Archivierte Einträge für Ereignisse

Phoenix: Zeitgeschichte zum Download

Der öffentlich-rechtliche “Ereigniskanal” Phoenix hat anlässlich seines zehnjährigen Bestehens eine Videothek zu wichtigen zeitgeschichtlichen Ereignissen freigeschaltet. Die Filme können online angeschaut werden (Real und WMV, kein Flash) oder als MPEG heruntergeladen werden. Auch ein Podcast-Abo ist möglich.

Die SZ feiert das Projekt als Vorreiter der Digitalisierung der Öffentlich-Rechtlichen. Ich habe mir die Plattform noch nicht ausführlich genug angeschaut, um urteilen zu können.

Qualitätsjournalismus und das schlimme Internet, Folge 265

Bei vier Veranstaltungen wurde dieser Tage wieder über das oben genannte Thema debattiert, hier einige Hinweise: “Evangelischer Kirchentag: Blogger sind bäh” (CIO Weblog), “Wichsvorlagen und die Zukunft des Qualitätsjournalismus” (Hauptstadtblog über eine Podiumsdiskussion zum Thema “Bürgerjournalismus – Was bringt’s den Tageszeitungen?” des Vereins Berliner Journalisten), “Guter Journalismus kostet auch im Online-Zeitalter viel Geld” (Pressemitteilung von News Aktuell zu einer Mediacoffee-Diskussionsrunde zum Thema Podiumsdiskussion zum Thema “Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? – Printmedien im Wandel”) und “Verleger zur Zeitungszukunft: “Goodbye Gutenberg” ist ein Mythos” (DPA-Artikel im “Tagesspiegel” zum Weltzeitungskongress).

Nachtrag 09.06.07
Blogger Felix Schwenzel hat die Diskussionsrunde zum Bürgerjournalismus auch besucht und ein paar nicht unkluge Gedanken dazu aufgeschrieben: “Schwitzen mit Journalisten”.

G8-Qualitätsjournalismus im Netz: Wer schläft wo?

Die gedruckte Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” weist auf ihrer Titelseite täglich auf ein besonderes Thema bei Sueddeutsche.de hin. Manchmal ist das ganz nützlich. Heute lautet der Hinweis: “Wer schläft wo? Eine interaktive Graphik zum Gipfel in Heiligendamm”.

Erst mal das Gute: Die grafische Aufbereitung ist sauber, das Flash funktioniert einwandfrei. Was gibt’s zu sehen: Die Hotels, in denen die acht Staatschefs die nächsten Tagen residieren. Jedes Haus kann angeklickt werden, dann erscheint ein bebildertes Informationsfenster, welches an ein Quartettkärtchen erinnert, beispielsweise so:

Grand Hotel
Fakten: 34 Doppelzimmer – 16 Suiten – Nelson Bar
Gäste: Tony Blair, Nicolas Sarkozy

Es ist einfach ohne jeglichen Informations- oder Nutzwert, völlig witzlos und unpointiert. Herrje, soll so ein – mit Verlaub gesagt – Quatsch Qualitätsjournalismus online sein? Glaubt man mit solchen scharf recherchierten und multimedial aufbereiteten Informationen vielleicht irgendeinen Zeitungsleser zu häufigeren Besuchen bei Sueddeutsche.de zu verleiten? Es kann einem die Lust eher verleiden.

Humorlos in Sache G8-Berichterstattung ist heute auch Stefan Niggemeier, der selten so Gl8 hat. Ebenso stinkstiefelig ist Christian Jakubetz, der über Tagesspiegel Online meckert.

Spreeblick und Videoblogs vom G8

Spreeblick macht ein Social-Media-Experiment und hat einen Twitter-ähnlichen Kanal für Kommentare von und über den G8-Gipfel und die Proteste dagegen eingerichtet, bei dem jeder mitmachen kann.

Spree8 bietet die Möglichkeit, die Geschehnisse vor Ort ungefiltert an die Öffentlichkeit zu bringen – entweder per SMS (0177-6719356) oder per Telefonanruf (030-868704209) als Sprachnachricht.

Ob es auf dem Niveau der VivaPlus-Laufleiste landet, reine Reizüberflutung wird oder ein spannendes Bild aus vielen Einzelteilen wird, lässt sich bisher noch nicht sagen.

