Archivierte Einträge für Ereignisse

Facebook-Rede: CNN macht’s nochmal

Wer es bei der Präsidenten-Vereidigung verpasst hat: CNN überträgt heute die erste Rede Obamas zur Lage der Nation noch einmal nach dem gleichen Muster, das heißt, in Kooperation mit Facebook. Die User können mit ihren persönlichen Freunden oder sämtlichen Facebook-Nutzern sowie CNN-Personal chatten. Beginn der eigentlichen Rede ist um 21 Uhr EST (3 Uhr unserer Zeit).

Zur Stunde haben 246.613 Facebook-Nutzer ihre Teilnahme angekündigt, weitere 92.267 haben in ihrem Profil markiert, dass sie vielleicht teilnehmen. Wer keine explizite Einladung bekommen hat: “Gäste dürfen Freunde zu dieser Veranstaltung mitbringen.” Oder einfach den CNN-Livestream auswählen und vorher bei Facebook einloggen.

Bei der Unterhosen-Parade hat Springer die Nase vorn

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Feinripp-Versorgungsunternehmens Schiesser sind ein ohnehin quotenträchtiges Thema, das man im Onlinejournalismus geradezu ideal als Bilderstrecke aufbereiten kann – zumindest denkt man das bei Welt Online.

Völlig untypisch besteht diese nur aus fünf Bildern (darauf fünf Herren, zwei Damen). Doch wer das knappe Fotomaterial der gängigen Agenturen zu diesem Thema kennt, weiß, dass sich die Welt hier ganz schön ins Zeug gelegt hat: Vier Fotos stammen von Schiesser direkt, eins vom Themendienst GMS. Sicherheitshalber schiebt Welt zusätzlich zwei ältere Bilderstrecken hinterher: “Spektakuläre Insolvenzen” und “Weitere Pleiten”.

Damit liegt Welt Online weit vor der Kollegen. Spiegel Online hatte das Thema vorhin nicht einmal auf der Seite. Die FAZ bietet einen eigenen Korrespondentenbericht – nüchtern aufgemacht. Das Handelsblatt verlässt sich auf eine knapp bekleidete Dame als Teaserbild (“Da konnte Schiesser auch die beste Werbung nichts helfen.”) – und recycelt seine Bildstrecke “Insolvente Kultunternehmen”. Ähnlich bei der Süddeuschen: “Pleiten deutscher Traditionsunternehmen” zählt neun (größtenteils langweilige) Bilder.

Der Westen ist offen und ehrlich: “Die Schiesser AG hat Insolvenz angemeldet. Grund genug für einen fotografischen Ausflug in die Welt der Unterwäsche.”

Obama und der Amtseid im Web

Screenshot SpOn
Zur Inaugurationszeremonie in Washigton haben ja alle Nachrichtensites groß aufgefahren. Ein paar subjektive Eindrücke: Spiegel Online hat wieder mal ein Liveblog (gut) von vor Ort (besser), für dieses aber immer noch keinen RSS-Feed (unverständlich) und eine seltsame Dachzeile (noch viel unverständlicher).

Die User mitreden lassen

Screenshot BBC Stream zur Inauguration Barack ObamasDer Livestream der BBC war bis auf einen kurzen Aussetzer exzellent, außerdem mit Reporter- und User-Kommentaren (u. a. via Twitter) verbunden. CNN integrierte Facebook-Kommentare bei seinem Stream.

Interessant, aber unverständlich fand ich den “Scroll-Strahl” des Vorab-Features “The Preparers” bei der Washington Post, die dafür Vuvox einsetzen.

Was war sonst gut, was schlecht? Andere Eindrück gerne in die Kommentare.

Nachträge, 21.01.2008:
Poynter hat Screenshots von US-Websites gesammelt (1, 2, 3). Thomas Knüwer ist von CNN und der neuen Website des Weißen Hauses begeistert. Spaß macht mir “Faces in the crowd” der Washington Post (gefunden in der Linksammlung von tagesschau.de). Soundphotographer.de bespricht weitere Multimedia-Beiträge zum Thema.

Jens Weinreich Sport- und Onlinejournalist des Jahres

Nachdem er vor wenigen Tagen vom “Medium Magazin” zum Sportjournalisten des Jahres ernannt wurde, gab es gestern beim Goldenen Prometheus des Medienmagazins “VISDP” eine weitere Auszeichnung für Jens Weinreich: Onlinejournalist des Jahres.

Selbstverständlich kannmuss man Journalisten- und Medienpreise kritisch betrachten. “Mit ihren Bewertungskriterien sollen sie handwerkliche Standards festlegen und damit zur Professionalisierung beitragen”, schrieb ich 2002 – ach, was für ein edles Ansinnen, könnte ich in der Rückschau über mich selbst höhnen.

Aber bei Jens Weinreich kann ich guten Gewissens sagen, dass die Juroren mit seiner Wahl allein diesem hehrem Anspruch gerecht werden. Denn sie weisen damit auf die Arbeit eines Journalisten hin, der unter anderem mit beharrlicher und unbequemer Recherche aber auch mit dem vielfältigen und umfangreichen Publizieren auf seinem Weblog nolens volens so etwas wie Vorbildcharakter erlangt hat. Wir gratulieren Jens Weinreich!

