Archivierte Einträge für Ereignisse

Protest aus dem Netz: völlig normal

Demonstranten in Frankfurt

Für einen richtigen Rant reicht es nicht. Schließlich bin ich als Journalist, der über Internet-Themen berichtet, zum Teil selbst mit schuld. Aber es ärgert mich schon, wie sehr anlässlich der Menschen, die heute als Teil der nach Deutschland schwappenden “Occupy Wall Street”-Bewegung auf die Straße gehen, in der Berichterstattung der allgemeinen Publikumsmedien ein Aspekt betont wird: dass die inhomogene Menschenmenge, die da mit mehr oder weniger inhomogenen Zielen und Forderungen zusammenfindet, sich über das Netz organisiert.

Ja, wie bitteschön, soll sie es denn sonst machen?

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Qualitätsjournalisten im Wiesnrausch

Bei welchem Online-Medium finden wohl derzeit auf der Startseite Themen wie z. B.:

Nein, der Bayerische Rundfunk ist es nicht. Außerdem im großen Special von sueddeutsche.de:  ein Liveblog zum Oktoberfest. Ach, so – einen Relaunch der gesamten Website gab es auch noch.

Online-Medien zur Explosion in Oslo

Onlinejournalist Alexander Svensson (NDR, Wortfeld) postet in seinem privaten Profil bei Google-Plus Updates zur Berichterstattung der norwegischen Online-Medien über die Explosion in Oslo. Ein Crosspost.

Was die norwegischen Medien in dieser Situation machen:

  • NRK weist auf den eigenen TV-Livestream hin und nutzt auf der Startseite eine Coveritlive-Chatbox.
  • VG hat ein wackliges Video seiner Reporterin und räumt auf der Startseite viel Platz für eine Frage-Antwort-Box, in der Nutzer Fragen stellen können.
  • Dagbladet: Die Hauptmeldung startet mit einem YouTube-Video (Oslo Explosion Aftermath.mp4)
  • TV2 benutzt ebenfalls Coveritlive.

Weitere Einträge von Alexander Svensson

(Hinweise auch gerne hier in den Kommentaren)

Liveticker-Leid bei stern.de

Ich bin ja durchaus ein Fan von Livetickern – aber will stern.de wirklich bis 2022 durchhalten?

Ankündigung Liveticker bei stern.de (Screenshot)

Weitere Links
bei onlinejournalismus.de

Online-Medien zur Katastrophe in Japan – Update

Screenshot: Vorher-Nachher-Vergleich im Slider bei ABC
Erst ein Erdbeben, dann ein Tsunami und nun ein drohendes, möglicherweise schon eingetretenes Atom-Desaster: Hinter den Online-Nachrichtenreaktionen liegen ereignisreiche Tage. Seit Freitag laufen die Liveticker quasi durchgehend. Nun ein paar weitere, willkürliche Schlaglichter zur Japan-Berichterstattung


(Dank für Tipps an C.R. und T. K.)

Erdbeben in Japan: Umschalten auf Live-Ticker

Eine Momentaufnahme: Gut zwei Stunden nach den ersten Eilmeldungen zum schweren Erbeben mit Tsunami in Japan haben etliche große Online-Medien für ihre Berichterstattung auf Liveticker umgestellt. So zum Beispiel Spiegel Online, sueddeutsche.de, FAZ.Net und Bild.de, Focus Online, inzwischen auch ZDF (heute.de) und ARD (tagesschau.de).

Die BBC bot zunächst ihren “nackten” Video-Livestream zum Erdbeben in Japan an. Mittlerweile hat sie ihr bewährtes Tool angeschmissen, das parallel Video-Livestream, einen Kasten mit „Key Facts“ und einen Ticker anbietet, in dem auch User-Reaktionen berücksichtigt werden (wegen der vorherigen Ägypten-Berichterstattung steht in der URL noch “middle-east”). Damit ist sie technisch den deutschen Medien wieder meilenweit voraus.

tagesschau.de überträgt den Livestream des japanischen Senders NHK English. Al Jazeera English bietet bisher hauptsächlich eine Textmeldung – die Fernsehliveberichterstattung wurde aber auf Twitter von mehreren Nutzern hoch gelobt.

Bei N24 findet sich online außer dem Livestream wenig. Auf N-TV.de setzt man vor allem auf große Bilder.

Update, 11:45 Uhr
Zeit Online hat die wichtigsten Internet-Quellen zum Erdbeben zusammengestellt.

