Alle Beiträge der Kategorie 'Ethik'

Heikle Twitter-Debatte um die “Rhein-Zeitung”

Von Thomas Mrazek am 27. Oktober 2009

rz-twitter

Bei der Koblenzer “Rhein-Zeitung” scheint der Haussegen schief zu hängen. Scheint, denn die Quelle, die einige Ungereimheiten bei der Regionalzeitung anprangert, bedient sich eines anonymen Twitteraccounts.

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Keiner meckert mehr über “Miststücke” bei Zeit Online

Von Thomas Mrazek am 10. Juni 2009

Ein meines Erachtens leider etwas vernachlässigtes Projekt (nur dann und wann wurde es in der Literatur erwähnt, etwa bei Professor Klaus Meier), das so genannte Meckerblog bei Zeit Online stellte jetzt seinen Dienst ein. Ein unabhängiger Journalist, “Onkel Brumm”, beobachtete in diesem Blog das Web-Angebot der Wochenzeitung und wies auf Fehler und Fehlentwicklungen hin. Dafür erhielt er ein geringes Honorar.

Am Sonntag schrieb Onkel Brumm (richtiger Name ist der Redaktion bekannt): “Mit diesem Posting endet das Meckerblog – mehr als drei Jahre sind man (sic) genug. Findet jedenfalls die Redaktion, und ich stimme dem zu.” Wenigstens ein Ende ohne Knatsch, wie dem Beitrag “Finis Meckerblog” zu entnehmen ist, denn der Autor wird nach eigenen Angaben künftig häufiger für Zeit Online schreiben. Trotzdem ist es natürlich schade, dass diese – meines Wissens in Deutschland einmalige – Institution redaktioneller Selbstkontrolle nun endet.

Dass dieser Job nicht immer einfach war, sagte uns der Meckerblogger im Interview vom 22.12.2006: “Vermutlich bin ich als Kritiker nicht gerade beliebt”. Die mangelnde Aufmerksamkeit für dieses Blog beklagten wir im Beitrag “Miststücke in der ‘Zeit’”.

Direktanbindung an die Verbrecherkartei

Von Fiete Stegers am 8. Juni 2009

Screenshot TampaBay.com (Unkenntlichmachung durch onlinejournalismus.de)

Fotos, Namen und weitere persönlichen Daten aller von den lokalen Polizeibehörden in den letzten 24 Stunden Festgenommen werden bei TampaBay.com ohne redaktionelle Bearbeitung automatisch ins Netz gestellt: Die anwesenden Studenten und Journalisten reagierten mit einer Mischung aus Unglauben und Empörung, als Regina McCombs vom Poynter Institute kürzlich auf einer Veranstaltung in Hamburg auf das Projekt der St. Petersburg Times zu sprechen kam. Auch in den USA waren nach dem Launch der Microsite der Zeitung (die über eine komplizierte Konstruktion mit dem Poynter Institut verbunden ist) diskutiert worden, ob das ethisch vertretbar sei.

Warum es aber generell gut ist, wenn Journalisten öffentliche zugängliche Daten nehmen (oder den Zugang dazu einfordern) und journalistisch aufbereiten, thematisiere ich in meiner jüngsten Kolumne bei Dnews.de.

Weitere Links

Spektakuläre Bilder - die man zeigen muss?

Von Fiete Stegers am 2. Mai 2009

Im Blog Coffee&TV läuft eine Debatte über den Umgang mit den - ja - spektakulären Bildern, die zeigen, wie ein Autofahrer bei der Koniginnendag-Parade in Apeldoorn in die Menge der Schaulustigen rast.

Für Blogautor Lukas Heinser sind die Aufnahmen, die viele deutsche Online-Medien zeigen, zuviel (Opfer am Boden, Erste-Hilfemaßnahme). Andererseits gibt es das ungeheuer eindrucksvolles Motiv, das zeigt, wie schnell Schrecken und Tod über die Wartenden hereinbrachen: Es zeigt zwei Menschen, die vom Auto beiseite geschleudert werden, während wenige Meter entfernt noch ein Polizist in nichtsahnender Haltung da steht, hinter ihm in der der Menge aber die ersten Menschen bereits zu reagieren beginnen. Das ist mit Sicherheit ein Foto, das bei den nächsten Presse-Preisen ausgezeichnet werden wird.

stern.de und bild.de veröffentlichen allerdings auch die Aufnahmen aus den Sekundenbruchteilen davor, die noch die durch die Luft wirbelnden Opfer zeigen - hier irgendwo verläuft die Grenze, die Focus Online mit einer Aufnahme des schwerverletzten (verpixtelten) Fahrers mit verdrehtem Kopf im Autowrack meiner Meinung nach überschreitet.

Zum Abschluss noch zwei Beobachtungen zu den User-Kommentaren auf niederländischen Websites: Dort betrachteten viele User die sparsam veröffentlichten Bilder des Fahrers sehr genau, um zu erfahren, dass dieser offenbar eine weißer Niederländer mittleren Alters und nicht etwa ein vollbärtiger Araber Anfang 20 war. Auch das Kennzeichen des Fahrzeug wurde von mehreren Nutzern sofort über die öffentliche Registrierungsdatenbank überprüft, um festzustellen, dass der Suzuki ordnungsgemäß versichert und nicht gestohlen war.

