Archivierte Einträge für Ethik

Zwickau: Neonazi-Jagd per Crowdsourcing?

Die Ermittler hoffen auf die berühmten sachdienlichen Hinweise aus der Bevölkerung, um rückwirkend neue Erkenntnisse über die Bewegungen der Zwickauer Nazi-Terroristen zu gewinnen. Aufgerufen wird per PlakatCrowdsourcing analog zusagen. Interessant, dass die “Süddeutsche Zeitung” den Hinweis, dass dazu ein Plakat eingesetzt werden sollte, vor der heutigen Pressekonferenz der Bundesanwaltschaft als dramatische exklusive Info verkauft …

Warum nicht gleich echtes, digitales Crowdsourcing in einem NeonaziWiki oder ähnliches? Könnten so nicht viel schneller Erkenntnisse zu Tage gefördert werden und so nicht nur die Veröffentlichungen von Journalisten die Erkenntnisse von Polizei und Verfassungsschutz alt aussehen lassen, sondern die Intelligenz des Schwarms noch viel mehr?

Ich bin skeptisch. Anders als im Fall des GuttenPlag-Wikis liegen hier die allermeisten Quellen nicht offen und für jeden überprüfbar vor. Stattdessen müssten sich Betreiber und Benutzer mit Persönlichkeitsrechten auseinandersetzen. Es könnte gerade angesichts des schwer abgrenzbaren Themenfelds schnell eine Plattform für schwer nachweisbare Verdachtsäußerungen, falschen Verdächtigungen bis hin zur Menschenjagd entstehen – ein juristisches und ethisches Himmelfahrtskommando.

Oder?

(Positiv hervorheben kann man aber mal wieder den Wikipedia-Artikel zum “Nationalsozialistischen Untergrund”, der die zahllosen Fakten und Vermutungen, die sich in den Berichten jedes einzelnen Mediums über zahllose Einzelbeiträge verstreut finden, ordnet und verdichtet.)

(Kleiner) Sieg über “Bild”

Schreiben des Deutschen Presserats (Foto: Fiete Stegers)

“Der Beschwerdeausschuss kommt zu dem Ergebnis, dass BILD mit der Online-Berichterstattung unter der Überschrift “Galerie der Schande” gegen die in Ziffer 1 des Pressekodex festgeschriebene Wahrung der Menschenrechte verstoßen hat.” Worum ging es und warum ist die Sache noch nicht zuende?

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Your Life according to Facebook

Facebooks neue Timeline (Screenshot [M])

Facebook hatte Großes angekündigt – und zumindest das Medienecho auf die gestern bei der Entwicklerkonferenz F8 angekündigten Neuerungen bei dem Sozialen Netzwerk ist entsprechend. Eine Linkschau zur Facebook-Timeline.(Update, 26.09.2011)

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Openleaks: Wettkampf um Whistleblower

Openleaks geht in den Testbetrieb, die taz und der Freitag sind dabei. Doch auf der neuen Leaking-Plattform müssen sie mit NGOs um vertrauliche Informationen konkurrieren. Müssen sich die Medien von ihrem Exklusivitätsanspruch verabschieden, wenn sie im digitalen Wettkampf um die Gunst der Whistleblower mithalten wollen?

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Webvideopreis @ onlinejournalismus.de

Einige Zeit nachdem Roman Mischel hier bei onlinejournalismus.de auf die Ausschreibung für den ersten deutschen Webvideopreis hingewiesen hatte, habe ich mit mich ihm darüber unterhalten, ob die Veranstaltung eventuell das Problem haben könnte, dass in dieser relativ kleinen Welt Juroren und Nominierte zu eng miteinander verbandelt sind bzw. die Preise ausschließlich an solche Protagonisten gehen könnten, die Szene-Stars am nächsten kommen. Ein grundsätzliches Problem kann und konnte ich aber nicht erkennen: Schließlich ist es nicht unterwartet, wenn bei der ersten Verleihung eines solchen Preis zunächst einmal unter den Gewinnner eben jene sind, die nicht ohne Grund bereits bekannt sind. Und in der Jury sind ja Namen vertreten, die für Qualität bürgen.

Inzwischen stehen die Preisträger fest. Roman Mischel, der sich nicht nur hier seit Jahren mit dem Thema Webvideo auseinandersetzt, hat selbst in der Kategorie Dokumentation für seine Film Freddy den Publikumspreis gewonnen (herzlichen Glückwunsch!). Unter den Ausgezeichneten sind noch weitere bekannte, über die wir hier bereits berichtet haben – aber ebenso mir bisher unbekannte Perlen. Und die unglaubliche Menge an Einreichungen zeigt, dass sich bei einer Neuauflage des Preises das Bild schnell ändern könnte.

