Archivierte Einträge für Ereignisse

Jens Weinreich Sport- und Onlinejournalist des Jahres

Nachdem er vor wenigen Tagen vom “Medium Magazin” zum Sportjournalisten des Jahres ernannt wurde, gab es gestern beim Goldenen Prometheus des Medienmagazins “VISDP” eine weitere Auszeichnung für Jens Weinreich: Onlinejournalist des Jahres.

Selbstverständlich kannmuss man Journalisten- und Medienpreise kritisch betrachten. “Mit ihren Bewertungskriterien sollen sie handwerkliche Standards festlegen und damit zur Professionalisierung beitragen”, schrieb ich 2002 – ach, was für ein edles Ansinnen, könnte ich in der Rückschau über mich selbst höhnen.

Aber bei Jens Weinreich kann ich guten Gewissens sagen, dass die Juroren mit seiner Wahl allein diesem hehrem Anspruch gerecht werden. Denn sie weisen damit auf die Arbeit eines Journalisten hin, der unter anderem mit beharrlicher und unbequemer Recherche aber auch mit dem vielfältigen und umfangreichen Publizieren auf seinem Weblog nolens volens so etwas wie Vorbildcharakter erlangt hat. Wir gratulieren Jens Weinreich!

Nachtrag 06.02.09

Eine “Inflation der Journalistenpreise” moniert der Evangelische Pressedienst und schlägt zugleich einige neue, eher nicht ernst zu nehmende Journalistenpreise vor.

Problematisch? Bloggende Politiker auf journalistischen Websites

Am 27.18. Januar wird in Hessen gewählt. Der Hessische Rundfunk meldet heute, dass am 5. Januar sein “umfangreiches hr-online-Wahlangebot” unter wahl.hr-online.de starten wird. Als Besonderheit wird unter anderem erwähnt, dass Politiker ein Wahlkampf-Blog bei HR Online führen.

Und so wird es angepriesen:

“Den Wahlkampf aus Sicht derer erleben, die ihn führen: neue Perspektiven ermöglicht jetzt ein Blog, mit dem hr-online vom 5. Januar an die heiße Phase des hessischen Wahlkampfs begleitet. Fünf Politiker der im Landtag vertretenen Parteien führen gemeinsam und abwechselnd Tagebuch im Netz, über Persönliches und Politisches, über Termindruck und Standdienste, über Ärger mit Plakaten und die Freude am Diskutieren. Sie schreiben als Beteiligte und als Betroffene. Begleitet von den Kommentaren der Blog-Leser reflektieren sie die Ausnahmesituation eines kurzen, gedrängten Wahlkampfs kurz nach dem Jahreswechsel.”

Solche Wahlkampf- oder Politiker-Blogs sind freilich nichts Neues. Bei Focus Online beispielsweise bloggen seit über drei Jahren Oswald Metzger, der mittlerweile für die CDU, oder die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin. Diese Politiker-Blogs sind mittlerweile nur noch im Hinterzimmer angesiedelt (über die Navigation habe ich sie nicht gefunden), als wäre diese Polit-PR mehr oder weniger peinlich.

Das neue Blog-Angebot des Hessischen Rundfunks halte ich ebenso für unangebracht: Es kann nicht Aufgabe einer journalistischen, zumal einer öffentlich-rechtlichen Seite sein, auf diese Art und Weise den politischen Diskurs in Gang zu bringen. Eine Frage die sich in diesem Superwahljahr öfters stellen wird. Klar will man nur so gut wie möglich informieren und zur Meinungsbildung beitragen, aber dass man sich dermaßen in die Nähe der handelnden Akteure begibt und ihnen so einen prominenten Raum zur Eigen-PR einräumt, kann doch wirklich nicht Sinn der Sache sein.

Nachtrag
Ein ähnliches Projekt bietet PHOENIX mit dem “MDB 2.0 das Bundestags-Tagebuch”:

“Es liegt nahe, dass PHOENIX sich auch an neuen Formen der Berichterstattung über das Parlament und der medialen Kommunikationsvermittlung zwischen Bürger und Abgeordneten beteiligt.”

Nachtrag 14.01.09
Via dem sehr lesenswerten Augsblog habe ich eben von folgendem Irrsinn bei HR Online erfahren:

Hinweis zur Forennutzung
Der Hessische Rundfunk steht als öffentlich-rechtlicher Sender in der besonderen Verantwortung, in Wahlkämpfen absolute Neutralität zu wahren. Das gilt auch für vom hr betriebene Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten. Wir bitten Sie daher um Verständnis für die Entscheidung, bis zur Landtagswahl am 18.1.2009 keine politischen Meinungsäußerungen in den Foren der hr-community zuzulassen.”