Abseits von der Ethik-Debatte ist es eine Petitesse, das gleich zahlreiche Online-Medien auf die Fotos von Fahrradpolizisten, die als erste am Autowrack waren, texteten, dass Sprengstoffspezialisten das Fahrzeug untersuchten.

Nachtrag, 03.05.2009
Frank Miener macht sich auch Gedanken zum Thema.
Vergessen zu erwähnen hatte ich noch eine andere Randbeobachtung: Da das Ereignis live von NOS im TV übertragen wurde, gab es auch sehr schnell einen von einem Privatnutzer hochgeladdenen Mitschnitt des Geschehens bei YouTube. Die Zeitung Volkskrant.nl hat das Video - Copyright hin, Copyright her - ohne viel Federlesens in ihrem Artikel eingebettet.

Darf ein Politik-Redakteur bei Facebook lästern?

Von Fiete Stegers am 25. April 2009

Darüber, wie offenherzig Nutzer von sozialen Netzwerken mit privaten Informationen umgehen und welche Folgen das haben kann, berichten Journalisten immer wieder (Beispiel-Klassiker: Party-Foto zerstört Bewerbungschancen). Wie sie sich selbst verhalten, wenn sie bloggen, twittern oder sich bei Facebook tummeln, haben sie aber noch kaum diskutiert.

Warum wir das aber sollten, habe ich bei dnews.de aufgeschrieben. Stephen Myers hat sich bei Poynter Online vor einiger Zeit noch ausführlicher Gedanken gemacht.

Bildblog widmet sich künftig nicht mehr nur der Bild

Von Fiete Stegers am 4. April 2009

Das Bildblog kündigt eine neue Ausrichtung an: Künftig werden alle Medien beobachtet, der Name aber beibehalten:

BILDblog verändert sich. Aber wir bleiben uns treu.

Aus BILDblog wird am Montag BILDblog für alle. Wir schauen über “Bild” hinaus und nehmen uns auch anderer Medien an. Sie haben es sich verdient.

Mitgründer Christoph Schultheiß ist aus der Redaktion ausgeschieden, zum Team gehören künftig Stefan Niggemeier, Lucas Heinser und Christian Jakubetz

(Was mache ich jetzt mit meinem vorbereiten Fragezettel zu fünf Jahren Bildblog?)

Kleiner Denkanstoss zum Bilderklau im Internet

Von Thomas Mrazek am 1. April 2009

Im aktuellen ABZV-Newsletter (ABZV steht für Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage e.V.) stellt sich Kurt Braun, Medienanwalt und ABZV-Referent, presserechtlichen und medienethischen Fragen zum Amoklauf von Winnenden. Ein interessanter Auszug daraus:

[ABZV:] Focus hat 13 der 15 Opfer auf dem Cover gezeigt. Die Fotos scheinen teils Internet-Portalen wie SchülerVZ oder Lokalisten entnommen zu sein – ist das zulässig?
[Kurt Braun:] Die Veröffentlichung von Fotos, wenn sie denn ohne Einwilligung der Eltern oder sonst Berechtigten aus Portalen wie SchülerVZ entnommen worden sind, wäre schlicht ein rechtswidriger Eingriff in das Persönlichkeitsrecht. Die Einwilligung der Schüler oder Lehrer zur Publikation ihrer Bilder galt nur für das jeweilige Portal, nicht aber für Dritte, wie sensationssüchtige Medien. Wenn Focus die Bilder ohne Einwilligung aus dem Internet genommen hat, so wäre es schon mehr als erstaunlich, dass ein Chefredakteur, der stets auf die Wahrung seines eigenen Persönlichkeitsrechts bedacht ist und deshalb mehrfach die Gerichte bemüht hat, diesen rechtswidrigen Eingriff zugelassen hätte.”

Onlinejournalismus.de hat sich in den letzten Wochen auch mit diesem Thema beschäftigt (siehe etwa “TV-Beitrag: Raubzug im Internet - wie Medien Privatfotos stehlen”). Den sehr empfehlenswerten, monatlich erscheinenden ABZV-Newsletter können sie unter www.abzv.de/Newsletter/Newsletter.php abonnieren, dort finden Sie auch das ganze Interview mit Medienanwalt Braun in einem PDF.

TV-Beitrag: “Raubzug im Internet - wie Medien Privatfotos stehlen”

Von Thomas Mrazek am 26. März 2009

Unter diesem Titel gibt es heute Abend (21:45 Uhr, ARD) einen Beitrag des NDR-Magazins Panorama - ich bin gespannt darauf. Sicherlich gibt es den Beitrag auch wieder im Netz zum Download, wir weisen dann natürlich darauf hin; in der Vorschau heißt es u.a.:

“Sie suchten im Internet, fanden Fotos und kopierten sie einfach. Das Netz als Selbstbedienungsladen - so sehen das offenbar immer mehr Pressevertreter. Es wird geklickt, kopiert, veröffentlicht - rücksichtslos und ohne Erlaubnis. Und weil jede Redaktion die Erste sein will, passieren Fehler.”

