Archivierte Einträge für Ereignisse

BBC / User Generated Content / Überschwemmung

Nein, etwas wirklich Überraschendes hat BBC News online zu den Überschwemmungen in Teilen von Großbritannien derzeit nicht zu bieten. Aber die BBC kombiniert wieder einmal in bewährter Qualität ihre Stories mit Nutzerinhalten. Am Ende des derzeitigen Hauptartikels gibt es direkt eine Eingabemaske für “your stories”. Auch per SMS (“text us”) kann man sich melden. Im Artikel finden sich wie in weiteren regionalen Untertexten ([1], [2]) von Nutzern eingeschickte Bilder gleichberechtigt neben Agenturmaterial, nicht bloß verbannt in ein User-Content-Ghetto. Augenzeugenberichte (“Your stories”) werden hingegen gesammelt an einer Stelle präsentiert.

Viel zu versteckt ist die Seite “At a glance” als alternativer, eher grafisch/regional orientierter Einstieg in die weiteren Stücke. Hier sind auch Links zu Galerien mit weiteren Userfotos zu finden, diesmal geordnet nach Datum. Einen Zusammenschnitt von (Handy-)Videos von Nutzern gibt es auch, der allerdings wenig spektakulär ist.

Was ich persönlich im Hauptartikel zum ersten Mal bei der BBC sehe: In der rechten Spalten findet sich (neben zahlreichen Links zu weiteren BBC-Inhalten und öffentlichen Einrichtungen) auch eine Sammlung von Verweisen auf Artikel “from other news sites” wie Guardian oder Daily Mail.

CNN/YouTube: Frag den Kandidat

Im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen bietet CNN in Zusammenarbeit mit YouTube ein Format an, bei dem Bürger ihre Fragen per Video an die Kandidatur-Bewerber der beiden großen Parteien stellen können. Es soll jeweils eine TV-Sendung geben, in denen die Präsidentschaftsbewerber von Republikanern und Kandidaten mit redaktionell ausgewählten Videos mit Bürgerfragen konfrontiert werden. Die Fragesteller dürfen im Publikum sitzen.

YouTube fordert die User dazu auf, die Debatte anschließend in seinem “politischen Vlog” Citizen Tube fortzusetzen.


P.S.: Ja, das ist YouTube-Logo im eingebundenen Video oben. Videos von anderen Seiten einbauen – das ist praktisch für den Nutzer, liefert möglicherweise auch Gratis-Videocontent. Gleichzeitig hat Roman Mischel aber schon vor einiger Zeit auf einige damit verbundenen Fragen aufmerksam gemacht, über die man sich meist erst in zweiter Linie Gedanken macht: Berichten wir jetzt über dieses Video oder machen wir uns es zu eigen? Wie sieht es aus bei möglichen Rechteverletzungen Dritter? Was ist, wenn sich der Inhalt des eingebundenen Videos plötzlich ändert oder dort Werbung auftaucht, die einem missfällt? Beim Einbinden ist das schon eine Nummer härter. Deswegen sind wir hier auch in der Redaktion nicht immer einer Meinung, wie wir damit verfahren sollen. Sicher ist: Als Video-Sammelstelle oder Abspielstation für Fremdanbieter sehen wir onlinejournalismus.de nicht.

Preisverleihung mit Druckkostenzuschuss

Weil in letzter Zeit so viel von angeblichen Mauscheleien bei Preisverleihungen die Rede ist: Der Metablocker von politik-digital nennt beim Deutschen Multimeda Award des namensgebenden Verbandes nicht nur die Preisträger, sondern auch das Kleingedruckte:

Die Teilnahmegebühr für den DMMA beträgt je nach Zeitpunkt der Bewerbung zwischen 250 und 300 Euro. Dabei erhalten Mitglieder des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft eine Ermäßigung von 15 Prozent. Zusätzlich müssen die Bewerber im Falle einer Nominierung oder Prämierung eintausend Euro Druckkostenzuschuss für das Jahrbuch
“Interaktive Trends/DMMA 2007″ bezahlen. Darin sollen die ausgezeichneten Multimediaangebote auf einer A4-Doppelseite vorgestellt werden. Nach Angaben des DMMA haben sich insgesamt 368 Unternehmen, Institutionen, Agenturen, Freiberufler und Studenten um den Preis beworben.

