Archivierte Einträge für Ereignisse

Brenders Fall: heute.de reagiert sofort und umfassend

Gleich ein ganzes Special auf der Startseite trotz der heiklen Berichterstattung in eigener Sache – nicht schlecht!
heute.de: Bildmontage aus Screenshot
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Brandanschlag auf Ansbacher Schule: die örtliche Zeitung muss schweigen

Der Brandanschlag auf eine Schule im fränkischen Ansbach (40.000 Einwohner), bei dem ein 18-Jähriger Molotowcocktails zündete und mehrere Schüler verletzte, kursiert derzeit in allen Medien. Fast allen Medien: Ausgerechnet das örtliche Blatt, die “Fränkische Landeszeitung” (Druckauflage laut IVW II/2009 50.007) schweigt – vermutlich bis Freitagmorgen – beharrlich zu dem Vorfall.

Denn die Zeitung verweigert sich mehr oder weniger konsequent dem Internet. Wie lange sich die Zeitung dieses Exotendasein noch leisten will, weiß ich nicht, vor zwei Jahren fragte ich bei der Geschäftsleitung mal nach, die wollte sich allerdings nicht dazu äußern. Als Redakteur würde ich mich dort – nicht nur in der heutigen Ausnahmesituation – etwas unwohl fühlen.

Nachtrag 13.30 Uhr
Thomas Knüwer wundert sich auch über die “Fränkische Konsequenz”.

Zwiespalt beim Berliner Kurier

Ist das “Prozessjournalismus”? Der “Berliner Kurier” berichtet über den Zwischenfall bei der “Freiheit statt Angst”-Demonstration am 12.9.2009, bei der – wie auf einem im Netz kursierenden Video zu sehen ist – ein Mann ohne ersichtlichen Grund von Polizisten verprügelt wird. Zunächst nimmt die Berichterstattung des “Berliner Kuriers” den Leser für den Verletzten ein:

Ein kleiner Mann im blauen Shirt will die Dienstnummer eines Polizisten, von dem er einen Platzverweis bekommen hatte. Er lässt nicht locker, die Lage eskaliert und ganz zufällig filmt jemand alles.

Das Video wird vom “Kurier” in den Artikel eingebunden. Und – vermutlich nachträglich – noch ein zweites, später bekannt gewordenes.

Merkwürdig nur: Drei Monate davor taucht derselbe Typ mit seinem Rad auf der Demo am Flughafen Tempelhof auf. Dort zeichnen mehrere Kameras auf, wie dieser Kerl eine blonde Polizistin mit seinem Rad attackiert. (bei 2.32 min)

Erstaunlich vor allem, wie sich der Tonfall des Artikels innerhalb weniger Absätze ändert.

Fernsehduell der Kanzlerkandidaten ohne Live-Stream

Das von ARD, RTL, Sat 1 und ZDF am 13. September gemeinsam übertragene Fernsehduell der Kanzlerkandidaten bleibt eine reine TV-Veranstaltung. taz und Frankfurter Rundschau hatten schon darauf hingewiesen, vornehmlich mit Hinweis auf den wegen verweigerter Hörfunkrechte verärgerten Deutschlandfunk. Noch absurder ist es allerdings, dass es es – nach jetzigem Stand der Dinge – von keinem der beteilligten Sender eine Übertragung per Videolivestream ins Netz geben wird.

(mehr bei Dnews)

Update, 27.08.2009
(via Turi)

    Michael Jackson stirbt …

    … in Deutschland ist Nacht, und sueddeutsche.de ist im Vergleich zum Wettbewerb sehr, sehr langsam. Aber muss man daraus gleich eine Dachzeile machen?

    Screenshot sueddeutsche.de

    Update, 10:00 Uhr

    CNet berichtet über das Nachrichtenereignis im Web, Spiegel Online über das “Überlaufen” von Google News. Die Problem mit der Erreichbarkeit der L.A.-Times-Website traten bei mir nicht auf. Die L. A. Times berichtete als einer der ersten – in ihrem Newsblog. Außerdem bastelte sie rasch eine Google Maps (via the_claus).

    Die New York Times sammelte weltweite User-Reaktionen auf einer Weltkarte und nutzte zuvor ebenfalls ein Blog als Format zur Begleitung des Ereignisses. Daraus ein schöner Satz zum Abschluss, der auch der Anfang eines Roman sein könnte: “By mid-afternoon, television news helicopters were hovering above the medical center.”