Vor vier Wochen dokumentierten wir hier einen Fall, bei dem das Hamburger “Abendblatt” sich in Berichten über ein Familiendrama, bei dem vier Menschen ums Leben kamen, offenbar mit Bildern aus dem Internet behalf (siehe: “Exklusives “Internet-Tagebuch des Familienmörders”). Die Bilder stammten von einer Internet-Seite des Familienvaters, der sich uns seine Familie getötet hatte. Als Fotograf gab das “Abendblatt” allerdings den Namen des “Abendblatt”-Autoren Florian Büh an.

Dieser wollte uns keine Auskunft über die Herkunft der Bilder geben und verwies an “Abendblatt”-Chefredakteur Claus Strunz. Der wiederum antwortete uns trotz mehrmaliger Nachfragen bis dato nicht. Die entsprechenden Seiten wurden inzwischen kommentarlos von der “Abendblatt”-Website entfernt (die Bildunterschriften sind allerdings weiterhin einsehbar). Medienethik scheint für Strunz, der sich in Sonntagsreden gerne für seinen “Journalismus 2.0″ und seine Lesernähe rühmt, keine Rolle zu spielen.

Update 27.03.2009
Das Video der Panorma-Sendung ist jetzt auf der Website. Außerdem gibt es einen interessanten Schriftwechsel zwischen der Panorama-Redaktion und “Bild”-Pressesprecher Tobias Fröhlich (PDF). Im Panorama-Forum kritisieren Zuschauer zurecht, dass die Redaktion in ihrem Beitrag die Rolle der Öffentlich-Rechtlichen bei der Winnenden-Berichterstattung überhaupt nicht reflektiert und nur auf die einschlägigen Verdächtigen, wie “Bild” und Privatsender, eingeht.

Nachtrag 01.04.2009
Über das Schweigen ansonsten gerne sprechender Chefredakteure hat sich auch Stefan Niggemeier in dem Beitrag “Niemandem Rechenschaft schuldig” Gedanken gemacht.

Die April-Ausgabe des ABZV-Newsletters bietet einen kleinen Denkanstoss zum Bilderklau im Internet.

Sonder-Twitterfeed für Nachrichtenereignis

Von Fiete Stegers am 11. März 2009

Mario Sixtus wundert sich zwar schon, wo die “die ersten hyperventilierenden ‘Über den Amoklauf wurde zuerst auf Twitter berichtet’-Tweets” und die Bildstrecken zu den 100 schlimmsten Amokläufen bei den Online-Medien bleiben. Hervorheben kann man aber mal das Beispiel von Focus Online. Dort hat man neben einem regulären Nachrichten-Ticker auf der Website auch einen Twitter-Feed namens “FOCUSlive” aktiviert, der sich derzeit allein dem Amoklauf in Baden-Württemberg widmet.

Er liefert kurze Newschnipsel, weist auf neue Artikel hin und informiert über das Ausschwärmen der eigenen Reporter zum Ort des Geschehens. Der Twitter-Feed kann später auch für andere Nachrichtenereignisse benutzt werden - deshalb halte ich das generell für eine gute Idee. So gerät der normale Twitterfeed nicht in die Gefahr, überschwemmt zu werden. Auf Kritik an Stil und Inhalt des “Amok-Twitters” reagierte Focus-Online-Chef Jochen Wegner im Blog von Stefan Niggemeier und seinem eigenen Blog (siehe Kommentare).

Nachträge zur Berichterstattung anderer Online-Medien

  • Bild.de hat ebenfalls einen Sonder-Twitterfeed, der auch im Content-Bereich auf der Startseite beworben wird. Außerdem - zu befürchten war es - ein privates Foto des mutmaßlichen minderjährigen Täters.
  • stern.de biete eine Bildstrecke zur betroffenen Realschule an, die menschenleere Schulräume zeigt, offenbar völlig ohne Bezug auf das Ereignis. Als Bildquelle wird “Albertville-Realschule” angegeben. Sind die Fotos tatsächlich von dort freigegeben (an einem Tag wie heute?) oder hat sich stern.de einfach auf der Homepage der Schule bedient?
  • Focus.de bietet einen Bericht über den Amoklauf und Web-Reaktionen bzw. die bisher erfolglose Suche nach privaten Informationen über den Täter im Web in Social Communities etc. an.
  • Spiegel Online bot mit seinem Aufmacher am frühen Abend ein klassisches Beispiel für einen Artikel, der nicht einlöst, was Überschrift und Teaser versprechen: “Tim K. - der Junge ohne Eigenschaften”
  • SWR.de setzte in seinem Artikel eine Karte der Region von Openstreetmap - mit CC-Lizenz ein.

Gegen Bezahlung: DerWesten lässt das Höschen runter

Von Thomas Mrazek am 3. März 2009

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Auf der verzweifelten Suche nach Erlösquellen ist Netz-Medien mitunter kein Mittel zu schade. DerWesten wirbt bei Parteien mit einem dubiosen Angebot.

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