Ältere Beiträge über die Preisträger

Andere über den Webvideopreis

Ägypten und Prozessjournalismus, Nachtrag

Als Nachtrag zu Lorenz Matzats Artikel “Ägypten und Prozessjournalismus: Deutschsprachige Onlinemedien enttäuschen” der Hinweis auf zwei interessante Beiträgeüber Andy Carvin von NPR und seine Erfahrungen, Ägypten-Nachrichten über Twitter zu kuratieren.

Und ein Hintergrund: NPR Takes ‘Web-First’ Approach to Blogging. What Does That Mean? (September 2010)

Update, 14.02.2011:
Medial Digital empfiehlt noch einen weiteren Beitrag zum Thema beim Knight Digital Media Center, der wiederum auf einem Interview von Ethan Zuckermann mit Carvin basiert.

Die PR-Büttel von Abendzeitung.de

Dieser Tage hat die Münchner “Abendzeitung” ihren Web-Auftritt relauncht. Optisch und vom Aufbau her gefällt mir das neue Angebot auf den ersten Blick gut. Inhaltlich sind mir allerdings zwei Artikel aufgefallen, die das Prädikat “Leserverarschung” verdienen. Weiterlesen…

Leserkommentare: Sachlich bleiben


kommentar
Der mitunter rüde Umgangston auf Zeitungs-Websites erfordert zunehmend eine größere journalistische Sorgfalt und verständliche Kommentarregeln. Weiterlesen…

Zeit Online: Schleichwerbung für das Paradies?

Vor einem Jahr hatte ich an dieser Stelle moniert, “Zeit Online huldigt Renault”. Ich empfand eine allzu längliche Bildstrecke für ein französisches Automobil als Schleichwerbung, die Redaktion entfernte die werbenden Bilder dann auch nach meinem Hinweis. Gut so.

Ich wünsche mir von so einem integeren Online-Angebot, dass man auch den aus der “Zeit” vom 29.07.2010 stammenden (Werbe-)Text “Portugal: Der Strand – Die Bucht von Alteirinhos braucht keine Wellenreiter, um lässig zu sein”, mit dem verlinkten Hinweis “Weitere Informationen unter www.visitportugal.com” entfernt. Schließlich endet der durchweg schwärmerische Artikel mit der Aussage: “Wir behalten das Paradies gern für uns allein.” So soll es denn sein. Muss wohl durchgerutscht sein, ansonsten ist es wohl ein schönes Beispiel für Schleichwerbung.

Nachtrag
Herrje, man darf nicht anfangen rumzustöbern, sonst stößt man auf noch auf “Das schönste Hotel des Sommers” (“Die Zeit” vom 29.07.2010) in St. Tropez … Wer es lieber deutsch mag, der kann mit Zeit Online “Auf Tour mit dem Feldberg-Ranger” gehen. Und wie es sich für ein Online-Angebot gehört, gibt es viele Links im Text …

Nachtrag 16.08.2010

Alles nur kleine Fische (wenn überhaupt …) im Vergleich zu dem was Peer Schader bei FAZ.NET im Fernsehblog sehr schön dokumentiert hat: “See-Schwäche auf allen Kanälen: Wie das Fernsehen der Kreuzfahrtindustrie verfiel”.

DerWesten zum Flashmob-Aufruf gegen den Duisburger OB

“Die Netzgemeinde mobilisiert sich gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Twitterer wollen sich am Mittwoch zu einem „Flashmob“ vor dem Duisburger Rathaus treffen. Um 17.30 Uhr wollen die Nutzer des Mikro-Blogs Adolf Sauerland zum Rücktritt auffordern”, heißt es im Einstieg eines Artikels bei DerWesten, der den Titel “Twitterer fordern Sauerland zum Rücktritt auf” trägt. Außerdem wird in dem Artikel auf eine Online-Petition verlinkt, die den Oberbürgermeister zum Rücktritt auffordert.

Klar muss bei dieser Katastrophe auch darüber berichtet werden, wie einige Menschen im Internet (ich halte “Die Netzgemeinde” für einen völlig unangemessenen Begriff, ebenso “des Mikro-Blogs”) mit ihrer Trauer aber auch mit ihrer Wut über das Geschehene und die vermeintlich Verantwortlichen umgehen. Dabei sollte allerdings gerade beim führenden lokalen Medium absolutes Fingerspitzengefühl angesagt sein, DerWesten, die “WAZ” tragen da große Verantwortung.

In dem Artikel wird nicht darauf hingewiesen, wer die Initiatoren dieses Flashmobs sind – es scheint sich um eine amorphe Masse zu handeln; ebenso verhält es sich bei der Online-Petition – es wird kein Urheber genannt. Da wurde einfach nicht recherchiert sondern nur plump aus dem Netz kopiert – Hauptsache, die Entwicklung wird spannend dokumentiert und “die Netzgemeinde” ist ja eh irgendwie okay. Ein gestern bei DerWesten veröffentlichter Artikel, der sich direkt unter dem “Flashmob”-Artikel befindet, weißt übrigens deutlich auf die Stimmungslage in Duisburg hin: “Morddrohungen – OB Sauerland versteckt Familie”.

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