Update, 16:41
Ein paar weitere Beobachtungen und Skurrilitäten: Alle Reaktionen haben schnell reagiert (die einen mehr, die anderen weniger) – was sicher auch am Zeitpunkt der Katastrophe lag. Nach den Großereignissen der vergangenen Wochen ist man in den Redaktionen die Berichterstattungen sicher auch mit größerer Routine angegangen. ARD und ZDF kam gleich zupass, dass man Korrespondenten aus Japan in die Morgensendungen schalten und online verwerteten konnte. Animationen und Hintergrundtexte zur Erdbeben hatten viele Redaktionen zu früheren Katastrophen erstellt und bereits auf Lager (z. B. BBC, ZDF).

CNN wies online prominent auf seine UGC-Subsite iReport hin. Dort waren auch bereits heute morgen mehrere Videos zu Erdbeben und Tsunami zu finden – skurrilerweise zunächst vor allem abgefilmte TV-Geräte, die die Berichterstattung der Fernsehsender zeigten. Wesentlich besser scheint es seitdem nicht geworden zu sein.

Bild.de bettete in seinen Bericht ein YouTube-Video unklaren Ursprungs ein, dass die Ausbreitung des Tsunamis mit abgefilten Seiten von Tsunami-Internet-Seiten illustrierte. Inzwischen ist es statt 300 Mal am Morgen mehr als 26.000 Mal abgerufen worden.

Spiegel Online hat seinen Ticker um eine Liste von Tweets zum Thema erweitert. Geplegt wird sie manuell: “Mit Mühe, händisch, Twittersuche, lesen, einordnen, entscheiden.”

Update 14.03.2011 hier

Weitere Links

Mapping a Revolution

Screenshot New York Times

Die New York Times hatte bereits in den ersten Tagen des Protests gegen Ägyptens Präsident Mubaraks Visualisierungen dazu erstellt. Zunächst eine Überblickskarte mit den Schauplätze in Ägypten und der Kairoer Innenstadt (28. Januar), dann eine bei onlinejournalismus.de bereits besprochene, Satellitenfoto-Übersicht von Kairo. Diese wurde nachträglich um eine Auswahlmöglichkeit nach Tagen ergänzt (“Mapping the Protests, day by day”), die aber meiner Meinung nach für den User nicht ganz so deutlich war.

Nach dem Sturz Mubaraks hat man nachgelegt und – wohl auf dieser Basis – eine mit einem Zeitstrahl kombinierte Visualisierung der komplexen Ereignisse erarbeitet. Je nach ausgewählten Tag wechselt die Kartenperspektive. Unterhalb der Karte werden dazu ergänzend passende Inhalte von nytimes.com angeboten – also kein abgeschlossenes Flash-Ghetto.

Die BBC bietet ein interaktives Foto des Tahrir-Platzes, das erläutert, was sich auf dem Zeltplatz der Demonstranten wo befand – vom der provisorischen Apotheke über den Kindergarten bis zum Flaggenshop.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de:

… im übrigen Internet:

Bild.de: “Nix online auf keinen Fall”

Drei Tage alt, aber ein nahezu klassisches Beispiel: Bildblog dokumentiert, wie Bild.de als erstes mit dem Toten sprach Medium den Rücktritt Mubaraks verkündigte – mit einem vorab vorbereiteten, aber am Donnerstagabend leider nicht zutreffenden Bericht: Der Rücktritt vom Rücktritt.

Prozessjournalismus und Ägypten: Deutschsprachige Onlinemedien enttäuschen

Von Lorenz Matzat

Was Spiegel-Online und Welt-Online in ihren Live- oder Nachtichtentickern bringen, ist in der Ignoranz des Potentials von Onlinejournalismus mehr als befremdend. Es drückt sich aber auch schon in den Begrifflichkeiten aus: Das Wort Live-Blog wird vermieden. Beide Websites, nach Bild-Online die Meistgelesenen – setzen im Jahr 2011 kein einziges Link auf Quellen außerhalb ihres eigenen Angebots.

Soziale Medienkanäle, wie Twitter, YouTube oder Flickr werden gänzlich ignoriert. Nur klassische Nachrichtenagenturen und etablierte Sender wie die BBC gelten als verlässliche Quellen. Insofern spielt es für die deutschsprachige Onlineberichterstattung eigentlich überhaupt keine Rolle, dass in Ägypten das Internet durch die Regierung abgeschaltet wurde
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Erster Deutscher Webvideopreis

Von den acht Kategorien des Deutschen Webvideopreises finde ich eine besonders spannend: Dokumentation.

Die Jury ist auf der Suche nach Werken, die ausschließlich für das Web und in deutscher Sprache produziert wurden. Bis zum 1. Februar früh morgens können Vorschläge eingereicht werden. Die Verleihung findet dann am 20. Februar um 20 Uhr in Essen statt.

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