Nachtrag 06.02.09

Eine “Inflation der Journalistenpreise” moniert der Evangelische Pressedienst und schlägt zugleich einige neue, eher nicht ernst zu nehmende Journalistenpreise vor.

Problematisch? Bloggende Politiker auf journalistischen Websites

Am 27.18. Januar wird in Hessen gewählt. Der Hessische Rundfunk meldet heute, dass am 5. Januar sein “umfangreiches hr-online-Wahlangebot” unter wahl.hr-online.de starten wird. Als Besonderheit wird unter anderem erwähnt, dass Politiker ein Wahlkampf-Blog bei HR Online führen.

Und so wird es angepriesen:

“Den Wahlkampf aus Sicht derer erleben, die ihn führen: neue Perspektiven ermöglicht jetzt ein Blog, mit dem hr-online vom 5. Januar an die heiße Phase des hessischen Wahlkampfs begleitet. Fünf Politiker der im Landtag vertretenen Parteien führen gemeinsam und abwechselnd Tagebuch im Netz, über Persönliches und Politisches, über Termindruck und Standdienste, über Ärger mit Plakaten und die Freude am Diskutieren. Sie schreiben als Beteiligte und als Betroffene. Begleitet von den Kommentaren der Blog-Leser reflektieren sie die Ausnahmesituation eines kurzen, gedrängten Wahlkampfs kurz nach dem Jahreswechsel.”

Solche Wahlkampf- oder Politiker-Blogs sind freilich nichts Neues. Bei Focus Online beispielsweise bloggen seit über drei Jahren Oswald Metzger, der mittlerweile für die CDU, oder die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin. Diese Politiker-Blogs sind mittlerweile nur noch im Hinterzimmer angesiedelt (über die Navigation habe ich sie nicht gefunden), als wäre diese Polit-PR mehr oder weniger peinlich.

Das neue Blog-Angebot des Hessischen Rundfunks halte ich ebenso für unangebracht: Es kann nicht Aufgabe einer journalistischen, zumal einer öffentlich-rechtlichen Seite sein, auf diese Art und Weise den politischen Diskurs in Gang zu bringen. Eine Frage die sich in diesem Superwahljahr öfters stellen wird. Klar will man nur so gut wie möglich informieren und zur Meinungsbildung beitragen, aber dass man sich dermaßen in die Nähe der handelnden Akteure begibt und ihnen so einen prominenten Raum zur Eigen-PR einräumt, kann doch wirklich nicht Sinn der Sache sein.

Nachtrag
Ein ähnliches Projekt bietet PHOENIX mit dem “MDB 2.0 das Bundestags-Tagebuch”:

“Es liegt nahe, dass PHOENIX sich auch an neuen Formen der Berichterstattung über das Parlament und der medialen Kommunikationsvermittlung zwischen Bürger und Abgeordneten beteiligt.”

Nachtrag 14.01.09
Via dem sehr lesenswerten Augsblog habe ich eben von folgendem Irrsinn bei HR Online erfahren:

Hinweis zur Forennutzung
Der Hessische Rundfunk steht als öffentlich-rechtlicher Sender in der besonderen Verantwortung, in Wahlkämpfen absolute Neutralität zu wahren. Das gilt auch für vom hr betriebene Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten. Wir bitten Sie daher um Verständnis für die Entscheidung, bis zur Landtagswahl am 18.1.2009 keine politischen Meinungsäußerungen in den Foren der hr-community zuzulassen.”

Schade, so etwa trübt natürlich den insgesamt guten Eindruck von der Sonderseite des HR Online zum Wahlkampf, nein, es führt das Ganze leider ad absurdum. Schade. Mathias Schindler hat in seinem Weblog nicht nur den Beitrag “Öffentlich-Rechtliche Informationsselbstkastration in Hessen” geschrieben, sondern auch gleich beim Hessischen Rundfunk nachgefragt, die – wie ich finde fadenscheinige – Antwort findet sich hier.

Timeline-Tool: Geschichte des Onlinejournalismus

Andy Dickinson hat vor kurzem in seinem Blog demonstriert, wie man mit dem Dienst Dipty eine Zeitleiste erzeugen und embedden kann. In dieser Größe sieht es natürlich wenig prickelnd aus, wenn eine größere Seitenbreite zur Verfügung steht, sieht die Sache schon deutlich besser aus.

Zudem können sich die User die Ereignisse alternativ auch auf einer Weltkarte, einer Liste und in einer “Blätter-Ansicht” (ähnlich wie Album-Cover bei iTunes) darstellen lassen.

Dickinson demonstriert das ganze anhand einer Zeitleiste zu entscheidenden Momenten des Onlinejournalismus. Diese ist zwar in den frühen Jahren noch etwas dünn und US-lastiger als notwendig, aber man kann sich vorstellen, wozu man das Werkzeug einsetzen kann (zum Vergleich: unsere Chronik 10 Jahre Onlinejournalismus in Deutschland von 2004).

