Archivierte Einträge für Ereignisse

Der zweite Kanal

Fernsehberichterstattung am (Vor-)Wahlabend – das bedeutet viel Hin- und Hergeschalte. Als Interviewpartner oder Reporter kann man froh sein, wenn man nicht plötzlich von der Regie zugunsten eines wichtigeren Gesprächspartners im Regen stehen gelassen wird, als Zuschauer, wenn die Schalte auch tatsächlich wie angekündigt klappt. CNN geht an die Sache pragmatisch ran und benutzt bei der Berichterstattung – gerade gesehen bei den Florida Primaries – einfach das Netz als zweiten Kanal: Sie wollen die Clinton-Ansprache live weitersehen, während das Programm wieder zu den Republikanern schaltet? “Go to CNNPolitics.com” empfiehlt das TV-Insert – dort wird Clinton weiter live gestreamt.

Gut gemeintes Kyrill-Special

Zum Jahrestag des (für deutsche Verhältnisse verheerenden) Wintersturms “Kyrill” hat der Der Westen sein erstes (mir bekanntes) umfangreiches Dossier aus Texten und einem Multimedia-Special veröffentlicht. Im Dossiers spiegelt sich im Kleinen wieder, was wir von Der Westen im Ganzen kennen: einige gute Ideen, hier und da Experimentierfreude, aber in der Umsetzung dann doch (noch) nicht so wirklich gelungen. Weiterlesen…

DJV-Qualitätsdiskussion: Niveau einer Christiansen-Sendung

Kommentar 12.01.08
Mag sein, dass die Rederunde aus verschiedenen Gründen nicht unmittelbar ertragreich war, das wird wohl keiner bestreiten, das war auch nicht unbedingt zu erwarten. Aber das ist nicht wichtig. Ohne es zu glorifizieren: Allein die aufgrund dieser Runde von Neuem begonnene Debatte auf der Metaebene (siehe etwa Schulzki-Haddouti, Jarchow, Niggemeier) kann dereinst noch Früchte tragen. Stets bereichernd für die Praxis ist es, wenn Fehler und Fehlentwicklungen rücksichtslos und sofort aufgezeigt werden. Selbst hierfür lieferte die DJV-Diskussion nolens volens Anschauungsmaterial (siehe etwa Don Alphonsos und Thomas Knüwers Kritik an einem “FAZ”-Artikel oder das Beispiel von “Win-Win-Win-Win-Journalismus” bei Stern.de und beim “Stern”).

Medienschau – Update 19.01.08
“Das große Hauen fand nicht statt”, beschreibt der Weltenweiser in seinem Blog die gestrige Podiumsdiskussion des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) “Regeln oder Anarchie? – Journalismus im www”. Leider konnte ich den Livestream – wie offenbar viele andere Nutzer auch – nicht sehen, hier eine kleine Medienschau. Ein Mitschnitt ist unter www.djv.de/livestream abrufbar.

Die Veranstaltung war wohl eher enttäuschend, Medienberater Steffen Büffel schreibt: “Die DJV-”Talkrunde” hatte das Niveau einer brillianten Christiansen-Sendung. Wer mich kennt weiß, dass das kein Kompliment ist.” Weiterlesen…

ZDF: Mekka-Blog

Als Darstellungsform für Reportage-Reisen sind Blogs ideal. Ein gelungenes Beispiel findet sich gerade beim ZDF: Dort berichten derzeit drei Autoren im Mekka-Blog von der traditionellen Pilgerfahrt der Muslime (nicht zu verwechseln mit dem “Mecker-Blog” der Zeit). Hintergründiges, Beobachtungen, Banales – alles dabei. An den Bildern könnten die Herren aber teilweise noch etwas arbeiten. Andererseits, schön, dass sie keine falsche Eitelkeit kennen. Man darf ihnen auch bei der Mundhygiene mit einer traditionellen arabischen Zahnbürste zusehen.