    (Danke für Links an Marc und Claus)

    Iran im westlichen Web

    “Wenn ich auf Twitter lese, CNN berichte von Schüssen auf Demonstranten in Teheran und berufe sich dabei auf Twitter, ist irgendwas kaputt”, wunderte sich Mario Sixtus. Wie geht die westliche Webwelt sonst mit dem Protesten in der Blogger-Nation Iran um? Einige kurze Eindrücke:

    CNN verlinkt prominent auf Videos und Fotos seiner Nutzerplattform iReport, die auch schon “on CNN” im “richtigen” Programm zu sehen waren.

    Der Guardian, die Huffington Post und die New York Times folgen den Ereignissen in ständig aktualisierten Newsblogs, die auf eigene und fremde Inhalte verweisen.

    Screenshot BBCDie BBC bietet in ihrem umfangreichen Info-Paket auch von ihrer Abteilung “Have Your Say” angeforderte User-Kommentare und macht deutlich, wie sie der Diskussion im Web folgt (siehe Screenshot rechts):

    Twitter: HYS on Twitter
    We’re following #IranElection
    And #Iranvote
    Flickr: Iran feed


    Nachtrag:

    Carta folgert großspurig:

    Während man also im Iran von unten her (Bürgerjournalismus!) alles daran setzt, die aktuelle Lage ungefiltert im eigenen Land und international bekannt zu machen, verlieren unsere Leitmedien buchstäblich den Anschluss, weil ihre überholten Publikationsrhythmen sowie das Festhalten an unnötig bürokratischen Arbeitsprozessen sie einfach nicht mehr mitkommen lässt.

    Nüchterner ist die Analyse des “Lab” bei der Deutschen Welle, die von “Process Journalism” spricht.

    Wer sich für iranische Quellen interessiert: Mashable erklärt “HOW TO: Track Iran Election with Twitter and Social Media”. Die New York Times berichtet über die relevanten Websites (via Netzpolitik), ebenso Spiegel Online.

    Weitere Nachträge

    Konferenz-Twitterei: Was bringt’s?

    Nein, ich habe es noch nie getan, von einer Konferenz zu twittern und habe es auch nicht vor. Ich rezipiere solche Beiträge zumeist sporadisch. Allerdings frage ich mich zunehmend nach dem Sinn und Unsinn solchen Publizierens – wem bringt das was? Den Twitternden selbst, den Teilnehmern, den Lesern im Lande an den Empfangsgeräten; den Veranstaltern, den Akteuren (Menschen, Marken), deren Namen immer wieder kursieren, den Anbietern von Mobilgeräten? Ist es nur noch mehr Rauschen?

    gckl schrieb bei Twitter eine gute Antwort: “Das Kongressgezwitscher scheint ein diffuses Zugehörigkeitsgefühl zu fördern.” Geben Sie auch Ihre 140 Zeichen oder gerne mehr hinzu …

    Aktuelle Beispiele: #next09 oder hier: Medientreffpunkt.

    Das Thema wäre übrigens auch ein – wie ich finde – dankbarer Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit.

    Mehr zu Twitter hier bei Onlinejournalismus.de und bei Delicious.

    Spektakuläre Bilder – die man zeigen muss?

    Im Blog Coffee&TV läuft eine Debatte über den Umgang mit den – ja – spektakulären Bildern, die zeigen, wie ein Autofahrer bei der Koniginnendag-Parade in Apeldoorn in die Menge der Schaulustigen rast.

    Für Blogautor Lukas Heinser sind die Aufnahmen, die viele deutsche Online-Medien zeigen, zuviel (Opfer am Boden, Erste-Hilfemaßnahme). Andererseits gibt es das ungeheuer eindrucksvolles Motiv, das zeigt, wie schnell Schrecken und Tod über die Wartenden hereinbrachen: Es zeigt zwei Menschen, die vom Auto beiseite geschleudert werden, während wenige Meter entfernt noch ein Polizist in nichtsahnender Haltung da steht, hinter ihm in der der Menge aber die ersten Menschen bereits zu reagieren beginnen. Das ist mit Sicherheit ein Foto, das bei den nächsten Presse-Preisen ausgezeichnet werden wird.

    stern.de und bild.de veröffentlichen allerdings auch die Aufnahmen aus den Sekundenbruchteilen davor, die noch die durch die Luft wirbelnden Opfer zeigen – hier irgendwo verläuft die Grenze, die Focus Online mit einer Aufnahme des schwerverletzten (verpixtelten) Fahrers mit verdrehtem Kopf im Autowrack meiner Meinung nach überschreitet.

