Alle Beiträge der Kategorie 'Ereignisse'

Alles zum Blumenkübel

Von Fiete Stegers am 6. August 2010

Ein zerstörter Blumenkübel sorgte im Münsterland für Aufregung - und einen guten Tag lang für noch mehr bei diversen Twitterern, Bloggern usw.

Was das über Internet-Phänome und Lokaljournalismus sagt und welche Auswirkungen die unerwartete Prominenz auf die Zugriffszahlen der Münsterschen Zeitung hatte, haben schon andere aufgeschrieben:

Das Gute an der Sache: Inzwischen wurden den Betroffenen Ersatz für den Blumenkübel gespendet.

WDR-Streetview vom A40-Picknick

Von Fiete Stegers am 18. Juli 2010

Die A40, die geliebt-gehasste Verkehrsschlagader quer durchs Ruhrgebiet, ist heute auf 60 Kilometer Länge gesperrt. Zwischen Duisburg und Dortmund findet stattdessen das vermutlich größte Picknick der Welt statt - eine Aktion im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Wer wie ich nicht dabei ist, kann sich die Strecke aber (bereits seit einigen Tagen) in einer Art Streetview-Special auf WDR.de ansehen.

Screenshot “360-Grad-Still-Leben Ruhrschnellweg” bei WDR.de

Das aus 1500 Panorama-Fotos zusammengefügte Special zeigt die Strecke zunächst im Normalzustand. Es lässt sich nach Autobahn-Ausfahrten und den (von den Organisatoren zugeteilten) Nummern der 20.000 Picknicktische durchsuchen. Hotspots markieren interessante Punkte entlang der Strecke, bereits vorhandene WDR-Berichte und externe Links.

Der Mammut-Akt steht der Redaktion aber erst noch bevor: Ab Sonntagabend sollen nach und nach rund 10.000 Fotos vom Tag der Aktion eingebaut - so dass ein Vorher-/Nachher-Vergleich möglich ist.

Hinweise auf weitere interessante Links zum “Still-Leben A40″ gerne in den Kommentaren.

[Ich bin ARD-Mitarbeiter und habe für WDR.de gearbeitet.]

Gegen BP - für Gauck

Von Fiete Stegers am 7. Juni 2010

Ein leicht knollennasiger älterer Herr aus dem Osten ist zum Liebling von Leuten geworden, die sich ansonsten eher für Mate oder Ipads interessieren - stark vereinfacht gesagt. Aber von vorn:

In der letzten Woche geisterten einige Links durchs Web, die sich mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beschäftigten. Nicht nur mein Favorit: “If it was my home” projiziert die Größe der Verseuchung dank Google Maps auf eine beliebige Erdregion. Warum ist auf so etwas keine Online-Redaktion gekommen?

Weitere interessante Links, die eher in Richtung Aktivismus als Journalismus gehen und sich gegen den Verursacher der Ölpest wenden, hat Netzpolitik gesammelt: “Remix BP“.

Positiv versuchen hingegen in den letzten Tagen Unterstützer der Bundespräsidenten-Kandidatur von Joachim Gauck, die nicht in den Redaktionen von “Spiegel” oder “Bild am Sonntag” sitzen, ihrem Kandidaten Rückenwind im deutschprachigen Netz zu verschaffen. Nicht nur in den Online-Umfragen großer Sites - egal ob Bild.de oder heute.de - dominiert Gauck klar vor Wulff: Websites wie “Wir für Gauck” oder “Mein Präsident” zeigen, was mit minimalem oder ein wenig mehr Aufwand in Windeseile mit frei zugänglichen Social-Media-Tools zusammengebastelt werden kann. Das Pottblog bietet eine “Gauck-Ecke” zum Einbau in die eigene Website an. Die Webevangelisten sammeln Pro-Gauck-Tweets und bauen daraus ein Mosaik von mehr als 2.500 Unterstützern. Und die etablierten Medien thematisieren die Pro-Gauck-Welle auch schon - zuerst anscheinend Der Westen (ausgerechnet!), spätestens morgen dann sicher auch Spiegel Online.