Zwei unabhängige Video-Projekte berichten ebenfalls übers Gipfelgeschehen – G8-TV.org aus Sicht der G8-Kritiker und G8Vlog, das ab dem 4. Juni Beiträge mit satirischem Einschlag liefern will.

Von den etablierten Medien bloggen zum Beispiel das ZDF, blog.tagesschau.de wird wohl demnächst folgen. Heute arbeiten tagesschau.de und Spiegel Online mit klassischen Live-Tickern als Ergänzung zu den normalen Meldungen. (Danke an Wolfgang Blau für den Hinweis.)

Und in eigener Sache: Ein Teil des onlinejournalismus.de-Teams wird ebenfalls vor Ort sein – für das Experiment Gipfelblog.de.

Breaking News ins Blog, bitte!

Robert Niles hält im OJR ein Plädoyer für das eine Blog, das für Nachrichtensites wirklich essentiell sei: eines für Breaking News, das sich entwickelnde, wirklich wichtige Nachrichtenereignisse quasi live begleitet. Das erinnert schon sehr an einen Ticker, aber Blogsoftware erlaubt natürlich viel mehr Darstellungsmöglichkeiten und Tools wie RSS-Feeds.

In Deutschland gibt es meines Wissens trotzdem keine solchen Newsblogs, die bei Bedarf aktiviert werden können – obwohl Wolfgang Harrer damals mit dem Tsunami-Blog für das ZDF grandios vorgelegt hat (heute noch bei Archive.org einsehbar).

Springer kürt junge Journalisten

Wird onlinejournalismus.de eine “Schönwetter-Seite”? Heute veröffentlichen wir binnen weniger Tage schon zum dritten Mal etwas über prämierte Websites. Journalistenpreise sind eh nicht ganz unumstritten. Und dann auch noch ein Preis aus dem Hause Springer. Der Axel-Springer-Preis für Junge Journalisten.

Nun gut, zumindest für das Online-Genre kann ich sagen, dass die Jury kompetent besetzt war und dass ich somit gerne die Gewinner hier mitteile. Gerade im Internet können solche Preise immer wieder wichtige Wegmarken sein, für Neueinsteiger genauso wie für altgediente Recken. [Notiz an mich selbst: Wäre mal wieder angebracht, sich etwas fundierter und ausführlicher mit dem Thema zu beschäftigen.]

Lange Rede, kurzer Sinn, die Preisträger Internet:

1. Preis
Lars Abromeit
Geo.de-Dossier: Antarktis: In der Wüste der Kälte

2. Preis
Florian Güßgen
Stern.de-Reportage: Die Rebellion der Muschelgräber

Sonderpreis
Redaktionsteam von Jetzt.de

Die weiteren Preisträger (Print, Hörfunk, TV) finden sich auf der Website.

Charme abseits des Mainstreams: Alternativer Medienpreis verliehen

Weder glamourhaft noch um technischen Perfektionismus der Netz-Teilnehmer bemüht erscheint der Alternative Medienpreis. Die Auslober des 1999 gegründeten Wettbewerbs möchten andere Akzente setzen. Vor allem “von den großen Medien vernachlässigte Inhalte, gesellschaftskritischer Ansatz” sind entscheidende Vergabekriterien.

Ausgeschrieben wurde der Preis in diesem Jahr von der Nürnberger Medienakademie e.V. und dem Münchner Medienladen. Mag der Wettbewerb auf manchen Betrachter vielleicht altbacken wirken, so hat er sich trotzdem in den letzten Jahren etabliert. Mit seinen Preisträgern bietet er eine kleine aber bedeutende Leistungsschau von dem, was “unten” passiert.

Heute Mittag wurde der Preis in Nürnberg verliehen. Preisträger des Alternativen Medienpreises 2007 in der Sparte Internet sind:

1. www.holocaust-chronologie.de

2. www.kinderstrasse.com

3. www.mut-gegen-rechte-gewalt.de

Lobend erwähnt wurde www.ceiberweiber.at.

Die Laudationes und die weiteren Preisträger im Bereich Presse finden sich auf der Website.

Grimme Online Award – die Nominierten sind…

…toll! Aus mehr als 1300 Vorschlägen hat die Nominierungskommission* 20 Favoriten herausgefiltert.