Schade, so etwa trübt natürlich den insgesamt guten Eindruck von der Sonderseite des HR Online zum Wahlkampf, nein, es führt das Ganze leider ad absurdum. Schade. Mathias Schindler hat in seinem Weblog nicht nur den Beitrag “Öffentlich-Rechtliche Informationsselbstkastration in Hessen” geschrieben, sondern auch gleich beim Hessischen Rundfunk nachgefragt, die – wie ich finde fadenscheinige – Antwort findet sich hier.

Timeline-Tool: Geschichte des Onlinejournalismus

Andy Dickinson hat vor kurzem in seinem Blog demonstriert, wie man mit dem Dienst Dipty eine Zeitleiste erzeugen und embedden kann. In dieser Größe sieht es natürlich wenig prickelnd aus, wenn eine größere Seitenbreite zur Verfügung steht, sieht die Sache schon deutlich besser aus.

Zudem können sich die User die Ereignisse alternativ auch auf einer Weltkarte, einer Liste und in einer “Blätter-Ansicht” (ähnlich wie Album-Cover bei iTunes) darstellen lassen.

Dickinson demonstriert das ganze anhand einer Zeitleiste zu entscheidenden Momenten des Onlinejournalismus. Diese ist zwar in den frühen Jahren noch etwas dünn und US-lastiger als notwendig, aber man kann sich vorstellen, wozu man das Werkzeug einsetzen kann (zum Vergleich: unsere Chronik 10 Jahre Onlinejournalismus in Deutschland von 2004).

Journalistenpreis stellt die Gretchenfrage: “Wozu noch Journalisten?”

Da sich Besucher dieser Seite hin und wieder auch diese Frage stellen, weise ich hier gerne auf den Journalistenpreis der Akademie für Publizistik Hamburg hin, die eben diese “Preisfrage” stellt: “Wozu noch Journalisten?” Bis zum 31. März 2009 können deutschsprachige Journalisten diese Frage beantworten, die Beiträge sollen maximal 6.000 Zeichen umfassen, sie dürfen nicht schon an anderer Stelle veröffentlicht worden sein. “Verliehen werden drei Preise in Höhe von 2.000, 1.000 und 500 €, gestiftet von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Die beste Arbeit wird auf der Medienseite der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht”, heißt es in der Ausschreibung. Eine hauptsächlich aus Journalisten bestehende Jury entscheidet über die Preisträger. Mehr dazu auf der Website der Akademie für Publizistik Hamburg.

Die Preisfrage 2008 lautete “Wozu noch Zeitungen?”, die prämierten Beiträge finden sich bei Sueddeutsche.de.

Edit: Das kommt davon, wenn man nicht copy paste macht: Ich schrieb ursprünglich “Wozu noch Journalismus?”, dabei muss es “Wozu noch Journalisten?” heißen …

Etikettenschwindel: “Bilderserie, 1 Bild”

Etikettenschwindel beim ZDF: Heute.de preist diese Telefonschalte seines Korrespondenten aus Bombay auf der Startseite als “Bilderserie” an. Offenbar bietet die (für reine Bildergalerien meiner Meinung nach auch aus Usersicht viel zu komplizierte) Mediathek die Möglichkeit, mit Bordmitteln des CMS eine Audio-Slideshow zu basteln.

Leider ist gut gemeint auch in diesem Fall nicht gut gelungen: Während des ganzen Berichts sehen wir lediglich ein und dasselbe Bild des Korrespondenten (was in der Mediathek bei genauem Betrachten, auf der Heute-Startseite aber nicht ersichtlich ist). Kann man machen, aber dann doch bitte nicht als Bilderserie anpreisen. Und ein Zeitstempel, von wann genau der Bericht ist, fehlt bei diesem so zeitkritischen Ereignis leider auch.

Screenshot der ZDF-Mediathek

Anschläge in Bombay: Web-Quellen

Amy Gahran hat eine Linkliste zusammengestellt – vom Live-Stream eines indischen TV-Senders über Flickr-Bilder bis zu Twitter-Quellen: “Following Mumbai attacks via social media”. Zur Glaubwürdigkeit schreibt sie: “Use your own judgement regarding which to trust…” Blogger Vinu (auch Fotos) wurde inzwischen laut einem seiner Posts auch bei CNN International als Gesprächspartner geschaltet. Diskussion darüber und Links auch bei Techcrunch, wo es heißt “Forget CNN”.