Münte wirft die Flinte – und die Onliner der “Berliner Zeitung” auch

“Franz Müntefering wird als Vizekanzler und Bundesarbeitsminister zurücktreten. Das meldet die “Berliner Zeitung”. Der Schritt erfolge aus “rein familiären Gründen”", berichtet eben Spiegel Online, ebenso natürlich die meisten anderen Online-Medien. Viel gibt’s noch nicht zu berichten zum Thema, “mehr in Kürze” heißt es. Also wirft man einen Blick auf die Website der “Berliner Zeitung” – die werden wohl die ganze Geschichte haben. Fehlanzeige. Chance vertan.

Nachtrag, 11:19 Uhr
Jetzt ist es auch bei der “Berliner Zeitung” online zu lesen.

Wie bei SpOn die Züge stillstehen …

Nach dem gestrigen Rüffel in anderer Sache wieder mal ein Lob für Spiegel Online – dafür, wie heute der Bahn-Streik angepackt wird: Neben dem jeweiligen Hauptartikel begleitet uns eine kontinuierlich aktualisierte Ticker-Sammel-Meldung durch den Tag (bewährtes Format bei Spiegel Online).

Zudem bitte man Nutzer, ihre Streikerlebnisse zu mailen (gute Ergänzung, auch wenn die mittlerweile keiner mehr hören mag). In einer Flash-Grafik wird mit Geo-Tags dargestellt, wo die Züge stillstehen: Schöne und sinnvolle Idee, auch wenn sie es wahrscheinlich nicht so ganz trifft, da auf der Karte einzelne Orte getagt werden, aber wohl eher Strecken und Regionen betroffen sind, die Visualisierung also nicht ganz stimmig ist. Besser zu sehen ist das auf der Überblickstabelle.

Und anderswo?

Auch Wettwerber sueddeutsche.de möchte seine Nutzer zur Wort kommen lassen. Die Umsetzung ist aber völlig Banane: Unkommentierte und mangels Quellenangabe überhaupt nicht einzuordnende Nutzeräußerungen, dargeboten als Durchklick-Format nach dem Beispiel der berühmt-berüchtigten Bilderstrecken der Redaktion.

Bei WDR.de (einen meiner Auftraggeber) gibt es eine Art Video-Blog, in dem Passanten auf den Bahnhöfen Dortmund und Köln ihre Eindrücke in die Kamera schildern. Gemacht wird das mit einem Video-Handy.

Nutzer-Statements zum Streik bei sueddeutsche.de (Screenshot)

Brückeneinsturz in Breitwand und Farbe

Wie bei allen größeren Nachrichtenereignissen mit US-Relevanz lohnt sich der Blick über den großen Teich. Wie wurde die Nachricht dort aufbereitet?

CNN hat natürlich ein dickes Paket. Interessant: Die ersten Bilder kamen erneut von einem Bürgerjournalisten. Und der hat CNN.com gleich mit ordentlichen Fotos für eine ganze Galerie versorgt. Außerdem gibt es eine Info-Grafik zur Brücke mit Vorher-Nachher-Ansichten.

USA Today bietet u. a. eine Infografik, in der einzelne Detailfotos im Gesamtzusammenhang verortet sind.

Die New York Times hat eine Sammel-Newsstory. Diese verweist vor allem auf die zahlreichen weiteren Beiträge im eigenen Angebot – vom Podcast eines Times-Reporters über Kurzmeldungen bis hin zu Videos, aber es finden sich auch Hinweise auf offizielle Statements im Netz und User- und Blogger-Meinungen. Augenblickblich macht die Times statt mit einem normalen Foto mit einer 5-teiligen Bilderstecke auf, die die bauliche Struktur der Brücke erläutert, aber einen nicht wirklich vom Hocker haut. Auch eine weitere Infografik ist eigentlich nur eine banale Karte.

Nachtrag: Wired-Artikel zu “Internet-Reaktionen”.

BBC / User Generated Content / Überschwemmung

Nein, etwas wirklich Überraschendes hat BBC News online zu den Überschwemmungen in Teilen von Großbritannien derzeit nicht zu bieten. Aber die BBC kombiniert wieder einmal in bewährter Qualität ihre Stories mit Nutzerinhalten. Am Ende des derzeitigen Hauptartikels gibt es direkt eine Eingabemaske für “your stories”. Auch per SMS (“text us”) kann man sich melden. Im Artikel finden sich wie in weiteren regionalen Untertexten ([1], [2]) von Nutzern eingeschickte Bilder gleichberechtigt neben Agenturmaterial, nicht bloß verbannt in ein User-Content-Ghetto. Augenzeugenberichte (“Your stories”) werden hingegen gesammelt an einer Stelle präsentiert.

