App wie Layar oder Junaio hinterlegt ist, werden auf dem Display weiterführende Informationen zu dem Objekt angezeigt.Sehen wir uns das am Beispiel des “SZ-Magazins” an: Ich habe mir die Junaio-App auf mein IPhone geladen und den Channel SZ-Magazin ausgewählt. Wenn ich nun mein Smartphone auf das Cover halte, erscheint über dem mit Händen verborgenen Gesicht eine Video-Play-Taste. Wer draufdrückt, sieht ein wenige Sekunden langes Video (ohne Ton), in dem die Hände zur Seite genommen werden und das Antlitz von Sandra Maischberger erscheint. Nett, aber noch nicht der Knaller.Lena Meyer-Landrat-Augmented Reality-SZMagazinDas zweite “Plus”-Zeichen findet sich beim “Sagen Sie jetzt nichts” mit Lena Meyer-Landrut. Hier werden Sprech-, nein Gedankenblasen sichtbar, die visualisieren sollen, was Lena sich bei den Fragen gedacht hat. “Ein ganz klares Nööp” zum Beispiel auf die Frage, ob wir Lena durchschauen. Sieht gut aus, gibt dem Ganzen aber eine comic-hafte Anmutung, vor allem aber konterkariert es die Idee des “Sagen Sie jetzt nichts”, die ja auf Mimik und Gestik der Interviewten beruht.Spielerei ohne MehrwertEs tauchen noch drei weitere AR-Elemente auf: ein Garmischer Bauer, der auf einmal einen Parkplatz voller Autos auf seiner grünen Wiese hat, die Auflösung des Rätsels “Das Kreuz mit den Worten” und eine Animation zur Hacke-Kolumne “Das Beste aus aller Welt”. In allen fünf Fällen bleibt aber der Eindruck: eine nette, schön anzusehende Spielerei, aber wo bitte bleibt jetzt der Mehrwert der AR-Erweiterung? Was bringt mir das außer einem – allerdings sehr kurzen – Moment der Unterhaltung? Dem “SZ-Magazin” bringt es die Erwähnung, die erste deutsche Print-Redaktion gewesen zu sein, die sich an Augmented Reality versucht hat. Das ist schon mal was, da waren die Münchner mal wieder Avantgarde. Spielerische Avantgarde. Bei aller inhaltlicher Kritik muss man aber auch sagen: Sie haben es wenigstens mal ausprobiert, sie haben Mut zum Experiment bewiesen. Und der ist in der deutschen Zeitungslandschaft ja nicht besonders stark ausgeprägt.P.S.: Gut gemacht ist die crossmediale Aufbereitung des AR-Experiments. Die Erklärseite des Magazins verweist auf die Homepage, wo ein Demo-Video zu sehen ist – für alle, die kein Smartphone haben.Update: Ich möchte noch zwei Links zum Thema AR nachreichen: 6+ Anwendungsmöglichkeiten für Augmented Reality für journalistische Zwecke bei KoopTech und den Augmented Reality-Beitrag des “Elektrischen Reporters”.

Relaunch bei Focus und Frankfurter Rundschau

Focus und Frankfurter Rundschau haben ihre Websites relauncht. Die FR erklärt ausführlich, was nun anders ist, der Focus sogar sehr ausführlich. Erste Eindrücke:

Die FR-Homepage wirkt deutlich bunter als Focus.de. Viel grün – aber trotzdem nicht gerade unverwechselbar. Blassgraue Schrift auf Weiß – da sollte nachgebessert werden.

Die Focus-Homepage wirkt im oberen Teil sehr elegant und aufgeräumt und bietet Platz für ein großes Titelbanner. Sobald man allerdings über die Top-Meldungen hinweg nach unten die Ressorts scrollt, sieht man, dass die Focus-Designer hier vor dem selben Problem wie andere Sites standen: “Das muss auch noch auf die Startseite.”

Der “schlanke Seitenkopf”, den der Focus extra hervorhebt, wird leider durch das massive Werbebanner konterkariert. Bei kleineren Bildschirmauflösungen bleibt da nicht viel vom Inhalt im Blickfeld (auch wenn das ebenso bei anderen Websites auftritt). Andersherum werden iPad-Nutzer auf die Mobil-Version der Website umgeleitet, die sich auf dem Tablet-Bildschirm auch nicht so gut macht.

Screenshot Focus.de 1024×768px

Screenshot Focus.de 800×600px

Auf den Artikelseiten übernimmt Focus Online das von Spiegel Online bekannte Muster, in der linken Spalte verwandte Inhalte anzubieten und rechts andere Angebote zu bewerben – gefällt mir hier gut. Die FR setzt neben den Artikel rechts einen Kasten mit Meta-Daten – bekannt etwa von Zeit Online.

Die Nutzerkommentare sind bei beiden Sites bisher positiver als beim jüngsten Relaunch von BBC News.

(wird evtl. noch ergänzt)

Relaunch der BBC-News-Website

news.bbc.co.uk hat den angekündigten Relaunch erfahren. Die Site ist – natürlich – in die Breite gegangen. Die Schriftstile sind entsprechend größer, die einzelnen Elemente ebenfalls. Auf die “Low graphics”-Version wird ganz verzichtet, dafür gibt’s größere Bilder und mehr (integrierte) Videos. Abschied vom kleinteiligen Späte-90er-Feel also. Aber mir ging’s wie mehreren Kollegen, die sich im Gespräch oder auf Twitter äußerten: Wirklich einschneidende Veränderungen oder gar einen ganz großen Wurf, der andere erblassen lässt, kann ich auf Anhieb nicht erkennen. Total unaufgeräumt wirkt auf mich der untere Teil von Beitragsseiten, in dem sich diverse verwandte Inhalte befinden, die früher teilweise in der rechten Spalte angeführt wurden.