Zu den interaktiven Trends gehört offenbar, dass die Preisträger am Tag nach der Verleihung noch nicht auf der Website zu finden sind, sondern die User sie sich auf anderen Websites ersurfen müssen.

Das Verfahren war wahrscheinlich schon seit jeher so oder so ähnlich, aber vielleicht nicht nur mir bislang unbekannt.

Phoenix: Zeitgeschichte zum Download

Der öffentlich-rechtliche “Ereigniskanal” Phoenix hat anlässlich seines zehnjährigen Bestehens eine Videothek zu wichtigen zeitgeschichtlichen Ereignissen freigeschaltet. Die Filme können online angeschaut werden (Real und WMV, kein Flash) oder als MPEG heruntergeladen werden. Auch ein Podcast-Abo ist möglich.

Die SZ feiert das Projekt als Vorreiter der Digitalisierung der Öffentlich-Rechtlichen. Ich habe mir die Plattform noch nicht ausführlich genug angeschaut, um urteilen zu können.

Qualitätsjournalismus und das schlimme Internet, Folge 265

Bei vier Veranstaltungen wurde dieser Tage wieder über das oben genannte Thema debattiert, hier einige Hinweise: “Evangelischer Kirchentag: Blogger sind bäh” (CIO Weblog), “Wichsvorlagen und die Zukunft des Qualitätsjournalismus” (Hauptstadtblog über eine Podiumsdiskussion zum Thema “Bürgerjournalismus – Was bringt’s den Tageszeitungen?” des Vereins Berliner Journalisten), “Guter Journalismus kostet auch im Online-Zeitalter viel Geld” (Pressemitteilung von News Aktuell zu einer Mediacoffee-Diskussionsrunde zum Thema Podiumsdiskussion zum Thema “Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? – Printmedien im Wandel”) und “Verleger zur Zeitungszukunft: “Goodbye Gutenberg” ist ein Mythos” (DPA-Artikel im “Tagesspiegel” zum Weltzeitungskongress).

Nachtrag 09.06.07
Blogger Felix Schwenzel hat die Diskussionsrunde zum Bürgerjournalismus auch besucht und ein paar nicht unkluge Gedanken dazu aufgeschrieben: “Schwitzen mit Journalisten”.

G8-Qualitätsjournalismus im Netz: Wer schläft wo?

Die gedruckte Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” weist auf ihrer Titelseite täglich auf ein besonderes Thema bei Sueddeutsche.de hin. Manchmal ist das ganz nützlich. Heute lautet der Hinweis: “Wer schläft wo? Eine interaktive Graphik zum Gipfel in Heiligendamm”.

Erst mal das Gute: Die grafische Aufbereitung ist sauber, das Flash funktioniert einwandfrei. Was gibt’s zu sehen: Die Hotels, in denen die acht Staatschefs die nächsten Tagen residieren. Jedes Haus kann angeklickt werden, dann erscheint ein bebildertes Informationsfenster, welches an ein Quartettkärtchen erinnert, beispielsweise so:

Grand Hotel
Fakten: 34 Doppelzimmer – 16 Suiten – Nelson Bar
Gäste: Tony Blair, Nicolas Sarkozy

Es ist einfach ohne jeglichen Informations- oder Nutzwert, völlig witzlos und unpointiert. Herrje, soll so ein – mit Verlaub gesagt – Quatsch Qualitätsjournalismus online sein? Glaubt man mit solchen scharf recherchierten und multimedial aufbereiteten Informationen vielleicht irgendeinen Zeitungsleser zu häufigeren Besuchen bei Sueddeutsche.de zu verleiten? Es kann einem die Lust eher verleiden.

Humorlos in Sache G8-Berichterstattung ist heute auch Stefan Niggemeier, der selten so Gl8 hat. Ebenso stinkstiefelig ist Christian Jakubetz, der über Tagesspiegel Online meckert.

Spreeblick und Videoblogs vom G8

Spreeblick macht ein Social-Media-Experiment und hat einen Twitter-ähnlichen Kanal für Kommentare von und über den G8-Gipfel und die Proteste dagegen eingerichtet, bei dem jeder mitmachen kann.

Spree8 bietet die Möglichkeit, die Geschehnisse vor Ort ungefiltert an die Öffentlichkeit zu bringen – entweder per SMS (0177-6719356) oder per Telefonanruf (030-868704209) als Sprachnachricht.