    Zum Abschluss noch zwei Beobachtungen zu den User-Kommentaren auf niederländischen Websites: Dort betrachteten viele User die sparsam veröffentlichten Bilder des Fahrers sehr genau, um zu erfahren, dass dieser offenbar eine weißer Niederländer mittleren Alters und nicht etwa ein vollbärtiger Araber Anfang 20 war. Auch das Kennzeichen des Fahrzeug wurde von mehreren Nutzern sofort über die öffentliche Registrierungsdatenbank überprüft, um festzustellen, dass der Suzuki ordnungsgemäß versichert und nicht gestohlen war.

    Abseits von der Ethik-Debatte ist es eine Petitesse, das gleich zahlreiche Online-Medien auf die Fotos von Fahrradpolizisten, die als erste am Autowrack waren, texteten, dass Sprengstoffspezialisten das Fahrzeug untersuchten.

    Nachtrag, 03.05.2009
    Frank Miener macht sich auch Gedanken zum Thema.
    Vergessen zu erwähnen hatte ich noch eine andere Randbeobachtung: Da das Ereignis live von NOS im TV übertragen wurde, gab es auch sehr schnell einen von einem Privatnutzer hochgeladdenen Mitschnitt des Geschehens bei YouTube. Die Zeitung Volkskrant.nl hat das Video – Copyright hin, Copyright her – ohne viel Federlesens in ihrem Artikel eingebettet.

    Sonder-Twitterfeed für Nachrichtenereignis

    Mario Sixtus wundert sich zwar schon, wo die “die ersten hyperventilierenden ‘Über den Amoklauf wurde zuerst auf Twitter berichtet’-Tweets” und die Bildstrecken zu den 100 schlimmsten Amokläufen bei den Online-Medien bleiben. Hervorheben kann man aber mal das Beispiel von Focus Online. Dort hat man neben einem regulären Nachrichten-Ticker auf der Website auch einen Twitter-Feed namens “FOCUSlive” aktiviert, der sich derzeit allein dem Amoklauf in Baden-Württemberg widmet.

    Er liefert kurze Newschnipsel, weist auf neue Artikel hin und informiert über das Ausschwärmen der eigenen Reporter zum Ort des Geschehens. Der Twitter-Feed kann später auch für andere Nachrichtenereignisse benutzt werden – deshalb halte ich das generell für eine gute Idee. So gerät der normale Twitterfeed nicht in die Gefahr, überschwemmt zu werden. Auf Kritik an Stil und Inhalt des “Amok-Twitters” reagierte Focus-Online-Chef Jochen Wegner im Blog von Stefan Niggemeier und seinem eigenen Blog (siehe Kommentare).

    Nachträge zur Berichterstattung anderer Online-Medien

    • Bild.de hat ebenfalls einen Sonder-Twitterfeed, der auch im Content-Bereich auf der Startseite beworben wird. Außerdem – zu befürchten war es – ein privates Foto des mutmaßlichen minderjährigen Täters.
    • stern.de biete eine Bildstrecke zur betroffenen Realschule an, die menschenleere Schulräume zeigt, offenbar völlig ohne Bezug auf das Ereignis. Als Bildquelle wird “Albertville-Realschule” angegeben. Sind die Fotos tatsächlich von dort freigegeben (an einem Tag wie heute?) oder hat sich stern.de einfach auf der Homepage der Schule bedient?
    • Focus.de bietet einen Bericht über den Amoklauf und Web-Reaktionen bzw. die bisher erfolglose Suche nach privaten Informationen über den Täter im Web in Social Communities etc. an.
    • Spiegel Online bot mit seinem Aufmacher am frühen Abend ein klassisches Beispiel für einen Artikel, der nicht einlöst, was Überschrift und Teaser versprechen: “Tim K. – der Junge ohne Eigenschaften”
    • SWR.de setzte in seinem Artikel eine Karte der Region von Openstreetmap – mit CC-Lizenz ein.

    Digital News Affairs im Live-Blog

    Diskussion auf der Konferenz DNA (Foto: De Nieuwe Reporter)Am Mittwoch und Donnerstag wird hier live von der Konferenz “Digital News Affairs” in Brüssel berichtet (Programm). Es bloggen die Journalismus-Dozenten Roy Mevissen und Jeroen van de Nieuwenhof sowie die Journalismus-Studenten Sanne Brand Paul Vereijken. Außerdem soll Konferenz-Fotos bei Flickr und kurze Video-Interviews bei YouTube geben.

    Das Live-Blog ist abgeschlossen, lässt sich aber nun auch nachträglich lesen (per Klick auf den Play-Button).

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