Schließlich bringt es unter den diversen Pro-Gauck-Bekundungen auf Facebook eine Gruppe bereits auf mehr als 10.000 Mitglieder. Interimspräsident Jens Böhrnsen kann hingegen auf Facebook - soweit ich das sehe - nur auf etwas über 300 Freunde zählen. Immerhin sind das schon deutlich mehr als seine 24 Kumpane am Montag letzter Woche.
Jens Böhrnsen bei Facebook, Screenshot vom 31.05.2010

Update, 08.06.2010

q.e.d. - ein SpOn-Artikel

Weitere Links
… im Internet:

  • Das Altpapier fragt “What about the Gauck-Euphorie? Spannend an der Horst-Köhler-Nachfolge-Frage bleibt aus medialer Sicht, ob und wie es den Medien gelingt, die Gegenkandidat-Trunkenheit vom Wochenende (Altpapier von gestern) hochzuhalten.”

taz-Erfolg mit Live-Ticker

Von Fiete Stegers am 6. Mai 2010

Im Redaktionsblog der taz freut sich Sebastian Heiser:

Neuer Rekord: Dank unseres Live-Tickers rund um den 1. Mai haben wir an diesem Tag 665.018 Seitenaufrufe auf taz.de gezählt. Am dem Tag gab es 158.602 Visits, jeder Besucher hat also 4,2 Seiten aufgerufen (beziehungsweise die Seite mit dem Ticker mehrfach aktualisiert). Den bisherigen Spitzenwert hatten wir mit 611.699 Seitenaufrufen am 28. September 2009 – einen Tag nach der Bundestagswahl – erzielt.

Weitere Links

Brenders Fall: heute.de reagiert sofort und umfassend

Von Fiete Stegers am 27. November 2009

Gleich ein ganzes Special auf der Startseite trotz der heiklen Berichterstattung in eigener Sache - nicht schlecht!
heute.de: Bildmontage aus Screenshot

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Brandanschlag auf Ansbacher Schule: die örtliche Zeitung muss schweigen

Von Thomas Mrazek am 17. September 2009

Der Brandanschlag auf eine Schule im fränkischen Ansbach (40.000 Einwohner), bei dem ein 18-Jähriger Molotowcocktails zündete und mehrere Schüler verletzte, kursiert derzeit in allen Medien. Fast allen Medien: Ausgerechnet das örtliche Blatt, die “Fränkische Landeszeitung” (Druckauflage laut IVW II/2009 50.007) schweigt – vermutlich bis Freitagmorgen – beharrlich zu dem Vorfall.

Denn die Zeitung verweigert sich mehr oder weniger konsequent dem Internet. Wie lange sich die Zeitung dieses Exotendasein noch leisten will, weiß ich nicht, vor zwei Jahren fragte ich bei der Geschäftsleitung mal nach, die wollte sich allerdings nicht dazu äußern. Als Redakteur würde ich mich dort – nicht nur in der heutigen Ausnahmesituation – etwas unwohl fühlen.

Nachtrag 13.30 Uhr
Thomas Knüwer wundert sich auch über die “Fränkische Konsequenz”.

Zwiespalt beim Berliner Kurier

Von Fiete Stegers am 14. September 2009

Ist das “Prozessjournalismus”? Der “Berliner Kurier” berichtet über den Zwischenfall bei der “Freiheit statt Angst”-Demonstration am 12.9.2009, bei der - wie auf einem im Netz kursierenden Video zu sehen ist - ein Mann ohne ersichtlichen Grund von Polizisten verprügelt wird. Zunächst nimmt die Berichterstattung des “Berliner Kuriers” den Leser für den Verletzten ein:

Ein kleiner Mann im blauen Shirt will die Dienstnummer eines Polizisten, von dem er einen Platzverweis bekommen hatte. Er lässt nicht locker, die Lage eskaliert und ganz zufällig filmt jemand alles.

Das Video wird vom “Kurier” in den Artikel eingebunden. Und - vermutlich nachträglich - noch ein zweites, später bekannt gewordenes.