In Deutschland greift das Meedia auf: “Twitter & Flickr schlagen CNN”: Bevor die ersten Horror-Meldungen, als Breakingnews die großen Nachrichten-Networks erreichten, ging die Nachricht bereits wie ein Lauffeuer durch den Mircroblogging-Dienst Twitter.” Der Autor bemerkt aber auch: “Andererseits zeigt vor allem ein Blick auf Twitter, dass es bei der aktuellen Geschwindigkeit, in der Kurz-Postings zum Thema veröffentlicht werden, schlicht unmöglich ist, die Echtheit und Relevanz einer Information zu prüfen. Die Nachrichten sind roh.”

Wirklich Neues kann ich jetzt aber nicht erkennen: Auch beim großen Erdbeben in China 2008 wurde auf Berichte bei Twitter verwiesen, beim Tsunami 2004 waren es Blogs. Und klar, dass bei einem solchen Ereignis in einer Stadt wie Bombay das Potenzial für Social Media viel größer ist als bei einem Vorfall in Tibet.

Update, 19:20 Uhr:
Zum Social-Media-Ereignis äußern sich auch Christian Stöcker (Spiegel Online), Thomas Knüwer,Jeff Jarvis, Clemens Lerche (“Das haben wir doch bereits 2001 oder 2003 gedacht”) und Falk Lüke.

Update, 05.12.2008:
Responsible Tweeting – Lehren aus dem Bombay-Twittern (Poynter).

Online first in Dänemark

Am Tag nach der US-Wahl gab es für die meisten europäischen Zeitungen nur notdürftige Aufmacher dazu: Anbiedernd “Good Morning, Mr. President” (ohne einen Namen zu nennen), aufatmend im Stil von “Tschüß, Bush” oder sachlich mit dem Tenor “Hohe Wahlbeteiligung …”

Die dänische Zeitung Politiken machte ihren Titel dagegen mit dem fetten Hinweis “Mehr auf politiken.dk” auf – denn dort gab es das erst nach Redaktionsschluss feststehende Wahlergebnis am Morgen bereits.

WAZ bald ohne dpa – und DerWesten bleich?

Welch herber Schlag für den Einheitsbrei, den die Medien in Print und Online zurzeit fahren – sofern sie denn in ihrem überregionalen Teil auf die dpa setzen. Die WAZ-Gruppe erwägt angeblich, aus dem Basisdienstvertrag mit der dpa auszuscheiden. Es soll um ein Volumen von vier Millionen Euro gehen, das der führenden deutschen Agentur flöten gehen könnte. (Fragt sich nur, womit DerWesten.de dann seine Seiten füllen würde…). Weiterlesen…

Nola.com im Zeichen des Sturms

Schon 2005 war das Angebot von Nola.com, der Website der Tageszeitung “Times-Picayune” in New Orleans, angesichts von Hurrikan “Katrina” und den Folgen auch für die Journalisten erstaunlich umfangreich und gut gemacht. Jetzt nähert sich erneut ein Hurrikan der Stadt, die vollständig evakuiert werden soll – und Nola.com hat sich ebenso vollständig darauf eingestellt.

Die gesamte Startseite ist dem Sturm gewidmet. Es gibt Links auf die aktuellen Wetterentwicklungen, eigene Rubriken für die neuesten Artikel und Fotos und einzelne Stadtteile inklusive RSS-Feeds und einen umfangreichen “Survival-Guide” sowie einen Twitter-Feed Ganz oben auf der Seite werden die Nutzer aufgefordert, eigene Bilder, Berichte und Videos einzusenden. Auch die Foren, über die Nutzer sich miteinander austauschen können – nach Thema oder Stadtteil – werden prominent gefeatured.

Überflüssige Bilderstrecke bei der BBC!

Meistens muss man ja ehrfürchtig zu den Kollegen von der Insel aufschauen und sagen: “Klar, so sollte man es machen.” Endlich gibt es mal etwas im Online-Angebot der BBC, über das es sich zu meckern lohnt: Gerade erst habe ich mich über typische Breaking-News-Fernsehberichte geärgert, bei denen über eine Aneinanderreihung wenig aussagekräftiger Totalen getextet wird, jetzt bietet die BBC im Aufmacher über das Flugzeugunglück in Madrid eine Bildergalerie an.

Gut, im Hauptbericht sind dafür nur Karten und keine Fotos – aber extra eine Klickstrecke, das muss doch echt nicht sein. Zumal es im Bericht auch noch ein Video mit genau fast genau den gleichen Aufnahmen gibt.

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