Journalistenpreis stellt die Gretchenfrage: “Wozu noch Journalisten?”

Da sich Besucher dieser Seite hin und wieder auch diese Frage stellen, weise ich hier gerne auf den Journalistenpreis der Akademie für Publizistik Hamburg hin, die eben diese “Preisfrage” stellt: “Wozu noch Journalisten?” Bis zum 31. März 2009 können deutschsprachige Journalisten diese Frage beantworten, die Beiträge sollen maximal 6.000 Zeichen umfassen, sie dürfen nicht schon an anderer Stelle veröffentlicht worden sein. “Verliehen werden drei Preise in Höhe von 2.000, 1.000 und 500 €, gestiftet von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Die beste Arbeit wird auf der Medienseite der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht”, heißt es in der Ausschreibung. Eine hauptsächlich aus Journalisten bestehende Jury entscheidet über die Preisträger. Mehr dazu auf der Website der Akademie für Publizistik Hamburg.

Die Preisfrage 2008 lautete “Wozu noch Zeitungen?”, die prämierten Beiträge finden sich bei Sueddeutsche.de.

Edit: Das kommt davon, wenn man nicht copy paste macht: Ich schrieb ursprünglich “Wozu noch Journalismus?”, dabei muss es “Wozu noch Journalisten?” heißen …

Etikettenschwindel: “Bilderserie, 1 Bild”

Etikettenschwindel beim ZDF: Heute.de preist diese Telefonschalte seines Korrespondenten aus Bombay auf der Startseite als “Bilderserie” an. Offenbar bietet die (für reine Bildergalerien meiner Meinung nach auch aus Usersicht viel zu komplizierte) Mediathek die Möglichkeit, mit Bordmitteln des CMS eine Audio-Slideshow zu basteln.

Leider ist gut gemeint auch in diesem Fall nicht gut gelungen: Während des ganzen Berichts sehen wir lediglich ein und dasselbe Bild des Korrespondenten (was in der Mediathek bei genauem Betrachten, auf der Heute-Startseite aber nicht ersichtlich ist). Kann man machen, aber dann doch bitte nicht als Bilderserie anpreisen. Und ein Zeitstempel, von wann genau der Bericht ist, fehlt bei diesem so zeitkritischen Ereignis leider auch.

Screenshot der ZDF-Mediathek

Anschläge in Bombay: Web-Quellen

Amy Gahran hat eine Linkliste zusammengestellt – vom Live-Stream eines indischen TV-Senders über Flickr-Bilder bis zu Twitter-Quellen: “Following Mumbai attacks via social media”. Zur Glaubwürdigkeit schreibt sie: “Use your own judgement regarding which to trust…” Blogger Vinu (auch Fotos) wurde inzwischen laut einem seiner Posts auch bei CNN International als Gesprächspartner geschaltet. Diskussion darüber und Links auch bei Techcrunch, wo es heißt “Forget CNN”.

In Deutschland greift das Meedia auf: “Twitter & Flickr schlagen CNN”: Bevor die ersten Horror-Meldungen, als Breakingnews die großen Nachrichten-Networks erreichten, ging die Nachricht bereits wie ein Lauffeuer durch den Mircroblogging-Dienst Twitter.” Der Autor bemerkt aber auch: “Andererseits zeigt vor allem ein Blick auf Twitter, dass es bei der aktuellen Geschwindigkeit, in der Kurz-Postings zum Thema veröffentlicht werden, schlicht unmöglich ist, die Echtheit und Relevanz einer Information zu prüfen. Die Nachrichten sind roh.”

Wirklich Neues kann ich jetzt aber nicht erkennen: Auch beim großen Erdbeben in China 2008 wurde auf Berichte bei Twitter verwiesen, beim Tsunami 2004 waren es Blogs. Und klar, dass bei einem solchen Ereignis in einer Stadt wie Bombay das Potenzial für Social Media viel größer ist als bei einem Vorfall in Tibet.

Update, 19:20 Uhr:
Zum Social-Media-Ereignis äußern sich auch Christian Stöcker (Spiegel Online), Thomas Knüwer,Jeff Jarvis, Clemens Lerche (“Das haben wir doch bereits 2001 oder 2003 gedacht”) und Falk Lüke.

Update, 05.12.2008:
Responsible Tweeting – Lehren aus dem Bombay-Twittern (Poynter).

Online first in Dänemark

Am Tag nach der US-Wahl gab es für die meisten europäischen Zeitungen nur notdürftige Aufmacher dazu: Anbiedernd “Good Morning, Mr. President” (ohne einen Namen zu nennen), aufatmend im Stil von “Tschüß, Bush” oder sachlich mit dem Tenor “Hohe Wahlbeteiligung …”

Die dänische Zeitung Politiken machte ihren Titel dagegen mit dem fetten Hinweis “Mehr auf politiken.dk” auf – denn dort gab es das erst nach Redaktionsschluss feststehende Wahlergebnis am Morgen bereits.

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