Merkwürdig nur: Drei Monate davor taucht derselbe Typ mit seinem Rad auf der Demo am Flughafen Tempelhof auf. Dort zeichnen mehrere Kameras auf, wie dieser Kerl eine blonde Polizistin mit seinem Rad attackiert. (bei 2.32 min)

Erstaunlich vor allem, wie sich der Tonfall des Artikels innerhalb weniger Absätze ändert.

Fernsehduell der Kanzlerkandidaten ohne Live-Stream

Von Fiete Stegers am 23. August 2009

Das von ARD, RTL, Sat 1 und ZDF am 13. September gemeinsam übertragene Fernsehduell der Kanzlerkandidaten bleibt eine reine TV-Veranstaltung. taz und Frankfurter Rundschau hatten schon darauf hingewiesen, vornehmlich mit Hinweis auf den wegen verweigerter Hörfunkrechte verärgerten Deutschlandfunk. Noch absurder ist es allerdings, dass es es - nach jetzigem Stand der Dinge - von keinem der beteilligten Sender eine Übertragung per Videolivestream ins Netz geben wird.

(mehr bei Dnews)

Update, 27.08.2009
(via Turi)

    Michael Jackson stirbt …

    Von Fiete Stegers am 26. Juni 2009

    … in Deutschland ist Nacht, und sueddeutsche.de ist im Vergleich zum Wettbewerb sehr, sehr langsam. Aber muss man daraus gleich eine Dachzeile machen?

    Screenshot sueddeutsche.de

    Update, 10:00 Uhr

    CNet berichtet über das Nachrichtenereignis im Web, Spiegel Online über das “Überlaufen” von Google News. Die Problem mit der Erreichbarkeit der L.A.-Times-Website traten bei mir nicht auf. Die L. A. Times berichtete als einer der ersten - in ihrem Newsblog. Außerdem bastelte sie rasch eine Google Maps (via the_claus).

    Die New York Times sammelte weltweite User-Reaktionen auf einer Weltkarte und nutzte zuvor ebenfalls ein Blog als Format zur Begleitung des Ereignisses. Daraus ein schöner Satz zum Abschluss, der auch der Anfang eines Roman sein könnte: “By mid-afternoon, television news helicopters were hovering above the medical center.”

    (Danke für Links an Marc und Claus)

    Iran im westlichen Web

    Von Fiete Stegers am 15. Juni 2009

    “Wenn ich auf Twitter lese, CNN berichte von Schüssen auf Demonstranten in Teheran und berufe sich dabei auf Twitter, ist irgendwas kaputt”, wunderte sich Mario Sixtus. Wie geht die westliche Webwelt sonst mit dem Protesten in der Blogger-Nation Iran um? Einige kurze Eindrücke:

    CNN verlinkt prominent auf Videos und Fotos seiner Nutzerplattform iReport, die auch schon “on CNN” im “richtigen” Programm zu sehen waren.

    Der Guardian, die Huffington Post und die New York Times folgen den Ereignissen in ständig aktualisierten Newsblogs, die auf eigene und fremde Inhalte verweisen.

    Screenshot BBCDie BBC bietet in ihrem umfangreichen Info-Paket auch von ihrer Abteilung “Have Your Say” angeforderte User-Kommentare und macht deutlich, wie sie der Diskussion im Web folgt (siehe Screenshot rechts):

    Twitter: HYS on Twitter
    We’re following #IranElection
    And #Iranvote
    Flickr: Iran feed


    Nachtrag:

    Carta folgert großspurig:

    Während man also im Iran von unten her (Bürgerjournalismus!) alles daran setzt, die aktuelle Lage ungefiltert im eigenen Land und international bekannt zu machen, verlieren unsere Leitmedien buchstäblich den Anschluss, weil ihre überholten Publikationsrhythmen sowie das Festhalten an unnötig bürokratischen Arbeitsprozessen sie einfach nicht mehr mitkommen lässt.

    Nüchterner ist die Analyse des “Lab” bei der Deutschen Welle, die von “Process Journalism” spricht.

    Wer sich für iranische Quellen interessiert: Mashable erklärt “HOW TO: Track Iran Election with Twitter and Social Media”. Die New York Times berichtet über die relevanten Websites (via Netzpolitik), ebenso Spiegel Online.

    Weitere Nachträge