Im BBC-Blog The Editors, das schon die Vorbreitung des Relaunchs begleitete, werden die Neuerungen ausführlich erläutert. Dazu gehört laut FAQ auch die Integration des Facebook-Like-Buttons. Die Kommentare der Nutzer, die sich im Blog zu Wort melden, sind überwiegend negativ – auch im Vergleich zu anderen Relaunchs.


Weitere Links

  • Guardian The BBC News redesign: Hot, or not?

BBC: Transparenz beim Relaunch


Bei der BBC gibt es derzeit – vermutlich unabhängig von den aktuellen Plänen zu Umorganisation und Einsparungen auch im Online-Bereich – Vorbereitungen für einen umfassenden Relaunch. Dieser wird schon seit längerem durch Blog-Einträge begleitet, die einen Blick in die Werkstatt auf bereits präsentable Änderungen erlauben. So wurde kürzlich die neue Basis-Gestaltungssprache vorgestellt und erläutert. Nun widmet sich ein Eintrag der Umgestaltung der Startseite des Gesamtangebots, die in einer Beta-Version bereits online zu sehen ist.

Nachrichten.de: Rätselhafter Bildbeschnitt und anderer Nachholbedarf

Screenshot nachrichten.de
Kollege Thomas Mrazek sah nachrichten.de in der Beta-Phase „auf gutem Wege“. Die Macher freuen sich im Begleitblog nun über „Überwältigende Trafficzahlen, erfreuliches Feedback“.

Mir fallen mir nach ein paar Tage sporadischer Beobachtung des neuen Nachrichtenaggregators aus dem Haus Burda eher die Stellen auf, wo es noch Nachholbedarf ist. Seltsamkeiten des Automatismus gibt und gab es bei bei Google News natürlich auch – aber dort hatte vorher auch nicht ein Verleger kräftig gepoltert … Ein paar Notizen zu Nachrichten.de Weiterlesen…

Eine neue Zeit Online

Zeit Online Relaunch - Banner [M]

Anderthalb Jahre nach dem letzten Relaunch und kein halbes Jahr nach zarten Veränderungen im April 2009 legt das Team von Chefredakteur Wolfgang Blau bei Zeit Online am Samstag einen größeren Hebel um. Der zusammen mit der Agentur Information Architects (Schweiz/Japan) entwickelte Relaunch verschafft Zeit Online ein rundum moderneres Aussehen und erlaubt den Redakteuren hinter den Kulissen mehr Flexiblität beim Bauen der Seite. onlinejournalismus.de durfte zusammen mit anderen Medien schon mal einen Blick auf das neue Design werfen. Weiterlesen…

Rebrush bei Spiegel Online

Von SpOn vorab veröffentlichter ScreenshotFür heute Abend hat Spiegel Online einen Rebrush angekündigt – wie immer in der Vergangenheit geht man bei den Veränderungen am stilbildenden Layout zurückhaltend zu Werke (siehe Screenshot aus unserer Chronologie zu den ersten zehn Jahren des Onlinejournalismus.de von 2004). Wichtigste Änderungen laut Vorankündigung (mit Screenhots): Natürlich ein Schritt in die Breite, aber vor allem die Anordnung von weiterführenden Inhalten auf den Content-Seiten links der wieder in die Mitte gerückten Hauptspalte. Begründung: Am bisherigen Platz rechts würden sie übersehen.


Im Forum dürfen die Spiegel-Online-Nutzer ihre Meinung sagen. Die Eindrücke unserer Leser interessieren uns auch – bitte in den Kommentaren.

Update: Irgendwann so um 18 Uhr herum wurde der Hebel umgelegt. Bei Twitter diskutiert man sich unter den Hashtags #spon und #sponneu auch vor allem über Spaltenverlagerung und Breite und ärgert sich über nicht funktionierende Videos. Spiegel Online hat Teile der Nutzerdiskussion vorbildlich integriert und spielt Posts mit “#sponneu” und Facebook-Kommentare auch auf seiner eigenen Seite aus.

Weitere Links

Bühne frei für neues stern.de

Eine sehr große Bühne für den Aufmacher, Mut zu Weißraum, im oberen Teil der Startseite nur zwei statt drei Spalten – optisch gefällt mir stern.de nach dem Relaunch sehr gut. “Wir haben uns frisch gemacht”, schreibt Chefredakteur Frank Thomsen – recht hat er. Wie es mit der Usability aussieht, kann ich noch nicht beurteilen.

Dirk von Gehlen (jetzt.de) hält die umgekehrt chronologische Sortierung der Nutzer-Kommentare für einen Fehler. Dem Designtagebuch gefällt unter anderem die Abkehr von den Farbwelten: “Die erste Begehung macht Lust auf mehr. Die Bündelung der Ressorts auf der Startseite ist mein persönlicher Favorit. Einige Details müssten noch feinabgestimmt werden.”

Thomsen hegt mit stern.de auf jeden Fall (wieder einmal) große Pläne, wie Kress berichtete. Ein neuer Anstrich allein wird dafür freilich nicht reichen.

Schaffrinna zu Madsack

Achim Schaffrinna, Betreiber des für den Grimme Online Award nominierten (und sehr empfehlenswerten) Blogs Design Tagebuch ist zur Verlagsgruppe Madsack gewechselt. Als Designchef von Madsack Online betreut er dort nun die digitalen Angebote wie haz.de und neuepresse.de.

Auch alles licht und grau bei n-tv

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n-tv hat eine neue Website. Die Versprechen: mehr Nutzerfreundlichkeit, ein modernes Äußeres und optische Verzahnung mit dem Fernsehen. Und das Ergebnis? Weiterlesen…

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