Viel zu versteckt ist die Seite “At a glance” als alternativer, eher grafisch/regional orientierter Einstieg in die weiteren Stücke. Hier sind auch Links zu Galerien mit weiteren Userfotos zu finden, diesmal geordnet nach Datum. Einen Zusammenschnitt von (Handy-)Videos von Nutzern gibt es auch, der allerdings wenig spektakulär ist.

Was ich persönlich im Hauptartikel zum ersten Mal bei der BBC sehe: In der rechten Spalten findet sich (neben zahlreichen Links zu weiteren BBC-Inhalten und öffentlichen Einrichtungen) auch eine Sammlung von Verweisen auf Artikel “from other news sites” wie Guardian oder Daily Mail.

CNN/YouTube: Frag den Kandidat

Im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen bietet CNN in Zusammenarbeit mit YouTube ein Format an, bei dem Bürger ihre Fragen per Video an die Kandidatur-Bewerber der beiden großen Parteien stellen können. Es soll jeweils eine TV-Sendung geben, in denen die Präsidentschaftsbewerber von Republikanern und Kandidaten mit redaktionell ausgewählten Videos mit Bürgerfragen konfrontiert werden. Die Fragesteller dürfen im Publikum sitzen.

YouTube fordert die User dazu auf, die Debatte anschließend in seinem “politischen Vlog” Citizen Tube fortzusetzen.


P.S.: Ja, das ist YouTube-Logo im eingebundenen Video oben. Videos von anderen Seiten einbauen – das ist praktisch für den Nutzer, liefert möglicherweise auch Gratis-Videocontent. Gleichzeitig hat Roman Mischel aber schon vor einiger Zeit auf einige damit verbundenen Fragen aufmerksam gemacht, über die man sich meist erst in zweiter Linie Gedanken macht: Berichten wir jetzt über dieses Video oder machen wir uns es zu eigen? Wie sieht es aus bei möglichen Rechteverletzungen Dritter? Was ist, wenn sich der Inhalt des eingebundenen Videos plötzlich ändert oder dort Werbung auftaucht, die einem missfällt? Beim Einbinden ist das schon eine Nummer härter. Deswegen sind wir hier auch in der Redaktion nicht immer einer Meinung, wie wir damit verfahren sollen. Sicher ist: Als Video-Sammelstelle oder Abspielstation für Fremdanbieter sehen wir onlinejournalismus.de nicht.

Preisverleihung mit Druckkostenzuschuss

Weil in letzter Zeit so viel von angeblichen Mauscheleien bei Preisverleihungen die Rede ist: Der Metablocker von politik-digital nennt beim Deutschen Multimeda Award des namensgebenden Verbandes nicht nur die Preisträger, sondern auch das Kleingedruckte:

Die Teilnahmegebühr für den DMMA beträgt je nach Zeitpunkt der Bewerbung zwischen 250 und 300 Euro. Dabei erhalten Mitglieder des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft eine Ermäßigung von 15 Prozent. Zusätzlich müssen die Bewerber im Falle einer Nominierung oder Prämierung eintausend Euro Druckkostenzuschuss für das Jahrbuch
“Interaktive Trends/DMMA 2007″ bezahlen. Darin sollen die ausgezeichneten Multimediaangebote auf einer A4-Doppelseite vorgestellt werden. Nach Angaben des DMMA haben sich insgesamt 368 Unternehmen, Institutionen, Agenturen, Freiberufler und Studenten um den Preis beworben.

Zu den interaktiven Trends gehört offenbar, dass die Preisträger am Tag nach der Verleihung noch nicht auf der Website zu finden sind, sondern die User sie sich auf anderen Websites ersurfen müssen.

Das Verfahren war wahrscheinlich schon seit jeher so oder so ähnlich, aber vielleicht nicht nur mir bislang unbekannt.

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