Beachtenswert: Mit dem Ö-Blog, dem Zuender und ihrem Video-Angebot ist die ZEIT online gleich dreimal vertreten – beim Rest der überregionalen Branche konnte man zwar in den vergangenen Monaten im hohen Relaunch-Takt viele frisch angepinselte Seiten bestaunen, aber ansonsten: Ebbe im Karton.

Erwähnenswert: Den Reigen der Ö-R-Angebote eröffnet einmal mehr der BR-Online mit seinem Special zum Thema Heimatfilm, getragen vom Lola-Abräumer „Wer früher stirbt, ist länger tot“. Unter den Nominierten außerdem zwei Mal das Zweite.

Sehenswert: Sind alle nominierten Angebote. Und es sind überwiegend gewachsene Projekte. Sie setzen konstant leise Akzente, leise, aber mit langem Nachhall, keine Feuerwerke, die nach ein paar Monaten wieder abgebrannt sind. Ins Auge stechen erneut Weblogs und private Initiativen, die sich wie schon im vergangenen Jahr selbstbewusst neben die Großen der Branche stellen.

Mitmachenswert: Ein schöne Mischung, eine schwere Wahl, Publikumspreis, hier.

*mit our very special own Fabian Mohr und Alexander Svensson, die hier und hier Eindrücke aus ihrer Arbeit in der Kommission schildern.

Amoklauf / Roanoke Times / andere

Der Amoklauf an der Hochschule Virginia Tech hat sich nur rund 36 Meilen vom Standort der experimentierfreudigen Roanoke Times im gleichen Bundesstaat ereignet. Leider kann man gerade nicht sehen, wie die Kollegen das Thema aufbereiten – die Site ist derzeit nicht erreichbar.

Update: Jetzt geht es doch. Erstaunlicherweise nimmt der Amoklauf-Aufmacher auf der Startseite nur wenig Platz ein. Direkt auf der Startsite gibt es eine offenbar mit Soundslides produzierte animierte Bildstrecke mit Augenzeugen-O-Tönen. Der Hauptartikel ist eigentlich mehr ein Blog – er listet in ungekehrt chronlogischer Reihenfolge die Meldungen auf, von der allerersten über Statements aus Krankenhäuser bis zum Hinweis, dass bereits ein Wikipedia-Eintrag zu dem Ereignis existiert. Die Links auf weitere Artikel finden sich in dem Design allerdings nicht so leicht wieder.

Als Unterartikel gibt es bei der Roanoke Times die Statements von Gouverneur und Uni-Rektor. Auf der Startseite wird auch auf eine Karte des Tatortes verlinkt, letztere ist in einem doofen Popup produziert.

Nachtrag 2: Auffallend auch, dass CNN – und damit auch manch anderer Fernsehsender – fast von Anfang an sein Programm mit einem Handy-Video und anderen Augenzeugenberichten bestritten hat, eingegangen über CNNs “I-Reporter”-Programm. Mehr über die (US-)Berichterstattung bei Poynter.

Nachtrag 3, Mitternacht deutscher Zeit: SpOn hat nicht nur mitgeschrieben, was studentische Augenzeugen im Internet und anderen Medien berichten, sondern mittlerweile auch Kontakt zu einem Deutschen vor Ort. Leider fehlt unter dem Teaser auf der Startseite (noch) der Link zum entsprechenden Artikel. Ups, die Hektik …

stern.de hat die gute Idee, den Ort des Geschehen durch Einbindung einer GoogleMap zu visualisieren. Ziemlich sparsam dagegen die Berichterstattung bei heute.de, auch Welt.de hat nur Standard zu bieten, dafür sehr schnell eine fette Bilderstrecke oben im Text, die allerdings wenig aufschlußreich ist. sueddeutsche.de bietet einen langen, viergeteilten Text, der als Pseudo-Reportage geschrieben ist. Der Routine wegen auch bei der Readers Edition geguckt – nix.

US-Wahl: TV-Sites top, Blogger lala

Zwei Lehren aus der US-Wahlnacht, die das Project for Excellence in Journalism in einer umfangreichen Analyse gezogen hat:

1. The two most valuable things the news media offers on these fast-moving election nights now is a quick summary of key results for those wanting the headlines and deep veins of data that users can mine on their own. That may explain why TV Web sites fared well.

5. When the system works—voting occurs without widespread problems and the media establishment isn’t faltering—citizen sentinels, bloggers, and other observers, while potentially important watchdogs, have a more restricted role.

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