Ob es auf dem Niveau der VivaPlus-Laufleiste landet, reine Reizüberflutung wird oder ein spannendes Bild aus vielen Einzelteilen wird, lässt sich bisher noch nicht sagen.

Zwei unabhängige Video-Projekte berichten ebenfalls übers Gipfelgeschehen – G8-TV.org aus Sicht der G8-Kritiker und G8Vlog, das ab dem 4. Juni Beiträge mit satirischem Einschlag liefern will.

Von den etablierten Medien bloggen zum Beispiel das ZDF, blog.tagesschau.de wird wohl demnächst folgen. Heute arbeiten tagesschau.de und Spiegel Online mit klassischen Live-Tickern als Ergänzung zu den normalen Meldungen. (Danke an Wolfgang Blau für den Hinweis.)

Und in eigener Sache: Ein Teil des onlinejournalismus.de-Teams wird ebenfalls vor Ort sein – für das Experiment Gipfelblog.de.

Breaking News ins Blog, bitte!

Robert Niles hält im OJR ein Plädoyer für das eine Blog, das für Nachrichtensites wirklich essentiell sei: eines für Breaking News, das sich entwickelnde, wirklich wichtige Nachrichtenereignisse quasi live begleitet. Das erinnert schon sehr an einen Ticker, aber Blogsoftware erlaubt natürlich viel mehr Darstellungsmöglichkeiten und Tools wie RSS-Feeds.

In Deutschland gibt es meines Wissens trotzdem keine solchen Newsblogs, die bei Bedarf aktiviert werden können – obwohl Wolfgang Harrer damals mit dem Tsunami-Blog für das ZDF grandios vorgelegt hat (heute noch bei Archive.org einsehbar).

Springer kürt junge Journalisten

Wird onlinejournalismus.de eine “Schönwetter-Seite”? Heute veröffentlichen wir binnen weniger Tage schon zum dritten Mal etwas über prämierte Websites. Journalistenpreise sind eh nicht ganz unumstritten. Und dann auch noch ein Preis aus dem Hause Springer. Der Axel-Springer-Preis für Junge Journalisten.

Nun gut, zumindest für das Online-Genre kann ich sagen, dass die Jury kompetent besetzt war und dass ich somit gerne die Gewinner hier mitteile. Gerade im Internet können solche Preise immer wieder wichtige Wegmarken sein, für Neueinsteiger genauso wie für altgediente Recken. [Notiz an mich selbst: Wäre mal wieder angebracht, sich etwas fundierter und ausführlicher mit dem Thema zu beschäftigen.]

Lange Rede, kurzer Sinn, die Preisträger Internet:

1. Preis
Lars Abromeit
Geo.de-Dossier: Antarktis: In der Wüste der Kälte

2. Preis
Florian Güßgen
Stern.de-Reportage: Die Rebellion der Muschelgräber

Sonderpreis
Redaktionsteam von Jetzt.de

Die weiteren Preisträger (Print, Hörfunk, TV) finden sich auf der Website.

Charme abseits des Mainstreams: Alternativer Medienpreis verliehen

Weder glamourhaft noch um technischen Perfektionismus der Netz-Teilnehmer bemüht erscheint der Alternative Medienpreis. Die Auslober des 1999 gegründeten Wettbewerbs möchten andere Akzente setzen. Vor allem “von den großen Medien vernachlässigte Inhalte, gesellschaftskritischer Ansatz” sind entscheidende Vergabekriterien.

Ausgeschrieben wurde der Preis in diesem Jahr von der Nürnberger Medienakademie e.V. und dem Münchner Medienladen. Mag der Wettbewerb auf manchen Betrachter vielleicht altbacken wirken, so hat er sich trotzdem in den letzten Jahren etabliert. Mit seinen Preisträgern bietet er eine kleine aber bedeutende Leistungsschau von dem, was “unten” passiert.

Heute Mittag wurde der Preis in Nürnberg verliehen. Preisträger des Alternativen Medienpreises 2007 in der Sparte Internet sind:

1. www.holocaust-chronologie.de

2. www.kinderstrasse.com

3. www.mut-gegen-rechte-gewalt.de

Lobend erwähnt wurde www.ceiberweiber.at.

Die Laudationes und die weiteren Preisträger im Bereich Presse finden sich auf der Website.

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